Martin schläft gern mit Männern. Mit welchen, warum, wie oft, auf welche Weise? Kein Geheimnis für jeden, der jemals Gelegenheit hatte, auch nur flüchtig Martins Bekanntschaft zu machen. Denn mindestens ebenso gerne, wie er mit Männern schläft, redet er auch darüber.
Das beschäftigt mich, weil es in mir einen Zug zu Tage fördert, auf den ich nicht unbedingt stolz bin – einen säuerlichen Zug um die Mundwinkel nämlich. Wenn mir Martins Ausführungen zum Thema zu graphisch geraten, verziehe ich das Gesicht. Und wenn eine seiner Andeutungen über eher obskure Sexualpraktiken ausnahmsweise etwas subtiler ausfällt, so dass sich tatsächlich jemand in der Runde bemüßigt fühlt, nachzufragen, bin unfehlbar ich es, die so schnell wie möglich etwaige Erläuterungen im Keim erstickt. „Das wollen wir lieber nicht näher erforschen“. „Das muss ich es jetzt eigentlich gar nicht so genau wissen“. Solche Sachen sage irgendwie immer nur ich.
Das mag durchaus auch damit zu tun haben, dass es bei mir selbst in dieser Hinsicht meist eher wenig zu berichten gibt. Kann sein, dass ich solche Gespräche nicht goutiere, weil sie mich so unangenehm an diesen Umstand erinnern. Kann sein, dass ich einfach nur lieber etwas Distanz wahre und ungern zu früh zu tiefe Einblicke in die Intimsphäre anderer Leute erhalte. Kann sein, dass mich die Dominanz dieses Themas in Gesprächen mit Martin, die Redundanz der darin verpackten Kern-Information irgendwann auch einfach etwas langweilt. Ja, Martin, du bist schwul. Nach der lückenloser Aufzählung deiner gesammelten Eroberungen, der ich bereits bei unserer letzten Begegnung lauschen durfte und auf der weibliche Namen irgendwie frappant unterrepräsentiert waren, hätte ich beinahe schon etwas in dieser Richtung vermutet.
Vielleicht bin ich auch einfach nur prüde und verklemmt.
Nur eines bin ich sicher nicht: homophob. Niemand wird mir vorwerfen können, dass ich bei heterosexuellen Männern und Frauen, die mich ungefragt allzu detailliert an ihrem Sexualleben teilhaben lassen, nicht ebenso indigniert das Gesicht verziehe. Und ich habe auch mindestens ebenso oft Gelegenheit dazu. Ich hätte auch Walter oder Angela als Beispiel wählen können – beide recht ostentativ dem jeweils anderem Geschlecht zugetan und nicht minder auskunftsfreudig, was ihre entsprechenden Aktivitäten betrifft.
Die Sache ist nur die, dass ich bei Martin interessantere Gründe hinter diesem Verhalten vermute. Bei Angela und Walter gehe ich davon aus, dass sie erstmal einfach nur ein wenig angeben wollen. Oder mich ein bisschen schockieren, weil ich dann immer so lustig das Gesicht verziehe. Das will Martin vermutlich auch, zu einem guten Teil. (Ich sehe wirklich sehenswert bescheuert aus mit meinem Zitronengesicht.). Aber bei Martin steckt vielleicht mehr dahinter. Das ist mir allerdings erst unlängst klar geworden, als ich mich an Gerry erinnert habe.
Gerry war der Schrecken meiner Kindergartenzeit. Etwas größer und kräftiger als die anderen Buben konnte er einem ganz schön Angst einjagen, wenn er wütend war. Und wütend war er oft. Man kam ihm dann besser nicht in die Quere, das hatte ich bereits beobachtet und suchte vorsorglich schleunigst das Weite, sobald er nur um die Ecke bog. Kein anderes Kind war schließlich so oft in Prügeleien verwickelt wie er. Als er in der Volksschule der Parallelklasse zugeteilt wurde, war ich erleichtert und verlor ihn schnell aus den Augen. Ich dachte nicht mehr an ihn, bis ich eines Tages seine Cousine im Bus traf. Zum ersten Mal hörte ich die Geschichte aus Gerrys Perspektive.
