Hallo,
hier eine Kurzgeschichte zum Thema "Dazwischen". Wäre schön, wenn jemand etwas dazu sagen würde.
Liebe Grüße
crASHed
Stimmen
Um mich herum ist alles dunkel. Ich liege. Weich. Wo? Ich weiß es nicht. Zuerst ist alles still. Dann höre ich ein leises Rauschen, es kommt immer näher, bis aus dem Rauschen schließlich Stimmen werden.
Ich weiß jetzt zwar, dass das Rauschen in Wirklichkeit Stimmen sind, was diese Stimmen jedoch sagen, verstehe ich nicht.
Zusammenhangsloses Zeug.
Jetzt will ich mich aber erst noch ein wenig ausruhen. Langsam drifte ich weg. Nichts. Gar nichts.
Als ich wieder wach werde, stelle ich fest, dass ich mich wieder einmal an keinen Traum erinnern kann. Das geht scheinbar schon ewig so. Warum? Ich konnte mich doch auch früher fast immer an meine Träume erinnern.
Doch jetzt? Träume ich etwa nicht mehr? Aber nein. Das kann nicht sein. Schließlich wird man dann doch irgendwann verrückt. Und ich bin nicht verrückt.
Da sind sie wieder. Die Stimmen. Warum nur verstehe ich sie nicht? Ich versuche angestrengter zuzuhören. Irgendwie kommen mir die Stimmer schon bekannt vor.
Und warum, verdammt noch einmal, ist hier alles so dunkel? Wo bin ich? Was ist das Letzte, an das ich mich erinnern kann? Stimmen. Ja, und dann wurde ich müde und bin eingeschlafen. Davor? Ich weiß es nicht. Alles scheint so verschwommen.
Moment. Was war das? Das war doch mein Name, oder? Warum sagen die Stimmen meinen Namen? Bin ich etwa doch verrückt? Nein. Ich habe es doch ganz deutlich gehört: .......
Da. Eben schon wieder. Wer ist das? Woher kennt mich diese Person und wo ist sie? Wieso kann ich sie nicht sehen?
Meine Augen sind offen, aber ich sehe einfach nichts!
Oh, mein Gott, ich bin doch nicht etwa blind, oder? Nein. Warum sollte ich auf einmal blind sein?
Tief durchatmen. Konzentriere dich. Die Stimmen werden leiser. Nein, bitte nicht, geht nicht weg! Ich will hier nicht alleine im Dunkeln liegen!
Weg sind sie. Verdammt. Und nun? Schlafen? Ja. Schlafen.
Diesmal haben mich die Stimmen geweckt. Wie lange ich wohl geschlafen habe? Natürlich ist es immer noch dunkel und an einen Traum kann ich mich nach wie vor nicht erinnern.
Die Stimmen nennen mich wieder beim Namen. Also wirklich! Jetzt reiß dich zusammen und versuche zu verstehen, wer da mit dir spricht!
Ich verstehe es einfach nicht. Wo bin ich und warum hilft mir niemand?
„Sind Sie sich sicher?“
„Ja. Leider“
„Und es gibt keine Hoffnung mehr?“
„Frau M., ihre Tochter liegt seit drei Monaten im Koma, ohne künstliche Beatmung wäre sie schon lange tot. Ich denke nicht, dass ihre höheren Gehirnfunktionen noch aktiv sind und glaube wirklich, dass es das Beste ist, sowohl für Sie als auch für ihre Tochter, wenn wir die Geräte abschalten.“
Zögern. „Sie haben vermutlich recht.“ Stille. „Stellen Sie die Geräte ab.“
Meine Mutter!? Wieso habe ich das nicht gleich bemerkt? Natürlich. Sie ist bei mir.
Nein, bitte nicht. Die Stimmen werden schon wieder leiser.
Mama, wo gehst du hin?
Stimmen
Re: Stimmen
Hallo crASHed!
Die Idee gefällt mir, irgendwie. Abschalten... Die Tochter bemerkt, dass die Mutter da ist, nimmt aber den Inhalt des Gesprächs nicht wahr. Sie existiert nicht mehr wirklich, das ist wenigstens mein Eindruck.
Bitte, geh nicht- das gefällt mir. Wer geht jetzt? Die Mutter oder die sterbende Tochter? Also: den Gedanken finde ich interessant. Auch das "ich glaube nicht, dass ihre höheren Gehirnfunktionen noch aktiv sind" und die Gedanken der Tochter- das wiederspricht sich und macht nervös. Wann ist ein Mensch noch Mensch? Hui!
Nur, die ausführungs selbst: drei viertel liegt die Tochter herum, Mutter und Abschied sind verschwindend. Eine Kurzgeschichte in dem Sinne ist es nicht, eine Kurzgeschichte hat meist einen "Falken", eine ungeheuerliche Handlung. Du baust eher einen Gedanken aus, anstatt eine Geschichte zu erzählen, beschreibst eine Situation.
Ich würde vielleicht den Monolog der Tochter kürzen, sehr sogar. Geschrieben ist er schön, weißt du, es ist ja eigentlich schade, da was wegzustreichen. Aber in meinen Augen hätte der Text noch wesentlich mehr wirkung, wenn alle drei Teile- Monolog, Arzt-Mutter, Geh-nicht fort etwa gleich lang wären, quasi gleichberechtigt.... War das jetzt unverständlich? Wenn ja, musst du dich eben beschweren. Verdichten, würde ich sagen, verdichten und intensivieren. Der Ansatz ist faszinierend, ertrinkt aber in einem ewigen Still-Liegen der Tochter.
War das jetzt kompletter Blödsinn? Habe ich dich und deine Absichten sträflich missinterpretiert? :-&
Grüße, Silentium
Die Idee gefällt mir, irgendwie. Abschalten... Die Tochter bemerkt, dass die Mutter da ist, nimmt aber den Inhalt des Gesprächs nicht wahr. Sie existiert nicht mehr wirklich, das ist wenigstens mein Eindruck.
