Nicht geimpft! Eine Parabel

In diesem Forum kann sich jeder mit seinem Text der Kritik des Publikums stellen. Selbstverständlich auf eigene Gefahr ...
razorback
Phantasos
Beiträge: 1983
Registriert: 10.09.2002, 20:36
Wohnort: Leverkusen
Kontaktdaten:

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon razorback » 29.08.2007, 11:30

Andres, ganz kurz, damit Du nicht meinst, Du hättest ins Leere geantwortet: Ich bin im Moment unglaublich zu mit Arbeit (das ist bei mir etwas Gutes, ich bin Freiberufler :-D ) und wenn ich Zeit für O livro finde, möchte ich mich erst meiner Selbstverpflichtung widmen, und vom Fantasy-Filmfest berichten.

Deine Antwort ist sehr umfangreich, mit schnell mal querlesen und darauf antworten wird es also nicht getan sein. Kann also noch ein wenig dauern.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You

[) i r k
O livro Admin
Beiträge: 2920
Registriert: 19.01.2002, 21:41
Wohnort: Düsseldorf

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon [) i r k » 30.08.2007, 00:19

Ohne hier anecken oder stänkern zu wollen: Ich finde den Text belanglos und das Etikett "Eine Parabel" recht hoch gegriffen - angesichts des eher eindeutigen Inhalts.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

andres
Sphinx
Beiträge: 123
Registriert: 08.08.2007, 13:16
Wohnort: Stuttgart

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon andres » 02.09.2007, 13:20

Wie ich schon in obigen Kommentaren deutlich gemacht habe, umfasst die Aussage des Textes mehr als ein simples "ruhig mal auf die Schnauze fallen lassen“. Es geht um das Finden eines eigenen Standpunktes zwischen elterlichem Regelwerk und Protestattitüde.
Dabei ist ein „auf die Schnauze fallen“ sicherlich dem Lernprozess förderlich, dieser Lernprozess lässt sich aber nicht darauf reduzieren.

Wie du selber bestätigt hast, zeigt die heutige Erziehungspraxis hier Handlungsbedarf.
An diesem Punkt möchte ich dein Glaubensbekenntnis zitieren:

Zitat: „Nenn mich naiv, aber ich glaube durchaus an das Potential von Vernunft“

Ein Problem besteht, das sich durch eine vernünftige Herangehensweise wenigstens teilweise lösen lässt. Gerade dein Glaube spricht für eine Erörterung dieser Problematik in einem kreativen Text und gegen ein Primat des Stammhirns!

In deinem Kommentar hast du einige praktische Anwendungsbereiche schön skizziert. Ich hatte tatsächlich u.A. den Umgang mit Alkohol und dem ersten Freund/Freundin im Sinn. Im weiteren kritisierst du die fehlende Ambivalenz, die eine solche Anwendung ausschließt. Ich habe mich bemüht diese Ambivalenz durch die Faszination des Feuers einerseits und seine offensichtlichen Gefahren andererseits darzustellen. Dein Nachtrag relativiert deine Kritik zwar, lässt aber offen, warum das „in diesem Zusammenhang nicht funktioniert“.

Deine weitere Kritik weist größtenteils darauf hin, das mein Text wörtlich verstanden keinen Sinn macht. Das wurde aber in vorherigen Kommentaren schon von Ede und Razor festgestellt. Natürlich ist ein Kind mit 10 Jahren in der Lage, ein Feuer als gefährlich einzustufen. Das bestreite ich auch nicht.

In weiser Voraussicht hast du mein Argument (das ich jetzt angeführt hätte) vorweggenommen.

Zitat: „Mir ist schon klar, dass Feuer hier nur eine Analogie sein soll, aber eine Analogie funktioniert nicht, wenn dem Bereich zu dem die Analogie gezogen wird, genau jenes Element - in diesem Fall die Ambivalenz - fehlt, das die zu transportierende Aussage überhaupt erst gültig gemacht hätte.“

An entscheidender Stelle, nämlich wenn es darum geht zu begründen, warum die Ambivalenz nicht funktioniert, findet dein Nachtrag ein Ende. Schade.

