27.12.2008 19:51-19:54
Offenbar hatten wir die Sekunde verpasst;
der Strom floss schnell; war plötzlich da, und
blieb es auch. Wir jedoch wollten nicht aufhören
zu staunen, dass unsere Gesichter fortan stets
Masken waren.
Wir sahen uns um: Und waren nicht allein
mit dem Staunen. Überall: People in Motion.
Auch sie drängten zur Maske – oder die Maske
drängte ihnen zu, drängte sich auf. Wie auch
immer; eine heiße, febrile Zeit begann. Die wir
hinter unseren flexiblen Masken lebten. Erlebten.
Denn wo immer unsereins zusammenkam, gab
es nur noch ein Thema im Pulk; weil das Kennen,
das Erkennen, nicht mehr möglich war ...
~~~~~ rubrik: gedicht (maybe)
Re: ~~~~~ rubrik: gedicht (maybe)
also ich mags. mir gefällt es sehr, das hat so eine stimmung und einen rhythmus der dazu passt.
Re: ~~~~~ rubrik: gedicht (maybe)
danke.
aber ist das überhaupt ein "gedicht"?
oder prosa in pseudosonettiger zeilenschreibweise?
das jedenfalls frage ich mich gerade selbst
aber ist das überhaupt ein "gedicht"?
oder prosa in pseudosonettiger zeilenschreibweise?
das jedenfalls frage ich mich gerade selbst
Re: ~~~~~ rubrik: gedicht (maybe)
Hallo Glaukos,
man könnte sicher über die Wahl der Zeilenumbrüche und die verwendeten Satzzeichen diskuttieren, aber inhaltlich ist es für mich auf jeden Fall Lyrik. Ich kann zwar nicht eindeutig sagen was du mit diesem unter Strom stehenden Maskenzsenario ausdrücken möchtest, aber es hat etwas Fesselndes und das ist doch schon was.
LG
Perry
man könnte sicher über die Wahl der Zeilenumbrüche und die verwendeten Satzzeichen diskuttieren, aber inhaltlich ist es für mich auf jeden Fall Lyrik. Ich kann zwar nicht eindeutig sagen was du mit diesem unter Strom stehenden Maskenzsenario ausdrücken möchtest, aber es hat etwas Fesselndes und das ist doch schon was.
LG
Perry
Re: ~~~~~ rubrik: gedicht (maybe)
hi perry ...
... oh, der strom ...
... ich dachte nicht an elektrischen strom, eher an einen evolutiv-sozialen strom (-> 'people in motion')...
... die satzzeichen? und zeilenumbrüche? 'diskutier' doch mal, oder gib mir eine alternativversion, die du schöner fändest.
die zeilen 8-10 finde ich übrigens selbst am problematischsten.
liebe grüße,
tolya
... oh, der strom ...
... ich dachte nicht an elektrischen strom, eher an einen evolutiv-sozialen strom (-> 'people in motion')...
... die satzzeichen? und zeilenumbrüche? 'diskutier' doch mal, oder gib mir eine alternativversion, die du schöner fändest.
die zeilen 8-10 finde ich übrigens selbst am problematischsten.
liebe grüße,
tolya
Re: ~~~~~ rubrik: gedicht (maybe)
Hallo tolya,
na dann versuch ichs doch mal:
Offenbar hatten wir die Sekunde verpasst,
der Strom floss schnell,
war plötzlich da und blieb es auch.
Wir jedoch wollten nicht aufhören zu staunen,
dass unsere Gesichter fortan stets Masken waren.
Wir sahen uns um
und waren nicht allein mit dem Staunen.
Überall People in Motion,
auch sie drängten zur Maske –
oder die Maske drängte ihnen zu,
drängte sich auf.
Wie auch immer,
eine heiße, febrile Zeit begann,
die wir hinter unseren flexiblen Masken lebten,
erlebten.
Denn wo immer unsereins zusammenkam,
gab es nur noch ein Thema im Pulk,
weil das Kennen,
das Erkennen nicht mehr möglich war ...
na dann versuch ichs doch mal:
Offenbar hatten wir die Sekunde verpasst,
der Strom floss schnell,
war plötzlich da und blieb es auch.