Bitte, geh nicht- das gefällt mir. Wer geht jetzt? Die Mutter oder die sterbende Tochter? Also: den Gedanken finde ich interessant. Auch das "ich glaube nicht, dass ihre höheren Gehirnfunktionen noch aktiv sind" und die Gedanken der Tochter- das wiederspricht sich und macht nervös. Wann ist ein Mensch noch Mensch? Hui!
Nur, die ausführungs selbst: drei viertel liegt die Tochter herum, Mutter und Abschied sind verschwindend. Eine Kurzgeschichte in dem Sinne ist es nicht, eine Kurzgeschichte hat meist einen "Falken", eine ungeheuerliche Handlung. Du baust eher einen Gedanken aus, anstatt eine Geschichte zu erzählen, beschreibst eine Situation.
Ich würde vielleicht den Monolog der Tochter kürzen, sehr sogar. Geschrieben ist er schön, weißt du, es ist ja eigentlich schade, da was wegzustreichen. Aber in meinen Augen hätte der Text noch wesentlich mehr wirkung, wenn alle drei Teile- Monolog, Arzt-Mutter, Geh-nicht fort etwa gleich lang wären, quasi gleichberechtigt.... War das jetzt unverständlich? Wenn ja, musst du dich eben beschweren. Verdichten, würde ich sagen, verdichten und intensivieren. Der Ansatz ist faszinierend, ertrinkt aber in einem ewigen Still-Liegen der Tochter.
War das jetzt kompletter Blödsinn? Habe ich dich und deine Absichten sträflich missinterpretiert? :-&
Grüße, Silentium
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Stimmen
HAllo !
Grade ins Forum eingetreten und schon so aktiv ... Na dann "Herzlich Willkommen !"
Aber ich weiß nicht; ich stimme Silentium zu, was das Thema "klinisch Tod, etc." betrifft. Das ist ein schönes Thema über das man lang und ausführlich schreiben kann.
Aber irgendwie berührt mich dein Text nicht.
Die Tochter liegt da. Punkt. Sie hört Stimmen. Nickt immer wieder mal weg ...
Dann Mutter und Arzt. Gespräch. Die Geräte, die Tochter am Leben halten sollen, werden abgeschalten ...
Die Tochter will nicht das ihre Mutter weg geht, dass sie nicht "ausgeschalten" wird ...
Allein der letzte Punkt müsst irgendein Gefühl haben. Aber auch nach mehrmaligen lesen, (nach mehrmaligen lautlesen) regt sich da immer noch nichts in mir ...
ICh versuch das mal zu erklären : Es ist alles dunkel - heißt es wirkt auf irgeneine Weise bedrohlich, oder nciht ? Auch denke ich, die Tochter hat Angst. Weil sie ja erst nicht weiß, wer oder was da spricht und letztendlich sagt :
Auch das Gespräch zwischen Artz und Mutter. Der Arzt muss kühl sein, kompetenz zeigen und dein Satz :
Aber die Mutter .. Sicher muss diese Person auch gefasst sein, und ihre knappen, kurzen Sätze zeigen, dass es ihr wohl schwer fallen mag, es zu glauben; aber sie wirkt trotzdem ziemlich kalt auf mich ...
Und ich gebe Siletium Recht, dass dies grad genannte so ist, liegt wohl an der seltamen Aufteilung .... Also ich würde, dass auch noch mal überdenken ...
Sicher ist das hart, aber so seh ich das ... Ich würde nochmals überlegen, wie man Monologe und Gespräche & Gefühle besser unter einen Hut bringen kann ... Ich weiß ja nicht, oder waren die Gefühl nicht gewollt ? Ich mein gibt es ja auch, ein rein Klinischer Bericht (wäre auch mal was), aber dazu ist dann doch schon wieder zuviel Gefühl drin ...
Und ein Punkt kratzt mich dann doch noch :
Liebe Grüße
kleinervogel
Grade ins Forum eingetreten und schon so aktiv ... Na dann "Herzlich Willkommen !"
Aber ich weiß nicht; ich stimme Silentium zu, was das Thema "klinisch Tod, etc." betrifft. Das ist ein schönes Thema über das man lang und ausführlich schreiben kann.
Aber irgendwie berührt mich dein Text nicht.
Die Tochter liegt da. Punkt. Sie hört Stimmen. Nickt immer wieder mal weg ...
Dann Mutter und Arzt. Gespräch. Die Geräte, die Tochter am Leben halten sollen, werden abgeschalten ...
Die Tochter will nicht das ihre Mutter weg geht, dass sie nicht "ausgeschalten" wird ...
Allein der letzte Punkt müsst irgendein Gefühl haben. Aber auch nach mehrmaligen lesen, (nach mehrmaligen lautlesen) regt sich da immer noch nichts in mir ...
ICh versuch das mal zu erklären : Es ist alles dunkel - heißt es wirkt auf irgeneine Weise bedrohlich, oder nciht ? Auch denke ich, die Tochter hat Angst. Weil sie ja erst nicht weiß, wer oder was da spricht und letztendlich sagt :
"ich will" - also fürchtet sie sich. Ich fürchte mich nicht, und das liegt bestimmt nicht daran, dass ich die Nacht an sich mag ...Tief durchatmen. Konzentriere dich. Die Stimmen werden leiser. Nein, bitte nicht, geht nicht weg! Ich will hier nicht alleine im Dunkeln liegen!
Auch das Gespräch zwischen Artz und Mutter. Der Arzt muss kühl sein, kompetenz zeigen und dein Satz :
ist dafür wie geschaffen !Ich denke nicht, dass ihre höheren Gehirnfunktionen noch aktiv sind und glaube wirklich, dass es das Beste ist, sowohl für Sie als auch für ihre Tochter, wenn wir die Geräte abschalten
Aber die Mutter .. Sicher muss diese Person auch gefasst sein, und ihre knappen, kurzen Sätze zeigen, dass es ihr wohl schwer fallen mag, es zu glauben; aber sie wirkt trotzdem ziemlich kalt auf mich ...