Komisch, ich hatte mich immer nur vor Gerrys Wut gefürchtet, mich aber nie gefragt, warum er so wütend war. Wie sich heraus stellte, hatte er einen Grund. Gerrys linke Hand war durch einen Unfall in seiner frühen Kindheit beschädigt worden und er wurde deswegen ständig von den anderen Kindern ausgeschlossen und verhöhnt. Von mir auch? Ich könnte mich nicht darin erinnern, jemals etwas über Gerrys Hand gesagt zu haben; ich hatte ihr doch offensichtlich nie viel Beachtung geschenkt. Warum sonst hätte ich sie beinahe vergessen im Lauf der Jahre? Als Gerrys Cousine davon anfing, war das ein Aha-Erlebnis für mich: „Achja, der hatte ja was an der Hand“ – es war bestimmt nicht das erste, was mir zu Gerry eingefallen wäre.
Und doch ist es verdächtig, dass ich so blind gewesen bin für den Zusammenhang zwischen Gerrys Hand und seinem Verhältnis zu den anderen Kindern. Vielleicht hatte ich Grund, etwas zu verdrängen, weil ich Grund hatte, mich für etwas zu schämen.
Vielleicht war ich aber auch nur blind, weil ich ein Kind war. Kinder mögen sich viele Fragen stellen – warum ist Schnee kalt, warum sagt man zum Haus Haus? – aber eine gewisse Art von Fragen stellen sie sich eher selten. Warum manche Menschen so wütend sind, zum Beispiel. Oder warum ein Rechtshänder dir immer die linke Hand gibt, wenn er dich begrüßt.
Es ist eine Vorwarnung. Sieh her, das bin ich. Das ist meine linke Hand. Manche Menschen machen blöde Bemerkungen darüber. Wenn du zu diesen Menschen gehörst, mach deine blöde Bemerkung lieber gleich, damit ich weiß, dass ich dich abschreiben kann – mach sie, bevor ich meine Zeit an dich verschwende.
Du musst so viel über mich wissen, weil ich etwas über dich wissen muss. Da ist etwas an mir, dass ich nicht verbergen will, auch wenn es bei vielen Leuten auf Ablehnung stößt – das ich auch gar nicht verbergen könnte; nicht, ohne mich selbst zu verraten. Wenn du damit nicht umgehen kannst, hat jede weitere Interaktion zwischen uns keinen Sinn.
Es ist ein Test.
Deshalb gibt Gerry dir immer die linke Hand. Deshalb redet Martin so viel über Analsex. Und wer weiß, vielleicht gebe ich mich deshalb auch manchmal gar so gouvernantenhaft.
Die linke Hand
Die linke Hand
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Die linke Hand
Endlich!
Bin zwar gerade ein bisschen eingeschraubstockt (von der Zeit), um einen wirklichen brauchbaren Kommentar abzugeben (was ich mir nachzuholen in den nächsten Tagen vornehme), aber soviel musste ich vorweg schon mal sagen.
Lieben Gruß.
Bin zwar gerade ein bisschen eingeschraubstockt (von der Zeit), um einen wirklichen brauchbaren Kommentar abzugeben (was ich mir nachzuholen in den nächsten Tagen vornehme), aber soviel musste ich vorweg schon mal sagen.
Lieben Gruß.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Die linke Hand
salut mög!
fast schon essaihaft, hat etwas von einer kolumne ... weil es auch mit hirn geschrieben ist.
irgendwie war ich aber nach den ersten zeilen darauf gepolt, was deftiges zu lesen zu bekommen aus dem geschlechtsleben deines eingeführten prots, wurde dann allerdings schnell und geschickt umgeleitet ... die hand-story ist schlüssig, aber den kontext zu dem analen kann ich da nicht zu 100 prozent erkennen. aber vielleicht muss das im unterbewusstsein noch etwas nachwirken ...
finde ich allerdings gut, erwartungen aufzubauen und dann nicht zu befriedigen. hat den lolita-effekt in nucleo. du kennst das buch bestimmt ... erst denkt der leser, es geht um wilden pädo-sex, und nach 50 seiten etwa wirds eine superromantische losergeschichte vom armen onkel humbert humbert.
auch du beginnst mit einem angeber, der wie ein winner daherkommt, und dann gehst du über zu einem angeber, der eigentlich nur ein loser ist ... und demaskierst damit die angeberei an sich.