Zu Dirk: Dein Kommentar erinnert mich an ein Simpsons- Zitat. Homer ist bei der Marine und wartet auf die Ansprache seines Kapitäns. Die Worte des Kapitäns möchte ich hier zitieren: „Morgen Männer. Ich bin kein Mann vieler Worte. Noch Fragen?“. :-)
werden.

[) i r k
O livro Admin
Beiträge: 2920
Registriert: 19.01.2002, 21:41
Wohnort: Düsseldorf

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon [) i r k » 02.09.2007, 23:07

Keine.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

mög
Sphinx
Beiträge: 170
Registriert: 14.08.2004, 13:18
Wohnort: Leonding

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon mög » 03.09.2007, 19:16

Tut mir leid, mein Kritik war vielleicht wirklich überflüssig, weil die Punkte schon angesprochen wurden. Ich habe ehrlich gesagt nicht alle Kommentare gelesen.

Warum die Analogie nicht funktioniert? Weil dein Text nie die symbolische Ebene erreicht. Es gibt darin nirgends eine Einladung, ihn nicht pragmatisch zu lesen, außer die Behauptung "Parabel" in der Überschrift. Das ist ein Fehler des Textes, nicht des Lesers.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)

andres
Sphinx
Beiträge: 123
Registriert: 08.08.2007, 13:16
Wohnort: Stuttgart

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon andres » 06.09.2007, 22:51

Ehrlich gesagt hätte ich mir an deiner Stelle (und in Anbetracht der Länge der Kommentare :-D ) auch nicht die Zeit genommen um alles genau durchzulesen.

Warum den Text symbolisch und nicht pragmatisch verstehen? Diese Frage habe ich in der Antwort an Razor auch angesprochen. Der Einfachheit halber möchte ich eine Stelle meiner Antwort zitieren.

Ich möchte dir nun zeigen, warum ich eine bestimmte (analysierende) Reaktion erwartet habe.
Wie schon treffend bemerkt, klingt meine Parabel im ersten, d.h. wörtlichen Sinn unlogisch.
...Die Schutzreaktion der Mutter ist notwendig und natürlich. Ein Junge weis mit 10 Jahren schon, dass ein Sprung in ein Lagerfeuer schmerzhaft ist...
An diesem Punkt könnte man einen Schlussstrich ziehen. Die Parabel macht keinen Sinn, sie enthält zu viele Adjektive, ist somit stilistisch angreifbar. Wahrscheinlich handelt es sich schlicht um einen missratenen Versuch.
Von anderen Autoren (z.B. Kafka) wissen wir aber, dass ein Text nicht notwendig auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen muss. Bestes Beispiel: Eine wörtliche Interpretation von Kafkas „Prozeß“ ist meiner Meinung nach schwierig. Warum gestehen wir dann nicht auch dieser Parabel weitere Bedeutungsebenen zu? Wie sind diese nun aber zu erschließen? Wir sehen die Handlung an sich einfach als größtenteils allegorisch und versuchen sie zu deuten. Ich habe auf eine solche Vorgehensweise in meinen Kommentaren erklärend hingewiesen. Warum sollte man sich aber die Arbeit machen....

.... wenn noch so viel Kafka unanalysiert im Schrank steht?

Ich habe diesen Text verfasst und in einem Literatur-Forum publiziert. Literatur ist ein wirklich großes Wort, seine Schwester heißt Interpretation. Viele literarische Werke muss mann analytisch-interpretierend erschließen (ein Beispiel folgt weiter unten)...
...Aus diesem Grund kann ich meiner Meinung nach auch eine genauere Betrachtung verlangen.


