glasglockenblues
1.
hier ist wo du nicht bist
es war einmal
wahr
2.
zwielichtgedanken verwaisen
hinter weißen vorhängen
staub legt sich auf bücher
einige ungelesen
irgendwo da draußen das leben
geschminkt verkleidet maskiert
aber hier
ist schon aschermittwoch
die zeit verschlingt sich
in wiederkehrenden schlaufen
die erinnerungen werden schärfer
und ungenauer
weich wachsende dunkelheit
ich gebe ihr nach
treibholz zieht den tag hinab
in slow motion
glasglockengedanken kreisen
wie gespenster still
um dein
bild
3.
hier ist wo kräne stehen
wo kräne sich drehen
ein rohbau in der dämmerung
ich fresse das letzte licht
nimm dich meiner an
nacht du schwarzweiche braut
komm über mich nähre mich
mit der milch der erinnerung
furienliebe
immer da
bist du
immer da
verlischt der gesang in deinen augen
möchte ich ein dur sein im gegenlicht
ein moll bin ich ja längst
im hinterwinter dir
4.
hier ist das dazwischen
das jenseits von eden
die linien verwischen
die worte verschweben
5.
hier ist ein schwarzes paradies
ein nebelwald
ein ort an dem blumen blühen
deren name unausgesprochen bleibt
(oder auch nicht)
ps. und bitte zerknüll
diesen empfindzahmen müll
glasglockenblues
-
Hugo Homunkulus
- Minotauros
- Beiträge: 52
- Registriert: 04.03.2008, 00:00
- Wohnort: Glaskolben
glasglockenblues
Mit seltsamen Gebärden
Gibt man sich viele Pein,
Kein Mensch will etwas werden,
Ein Jeder will schon was sein.
(Johann Wolfgang von Goethe)
Gibt man sich viele Pein,
Kein Mensch will etwas werden,
Ein Jeder will schon was sein.
(Johann Wolfgang von Goethe)
Re: glasglockenblues
hallo hugo
)
der titel ist sehr anziehend, oder wie sagt man, er zieht mich an. mir ist ein glasglockenleben wohlbekannt, auch, wenn ich es selbst schon fast vergessen habe, obwohl es noch nicht lange her ist...
zu deinem gedicht:
ich finde die klammer "(oder auch nicht)" witzig, weil sie eine glocke um die worte bildet. Also, entweder das ganze Gedicht, alles, ist oder in der Glocke (in den Klammern) ist es halt nicht.
Ich beziehe die worte in den Klammern auf das ganze Gedicht, weil es von der Strophe davor abgesetzt ist; auch, wenn keine weitere Ziffer davor vergeben worden ist.
Die erste Strophe weist mich darauf hin, dass da eben keine Glocke mehr ist. Das "du" ist "hier", also beim LI - ganz im Gegensatz zu der Feststellung in der ersten Zeile.
"und bitte zerknüll diesen empfindzahmen müll", das kommt mir sehr bekannt vor. wieso bloß?
"ein moll bin ich ja längst
im hinterwinter dir"
das finde ich irgendwie lustig ("hinterwinter") und traurig ("moll") zugleich.
"hier" beziehe ich immer auf das leben in der glasglocke.
...
gruß, KaRe
der titel ist sehr anziehend, oder wie sagt man, er zieht mich an. mir ist ein glasglockenleben wohlbekannt, auch, wenn ich es selbst schon fast vergessen habe, obwohl es noch nicht lange her ist...
zu deinem gedicht:
ich finde die klammer "(oder auch nicht)" witzig, weil sie eine glocke um die worte bildet. Also, entweder das ganze Gedicht, alles, ist oder in der Glocke (in den Klammern) ist es halt nicht.
Ich beziehe die worte in den Klammern auf das ganze Gedicht, weil es von der Strophe davor abgesetzt ist; auch, wenn keine weitere Ziffer davor vergeben worden ist.
Die erste Strophe weist mich darauf hin, dass da eben keine Glocke mehr ist. Das "du" ist "hier", also beim LI - ganz im Gegensatz zu der Feststellung in der ersten Zeile.
"und bitte zerknüll diesen empfindzahmen müll", das kommt mir sehr bekannt vor. wieso bloß?
"ein moll bin ich ja längst
im hinterwinter dir"
das finde ich irgendwie lustig ("hinterwinter") und traurig ("moll") zugleich.
"hier" beziehe ich immer auf das leben in der glasglocke.
...
gruß, KaRe
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte
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Hugo Homunkulus
- Minotauros
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- Registriert: 04.03.2008, 00:00
- Wohnort: Glaskolben
Re: glasglockenblues
ich finde die klammer "(oder auch nicht)" witzig, weil sie eine glocke um die worte bildet. Also, entweder das ganze Gedicht, alles, ist oder in der Glocke (in den Klammern) ist es halt nicht.
Interessante Betrachtung!
Bla²me
Mit seltsamen Gebärden
Gibt man sich viele Pein,
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(Johann Wolfgang von Goethe)
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