Und ich gebe Siletium Recht, dass dies grad genannte so ist, liegt wohl an der seltamen Aufteilung .... Also ich würde, dass auch noch mal überdenken ...
Dieser letzte Satz : schön. Das hat doch was ! Hier merkt man wirklich, dass die Tochter noch lebt. Aber sonst ist es wie beim ersten Monolog auch.Meine Mutter!? Wieso habe ich das nicht gleich bemerkt? Natürlich. Sie ist bei mir.
Nein, bitte nicht. Die Stimmen werden schon wieder leiser.
Mama, wo gehst du hin?
Sicher ist das hart, aber so seh ich das ... Ich würde nochmals überlegen, wie man Monologe und Gespräche & Gefühle besser unter einen Hut bringen kann ... Ich weiß ja nicht, oder waren die Gefühl nicht gewollt ? Ich mein gibt es ja auch, ein rein Klinischer Bericht (wäre auch mal was), aber dazu ist dann doch schon wieder zuviel Gefühl drin ...
Und ein Punkt kratzt mich dann doch noch :
"Dazischen" ? Das ist jetzt bestimmt noch mal der Gong auf der Glocke, aber ich erkenne wirklich keinen Zusammenhang zwischen deinem Text und "Dazwischen" ... Wo zwischen denn ? Zwischen klinisch Tod / geistig Tod & Leben ? Also das wäre mir zuweit hergeholt, auch wenn es möglich wäre ...hier eine Kurzgeschichte zum Thema "Dazwischen".
Liebe Grüße
kleinervogel
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.
Re: Stimmen
Hallo,
ich finde eure Punkte sehr interessant und werde definitiv darüber nachdenken.
Ich finde schon, dass diese Geschichte zum Thema "Dazwischen" passt. Die Tochter lebt und doch nicht, sie kann denken, weiß aber nicht wirklich was mit ihr los ist. Ihr Geist ist da, aber über ihren Körper hat sie keine Kontrolle.
Die "drei Teile" der Geschichte insgesamt gleich lang gestalten? Verdichten? Keine schlechte Idee, aber ich denke dabei muss man auch aufpassen, dass man sie nicht einfach nur "füllt".
Ich denke jedoch nicht, dass ich den Monolog der Tochter kürzen werde, eher gestalte ich das Gespräch zwischen Arzt und Tochter länger. Vor allem in sofern, dass man erkennen kann, dass er vorher schon genug Diskussion zu diesem Thema gegeben hat. Somit erscheint die Mutter vielleicht auch nicht ganz so kalt.
Wie gesagt, ich werde darüber nachdenken.
Danke
Liebe Grüße,
crASHed
ich finde eure Punkte sehr interessant und werde definitiv darüber nachdenken.
Ich finde schon, dass diese Geschichte zum Thema "Dazwischen" passt. Die Tochter lebt und doch nicht, sie kann denken, weiß aber nicht wirklich was mit ihr los ist. Ihr Geist ist da, aber über ihren Körper hat sie keine Kontrolle.
Die "drei Teile" der Geschichte insgesamt gleich lang gestalten? Verdichten? Keine schlechte Idee, aber ich denke dabei muss man auch aufpassen, dass man sie nicht einfach nur "füllt".
Ich denke jedoch nicht, dass ich den Monolog der Tochter kürzen werde, eher gestalte ich das Gespräch zwischen Arzt und Tochter länger. Vor allem in sofern, dass man erkennen kann, dass er vorher schon genug Diskussion zu diesem Thema gegeben hat. Somit erscheint die Mutter vielleicht auch nicht ganz so kalt.
Wie gesagt, ich werde darüber nachdenken.
Danke
Liebe Grüße,
crASHed
Re: Stimmen
Okay, Crashed, nachdem ich an anderer Stelle auf Deiner Geschichte herumgehauen habe wie nichts Gutes, schwinge ich mich hier mal zu Deiner Verteidigung auf - vor allem, weil ich einige Kritikpunkte absolut nicht verstehe (mag ja an mir liegen):
Silentium:
Das mit dem "Falken" kannte ich nicht, ich habe mich aber mal ein wenig schlau gemacht. Nette Theorie. Ich weiss allerdings nicht, was Du mit "ungeheuerlicher Handlung" meinst (oder wen Du zitierst) hier wäre eine Definition notwendig, denn so wie Du es offenbar verstehst (Handlung = äussere Handlung), würden einige berühmte Kurzgeschichten gar keine sein. Zwei Beispiele:
James Joyce: Eveline
(Hier nachzulesen: http://www.englishstory.by.ru/joyce/eveline/ )
Äussere Handlung: Eine Frau sitzt am Fenster, denkt nach, erinnert sich. Das sind 4/5 der Handlung. Im letzten Fünftel betritt sie ein Schiff nicht.
Ernest Hemingway: A clean, well lighted Place
(Hier nachzulesen: http://home.eol.ca/~command/hem.htm )
Äussere Handlung: Ein alter Mann betritt nachts ein Cafe, darin nur zwei Kellner. Die Kellner unterhalten sich untereinander und mit dem alten Mann. Der alte Mann geht wieder, dann schliessen die Kelner das Cafe, einer geht nach Hause, einer in eine Bar und dann auch nach Hause.
(Nachtrag - ich hatte mich geirrt. Der alte Mann betritt das Cafe nicht, er sitzt von Anfang an da. Noch weniger Handlung...