Wie sollte denn eine Einladung zum symbolischen Verstehen deiner Meinung nach aussehen?
werden.

mög
Sphinx
Beiträge: 170
Registriert: 14.08.2004, 13:18
Wohnort: Leonding

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon mög » 07.09.2007, 00:37

Schön, dass du Kafka erwähnst. Das ist nämlich genau der Punkt: Der hat seine Sachen so geschrieben, dass überhaupt niemand je auf die Idee kommen würde, sie pragmatisch zu lesen. Eine pragmatische Interpretation ist gar nicht möglich, weil die einfach von vornherein diesen alptraumhaften, grotesken Vibe haben. Bei deiner Geschichte ist eine pragmatische Interpretation aber sehr wohl möglich und die ist einfach nur doof.

Es gibt natürlich auch Sachen, die auf einer pragmatischen Ebene und auf einer symbolischen gleichzeitig funktionieren. Aber zu denen gehört dieser Text, worauf wir uns ja offenbar einigen können, eindeutig nicht.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)

mög
Sphinx
Beiträge: 170
Registriert: 14.08.2004, 13:18
Wohnort: Leonding

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon mög » 07.09.2007, 01:42

Nochwas, die meisten Leser werden, wenn sich eine pragmatische Leseart anbietet, diese auch wählen. Das ist nicht nur reine Bequemlichkeit, das ist auch durchaus vernünftig. (Occam's Razor - "all things being equal, the simplest solution tends to be the right one".)

Warum sollte der Leser dir dann eine zweite Chance geben? Kafkas Parabeln erschließen sich dem Leser auch nicht gleich beim ersten Mal, da hast du natürlich recht. Aber sie erzielen dennoch bereits beim ersten Lesen einen gewissen Effekt auf den Leser - verströmen einen Hauch (meistens mehr als einen Hauch) von Rätselhaftigkeit, vermitteln eine Ahnung, dass mehr dahinter steckt. Das Problem ist, dass dein Text schon beim ersten Lesen alle Fragen beantwortet (oder von mir aus zu beantworten scheint), nur eben nicht auf besonders intelligente Art. Es ist schon ziemlich klar, dass das ganze auf einen pädagogischen Hinweis hinausläuft (holzhammermäßig, würde ich fast sagen), aber da der Text wie eine Fallstudie wirkt und nicht wie eine Parabel, muss man vermuten, dass der Autor hier einfach nur das falsche Beispiel für eine allgemeine Regel gewählt hat, weil er die Thematik offenbar nicht differenziert genug betrachtet hat. Warum also weiter über etwas nachdenken, worüber der Autor _anscheinend_selbst nicht sehr lange nachgedacht hat?

Wie man diesen Hauch von Rätselhaftigkeit versprüht? Tja, ich kanns auch nicht. Als ich mal eine Parabel schreiben wollte, ist das auch nix geworden.

Meine Vermutungen, wie Kafka das mit der Rästelhaftigkeit hinkriegt:
Seine Parabelen lesen sich so so, als würde jemand einen Traum niederschreiben. Die Dinge geschehen unvermittelt, oft scheinbar zusammenhanglos. Zeitlos, ortlos. Die Angaben sind vage.(Konkrete Angaben wie "Johannes ist erst 2 Jahre alt" verankern den Text in der Realität - stattdessen "ich", "der Knecht", "der Bote", "der Hofbesitzer", "meine Schwester" - bei dir vielleicht "das Kind"). Widersprüche, bewusste, absichtliche Unklarheiten. Nimm nur mal diesen Satz:

"Ich weiß nicht, schlug sie aus Mutwillen ans Tor oder aus Zerstreutheit oder drohte sie nur mit der Faust und schlug gar nicht."

Das ist die Handlung, die die Geschichte ins Rollen bringt, das Kernstück quasi (die zitierte Parabel trägt den Titel "Der Schlag ans Hoftor"), und der Erzähler weiß nicht einmal mehr sicher, ob sie überhaupt stattgefunden hat? Da hat's doch was! Der Erzähler hat offensichtlich kein besonders gutes Gedächtnis. Wenn er sich an das nicht genau erinnern kann, vielleicht kann er sich an das folgende auch nicht genau erinnern? Hat sich das alles wirklich so zugetragen? Du siehst was passiert: Der Leser stellt sich Fragen. Der Leser deiner Parabel stellt sich keine. Und warum? Nicht weil Kafkas Leser ein eifriger Germanistikstudent ist und dein Leser ein fauler Ignorant, sondern weil Kafka seinen Leser dazu eingeladen hat und du nicht!

