Aber es sind doch gar nicht lauter Künstler. (Columbus, Kassandra, Jesus).
Abgesehen davon enthält die Kategorie "Künstler" bzw, was ich eher sagen würde: "historische/legendäre Persönlichkeit" ja noch überhaupt keine moralische Wertung, also warum nicht Hitler einreihen?
Künstler, historische bzw. legendäre Persönlichkeiten sind doch nicht zwangsläufig gut Menschen. Wer würde das schon behaupten?
wer wir sind
Re: wer wir sind
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: wer wir sind
Und noch was: Ich glaube nicht, dass es automatisch bedeutet, den Nationalsozialismus zu relativieren, wenn man die Person Hitler relativiert. Von wegen "Banalität des Bösen" und so.
Problematisch ist doch viel eher das Gegenteil - eine Dämonisierung Hitlers, Eva-Hermann-Style: "Da war einmal dieser ganz böse, völlig abnormale und sicher einzigartige (wie beruhigend) Typ, der uns alle (bzw. Oma und Opa) verführt hat, aber der ist ja jetzt tot und kommt sicher nicht wieder, also warum die Hysterie?Gewisse Ideen waren ja auch gar nicht sooooo schlecht."
Allerdings gebe ich zu, dass man über die Notwendigkeit dieser Hitler-Referenz in diesem Kontext diskutieren kann. Wahrscheinlich hab ich's nämlich zuerst unterbewusst absichtlich überlesen, weil mich solche Sachen in der Regel auch nerven. Nicht wegen irgendwelcher moralischer Implikationen, sondern aufgrund einer gewissen Überflüssigkeit in vielen Zusammenhängen.
Das Wort "Hitler" wird einfach zu oft eingesetzt um plump zu provozieren oder eine Relevanz vorzutäuschen, die der Text dann einfach nicht hat. (Diesen Text selbst finde ich schon sehr relevant, aber die Hitler-Referenz an sich wird einfach oft in ärgerlicher Weise instrumentalisiert).Das ist eher ein intertextuelles Problem.
"Hitler" ist rein aesthetisch gesehen einfach ein sehr greller Effekt, weil das Wort bei vielen Menschen sofort starke Emotionen auslöst - (und weil es sofort dazu einlädt eine moralische Ebene einzuziehen, die der Text vielleicht gar nicht braucht; ist mir grad aufgefallen, weil "Hitler- rein aesthetisch gesehen" schon mal Scheiße klingt, sowas kann man ja eigentlich nicht tun). Das kann einem Text unter Umständen schaden, wenn es für seine Botschaft nicht unbedingt erforderlich ist. Ob das hier der Fall ist, kann man durchaus diskutieren.
Problematisch ist doch viel eher das Gegenteil - eine Dämonisierung Hitlers, Eva-Hermann-Style: "Da war einmal dieser ganz böse, völlig abnormale und sicher einzigartige (wie beruhigend) Typ, der uns alle (bzw. Oma und Opa) verführt hat, aber der ist ja jetzt tot und kommt sicher nicht wieder, also warum die Hysterie?Gewisse Ideen waren ja auch gar nicht sooooo schlecht."
Allerdings gebe ich zu, dass man über die Notwendigkeit dieser Hitler-Referenz in diesem Kontext diskutieren kann. Wahrscheinlich hab ich's nämlich zuerst unterbewusst absichtlich überlesen, weil mich solche Sachen in der Regel auch nerven. Nicht wegen irgendwelcher moralischer Implikationen, sondern aufgrund einer gewissen Überflüssigkeit in vielen Zusammenhängen.
Das Wort "Hitler" wird einfach zu oft eingesetzt um plump zu provozieren oder eine Relevanz vorzutäuschen, die der Text dann einfach nicht hat. (Diesen Text selbst finde ich schon sehr relevant, aber die Hitler-Referenz an sich wird einfach oft in ärgerlicher Weise instrumentalisiert).Das ist eher ein intertextuelles Problem.
"Hitler" ist rein aesthetisch gesehen einfach ein sehr greller Effekt, weil das Wort bei vielen Menschen sofort starke Emotionen auslöst - (und weil es sofort dazu einlädt eine moralische Ebene einzuziehen, die der Text vielleicht gar nicht braucht; ist mir grad aufgefallen, weil "Hitler- rein aesthetisch gesehen" schon mal Scheiße klingt, sowas kann man ja eigentlich nicht tun). Das kann einem Text unter Umständen schaden, wenn es für seine Botschaft nicht unbedingt erforderlich ist. Ob das hier der Fall ist, kann man durchaus diskutieren.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: wer wir sind
Die Cook-Strophe finde ich übrigens nett. Wo liegt das Problem?
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: wer wir sind
hallo ihr
ich habe kein künstlergedicht schreiben wollen, es sind leute aus allen zeiten und kulturen ... hitler war ja maler, also auch ein künstler ... ich hätte ihn auch maler werden lassen können, aber mir war die suizidität wichtig (und maler machen seltener selbstmord als sänger).
für mich hat hitler vom ersten tag an einen ellenlangen selbstmord inszeniert (mit "hilfe" des dt. volkes).