)
Verglichen mit "Eveline" ist das ein wahrer Actionkracher, aber von "ungeheuerlicher (äusserer) Handlung" kann hier wohl kaum die Rede sein. Im Gegensatz zu dem Falken musste ich hier nicht lange nachdenken, beide Kurzgeschichten sind mir sofort eingefallen, weil sie zu meinen Lieblingsgeschichten zählen. Die Wahrscheinlichkeit ist also ziemlich gross (da ich anglistisch nicht übermässig gebildet bin - und germanistisch noch weniger) dass es massenhaft Geschichten gibt, die mir nicht sofort einfallen oder die ich nicht kenne und die ähnlich arm an Action sind.
Es gibt also vier Möglichkeiten: Heyses Falkendefinition greift zu kurz, Du hast sie falsch verstanden, ich habe Dich falsch verstanden oder "Eveline" und "A clean well lighted Place" sind keine Kurzgeschichten. Ich will mich da nicht festlegen, entscheide Du selbst.
Ich halte solche Setzungen aber grundsätzlich für problematisch. Jeder Satz mit "muss", "soll", "darf" in einer Kritik muss, sollte und darf vor allem mehrmals kritisch bedacht werden. Wer will denn Regeln aufstellen, nach denen andere sich beim Schreiben zu richten haben? Auch sowas:
Kleinervogel:
Ja, muss er? Sagt wer? Okay, er tut es hier, aber es ist Crasheds Arzt und ihre Geschichte. Wenn es ihr gefällt, kann er die schreckliche Nachricht singen, sich einen komischen Hut aufsetzen und um das Bett tanzen. Ich wäre dann zugegeben der erste, der so etwas kritisieren würde - aber zunächst mal kann sie schreiben, wie sie möchte.
Generell gewinne ich ein wenig den Eindruck, dass Eure Hauptkritik an Crasheds Geschichte ist, dass sie nicht so ist, wie Ihr eine Kurzgeschichte gerne hättet. Ich bin ziemlich zuversichtlich, das ich Euch da falsch verstehe
, dennoch:
Interessante Idee - aber warum? Ich meine - Du schlägst Crashed vor, den Aufbau ihrer Geschiche radikal zu ändern (und zwar hin zu einem konventionelleren Aufbau :-p ). Es mag ja sein, dass Du gute Gründe dafür hast, aber meines Erachtens hat die Autorin schon ein Anrecht darauf, diese Gründe zu erfahren. Allein der Grund "Dann wäre die Geschichte so, wie eine regelgerechte Kurzgeschichte sein soll" reicht meines Erachtens nicht aus.
Wie gesagt - ich selbst habe an diesem Text auch viel zu kritisieren und habe das in einem anderen Forum, wo Crashed ihn dankenswerterweise auch geposted hat, getan. Dennoch bin ich der Meinung, es verdient Respekt, wenn die Autorin, anstatt einen formalhaften Aufbau mit viel äusserer Handlung zu wählen, sich an den weitaus schwierigeren inneren Monolog als Schwerpunkt wagt. Das kann misslingen, klar. Aber die innere Handlung ist eine anerkannte Form, es hat einen Literaturnobelpreis für ein Buch gegeben, dass zum Großteil darauf beruht. Man muss das nicht mögen (ich mag es - zumindest wenn es Formen wie in "Ulysses" annimmt - auch nicht). Aber dem inneren Monolog generell das Recht abzusprechen, eine Geschichte zu tragen... das ist mutig
Silentium:
Nur, die ausführungs selbst: drei viertel liegt die Tochter herum, Mutter und Abschied sind verschwindend. Eine Kurzgeschichte in dem Sinne ist es nicht, eine Kurzgeschichte hat meist einen "Falken", eine ungeheuerliche Handlung. Du baust eher einen Gedanken aus, anstatt eine Geschichte zu erzählen, beschreibst eine Situation.
Das mit dem "Falken" kannte ich nicht, ich habe mich aber mal ein wenig schlau gemacht. Nette Theorie. Ich weiss allerdings nicht, was Du mit "ungeheuerlicher Handlung" meinst (oder wen Du zitierst) hier wäre eine Definition notwendig, denn so wie Du es offenbar verstehst (Handlung = äussere Handlung), würden einige berühmte Kurzgeschichten gar keine sein. Zwei Beispiele:
James Joyce: Eveline
(Hier nachzulesen: http://www.englishstory.by.ru/joyce/eveline/ )
Äussere Handlung: Eine Frau sitzt am Fenster, denkt nach, erinnert sich. Das sind 4/5 der Handlung. Im letzten Fünftel betritt sie ein Schiff nicht.
Ernest Hemingway: A clean, well lighted Place
(Hier nachzulesen: http://home.eol.ca/~command/hem.htm )
Äussere Handlung: Ein alter Mann betritt nachts ein Cafe, darin nur zwei Kellner. Die Kellner unterhalten sich untereinander und mit dem alten Mann. Der alte Mann geht wieder, dann schliessen die Kelner das Cafe, einer geht nach Hause, einer in eine Bar und dann auch nach Hause.
(Nachtrag - ich hatte mich geirrt. Der alte Mann betritt das Cafe nicht, er sitzt von Anfang an da. Noch weniger Handlung...
Verglichen mit "Eveline" ist das ein wahrer Actionkracher, aber von "ungeheuerlicher (äusserer) Handlung" kann hier wohl kaum die Rede sein. Im Gegensatz zu dem Falken musste ich hier nicht lange nachdenken, beide Kurzgeschichten sind mir sofort eingefallen, weil sie zu meinen Lieblingsgeschichten zählen. Die Wahrscheinlichkeit ist also ziemlich gross (da ich anglistisch nicht übermässig gebildet bin - und germanistisch noch weniger) dass es massenhaft Geschichten gibt, die mir nicht sofort einfallen oder die ich nicht kenne und die ähnlich arm an Action sind.
Es gibt also vier Möglichkeiten: Heyses Falkendefinition greift zu kurz, Du hast sie falsch verstanden, ich habe Dich falsch verstanden oder "Eveline" und "A clean well lighted Place" sind keine Kurzgeschichten. Ich will mich da nicht festlegen, entscheide Du selbst.