Wie gesagt, kein Versuch der Erklärung bei Kafka. Vor allem keine Erklärung. Dein Text erklärt viel zu viel. Es ist klar, warum Johannes im ersten Absatz in die Flamme greifen will - die Faszination des Unbekannten. (du verwendest praktischerweise sogar die Wörter fasziniert und unbekannt, einfacher kann man es dem Leser nun wirklich nicht machen). Es ist klar, warum in die Mutter davon abhält. (Keine Mutter würde wollen, dass ihr Kind sich weh tut). Den Zusammenhang zwischen dem Verbot der Mutter und der dadurch sogar noch verstärkten Faszination hast du dankenswerter Weise nur angedeutet und nicht in Großbuchstaben ausbuchstabiert, aber allzu schwer war das ja wohl auch nicht. Woher sollte der Leser denn wissen, dass er beim zweiten Absatz plötzlich selber über das Offensichtliche hinaus denken soll, wenn er beim ersten Absatz gleich gar nicht denken muss?

Bei Kafka hingegen habe ich keinen blassen Schimmer, warum die verdammte Schwester an das verdammte Hoftor klopft, während in deiner Geschichte jede einzelne Handlung küchenpsychologisch furchtbar einfach erklärbar ist und das macht Kafka doch schon mal um ein paar Ecken rätselhafter, nicht?
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)

andres
Sphinx
Beiträge: 123
Registriert: 08.08.2007, 13:16
Wohnort: Stuttgart

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon andres » 08.09.2007, 18:15

Zitat: Nochwas, die meisten Leser werden, wenn sich eine pragmatische Leseart anbietet, diese auch wählen.

Inwiefern habe ich eine pragmatische Lesart angeboten? Der zweite Teil meiner Parabel führt jeden pragmatischen Ansatz ( der vielleicht im ersten Teil durchschimmert) ad absurdum. Die Widersprüche sind so offensichtlich, dass man es aufgrund des Hinweises „Parabel“ schon als fahrlässig bezeichnen kann, bei der pragmatischen Interpretation zu bleiben.
Eine zweite Bedeutungsebene in Betracht zu ziehen ist überhaupt nicht außergewöhnlich und auch kein „literarischer Luxus“. Im Gegenteil, einige Werke leben ja gerade von einer Vielschichtigkeit, die sich eben nicht auf den ersten Blick erschließt. Als Beispiel hierfür habe in der letzten Antwort an Razor auf Fontanes Effi Briest hingewiesen. Es geht hier also nicht um „eine zweite Chance“, sondern „nur“ um eine angemessene Betrachtung.

Bleibt nur noch die Feststellung: Meine Einladung fehlt.

Natürlich kann und will ich nicht Kafkas Stilmittel benutzen, um eine solche Einladung (ein Hauch von Rätselhaftigkeit) auszusprechen. Genauso überflüssig wäre es, den Leser darauf hinzuweisen, dass literarische Texte zuweilen mehrere Bedeutungsebenen haben. Die Essenz meiner Einladung besteht in der Absurdität einer pragmatischen Lesart. Eine solche Art der Einladung finden wir, wie schon treffend bemerkt, u.A. bei Kafka.

Zitat: Woher sollte der Leser denn wissen, dass er beim zweiten Absatz plötzlich selber über das Offensichtliche hinaus denken soll, wenn er beim ersten Absatz gleich gar nicht denken muss?