überhaupt: die nazis waren für mich wohl die erste regierung der neuzeit, die vorwiegend von "künstlermenschen" besetzt wurde. künstler sollten nicht in die politik ... hitler war maler, goebbels war schriftsteller, göring hatte ein faible für esoterik ... das waren alles fantasten und träumer, die eigentlich in der kunst hätten bleiben sollen ...
weshalb ich leute wie reagan oder schwarzenegger eher misstraue, wenn sie in die politik gehen ...
künstler spielen eine andere klaviatur, der geist und pragmatismus ist da weniger vordringlich, es geht um emotion; aber politik und emotion, wo führt das hin?
(gestern hatte ich die idee, mal einen dialog im himmel oder der hölle zu notieren, wo hitler sich mit jesus unterhält ...)
ich habe kein künstlergedicht schreiben wollen, es sind leute aus allen zeiten und kulturen ... hitler war ja maler, also auch ein künstler ... ich hätte ihn auch maler werden lassen können, aber mir war die suizidität wichtig (und maler machen seltener selbstmord als sänger).
für mich hat hitler vom ersten tag an einen ellenlangen selbstmord inszeniert (mit "hilfe" des dt. volkes).
überhaupt: die nazis waren für mich wohl die erste regierung der neuzeit, die vorwiegend von "künstlermenschen" besetzt wurde. künstler sollten nicht in die politik ... hitler war maler, goebbels war schriftsteller, göring hatte ein faible für esoterik ... das waren alles fantasten und träumer, die eigentlich in der kunst hätten bleiben sollen ...
weshalb ich leute wie reagan oder schwarzenegger eher misstraue, wenn sie in die politik gehen ...
künstler spielen eine andere klaviatur, der geist und pragmatismus ist da weniger vordringlich, es geht um emotion; aber politik und emotion, wo führt das hin?
(gestern hatte ich die idee, mal einen dialog im himmel oder der hölle zu notieren, wo hitler sich mit jesus unterhält ...)
Re: wer wir sind
oh je ich hau ab
Wenn jemand auf der Stelle tritt und tut dabei niemanden weh, das ist ein schlechter Dichter
Re: wer wir sind
hilbi, falls du jetzt denkst, dass ich sagen wollte, dass künstler irgendwas mit nazis gemein oder zu tun haben, dann habe ich mich nicht treffend genug ausgedrückt.
aber ich sehe im künstler ein spielerisches element wirksam ... und spielerei in der politik ... ist unverantwortlich ... jetzt klarer?
aber ich sehe im künstler ein spielerisches element wirksam ... und spielerei in der politik ... ist unverantwortlich ... jetzt klarer?
Re: wer wir sind
ach....nee...ich habe keine lust auf so eine diskussion, die führt ja zu nix...du willst sicher nicht die nazis verherrlichen und ich habe keine lust den moraliker zu spielen, dazu ist der tag heute viel zu traurig...
Wenn jemand auf der Stelle tritt und tut dabei niemanden weh, das ist ein schlechter Dichter
Re: wer wir sind
was ist denn passiert?
mein tag war auch traurig. aber wunderschön traurig.
wie eine blume, die blüht.
schön und traurig.
nur wenige blumen sind orchideen.
die meisten blühen nur ein paar tage ...
mein tag war auch traurig. aber wunderschön traurig.
wie eine blume, die blüht.
schön und traurig.
nur wenige blumen sind orchideen.
die meisten blühen nur ein paar tage ...
Re: wer wir sind
Hm, ich fürchte eher, dass ich den guten Herrn mit H vertrieben habe. Wegen der Terminologie. Tut mir leid.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: wer wir sind
du?
ich dachte, ich wärs gewesen.
vermutlich stimmt drittes: alle beide ...
ich dachte, ich wärs gewesen.
vermutlich stimmt drittes: alle beide ...
-
Herbert Eiter
- Orpheus
- Beiträge: 267
- Registriert: 04.01.2004, 19:30
Re: wer wir sind
Gefällt mir ausgesprochen gut, Herr Glaukos.
Wobei dieses Sujet zeigt, wie schön man neue Querverbindungen/neue Zusammenhänge herstellen kann.
Hitler in eine Reihe mit Jesus von Nazareth zu stellen ist mutig - grenzwertig - und auf jeden Fall (und ich denke auch gewollt) provokativ. Ich bin sicher, man kann eine ganze Menge dagegen sagen. Aber ich habe festgestellt, dass es (für mich persönlich) funktioniert und Sinn macht, was vor allem an der Überschrift und an der letzten Zeile liegt:
Das Genie und der Volksdaemon, der Entdecker und der Heilsbringer sind - jeder für sich - einzigartig in der Geschichte. Aber Ihre Eigenschaften, einzelne Kennzeichen Ihrer Persönlichkeit sind durchaus nicht singulär und auch nicht vollkommen jenseits des Mainstreams der Menschheit, wie sie oft "stilisiert" werden. Jeder von uns kann im Besten wie im Schlechtesten einen Bruchteil von sich selbst wiedererkennen. Das ist es, was Geschichte und vor allem Biographien (!) einerseits so spannend, andererseits so wichtig für das Verstehen unserer Gegenwart macht. Größenwahn z.B. ist wieder sehr in Mode gekommen - heute mehr denn je in der Wirtschaft als in der Politik. Eine Rendite von 30 % p.a. ist m.E. nichts anderes als Größenwahn.