Ich halte solche Setzungen aber grundsätzlich für problematisch. Jeder Satz mit "muss", "soll", "darf" in einer Kritik muss, sollte und darf vor allem mehrmals kritisch bedacht werden. Wer will denn Regeln aufstellen, nach denen andere sich beim Schreiben zu richten haben? Auch sowas:
Kleinervogel:
Der Arzt muss kühl sein, kompetenz zeigen
Ja, muss er? Sagt wer? Okay, er tut es hier, aber es ist Crasheds Arzt und ihre Geschichte. Wenn es ihr gefällt, kann er die schreckliche Nachricht singen, sich einen komischen Hut aufsetzen und um das Bett tanzen. Ich wäre dann zugegeben der erste, der so etwas kritisieren würde - aber zunächst mal kann sie schreiben, wie sie möchte.
Generell gewinne ich ein wenig den Eindruck, dass Eure Hauptkritik an Crasheds Geschichte ist, dass sie nicht so ist, wie Ihr eine Kurzgeschichte gerne hättet. Ich bin ziemlich zuversichtlich, das ich Euch da falsch verstehe
Ich würde vielleicht den Monolog der Tochter kürzen, sehr sogar. Geschrieben ist er schön, weißt du, es ist ja eigentlich schade, da was wegzustreichen. Aber in meinen Augen hätte der Text noch wesentlich mehr wirkung, wenn alle drei Teile- Monolog, Arzt-Mutter, Geh-nicht fort etwa gleich lang wären, quasi gleichberechtigt....
Interessante Idee - aber warum? Ich meine - Du schlägst Crashed vor, den Aufbau ihrer Geschiche radikal zu ändern (und zwar hin zu einem konventionelleren Aufbau :-p ). Es mag ja sein, dass Du gute Gründe dafür hast, aber meines Erachtens hat die Autorin schon ein Anrecht darauf, diese Gründe zu erfahren. Allein der Grund "Dann wäre die Geschichte so, wie eine regelgerechte Kurzgeschichte sein soll" reicht meines Erachtens nicht aus.
Wie gesagt - ich selbst habe an diesem Text auch viel zu kritisieren und habe das in einem anderen Forum, wo Crashed ihn dankenswerterweise auch geposted hat, getan. Dennoch bin ich der Meinung, es verdient Respekt, wenn die Autorin, anstatt einen formalhaften Aufbau mit viel äusserer Handlung zu wählen, sich an den weitaus schwierigeren inneren Monolog als Schwerpunkt wagt. Das kann misslingen, klar. Aber die innere Handlung ist eine anerkannte Form, es hat einen Literaturnobelpreis für ein Buch gegeben, dass zum Großteil darauf beruht. Man muss das nicht mögen (ich mag es - zumindest wenn es Formen wie in "Ulysses" annimmt - auch nicht). Aber dem inneren Monolog generell das Recht abzusprechen, eine Geschichte zu tragen... das ist mutig
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
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Sick Steve
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Re: Stimmen
Tja, Razorback's Ausführungen schliesse ich mich an; ich selbst erwarte von einer Kurzgeschichte nicht, daß sie eine bestimmte Form hat oder einem festgelegten Erzählprinzip folgt. Was ich hingegen erwarte ist ein interessantes Thema - das haben wir hier. Kritik aus meiner Sicht übe ich daran, daß die Geschichte für meinen Geschmack - und Kritik ist zu 90 % eine Frage des Geschmacks - zu schnell zur Sache kommt. Im Gegenteil zu den vorstehend abgegebenen Kritiken denke ich, daß man aus dem inneren Monolog noch viel mehr hätte machen können; er hätte noch deutlich länger und den Leser spannungsfördernd in kleineren Schritten zu der Erkenntnis des Hintergrundes führen können. Die aufgeworfenen Fragen (Warum kann ich nicht sehen? Warum erinnere ich mich nicht an meine Träume? Wo bin ich?) bieten ja nun Stoff zum Nachdenken, Raum für Spekulationen beim Leser - das ist es ja letztendlich, was eine Erzählung interessant macht. Die Möglichkeit zum mitfiebern, mitdenken. Wenn dann so Knall auf Fall die Erklärung kommt - Koma, alles klar - bin ich als Leser eher enttäuscht als erleichtert. Der wahrhaft grausige Gedanke hinter der Geschichte, nämliche die schauerliche Diskrepanz zwischen der Vorstellung von Mutter und Arzt und der traurigen Realität der Komatösen, die sehr wohl noch "höhere Hirnaktivitäten" hat, nun aber dem Tod übergeben werden soll, kommt so nicht richtig zur Entfaltung. Der Leser hat zu wenig Zeit, das nackte Grauen in dieser Vorstellung wirklich zu verstehen, bevor ihn schon das Ende der Geschichte überrollt.
Ich halte die Geschichte für thematisch gut und sprachlich absolut in Ordnung - sie sollte ausgebaut, nicht gekürzt werden.
Gruß
Cpt. Sick
Ich halte die Geschichte für thematisch gut und sprachlich absolut in Ordnung - sie sollte ausgebaut, nicht gekürzt werden.
Gruß
Cpt. Sick
Royal with cheese.
Re: Stimmen
Gottogott!
Ich hab's wieder mal geschafft, mich so auszudrücken, dass quasi das gegenteil von dem rauskommt, was ich meine. *sichmitderhandandistirngreif*
Punkt 1.
Mir gefällt der Text
Punkt 2.
Ich rufe NICHT zur konventionellen Form auf. Das darf der Papst, ich bin Atheist.
Jeder darf Falken hineinpacken oder nicht, darf die Falken rupfen und braten: ich rufe nicht auf, sich an einem Schema zu orientieren.
Punkt 3.
Kürzen-nicht kürzen, dass ist hier die Frage. Das Ende ist nach dem langen Anfang für mich zu aprupt.