Woher soll den der Leser wissen, dass er beim ersten Absatz nicht über das Offensichtliche hinaus denken soll? Wer zwingt denn den Leser zu einer pragmatischen Lesart? Eine pragmatische Herangehensweise nach dem Grundsatz: „the simplest solution tends to be the right one“ ist sicherlich oft bequem und nützlich. Ob das in einem literarischen Text aber grundsätzliche angewandt werden sollte, wage ich zu bezweifeln.
Wer mit einer solchen Einstellung Fontanes Effi Briest liest, hält die Exposition für eine langweilige Haus und Gartenbeschreibung.
werden.

mög
Sphinx
Beiträge: 170
Registriert: 14.08.2004, 13:18
Wohnort: Leonding

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon mög » 09.09.2007, 16:23

Das Schöne an der pragmatischen Leseart ist, dass man sie nicht anbieten muss. Auf die kommt der Leser von selbst.

Natürlich haben gute Texte einen symbolischen Mehrwert. Schlechte Texte aber nicht. Und dieser hier wirkt allererst mal einfach nur wie ein schlechter Text. (Diesen Eindruck könntest du durch so langweilige Sachen wie Stil und andere formale Kriterien übrigens übrigens gegensteuern. Dieser Text ist sprachlich langweilig - zb aufgrund sprachlicher Klischees wie "kleiner Händchen" zB, aber die anderen haben das ja bereits behandelt, warum sollte er also inhaltlich nicht langweilig sein?). Der symbolische Mehrweit eines Textes setzt eine gewisse Art von Intelligenz des Autors voraus.

Das ist der Unterschied: Die Widersprüche in deinem Text sind im Unterschied zu den Widersprüchen in Kafkas Text kein zwangsläufiger Verweis auf die symbolische Ebene, sondern könnten könnten einfach nur ein Hinweis sein, dass der Autor möglicherweise nicht besonders clever ist. Sie lassen den Text - wie übrigens bereits ausführlich erläutert - nicht rätselhaft wirken, sondern einfach nur schlecht durchdacht. Und warum? Bei Kafka merkt man, wie kunstvoll die Widersprüche gesetzt sind, bei dir wirken sie einfach nur wie Schlampigkeit. Du musst dir mehr Gedanken über die Wirkung von Sprache machen, wenn es dir ernst ist mit deiner Botschaft!

Verstehst du denn nicht, dieses zweite Mal Nachdenken des Lesers, dass wir Kafka und Fontane und den anderen gerne zugestehen, das nötig ist um den symbolischen Mehrweit zu erschließen, das muss sich der Autor erst verdienen! Dazu muss er kein großer Name sein, dazu muss uns einfach Grund zur Annahme geben, sein Text ein _guter_ Text ist, der das Nachdenken lohnt! Denn diese Welt wird überflutet von schlechten Texten (nicht nur im Internet), die oft wirklich so simpel und einfältig sind wie sie wirken, die wirklich eins zu eins zu nehmen sind, deren Botschaft nicht über eine Binsenweisheit hinausgeht. Und zu viel Zeit auf schlechte Texte zu verschwenden, ist tatsächlich ein Luxus.

Natürlich _kannst_ du stilistische Mittel einsetzen, um einen ähnlichen Effekt wie Kafka zu erreichen - ganz sicher nicht so gut wie er, aber zumindest in die Richtung könntest du gehen. Das Ergebnis wäre - wenn auch nicht Kafka - um Hausecken besser als das hier. Natürlich wäre es epigonenhaft, aber das für den Anfang zum Üben erst mal gar nicht schlecht und du könntest die Übung echt gebrauchen. Wenn du erst mal herausgefunden hast, wie Kafka das macht, kannst du vielleich auch einen eigenen Weg finden. Du scheinst einfach nur zu faul, dir darüber Gedanken zu machen, wie das gehen könnte.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr irritiert es mich, wie wenig du bereit bist, dir mit der Sprache Mühe zu geben. Ich wollte zuerst tatsächlich nur inhaltlich kritisieren, aber das ist gar nicht möglich - Inhalt, Sprache, Stil und Form müssen sich gegenseitig unterstützen, sind also in der Betrachtung nicht zu trennen. In einem guten Text zumindest.

Merkt du nicht, was du hier tust? Du erwartest vom Leser, dass er sich beim Interpretieren mehr Mühe gibt als du beim Schreiben. Und das ist ganz, ganz sicher der falsche Ansatz.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)

andres
Sphinx
Beiträge: 123
Registriert: 08.08.2007, 13:16
Wohnort: Stuttgart

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon andres » 10.09.2007, 21:41

Ein ruhig und sachlich geführter Gedankenaustausch ist eine wahre Bereicherung, findest du nicht auch?