Derartige Vergleiche zu ziehen ist mutig, sie im öffentlichen Raum zu äußern Selbstmord und in einigen "Zusammenhängen" so zutreffend, dass es schon wieder trivial ist: Alles schon dagewesen. Alles ein wiederkehrend sich Gleichendes.
Allzu menschlicher Gruß,
H. Eiter
Wobei dieses Sujet zeigt, wie schön man neue Querverbindungen/neue Zusammenhänge herstellen kann.
Hitler in eine Reihe mit Jesus von Nazareth zu stellen ist mutig - grenzwertig - und auf jeden Fall (und ich denke auch gewollt) provokativ. Ich bin sicher, man kann eine ganze Menge dagegen sagen. Aber ich habe festgestellt, dass es (für mich persönlich) funktioniert und Sinn macht, was vor allem an der Überschrift und an der letzten Zeile liegt:
((und du bist es auch))
Das Genie und der Volksdaemon, der Entdecker und der Heilsbringer sind - jeder für sich - einzigartig in der Geschichte. Aber Ihre Eigenschaften, einzelne Kennzeichen Ihrer Persönlichkeit sind durchaus nicht singulär und auch nicht vollkommen jenseits des Mainstreams der Menschheit, wie sie oft "stilisiert" werden. Jeder von uns kann im Besten wie im Schlechtesten einen Bruchteil von sich selbst wiedererkennen. Das ist es, was Geschichte und vor allem Biographien (!) einerseits so spannend, andererseits so wichtig für das Verstehen unserer Gegenwart macht. Größenwahn z.B. ist wieder sehr in Mode gekommen - heute mehr denn je in der Wirtschaft als in der Politik. Eine Rendite von 30 % p.a. ist m.E. nichts anderes als Größenwahn.
Derartige Vergleiche zu ziehen ist mutig, sie im öffentlichen Raum zu äußern Selbstmord und in einigen "Zusammenhängen" so zutreffend, dass es schon wieder trivial ist: Alles schon dagewesen. Alles ein wiederkehrend sich Gleichendes.
Allzu menschlicher Gruß,
H. Eiter
and all the lousy little poets coming round ...
-
Herbert Eiter
- Orpheus
- Beiträge: 267
- Registriert: 04.01.2004, 19:30
Re: wer wir sind
p.s. War Jesus glücklich? Seit ich dieses Gedicht gelesen habe, geistert mir diese Frage durch den Kopf.
and all the lousy little poets coming round ...
Re: wer wir sind
hey dirk, merci fürs kommentieren.
ob jesus glücklich war? aber sicher. wer huren die füße waschen darf - ich meine, wer könnte da glücklicher sein?
außerdem war ja alles nur ein spiel. das evangelium ist ja recht deutlich zu lesen, dass jesus halt dieses opfer bringen musste, damit die menschen erlöst würden. er wusste ja, der liebe papa im himmel wird ihn wieder heilmachen ... wer würde nicht, wenn er ein engelchen ist, und wenn papa gott ihm sagt: du, magst mal runter auf die erde, jesus spielen, huren die füße waschen und so ... und dann am kreuz sterben ... und dann war alles nur ein joke, weißt du, du bist gar nicht tot, darfst sogar nochmal runter und allen als geist deine wundmale zeigen, wie die gucken werden ... wer würde da nicht sagen, ja, papa gott, schick mich runter zu diesen armen menschen ...
das mit hitler+christus in einem gedicht; ach, da gibts doch schon lange songs etc, tanz den mussolini etwa, wenn dir das was sagt ...
ich wollte doch niemanden provozieren, ich doch nicht
ob jesus glücklich war? aber sicher. wer huren die füße waschen darf - ich meine, wer könnte da glücklicher sein?
außerdem war ja alles nur ein spiel. das evangelium ist ja recht deutlich zu lesen, dass jesus halt dieses opfer bringen musste, damit die menschen erlöst würden. er wusste ja, der liebe papa im himmel wird ihn wieder heilmachen ... wer würde nicht, wenn er ein engelchen ist, und wenn papa gott ihm sagt: du, magst mal runter auf die erde, jesus spielen, huren die füße waschen und so ... und dann am kreuz sterben ... und dann war alles nur ein joke, weißt du, du bist gar nicht tot, darfst sogar nochmal runter und allen als geist deine wundmale zeigen, wie die gucken werden ... wer würde da nicht sagen, ja, papa gott, schick mich runter zu diesen armen menschen ...
das mit hitler+christus in einem gedicht; ach, da gibts doch schon lange songs etc, tanz den mussolini etwa, wenn dir das was sagt ...
ich wollte doch niemanden provozieren, ich doch nicht
Re: wer wir sind
*schnief* du babar! jesus wird dich dafür nicht retten! 
Höflichkeit ist der Versuch, Menschenkenntnis durch gute Manieren zu mildern. (Jean Gabin)
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