Vielleicht sollte ich meinen vorherigen Erguss kürzen? Wäre ja mal eine Möglichkeit.
Vielleicht auf: es ist mein SUBJEKTIVER, völlig von meiner momentanen Übermüdung und soweiter geprägter Eindruck, dass die drei Teile im ungleichgewicht sind, die sich auf mein leseverhalten auswirken. Aber vielleicht hat sick steve recht: ausbauen. Auch eine Möglichkeit. Nur wenn, dann bei den unteren beiden Absätzen.
Grüße, Silentium
Ich hab's wieder mal geschafft, mich so auszudrücken, dass quasi das gegenteil von dem rauskommt, was ich meine. *sichmitderhandandistirngreif*
Punkt 1.
Mir gefällt der Text
Punkt 2.
Ich rufe NICHT zur konventionellen Form auf. Das darf der Papst, ich bin Atheist.
Jeder darf Falken hineinpacken oder nicht, darf die Falken rupfen und braten: ich rufe nicht auf, sich an einem Schema zu orientieren.
Punkt 3.
Kürzen-nicht kürzen, dass ist hier die Frage. Das Ende ist nach dem langen Anfang für mich zu aprupt.
Vielleicht sollte ich meinen vorherigen Erguss kürzen? Wäre ja mal eine Möglichkeit.
Vielleicht auf: es ist mein SUBJEKTIVER, völlig von meiner momentanen Übermüdung und soweiter geprägter Eindruck, dass die drei Teile im ungleichgewicht sind, die sich auf mein leseverhalten auswirken. Aber vielleicht hat sick steve recht: ausbauen. Auch eine Möglichkeit. Nur wenn, dann bei den unteren beiden Absätzen.
Grüße, Silentium
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Stimmen
Und ich bin jetzt auch wieder friedlicher gestimmt...
Was mich eigentlich gestört hat, Silentium, war das kategorische "So soll es sein!", das ich sowohl in Deiner als auch, teilweise, in Kleinervogels Kritik gelesen habe. Aber ich habe ja schon vermutet, dass ich da etwas falsch verstanden habe...
Zu Punkt 2:
Doch, tust Du schon, oder? Du schlägst eine gleichmässige Aufteilung vor, plaidierst für mehr äussere Handlung... Mir fehlte da, wie gesagt ein wenig die Begründung. Ansonsten bin ich kein grundsätzlicher Feind eines konventionellen Aufbaus (aber auch kein Atheist, vielleicht liegt's daran
). Es gibt unkonventionellen Mist ebenso wie konventionelle Klasse und umgekehrt. Wenn ich so überlege... Meine Lieblingskurzgeschichte - "Patriotismus" von Yukio Mishima - ist ziemlich konventionell aufgebaut, abgesehen vom allerersten Satz.
Immer willst Du alles kürzen...
Nein ernsthaft - auch im Falle Deiner Kritik: Es muss zwar nicht jeder gleich so endlos salbadern wie ich, aber hier würde ich deutlich "more is more" sagen. Du schreibst ja recht interessante und - wie Du merkst - kontroverse Thesen, Begründungen wären gut!
Ja, schon klar, den Eindruck eines dieser eklen Menschen die sich selbst für eine objektive Instanz halten, machst Du nicht. Nimm die Kritik an der Kritik ebenso. Es ist eben meine - subjektive etc. - Meinung, dass starre Regeln (abgesehen von denen der Grammatik und der Rechtschreibung) schlecht sind. Es gibt Leute, bekannte Menschen die mit Kritik ihr Geld verdienen und nicht amateurhaft im Internet und versteckt hinter dem Namen eines Wildschweins (Razorback
) kritisieren, die flezen sich im Fernsehen in bequeme Sessel, rühren mit dem Finger in der Luft und verkünden: "Ein Roman darf nicht...!" 
Was mich eigentlich gestört hat, Silentium, war das kategorische "So soll es sein!", das ich sowohl in Deiner als auch, teilweise, in Kleinervogels Kritik gelesen habe. Aber ich habe ja schon vermutet, dass ich da etwas falsch verstanden habe...
Zu Punkt 2:
Doch, tust Du schon, oder? Du schlägst eine gleichmässige Aufteilung vor, plaidierst für mehr äussere Handlung... Mir fehlte da, wie gesagt ein wenig die Begründung. Ansonsten bin ich kein grundsätzlicher Feind eines konventionellen Aufbaus (aber auch kein Atheist, vielleicht liegt's daran
Vielleicht sollte ich meinen vorherigen Erguss kürzen? Wäre ja mal eine Möglichkeit.
Immer willst Du alles kürzen...
Nein ernsthaft - auch im Falle Deiner Kritik: Es muss zwar nicht jeder gleich so endlos salbadern wie ich, aber hier würde ich deutlich "more is more" sagen. Du schreibst ja recht interessante und - wie Du merkst - kontroverse Thesen, Begründungen wären gut!
(...) es ist mein SUBJEKTIVER, (...) Eindruck, (...)
Ja, schon klar, den Eindruck eines dieser eklen Menschen die sich selbst für eine objektive Instanz halten, machst Du nicht. Nimm die Kritik an der Kritik ebenso. Es ist eben meine - subjektive etc. - Meinung, dass starre Regeln (abgesehen von denen der Grammatik und der Rechtschreibung) schlecht sind. Es gibt Leute, bekannte Menschen die mit Kritik ihr Geld verdienen und nicht amateurhaft im Internet und versteckt hinter dem Namen eines Wildschweins (Razorback
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Stimmen
Hallo razorback!
Jetzt sind wir soweit, dass wir über Kritik verhandeln, wo es doch eigentlich um einen Text geht.
Eigentlich nicht fair von uns der Autorin von "Stimmen" gegenüber, da ihren Thread zweckzuentfremden...