Wir jedoch wollten nicht aufhören zu staunen,
dass unsere Gesichter fortan stets Masken waren.
Wir sahen uns um
und waren nicht allein mit dem Staunen.
Überall People in Motion,
auch sie drängten zur Maske –
oder die Maske drängte ihnen zu,
drängte sich auf.
Wie auch immer,
eine heiße, febrile Zeit begann,
die wir hinter unseren flexiblen Masken lebten,
erlebten.
Denn wo immer unsereins zusammenkam,
gab es nur noch ein Thema im Pulk,
weil das Kennen,
das Erkennen nicht mehr möglich war ...
Re: ~~~~~ rubrik: gedicht (maybe)
oh, das sieht aber "flattersatz"mäßig aus
eine sonnettierende struktur ist nun auch nicht mehr vorhanden.
... warum nicht so?:
Offenbar hatten wir die Sekunde verpasst, der Strom floss schnell, war plötzlich da und blieb es auch. Wir jedoch wollten nicht aufhören zu staunen, dass unsere Gesichter fortan stets Masken waren. Wir sahen uns um und waren nicht allein mit dem Staunen. Überall People in Motion, auch sie drängten zur Maske – oder die Maske drängte ihnen zu, drängte sich auf. Wie auch immer, eine heiße, febrile Zeit begann, die wir hinter unseren flexiblen Masken lebten, erlebten. Denn wo immer unsereins zusammenkam, gab es nur noch ein Thema im Pulk, weil das Kennen, das Erkennen nicht mehr möglich war ...
*smile.
aber danke für die mühe, jetzt weiß ich, wie du es gemeint hast. es wird dadurch gewiss ein wenig konservativer, 20thcenturymäßiger, aber mit einem gewichtigem vorteil: der inhalt tritt deutlicher in den vordergrund. natürlich lenken die ';:-'s ein wenig ab. vielleicht ist das zu neumodisch oder einfach nur zu ungelenk. seltsamerweise aber gefällt mir diese notation besser als die althergebrachte ...
also mal sehen, wie es mit dem poem hier weitergeht, wenn ich eine neue version entwickle, poste ich sie auf jeden fall hier ...
eine sonnettierende struktur ist nun auch nicht mehr vorhanden.
... warum nicht so?:
Offenbar hatten wir die Sekunde verpasst, der Strom floss schnell, war plötzlich da und blieb es auch. Wir jedoch wollten nicht aufhören zu staunen, dass unsere Gesichter fortan stets Masken waren. Wir sahen uns um und waren nicht allein mit dem Staunen. Überall People in Motion, auch sie drängten zur Maske – oder die Maske drängte ihnen zu, drängte sich auf. Wie auch immer, eine heiße, febrile Zeit begann, die wir hinter unseren flexiblen Masken lebten, erlebten. Denn wo immer unsereins zusammenkam, gab es nur noch ein Thema im Pulk, weil das Kennen, das Erkennen nicht mehr möglich war ...
*smile.
aber danke für die mühe, jetzt weiß ich, wie du es gemeint hast. es wird dadurch gewiss ein wenig konservativer, 20thcenturymäßiger, aber mit einem gewichtigem vorteil: der inhalt tritt deutlicher in den vordergrund. natürlich lenken die ';:-'s ein wenig ab. vielleicht ist das zu neumodisch oder einfach nur zu ungelenk. seltsamerweise aber gefällt mir diese notation besser als die althergebrachte ...
also mal sehen, wie es mit dem poem hier weitergeht, wenn ich eine neue version entwickle, poste ich sie auf jeden fall hier ...
Re: ~~~~~ rubrik: gedicht (maybe)
ich find das gedicht richtig gut - besonders in der ersten fassung mit den ungewöhnlichen versbrüchen und den dadurch entstehenden schwerpunkten. und natürlich ist das ein gedicht. und modern ist es auch.
4mal "Maske", dreimal "drängt" - dieses Aufdrängen wird sehr aufdringlich. Einerseits korrespondiert es zwar mit dem Inhalt, andererseits wünsch ich mir sowas immer etwas subtiler / abwechslungsreicher.
den titel mag ich auch. aber mein tipp wäre, es nicht auf den ersten blick so deutlich zu machen, dass es ein datum ist. durch eine andere schreibweise könntest du eine ambiguität schaffen, die an strichcodes oder ein chiffre erinnert - was wiederum eine korrespondenz zu den masken herstellt. etwas so:
27122008-1951-1954
zum thema: erinnert mich sowohl an unsere finanzkrisen- als auch an unsere robotisierungs-diskussion und deine beobachtung von dem immer starrer werdenden korsett von normen. gesellschaftlicher wandel, technologischer wandel, bewegung, geschwindigkeit, leistungsgesellschaft, flexibilität - und suche nach sinn, individualität und einzigartigkeit auf der anderen seite. dein gedicht bietet da einen schönen spannungsbogen.
ich hoffe, ich lieg da jetzt nicht ganz daneben...
meine lieblingszeilen... einfach sehr gut auf den punkt gebracht. die richtigen worte am richtigen fleck.
bei...
... musste ich aus irgendeinem grund sofort an das hier denken:
nächtlichen gruß.
Masken waren.
Wir sahen uns um: Und waren nicht allein
mit dem Staunen. Überall: People in Motion.
Auch sie drängten zur Maske – oder die Maske
drängte ihnen zu, drängte sich auf. Wie auch
immer;
4mal "Maske", dreimal "drängt" - dieses Aufdrängen wird sehr aufdringlich. Einerseits korrespondiert es zwar mit dem Inhalt, andererseits wünsch ich mir sowas immer etwas subtiler / abwechslungsreicher.
27.12.2008 19:51-19:54
den titel mag ich auch. aber mein tipp wäre, es nicht auf den ersten blick so deutlich zu machen, dass es ein datum ist. durch eine andere schreibweise könntest du eine ambiguität schaffen, die an strichcodes oder ein chiffre erinnert - was wiederum eine korrespondenz zu den masken herstellt. etwas so:
27122008-1951-1954
zum thema: erinnert mich sowohl an unsere finanzkrisen- als auch an unsere robotisierungs-diskussion und deine beobachtung von dem immer starrer werdenden korsett von normen. gesellschaftlicher wandel, technologischer wandel, bewegung, geschwindigkeit, leistungsgesellschaft, flexibilität - und suche nach sinn, individualität und einzigartigkeit auf der anderen seite. dein gedicht bietet da einen schönen spannungsbogen.
ich hoffe, ich lieg da jetzt nicht ganz daneben...
immer; eine heiße, febrile Zeit begann. Die wir
hinter unseren flexiblen Masken lebten. Erlebten.
meine lieblingszeilen... einfach sehr gut auf den punkt gebracht. die richtigen worte am richtigen fleck.
bei...
Wie auch
immer; eine heiße, febrile Zeit begann.
... musste ich aus irgendeinem grund sofort an das hier denken:
And I forget
Just what it takes
And yet I guess it makes me smile
I found it hard
It's hard to find
Oh well, whatever, nevermind
nächtlichen gruß.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: ~~~~~ rubrik: gedicht (maybe)
mit den 3x-masken hast du gewiss recht.
ich sollte mir da noch etwas überlegen.
der tipp mit dem strichcode ist brillant, werde ich übernehmen. denn meiner war nur eine notlösung ... ward geboren aus purer faulheit
und bestimmt ist da einiges zusammengeflossen an gedanken zum gesellschaftlichen background. in den letzten jahren habe ich ja überwiegend gedichte konstruiert. ich habe einzelne klingende bausteine oder pointen gesammelt und dann montiert. wie etwa im "athletischen gitter". nach und nach baue ich dann solche konstrukte aus, aber schlussendlich tendieren sie wohl gezwungenermaßen in richtung "schizo" - schizo in der definition von stan. lem, der den durchaus interessanten gedanken einbrachte, dass die moderne lyrik oft so schwer verständlich ist, weil die dichter zu schnell auf die nächste assoziation oder den wortbeischwang aufspringen, sie clustern gewissermaßen durch den poetischen wortraum, oder lassen sich von den worten clustern ...
