Schneeschmelze

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Greta
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Schneeschmelze

Beitragvon Greta » 13.01.2009, 12:23

Schneeschmelze

Ich unternehme nichts gegen das Andauern der Tage
Nichts gegen die Unerbittlichkeit
Mit der wir uns voneinander entfernen
Ich sehe zu wie der Schneemann seinen Kopf verliert
Und Tränen in die Landschaft sägt
Lass uns nicht von Reife reden
Von Überlegenheit
Und Zeit und Raum
Das sind Worte, die ich am Fluss zu oft gewaschen habe
Um sie noch wiederzuerkennen
Der Schnee rutscht von den Dächern
Schlägt dumpf auf
Eine hässliche graue Masse
Bereit sich aufzulösen

Kato
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Re: Schneeschmelze

Beitragvon Kato » 17.01.2009, 21:49

Hi, Greta,

guter Einstiegssatz, der tatsächlich bewirkt, dass man einen Moment stutzt und überlegt, ob es nicht wirklich etwas zu unternehmen gäbe gegen das Andauern der Tage ...

Die Zeile:

"Das sind Worte, die ich am Fluss zu oft gewaschen habe"

hat schon eine gewisse Originalität ... warum ich sie trotzdem hier überhaupt nicht mag, kann ich nur schwer sagen. Vielleicht, weil sie mir hier zu gewollt originell wirkt ...?
Hätte hier wohl lieber etwas, das - wie auch in den anderen Zeilen - eher leicht und selbstverständlich daherkommt und 'im Bild' bleibt.

Und was, bitte und um Himmels Willen, ist denn das: Ein Schneemann, der seinen Kopf verliert und 'Tränen in die Landschaft sägt'???


Kato

Greta
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Re: Schneeschmelze

Beitragvon Greta » 18.01.2009, 22:25

Danke für das Lob, überhaupt für die Resonanz,
ja, die am Fluss gewaschenen Worte, ich werde mal darüber nachdenken, obwohl ich sie eigentlich schon mag...

Und der Schneemann, na ja, unserer hat als es anfing zu tauen, tatsächlich den Kopf verloren und unter in die Landschaft gesägte Tränen kann man sich im Zusammenhang mit Tauwetter wirklich nichts vorstellen, wobei ich mit "man" dich meine?
das ist schade, aber ich denke noch darüber nach ob es an der Wortwahl liegt, nur an der Wortwahl, oder vielleicht einfach auch so ein Stück weit daran, dass sich nicht jeder auf jedes Bild einlassen will.
Jedenfalls: Danke für Deine Rückmeldung
Greta

riemsche
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Re: Schneeschmelze

Beitragvon riemsche » 18.01.2009, 22:48

servus greta,
ich sehe gute bilder, die sich vielleicht durch kleine änderungen auf deine intension hin noch schärfen ließen, wenn ich sie richtig lese. sonst korrigiere mich bitte, damit ich dich -neu hier? :-) - besser verstehe.

//grübler und möglichkeiten://
.......
Ich sehe zu wie //der/ein// Schneemann seinen Kopf verliert
Und Tränen in die //Landschaft/Decke// sägt
Lass uns nicht von Reife //(reden)//
Von Überlegenheit
//(Und)// Zeit und Raum //reden//
Das sind Worte, die //(ich)// //am/im// Fluss
//umbruch//
//Ich// zu oft gewaschen habe
Um sie //(noch)// wiederzuerkennen
Der Schnee rutscht von den Dächern
Schlägt dumpf auf
Eine hässliche graue Masse
Bereit//, //sich aufzulösen

Lg riemsche
„To hell with circumstances; I create opportunities.“ – Bruce Lee

[) i r k
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Re: Schneeschmelze

Beitragvon [) i r k » 19.01.2009, 00:16

Die erste Zeile ist ganz wunderbar.

Aber auch die bekrittelten Zeilen gefallen mir:
Ich sehe zu wie der Schneemann seinen Kopf verliert
Und Tränen in die Landschaft sägt

Das Wort "sägt" erscheint mir treffend für eine Schneeschmelze. Weiße, unberührte Flächen, die plötzlich grau werden, Löcher kriegen, Risse in der Landschaft, Stellen an denen kalter Stein zum Vorschein kommt, nass und stumpf. Die Gewalt in dem Wort "sägt" trifft es präzise.
Das sind Worte, die ich am Fluss zu oft gewaschen habe

Auch das passt. Ein passende Umschreibung für bedeutungslos gewordene Worte. Worte, die zu oft benutzt, zu oft hin und her gewendet wurden. Eine Entschuldigung. Eine Erklärung. Ein Selbstbetrug. Es gibt viele von diesen Sprach-Mantras, die mit der Zeit Farbe und Form verlieren. Die Zeilen davor klingen nach Abschied oder Trennung. Eine Schneeschmelze im übertragenen Sinn, denke ich.

Ich glaube, ich kann die Empfindung in dem Gedicht sehr gut nachvollziehen. Bitte nichts ändern. Zumindest ich fände es schade.

MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)


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