Weißt du, wie ich geschrieben habe
war das nicht als Kritik gemeint, sondern nur meine Feststellung, das es eine sehr ungewöhnliche Kurzgeschichtenform ist, nicht das, was ich normalerweise darunter verstehe. Eine Feststellung a la "aha, der Himmel ist heute grün"- nicht "macht gefälltigst wieder den Himmel blau, ich hasse grün!"
Ich hab' dann das mit dem Kürzen unmittelbar darauf geschrieben, dass es zur Kritik gehörig ausschaut. Ich war also sogar beim zweiten Post nicht fähig, dieses unschöne missverständniss aufzuklären.
Es kommt so raus, als würde ich für eine änderung der form plädieren: was ich nicht will! Die Handlung ist absolut in Ordnung und wie gesagt -mit dem aufbau darf es jeder so halten, wie er will.
Begründung dafür, dass ich gemeint habe, dass man vielleicht den ersten teil kürzen könnte oder den rest verändern (ich habe, zu meiner verteidigung, kein einziges mal die wörter : "muss, darf, soll" verwendet. Nur "würde"...)
Also, Begründung, warum das ungleichgewicht mich irritiert: kennst du das konzert mit dem paukenschlag von Haydn?
Der liebe Komponist hat sich darüber aufgeregt, dass die Leute im Konzert nicht ordentlich aufpassen. Daher hat er hinter der Bühne eine Pauke stehen gehabt und mitten in einer ruhigen Melodie -Tusch!
Ein bisschen so ist das für mich. Vielleicht bin ich aber einfach auch ein Konzertbesucher, dem der Paukenschlag recht geschieht, weil er nich aufgepasst hat...
So, falls es wieder erwarten doch einen gott gibt: bitte, gib, dass ich mich endlich verständlich, unmissverständlich ausgedrückt habe!
Jetzt sind wir soweit, dass wir über Kritik verhandeln, wo es doch eigentlich um einen Text geht.
Eigentlich nicht fair von uns der Autorin von "Stimmen" gegenüber, da ihren Thread zweckzuentfremden...
Weißt du, wie ich geschrieben habe
Eine Kurzgeschichte in dem Sinne ist es nicht, eine Kurzgeschichte hat meist einen "Falken", eine ungeheuerliche Handlung. Du baust eher einen Gedanken aus, anstatt eine Geschichte zu erzählen, beschreibst eine Situation.
war das nicht als Kritik gemeint, sondern nur meine Feststellung, das es eine sehr ungewöhnliche Kurzgeschichtenform ist, nicht das, was ich normalerweise darunter verstehe. Eine Feststellung a la "aha, der Himmel ist heute grün"- nicht "macht gefälltigst wieder den Himmel blau, ich hasse grün!"
Ich hab' dann das mit dem Kürzen unmittelbar darauf geschrieben, dass es zur Kritik gehörig ausschaut. Ich war also sogar beim zweiten Post nicht fähig, dieses unschöne missverständniss aufzuklären.
Es kommt so raus, als würde ich für eine änderung der form plädieren: was ich nicht will! Die Handlung ist absolut in Ordnung und wie gesagt -mit dem aufbau darf es jeder so halten, wie er will.
Begründung dafür, dass ich gemeint habe, dass man vielleicht den ersten teil kürzen könnte oder den rest verändern (ich habe, zu meiner verteidigung, kein einziges mal die wörter : "muss, darf, soll" verwendet. Nur "würde"...)
Also, Begründung, warum das ungleichgewicht mich irritiert: kennst du das konzert mit dem paukenschlag von Haydn?
Der liebe Komponist hat sich darüber aufgeregt, dass die Leute im Konzert nicht ordentlich aufpassen. Daher hat er hinter der Bühne eine Pauke stehen gehabt und mitten in einer ruhigen Melodie -Tusch!
Ein bisschen so ist das für mich. Vielleicht bin ich aber einfach auch ein Konzertbesucher, dem der Paukenschlag recht geschieht, weil er nich aufgepasst hat...
So, falls es wieder erwarten doch einen gott gibt: bitte, gib, dass ich mich endlich verständlich, unmissverständlich ausgedrückt habe!
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Stimmen
Hallo,
ihr seid mir vielleicht ein lustiger Haufen...
Ich finde die Diskussion, die meine Kurzgeschichte entfacht hat, echt interessant und verfolge sie höchst amüsiert
Jedenfalls muss ich razorback recht geben, auch ich bin kein begeisterter Anhänger von Konventionen. Ich schreibe was mir in den Sinn kommt, eben weil es mir in den Sinn kommt.
In erster Linie habe ich schon immer nur für mich geschrieben und auch wenn jeder mich weinend anflehen würde, doch bitte mit dem Schreiben aufzuhören, ich würde mich nicht darum kümmern.
Dennoch interessiert mich die Meinung von Menschen, die nicht gerade meine Freunde sind und denen es somit egal ist, ob sie mit einer Kritik meine Gefühle verletzten oder nicht.
Ich bin leider sehr ungeduldig und vermutlich komme ich deshalb bei Kurzgescichten immer sehr schnell zum Punkt und ich denke auch, dass razorback und steve recht haben, insofern, dass ich die Geschichte eher etwas ausbauen müsste.
Den Dialog mit dem Arzt werde ich wie gesagt verlängern bzw. ändern und, hmm, ich denke, ich werde auch die anderen Sachen, die razorback im Forum der "Jungen Lektoren" bemerkt hat, berücksichtigen.
Ich mag "Stimmen" und bedanke mich für eure Zeit und eure Gedanken...
Liebe Grüße
crASHed
ihr seid mir vielleicht ein lustiger Haufen...
Ich finde die Diskussion, die meine Kurzgeschichte entfacht hat, echt interessant und verfolge sie höchst amüsiert
Jedenfalls muss ich razorback recht geben, auch ich bin kein begeisterter Anhänger von Konventionen. Ich schreibe was mir in den Sinn kommt, eben weil es mir in den Sinn kommt.