Da du die Güte hattest mir einen Ratschlag zu geben, möchte ich mich umgehend revanchieren. Nietzsche legte seinem Zarathustra einst folgende Worte in den Mund:

Zitat:„ Zu jeder Seele gehört eine andere Welt; für jede Seele ist jede andere Seele eine Hinterwelt.“

Diese in Poesie gekleidete Weisheit zeigt, dass bei einem Urteil über Dritte Vorsicht angeraten ist. Mich wundert es, wie leichtfertig du über meine Motivation, meinen Fleiß und meine Vorstellungskraft urteilst. Unser relativ bescheidener Wortwechsel bildet wohl kaum eine ausreichende Grundlage für solcherlei Aussagen. Zudem greifst du nicht nur meinen Text sondern auch mich als Person an. Über meinen Text können wir gerne ausführlich diskutieren. Deine Aussagen über mich entbehren jedoch jeder Grundlage, man könnte sie auch als Beleidigung verstehen.

Dein Kommentar wirkt unsachlich und hat gegen Ende einen sehr emotionalen Charakter. Auf dieser Ebene möchte ich das Gespräch nicht fortsetzen. Es muss dir doch möglich sein, deine Kritik nüchtern und ohne verbale Tiefschläge zu formulieren.



Im Umgang mit Texten gibt es eine Art standardisierte Herangehensweise, die in ihren Grundzügen schon Schülern der 10. Klasse bekannt ist. Der Vorteil hierbei ist, dass wir mit dieser Methodik die Werke unbekannter Autoren sowie große Meisterwerke der Literatur gleichermaßen effektiv behandeln und verstehen können. Ein wichtiger Teil dieser Methodik ist die Untersuchung eventueller weiterer Bedeutungen. Ein weiterer Vorteil dieser Methodik besteht darin, dass wir uns einige Fragen (z.B. die Frage nach einer weiteren Bedeutung) prinzipiell stellen. Unsere subjektiven Werturteile ( du selber sprichst oft von „Annahmen“ oder „Eindrücken“) wie „langweilig“ oder „schlecht“ führen oft dazu, dass wir nicht weiter forschen und uns einiges verborgen bleibt. Deine Theorie des „Verdienens einer weiteren Bedeutungsebene“ hört sich zwar plausibel an, ist aber bei einer methodischen Herangehensweise überflüssig.

Im Allgemeinen ist es unmöglich die eigene Subjektivität zu eliminieren. Wenn man sich aber dieser Subjektivität bewusst ist, kann man entsprechend reagieren. Die gerade beschriebene Methodik ist eine solche Reaktion.

Um es noch einmal klar auszudrücken: Mir geht es nicht um eine Kafkaimitation. Ich möchte meinen Text nicht im Stile Kafkas als rätselhaft oder geheimnisvoll erscheinen lassen.
werden.

mög
Sphinx
Beiträge: 170
Registriert: 14.08.2004, 13:18
Wohnort: Leonding

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon mög » 11.09.2007, 14:20

Du hast recht, ich habe meine Kritik nicht unbedingt nach den Regeln der Kunst des konstruktiven Kritisierens formuliert. Ich glaube, du hättest, wenn du wolltest, trotzdem etwas daraus mitnehmen können, aber ich kann dich natürlich nicht zwingen.