dadurch wird der inhalt "verschwurbelt", aber spätestens seit celan stört das kaum mehr einen, hat man doch entdeckt, dass dadurch auch etwas freiwird im denken bzw. empfinden ...
dieses gedicht hier ist eher alte schule. aber auch: impuls.
plötzlich wollte ich es schreiben, die idee umsetzen, und relativ flott stand es da. daher wohl auch der titel, als hinweis auf drei doch sehr intensive minuten meines lebens ...
apropos nirvana: ich war ja nur ein gelegenheitshörer von deren musik, in den grunge-indie-dissen, die ich doch sehr gern besuchte, waren einige songs pflicht. und zum tanzen auch wunderbar geeignet - aber bis heute ziehe ich doch aus dieser sparte pearl jam vor
kennst du "into the wild"? schöner film mit tollen eddie-vedder-songs.
hat nun wenig mit dem gedicht hier zu tun, wie mir auffällt.
ohne zu viel blicken lassen zu wollen: wenn man sich vorstellt, dass menschen sich zunehmend als avatare im digitalen cyberraum bewegen, dann haben sie die möglichkeit, ihre körperlichkeit immer neu zu definieren, je nach laune. sie werden nicht mehr identifizierbar, verschwinden hinter ihrer hülle ... das war wohl einer der zentralen gedanken ... aber ich wollte das gedicht auch ohne technik-anspielungen auskommen lassen ...
so, and now:
jute nacht
ich sollte mir da noch etwas überlegen.
der tipp mit dem strichcode ist brillant, werde ich übernehmen. denn meiner war nur eine notlösung ... ward geboren aus purer faulheit
und bestimmt ist da einiges zusammengeflossen an gedanken zum gesellschaftlichen background. in den letzten jahren habe ich ja überwiegend gedichte konstruiert. ich habe einzelne klingende bausteine oder pointen gesammelt und dann montiert. wie etwa im "athletischen gitter". nach und nach baue ich dann solche konstrukte aus, aber schlussendlich tendieren sie wohl gezwungenermaßen in richtung "schizo" - schizo in der definition von stan. lem, der den durchaus interessanten gedanken einbrachte, dass die moderne lyrik oft so schwer verständlich ist, weil die dichter zu schnell auf die nächste assoziation oder den wortbeischwang aufspringen, sie clustern gewissermaßen durch den poetischen wortraum, oder lassen sich von den worten clustern ...
dadurch wird der inhalt "verschwurbelt", aber spätestens seit celan stört das kaum mehr einen, hat man doch entdeckt, dass dadurch auch etwas freiwird im denken bzw. empfinden ...
dieses gedicht hier ist eher alte schule. aber auch: impuls.
plötzlich wollte ich es schreiben, die idee umsetzen, und relativ flott stand es da. daher wohl auch der titel, als hinweis auf drei doch sehr intensive minuten meines lebens ...
apropos nirvana: ich war ja nur ein gelegenheitshörer von deren musik, in den grunge-indie-dissen, die ich doch sehr gern besuchte, waren einige songs pflicht. und zum tanzen auch wunderbar geeignet - aber bis heute ziehe ich doch aus dieser sparte pearl jam vor
kennst du "into the wild"? schöner film mit tollen eddie-vedder-songs.
hat nun wenig mit dem gedicht hier zu tun, wie mir auffällt.
ohne zu viel blicken lassen zu wollen: wenn man sich vorstellt, dass menschen sich zunehmend als avatare im digitalen cyberraum bewegen, dann haben sie die möglichkeit, ihre körperlichkeit immer neu zu definieren, je nach laune. sie werden nicht mehr identifizierbar, verschwinden hinter ihrer hülle ... das war wohl einer der zentralen gedanken ... aber ich wollte das gedicht auch ohne technik-anspielungen auskommen lassen ...
so, and now:
jute nacht
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