... das sind meine betrachtungen zu diesem thema.
herzlich, tolya
(eine nicht unbedingt ernst zunehmende geschmacklosigkeit am ende: gilt eigentlich eine darmspiegelung auch schon als av?
fast schon essaihaft, hat etwas von einer kolumne ... weil es auch mit hirn geschrieben ist.
irgendwie war ich aber nach den ersten zeilen darauf gepolt, was deftiges zu lesen zu bekommen aus dem geschlechtsleben deines eingeführten prots, wurde dann allerdings schnell und geschickt umgeleitet ... die hand-story ist schlüssig, aber den kontext zu dem analen kann ich da nicht zu 100 prozent erkennen. aber vielleicht muss das im unterbewusstsein noch etwas nachwirken ...
finde ich allerdings gut, erwartungen aufzubauen und dann nicht zu befriedigen. hat den lolita-effekt in nucleo. du kennst das buch bestimmt ... erst denkt der leser, es geht um wilden pädo-sex, und nach 50 seiten etwa wirds eine superromantische losergeschichte vom armen onkel humbert humbert.
auch du beginnst mit einem angeber, der wie ein winner daherkommt, und dann gehst du über zu einem angeber, der eigentlich nur ein loser ist ... und demaskierst damit die angeberei an sich.
... das sind meine betrachtungen zu diesem thema.
herzlich, tolya
(eine nicht unbedingt ernst zunehmende geschmacklosigkeit am ende: gilt eigentlich eine darmspiegelung auch schon als av?
Re: Die linke Hand
. auch du beginnst mit einem angeber, der wie ein winner daherkommt, und dann gehst du über zu einem angeber, der eigentlich nur ein loser ist ...
Schließe ich richtig aus deinem vorigen Absatz über Humbert Humbert das für dich "loser" nicht ausschließlich konventionell negativ besetzt ist?
Ich kann mit den Kategorien loser und winner allerdings mittlerweile oft nicht mehr viel anfangen.
Mir ging es eigentlich weniger darum Angeberei zu demaskieren als sie zu erklären - als eine Aufforderung an den anderen sich zu demaskieren, falls es denn etwas zu demaskieren gibt. Aber vielleicht hast du ohnehin das gemeint?
Danke für die Einordnung in Richtung Essay - so was ungefähr hätte es auch werden sollen, freut mich, wenn es hinkommt.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Die linke Hand
ja, du hast dein ziel wohl erreicht ...
"lolita" ist für mich ein buch, das zugleich ein anti-buch ist. es ist ziemlich platt geschrieben für ein nabokov-buch, insbesondere der anfang, der ist fast slapstickhaft gehalten. aber dann kippt die story um in ein ganz anderes genre. das fand ich bezaubernd: dass einer es wagt, die erwartungshaltung des lesers komplett zu drehen und ihn somit auch zu entlarven. es wäre fast so, wenn du mit einem krimi beginnst, von wegen leiche und soweiter, und der kommissar verknallt sich in die trauernde witwe und es wird eine romantische geschichte, in der es gar nicht mehr um den ermordeten geht.
(in der filmkunst ist mir ähnliches nur bei kubricks "clockwork orange" untergekommen ...)
winner und loser - vielleicht denke ich da noch in schablonen. es sind ohnehin immer momentaufnahmen. viele winner werden loser irgendwann; eigentlich fast alle, spätestens wenns ans sterben geht
ein "winner" ist für mich einer, den man heimlich beneidet um ein leben, das man selbst nicht zu leben wagt.
ein "loser" ist einer, den man bedauert und an dem man sich selbst aufbaut: "hab ich doch nicht alles falsch gemacht".
"lolita" ist für mich ein buch, das zugleich ein anti-buch ist. es ist ziemlich platt geschrieben für ein nabokov-buch, insbesondere der anfang, der ist fast slapstickhaft gehalten. aber dann kippt die story um in ein ganz anderes genre. das fand ich bezaubernd: dass einer es wagt, die erwartungshaltung des lesers komplett zu drehen und ihn somit auch zu entlarven. es wäre fast so, wenn du mit einem krimi beginnst, von wegen leiche und soweiter, und der kommissar verknallt sich in die trauernde witwe und es wird eine romantische geschichte, in der es gar nicht mehr um den ermordeten geht.
