es war einmal...

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DerBaum
Klio
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es war einmal...

Beitragvon DerBaum » 02.04.2008, 22:41

es war einmal ein sohn
der hatte vier töchter
mit den töchtern
ging er ins haus
in der nachbarschaft
lebten drei jungs
immer sagten sie
wir mögen diese töchter nicht
wir mögen sie nicht...

es war einmal eine nacht
da vergrub man die alten gedanken
da wurde das feld ganz gelb

die drei jungs träumten
in der nacht von den vier töchtern
und immer blieb einer von den jungs übrig
und das verstanden sie nicht

sie gingen zum großen krug
und riefen
oh großer krug
sag uns
wo kommen die babys her

da lachte der große krug
und sagte
ich habe keine ahnung
worüber ihr redet

die vier töchter sprachen
zu ihrem sohn
sohn
du musst uns zerstreuen
wir haben in der nacht
schon wieder
diesen traum
eines anderen gehabt

und der sohn sagte
ich werde
gebrauchtwagenhändler
wir werden gebrauchtwagen verkaufen
versteht ihr


die unruhe weckte die drei jungs
sie hatten lange aus dem fenster gestarrt und die vier töchter gesehen
sie waren voller augen als sie im bett lagen
es schimmerte die decke; es zitterte die wand

ganz kühl lag das feld im morgen
der tau wuchs heran
schafe tauchten auf
das gähnen der ameisen
wurde wie immer überhört

wir sind die kinder einer verlorenen generation
riefen die töchter
es waren vier und ihr sohn spielte mit den anderen
kindern im park
sie hatten ihm neue knetmasse gekauft
und er war dabei die luft damit zu formen

in den händen hatten
die drei jungs
die vier töchter
sie gaben sich küsse
verschwanden hinter
einem licht
das vergebens darauf wartete sich aufzulösen

in den fenstern vergaßen sie alles was sie übers kinder kriegen
gehört hatten
und die vier töchter
brachten
vier töchter auf die welt
die zogen durch die natur
und fanden die irgendwie ganz schön
Wenn jemand auf der Stelle tritt und tut dabei niemanden weh, das ist ein schlechter Dichter

KaRe
Orpheus
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Re: es war einmal...

Beitragvon KaRe » 03.04.2008, 12:46

lieber herr hut

"und er war dabei die luft damit zu formen"

das ist die schönste zeile überhaupt in diesem gedicht und eine der schönsten, die ich von dir gelesen habe (habe ich das nicht schon mal gelesen von dir, aber in einem anderen zusammenhang?), das spiel mit dem positiv/negativ-Bildern mag ich sehr. diese textstelle beschreibt so schön das prinzip, alles genau von der anderen seite zu betrachten. es ist eine andere sichtweise, beschreibt aber genau dasselbe, also dieselbe tätigkeit aus einem anderen blickwinkel. das prinzip ist einfach, eindeutig und ergibt dabei sehr schöne, starke bilder. da sind sprachbild- und bildbildwelten gleich. und das macht das sprachbild so schön plastisch, als sei es eine skulptur, zum beispiel aus modelliermasse. sehr schön, dieser kniff mit der knete.


"ganz kühl lag das feld im morgen
der tau wuchs heran
schafe tauchten auf
das gähnen der ameisen
wurde wie immer überhört"

diese strophe fällt aus dem ganzen text heraus, weil sie die einzige allein bildbeschreibende textstelle ist. und gerade diese beschreibung liefert bilder zum eintauchen
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte


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