maslo, das bin ich

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
KaRe
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maslo, das bin ich

Beitragvon KaRe » 26.03.2008, 19:15

maslo, ich heiße so
wirklich
maß mir meine klumpen ohne zu sehen
wie schwer sie wiegen
eigentlich
maßte ich mir an
die schwersten zu tragen
offensichtlich
musste es so sein
dass andere meine sehen konnten
meine müssen sie in ihren augen wiegen
müsste das nicht genug sein
augenscheinlich
sahen meine in anderen augen
anders aus
jetzt wiegen meine mehr
aber erst nachdem ich sie ausgetragen
um sie von anderen
messen zu lassen
mit anderen
maslo, bin das bin ich
anmaßend bis zum messgesang, den heiligen
anders als die anderen
meinen mein maß
zu wiegen in ihren augen und händen
messbar
kann doch nur der schnee sein
der auf den heißen sand
muss
wie die meisen im käfig
in meiner küche
müde
den lieben gott maßregelnd
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte

Hugo Homunkulus
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Re: maslo, das bin ich

Beitragvon Hugo Homunkulus » 27.03.2008, 01:42

Erstaunliches Gedicht, krude und erstaunlich.

Und fabelhaftes Ende, einfach fabelhaft.

Vermasselnder Gruß,
Hugo
Mit seltsamen Gebärden
Gibt man sich viele Pein,
Kein Mensch will etwas werden,
Ein Jeder will schon was sein.

(Johann Wolfgang von Goethe)

KaRe
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Re: maslo, das bin ich

Beitragvon KaRe » 27.03.2008, 12:49

Hallo Hugo,

wenn der Text dir allzu
barbarisch
geschmacklos
grell
grob
plump
roh
simpel
unbearbeitet
undurchdacht
unfein
ungehobelt
ungekocht
unreif
unverarbeitet,
also zu
krude

(nach LEO ins Deutsche übersetzt) sein sollte, gib mal Tipps ab, welche Stellen Rundungen bräuchten.
Auch, wenn mir vielleicht grad das "Hingefallene", Schnelle gefällt.
Und fabelhaftes Ende, einfach fabelhaft.

Ja, danke, schön.
Ich meine mich daran zu erinnern, dass ich im Kopf hatte "wie die meisen auf dem käfig", das würde ich vielleicht ändern. Ich hatte was anderes gedacht, als geschrieben.
Und überhaupt könnte da ne Menge geändert werden... Aber mir gefällt es auch so ... "krude".

masel tov,
Katja

PS: Da fällt mir ein, ich könnte mal auf Jiddisch schreiben, wenn ich Jiddisch könnte...
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte

Silentium
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Re: maslo, das bin ich

Beitragvon Silentium » 27.03.2008, 17:10

Ich gestehe ja, ich war zuerst irritiert, weil ich 'máslo' nur als das Tschechische Wort für Butter kenne. Nachdem ich dann zwanzig Minuten lang vergeblich versucht habe, da Butter reinzuinterpretieren, gebe ich jetzt auf. Ich weiß nicht genau, was ich von dem Gedicht halten kann - es ist ein bisschen wie ein Vexierbild, jedes Mal, wenn ich glaube, den Sinn gefunden zu haben, kommt mir die nächste Zeile ins gehege und ich verliere wieder den Fokus. Hmmm... ich muss zuerst noch einmal exzessiv darüber nachdenken, glaube ich. Aber du verlangst hier viel von deinem Leser und gibst ihm auf den ersten zwei Dritteln nicht besonders viel dafür - in Bildern gerechnet, meine ich. Diese ersten zwei Drittel haben für mich nur den Reiz des denkspiels, des Krieg-ich-raus-was-sie-damit-meint, aber sie bringen mir emotional wenig, weil ich keine Bilder dazugeliefert komme.
Das ist kein Werturteil - wenn das der Effekt ist, auf den du abzielst, hast du ihn erreicht - sondern eine Feststellung. Dass du so einfach das Risiko eingeht, dass sich der Leser nach der dritten verzwirbelung etwas anderes sucht.

Dabei lohnt es sich, bis zu Ende zu lesen, und zwar wegen diesem letzten Bild, mit den Meisen, der Küche und Gott. Das find ich schön und tief.

Lieber Gruß,
S.
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon

DerBaum
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Re: maslo, das bin ich

Beitragvon DerBaum » 27.03.2008, 18:00

Maslo ist ein Nachname, Uli Maslo zum Beispiel war oder ist Fussballtrainer, er hat u.a Schalke 04 trainiert..und St.Paul!!!
Wenn jemand auf der Stelle tritt und tut dabei niemanden weh, das ist ein schlechter Dichter

Silentium
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Re: maslo, das bin ich

Beitragvon Silentium » 27.03.2008, 18:14

Ahhh-HA!
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Re: maslo, das bin ich

Beitragvon KaRe » 27.03.2008, 18:22

Herr Hut, wie komme ich bloß dazu, in Verbindung mit Fußball gebracht zu werden :-))

Zum Namen "maslo"
Maslo ist das Gegenstück zu Sam, ganz einfach. Und ich dachte mir, das sei ein Vorname, ein männlicher - ob es den und wo es den gibt, ist egal, ihn meiner Vorstellung gibt es ihn. In Bezug auf den Text darf man "mas" natürlich auch in Verbindung mit "messen", "Maß" (nehmen) und vielleicht auch mit "mehr/viel" verbinden. "lo" wäre dann wie im italienischen ein Artikel und könnte für jedwedes Geschlecht (männlich-weiblich-neutrum) stehen. Aber das sind Spielereien, die man denken darf, aber nicht muss.
Maslo ist ein Eigenname, als Gegenspieler zu "Sam" ausgedacht. "Sam" ist eine Figur in Gedichten von Nora Iuga und hat Hilbi und mir ein bischen auf die Sprünge geholfen: http://schreibfest.twoday.net/

@Silentium: lustig, das mit der Butter - dazu passen ja sogar die "Klumpen". Ich bin stolz auf dich, dass du zwanzig Minuten versucht hast, Butter in den Text hinein zu interpretieren. Also, der Text ist dazu da, dass hinein interpretiert wird - was auch immer da gemessen wird oder wer sich an wem oder was misst... Butter ist natürlich sehr ...sachlich vielleicht.
danke für deine Reaktion. Ich werde mal sehen, ob sich auch eine bildhaftere Variante zu dem Thema "Maß/messen" finden lässt.
Das geht dann leider zu Lasten des Tempos. Ich mag dieses Schnelle an dem Text. Also, ein anderer Text mit "mehr Bildern" wird ein anderer Text...ja, ein Text mit mehr Bildern.
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte


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