(in der filmkunst ist mir ähnliches nur bei kubricks "clockwork orange" untergekommen ...)
winner und loser - vielleicht denke ich da noch in schablonen. es sind ohnehin immer momentaufnahmen. viele winner werden loser irgendwann; eigentlich fast alle, spätestens wenns ans sterben geht
ein "winner" ist für mich einer, den man heimlich beneidet um ein leben, das man selbst nicht zu leben wagt.
ein "loser" ist einer, den man bedauert und an dem man sich selbst aufbaut: "hab ich doch nicht alles falsch gemacht".
Re: Die linke Hand
Hallo mög,
ich bin jetzt erst auf die Texte gestoßen, also auch auf deinen. Dein Essay gefällt mir. Ich war erst gespannt darauf, was der Martin denn so erzählt..., aber dann kam es ja anders. Die Andeutungen machen auf jeden Fall sehr neugierig auf das, was danach kommt (sex sells). Den Sprung über die Kindheitserfahrung mit dem Jungen fand ich persönlich inhaltlich nicht so spannend. Da kann ich aber nicht so sagen, woran das liegt, ist nur so ne Laune.
Über diesen Satz bin ich gestolpert:
Die Wendung "interessantere Gründe" scheint mir nicht ganz treffend zu sein.
Der Dreh zur Auflösung und das Ende, indem du deine Selbsterkenntnis mit einem Zwinkern preis gibst, gefallen mir gut. Das macht dich als Erzählerin sympathisch
)
Lieber Gruß,
KaRe
ich bin jetzt erst auf die Texte gestoßen, also auch auf deinen. Dein Essay gefällt mir. Ich war erst gespannt darauf, was der Martin denn so erzählt..., aber dann kam es ja anders. Die Andeutungen machen auf jeden Fall sehr neugierig auf das, was danach kommt (sex sells). Den Sprung über die Kindheitserfahrung mit dem Jungen fand ich persönlich inhaltlich nicht so spannend. Da kann ich aber nicht so sagen, woran das liegt, ist nur so ne Laune.
Über diesen Satz bin ich gestolpert:
Die Sache ist nur die, dass ich bei Martin interessantere Gründe hinter diesem Verhalten vermute.
Die Wendung "interessantere Gründe" scheint mir nicht ganz treffend zu sein.
Der Dreh zur Auflösung und das Ende, indem du deine Selbsterkenntnis mit einem Zwinkern preis gibst, gefallen mir gut. Das macht dich als Erzählerin sympathisch
Lieber Gruß,
KaRe
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte
Re: Die linke Hand
Hallo Mög,
ich stimme allen Anderen zu - der Text ist gut, und er ist vor allem gut aufgebaut.
Allerdings glaube ich, er hätte noch besser sein können - ich habe den Eindruck, Du schreibst ein wenig mit angezogener Handbremse. Deine Schlussfolgerung, auf die Du über die Geschichte mit Gerry wirklich gut zuarbeitest, nimmt Dir schon zu Anfang eine Menge Schwung, lange, bevor ich von Gery lese oder Dein Fazit erfahre.
Für mich liest sich der Beginn - Martin, Walter, Angela - ein wenig zu sehr als Rechtfertigung, der Ausruf
steht zu sehr im Zentrum. Glaub mir, Mög, Du bist nicht die einzige, die Detailgequatsche über Sex nervt. Seit "Sex and the City" gilt es zwar irgendwie als Kunstform, ist es aber nicht. Es ist eine interessante Sache, dass Dinge, die reinen Genuss bereiten (sollten), noch schön sind, wenn man allgemein und in an der Oberfläche darüber spricht, aber eher unschön werden, wenn man ins Detail geht.
Das gilt für Sex, gilt aber - zum Beispiel - auch für's Essen. Man kann mir ein gutes Abendessen sicher so schildern, dass ich gierig anfange zu sabbern. Wenn der Erzähler dabei aber ins Detail geht, mir davon erzählt, wie Broccoli, Roastbeef und Soße sich in seinem Mund mit Speichel zu einem delikaten Brei vereinen... dann wirkt das diätfördernd. Wer will das wissen?
Kurz also: Detailbesessene Sexreporter nerven und sind in der Lage, einem den Abend sogar dann noch zu versauen, wenn man schon lange wieder zu Hause ist. Und das hat, denke ich, wenig mit der Ausrichtung der Plaudertasche zu tun. Von daher hemmt Deine Sorge, für homophob (oder auch prüde) gehalten zu werden, wie ich finde, Deinen Schwung.