Dabei haben wir beide im Grunde den gleichen Fehler gemacht: Wenn ich will, dass du über meine Kritik nachdenkst, hätte ich mir Mühe geben sollen, sie in einer gewissen Art zu schreiben, genauso wie du deinen Text auf eine bestimmte Art (Kafka ist nur ein Vorschlag, natürlich gibts da vermutliche exakt genau so viele Möglichkeiten, wie es auf der Welt gute Schriftsteller gab und geben wird) schreiben hättest müssen, damit ich darüber nachdenke. (Nur, dass es mir im Grunde egal sein kann, ob du über meine Kritik nachdenkst oder nicht). Irgendwie ironisch, nicht?
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)

Kato
Hydra
Beiträge: 90
Registriert: 23.10.2004, 22:40

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon Kato » 12.09.2007, 01:27

Hallo andres,

da hab ich mich jetzt ganz unvoreingenommen durch deinen Text, sämtliche daran anschließenden Kommentare und daran anschließend erneut durch deinen Text gearbeitet - und finde in all dem nichts, was meinen ersten Leseeindruck widerlegt.
Nämlich den, dass du hier einen weder sprachlich noch inhaltlich gehaltvollen
Text ablieferst, sondern einen einfach nur in jeder Hinsicht banalen.

Auch deine eloquenten Bemühungen, diesem Text im Nachhinein eine oder mehrere noch höhere und/oder tiefere Bedeutungsebenen beizugeben, scheitern hier für mich ganz kläglich am Sujet.

Damit hättest du dann also mit mir einen weiteren von diesen ‚ignoranten’ Lesern mehr ;o) - aber zeig doch bitte noch mehr von dir!

Kato

[) i r k
O livro Admin
Beiträge: 2920
Registriert: 19.01.2002, 21:41
Wohnort: Düsseldorf

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon [) i r k » 12.09.2007, 19:40

Hallo.
Auch deine eloquenten Bemühungen, diesem Text im Nachhinein eine oder mehrere noch höhere und/oder tiefere Bedeutungsebenen beizugeben, scheitern hier für mich ganz kläglich am Sujet.

Ich möchte mich dieser Meinung anschließen, da sie für mich den Nagel auf den Kopf trifft.

Ich möchte noch folgendes hinzufügen: Ich wünschte, Andres, du hättest den größeren Teil deiner Geduld und des Fleißes, den du jetzt in die Verteidigung und Rechtfertigung deines Textes sowie zur Abwehr und Hinterfragung der Rezensentenmeinungen aufgewendet hast, in die Arbeit an deinem (ausbaufähigen) Text angelegt.

Bitte versteh mich nicht falsch: Die Diskussion, die hier geführt wird, ist gut - es ist Textarbeit und du hast alles Recht der Welt, deinen Text gut zu finden und gegen andere Meinungen zu behaupten. Nur: Der bessere Weg ist eben, dass dein Text selbst das leistet. Die besten Texte sind mithin diejenigen, die viel Gesprächsstoff bieten, ohne dass der Autor seinen Text erklären oder anderen Interpretationen / Lesarten widersprechen muss. Ich hoffe sehr, du beherzigst einige der hier angemerkten, verbesserungswürdigen Stellen.

MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

andres
Sphinx
Beiträge: 123
Registriert: 08.08.2007, 13:16
Wohnort: Stuttgart

Re: Nicht geimpft! Eine Parabel

Beitragvon andres » 20.09.2007, 14:40

Eine kurze Stellungnahme zu den letzten Kommentaren:

Die in dieser Diskussion kritisierten Punkte habe ich noch einmal überdacht. Das Ergebnis möchte ich hier zusammenfassen.

1. Form und Stil sind verbesserungswürdig, sie laden nicht gerade zu einer genaueren Betrachtung des Textes ein.
2. Trotzdem (oder gerade deshalb) hat sich eine rege Diskussion ergeben.
3. Der Inhalt wird wiederholt als banal bezeichnet, leider bleibt es bei dieser einfachen Benennung. Eine Begründung vermisse ich. Lediglich Mög hat sich die Mühe gemacht und hat seine Kritik durch Textbeispiele untermauert .
4. Der banale Eindruck wird meiner Ansicht nach u.a. durch die Überschrift erzeugt. Sie stellt zwar ein Motiv des Textes dar, wirkt aber wie eine inhaltliche Einschränkung. Daher auch der Eindruck einer "ruhig mal auf die Schnauze fallen lassen“- Weisheit.

mfg

andres
werden.


Zurück zu „Texte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste