Hallo Charis & Co.,
"Der kleine Prinz" ist ganz nett. Hab es irgendwann mal von vorne bis hinten durchgelesen und wieder weggelegt. Ich meine mich zu erinnern, dass es vor einigen Jahren da eine richtige Kleine-Prinz-Euphorie gab, so ähnlich wie bei "Sophies Welt". Erwähnenswert ist vielleicht die Tatsache, dass mir "Der kleine Prinz" von einem Mann empfohlen und geborgt wurde. Allerdings konnte ich seine Begeisterung für das Kinderbuch nicht teilen.
"Die Nebel von Avalon", sagen mir nichts. Den Titel hab ich schon mal gehört. Das ist es aber auch. Sagt mal: worum geht's darin eigentlich?
"Siddharta" von Hermann Hesse. Erotik, Buddhismus und Langeweile. Eine dermaßen bemühte, ausufernde und übersättigte Sprache, dass einem schlecht davon wird.
"Das Parfüm" von Patrick Süsskind. Als Fast-Food-Unterhaltung, zum Nebenbeilesen fand ich's okay. Es gibt einen Nirvana-Song, "Scentless Apprentice", der sich auf das Buch bezieht – irgendwie schien sich Kurt Cobain wohl mit dem Protagonisten von "Das Parfüm" zu identifizieren. Das nur als Anekdote zu der möglichen Relevanz des Buches für das männliche Geschlecht. Allerdings ist es wohl wirklich belanglos. Ich muss sagen, dass ich vor allem den Verlauf der Story ziemlich unlogisch und konstruiert fand. Bestimmte Arten von Zufällen und glücklichen Fügungen sind ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr glaubwürdig. Es ist immer abträglich, wenn ein Autor Spannung erzeugen will und ins ungewollt Lächerliche abrutscht. Davon abgesehen, dass die Bedeutung, die Düften und Gerüchen hier zugeschrieben wird, auch reichlich übertrieben und absurd ist. Jedes Kind weiß von der Dominanz von Bildern und Tönen, von Seh- und Hörsinn beim homo audiovisiones.
"Malina" von Ingeborg Bachmann. Ich bin auch nicht sehr weit gekommen. Aber ich muss hinzufügen, dass ich auch noch sehr jung und dumm war, als ich es versucht habe (17 Jahre oder so). Jetzt wäre die Gelegenheit wohl günstiger, denn Frau Bachmann ist inzwischen zu einer meiner absoluten Lieblings-Lyrikerinnen gereift und ihre Sprache und ihre Metaphorik sind mir zugänglicher. Aber, ich spekuliere, dass das Buch mit Sicherheit immer noch eine Herausforderung für mich wäre, ohne den Anspruch auf einen geschlechtlichen Unterschied herunterbrechen und zurückführen zu wollen.
Für mich ist selbst "Nichts als Gespenster" von Judith Hermann eine Art Frauenliteratur. Im Zentrum ihrer Erzählungen steht ja häufig ein weibliches Ich und die Gedanken, Stimmungen und Befindlichkeiten der Protagonistin und ihr Verhältnis zum Rest der Welt bilden den Ausgang für alle Handlungsstränge. Mir gefällt's – und dennoch! – es fliegt mich, während ich das lese, mitunter ein gewisser Zweifel an, ob ich (als Mannmensch) diese Geschichten überhaupt richtig verstehen und wertschätzen kann. Seltsam, oder? Es gibt ein Lied von Tocotronic, das heißt: "Die Sache mit der Team Dresch Platte". Dieses Lied bringt, wie ich finde, diesen Widerspruch und diesen Aberwitz der männlichen Identität beim Konsum von Frauenliteratur bzw. Musik genau auf den Punkt:
Ich fand mich sofort in diesen Liedern wieder
Und ich weiß sie sind nicht für mich
Ich weiß und trotzdem glaube ich
dass ich sie verstehen kann
obwohl ich bin ein Mann
und trotzdem find ich sie super
Ich hab sie dann gleich meiner Freundin vorgespielt
und sie fand sie gar nicht so toll
Ich glaube auch, ich weiß woran das liegt,
denn sie singen ihre Lieder vorwiegend in Moll
Und ich weiß ...
(Album: "Wir kommen uns zu beschweren")
Typische Frauenliteratur? Es gibt doch unzählige Romane der Art: Frau gerät in Zeitstrudel, reist in die Vergangenheit, landet in irgendeiner historisch halbwegs authentisch recherchierten Kulisse, hat ein paar Orientierungsschwierigkeiten (merkwürdiger Weise aber nie sprachliche), erlebt ein paar Abenteuer, verliebt sich ... blabla ... Das stelle ich mir unter typischer Frauenliteratur vor. Ich muss sagen, dass ich eine Mutter habe, die sehr viel liest, aber auch sehr viel Schund ... so fünfhundert bis siebenhundertseitige Arztromane und Thriller. Konsalik liest sie nicht, aber den finde ich auch typisch. Oder Simmel. Aber wirklich "typisch" sind doch wohl diese Heftchen, die man am Kiosk kaufen kann, die diese einprägsamen, femininen Vornamen tragen. Leicht verdauliche, rührselige Hausfrauenlektüre. Ich find es faszinierend, dass es diese Boulevard-Literatur immer noch gibt, dass sie immer noch gelesen wird und ich bin überzeugt, dass die Zielgruppe hier eindeutig feststeht. Allein an den Vornamen, mit denen diese Serien betitelt werden, lässt sich dann schon das durchschnittliche Alter der Konsumentinnen abschätzen. Wie kann man so was nur lesen? So eine Zeitverschwendung.
Ferner: Ist das nachzupüfen? Ich glaube die Verkaufszahlen geben nicht wieder, wieviel Männer und wieviel Frauen sich ein Buch gekauft haben.
Ich bin überzeugt, dass es entsprechende Erhebungen und Marktforschungen gibt! Man müsste das mal im Internet recherchieren ...
By the way: hab mir diese Woche mal die
Emma gekauft. Aus Neugierde. Das Heft ist aber zu meiner Überraschung wirklich interessant und unterhaltsam. Ich lese eigentlich nicht gern Zeitschriften; habe aber selten ein Magazin in der Hand gehabt, dass von der ersten bis zur letzten Seite so politisch war, so idealistisch und auf ein Leitthema fixiert. Sehr beeindruckend.

gelbmann

"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)