Ehrliche Wut und Verhöhnung von Martin, Walter und Angela hätten dem Text gut angestanden - und übrigens auch besser zum Schluss gepasst. Du hattest ja echte Angst vor Gerry, er war wirklich wütend und wurde wirklich verhöhnt. Diese Gefühle, so schilderst Du es zumindest glaubhaft, waren ehrlich und ungebremst.
Ich stimme übrigens Deiner Folgerung nicht zu, ich glaube nicht, dass sich die Sexerzähler mehr oder weniger bewusst selbst verteidigen. Von daher hätte ich vielleicht auch weniger Hemmungen, sie im ersten Absatz des Textes durch den Kakao zu ziehen.
Aber dass ich anderer Meinung bin als Du ist natürlich kein Argument gegen Deinen Text. Der ist - wie gesagt - geschickt und folgerichtig aufgebaut und kommt zu einem runden Finale.
Schönes Wochenende
Razorback
ich stimme allen Anderen zu - der Text ist gut, und er ist vor allem gut aufgebaut.
Allerdings glaube ich, er hätte noch besser sein können - ich habe den Eindruck, Du schreibst ein wenig mit angezogener Handbremse. Deine Schlussfolgerung, auf die Du über die Geschichte mit Gerry wirklich gut zuarbeitest, nimmt Dir schon zu Anfang eine Menge Schwung, lange, bevor ich von Gery lese oder Dein Fazit erfahre.
Für mich liest sich der Beginn - Martin, Walter, Angela - ein wenig zu sehr als Rechtfertigung, der Ausruf
Nur eines bin ich sicher nicht: homophob.
steht zu sehr im Zentrum. Glaub mir, Mög, Du bist nicht die einzige, die Detailgequatsche über Sex nervt. Seit "Sex and the City" gilt es zwar irgendwie als Kunstform, ist es aber nicht. Es ist eine interessante Sache, dass Dinge, die reinen Genuss bereiten (sollten), noch schön sind, wenn man allgemein und in an der Oberfläche darüber spricht, aber eher unschön werden, wenn man ins Detail geht.
Das gilt für Sex, gilt aber - zum Beispiel - auch für's Essen. Man kann mir ein gutes Abendessen sicher so schildern, dass ich gierig anfange zu sabbern. Wenn der Erzähler dabei aber ins Detail geht, mir davon erzählt, wie Broccoli, Roastbeef und Soße sich in seinem Mund mit Speichel zu einem delikaten Brei vereinen... dann wirkt das diätfördernd. Wer will das wissen?
Kurz also: Detailbesessene Sexreporter nerven und sind in der Lage, einem den Abend sogar dann noch zu versauen, wenn man schon lange wieder zu Hause ist. Und das hat, denke ich, wenig mit der Ausrichtung der Plaudertasche zu tun. Von daher hemmt Deine Sorge, für homophob (oder auch prüde) gehalten zu werden, wie ich finde, Deinen Schwung.
Ehrliche Wut und Verhöhnung von Martin, Walter und Angela hätten dem Text gut angestanden - und übrigens auch besser zum Schluss gepasst. Du hattest ja echte Angst vor Gerry, er war wirklich wütend und wurde wirklich verhöhnt. Diese Gefühle, so schilderst Du es zumindest glaubhaft, waren ehrlich und ungebremst.
Ich stimme übrigens Deiner Folgerung nicht zu, ich glaube nicht, dass sich die Sexerzähler mehr oder weniger bewusst selbst verteidigen. Von daher hätte ich vielleicht auch weniger Hemmungen, sie im ersten Absatz des Textes durch den Kakao zu ziehen.
Aber dass ich anderer Meinung bin als Du ist natürlich kein Argument gegen Deinen Text. Der ist - wie gesagt - geschickt und folgerichtig aufgebaut und kommt zu einem runden Finale.
Schönes Wochenende
Razorback
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Die linke Hand
immer, wenn ich den Titel lese, muss ich ihn vervollständigen...
"...weiß nicht, was die rechte tut"
auch, wenn´s nicht zum Text passt (sagt eben mehr über mich, als über den Text aus : ), oder habe ich da was nicht verstanden?
solch ein Titel macht neugierig, finde ich
Gruß!
"...weiß nicht, was die rechte tut"
auch, wenn´s nicht zum Text passt (sagt eben mehr über mich, als über den Text aus : ), oder habe ich da was nicht verstanden?
solch ein Titel macht neugierig, finde ich
Gruß!
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte
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