In erster Linie habe ich schon immer nur für mich geschrieben und auch wenn jeder mich weinend anflehen würde, doch bitte mit dem Schreiben aufzuhören, ich würde mich nicht darum kümmern.
Dennoch interessiert mich die Meinung von Menschen, die nicht gerade meine Freunde sind und denen es somit egal ist, ob sie mit einer Kritik meine Gefühle verletzten oder nicht.
Ich bin leider sehr ungeduldig und vermutlich komme ich deshalb bei Kurzgescichten immer sehr schnell zum Punkt und ich denke auch, dass razorback und steve recht haben, insofern, dass ich die Geschichte eher etwas ausbauen müsste.
Den Dialog mit dem Arzt werde ich wie gesagt verlängern bzw. ändern und, hmm, ich denke, ich werde auch die anderen Sachen, die razorback im Forum der "Jungen Lektoren" bemerkt hat, berücksichtigen.
Ich mag "Stimmen" und bedanke mich für eure Zeit und eure Gedanken...
Liebe Grüße
crASHed
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gelbsucht
- Pegasos
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- Wohnort: Das Dorf der Dussel an der Düssel
Re: Stimmen
Hallo CrASHed,
ich wollte noch unbedingt einen kleinen Kommentar zu deinem Text abliefern, wenn ich darf. Entschuldigung, wenn ich irgendetwas wiederhole, was bereits gesagt wurde, aber die Mühe, die anderen Meinungen zu lesen, habe ich mir jetzt nicht gemacht. Meine Kritik umfasst vier Punkte:
gelbe grüsse 
ich wollte noch unbedingt einen kleinen Kommentar zu deinem Text abliefern, wenn ich darf. Entschuldigung, wenn ich irgendetwas wiederhole, was bereits gesagt wurde, aber die Mühe, die anderen Meinungen zu lesen, habe ich mir jetzt nicht gemacht. Meine Kritik umfasst vier Punkte:
- Ich finde den Text etwas absurd. Die Vorstellung, dass ein Mensch, der, wie du ihn hier offensichtlich darstellst, gehirntot ist, noch seine Umgebung wahrnimmt, noch deutlich Stimmen hören und unterscheiden kann, noch der Sprache fähig ist und Selbstgespräche führt und darüber hinaus über ein völlig intaktes Ich-Bewusstsein verfügt, ist reichlich naiv und weit hergeholt. Um das zu leisten, wäre dieses Gehirn noch ziemlich gesund und rege, was sich auch mit einem einfachen EEG ohne weiteres nachweisen ließe. Ein Koma kann man sich sicherlich nicht einfach als Zustand der Blindheit denken, während alle anderen Funktionen und Wahrnehmungen des Gehirns unbeeinträchtigt sind. Insofern werfe ich dir hier erst mal vor, den medizinischen Aspekt deiner Geschichte schlecht recherchiert zu haben. Es gibt im Internet bestimmt auch Erfahrungsberichte von ehemaligen Koma-Patienten, die Leben und Bewusstsein wiedererlangt haben.
- "Ich denke nicht, dass ihre höheren Gehirnfunktionen noch aktiv sind und glaube wirklich ..." Er denkt? Er glaubt? Was ist das denn für ein Arzt? Kann er das nicht wenigstens ein bisschen erklären? Kann er nicht eins, zwei Argumente bringen, kann er nicht eins, zwei Fachtermini verwenden? Der Arzt kommt mir wie ein Kurpfuscher vor ... ein richtiger Arzt würde sich sicherlich anders ausdrücken. Er muss doch wenigstens begründen, warum es keine Chancen auf Heilung mehr gibt und warum der jetzige Zustand der Patienten vollkommen aussichtslos ist.
- Auch insgesamt ist das Gespräch zwischen Arzt und Mutter reichlich unglaubwürdig und zu kurz. Besonders die Reaktion der Mutter ist bar jeder Realität. Die Mutter, die ich bei deiner Geschichte vor Augen hatte, ist ein selbstsüchtiges Rabenaas, das so schnell wie möglich will, dass ihr Kind unter der Erde liegt, damit sie sich den Weg ins Krankenhaus ersparen kann. Wie anders lässt es sich erklären, dass sie sofort und widerstandslos in die Abschaltung der Geräte einwilligt? Das Gespräch zwischen Arzt und Mutter müsste a.) ausgebaut werden und b.) dramatischer gestaltet werden, die Mutter muss um das Leben ihres Kindes kämpfen ... mit allen Mitteln, c.) das, was der Arzt sagt, muss glaubwürdiger und fundierter sein.
- Das Ende würde dramatischer wirken, wenn du auf den letzten Absatz ("Meine Mutter!? [...] Wo gehst du hin?") ganz verzichten würdest und die Geschichte mit der vom Arzt abgerungenen Einwilligung der Mutter enden lassen würdest: „Sie haben vermutlich recht.“ Stille. „Stellen Sie die Geräte ab.“ Den Rest denkt sich der Leser selbst.
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)
Re: Stimmen
gelbsucht:
Ja, stimmt, gelb, das ist wirklich absurd. Ebenso diese Geschichte, vielleicht erinnerst Du Dich, wo sich dieser Typ in einen Käfer verwandelt. Ein so grosser Käfer - das geht doch gar nicht. Da würde die Tracheenatmung gar nicht funktionieren, und alleine das Gewicht des Chitins...
Um Missverständnissen vorzubeugen - ich möchte Crashed selbstverständlich nicht mit Kafka gleichsetzen. Der spielte in einer völlig anderen Liga. Soll keine Beleidigung sein, Crashed, falls es Dich tröstet: Ich spiele auch nicht in Kafkas Liga, sie würden mich nicht einmal in sein Stadion lassen...
Aber ich habe Crasheds Geschichte eigentlich nie als naturwissenschaftliche Warnung der Marke "vielleicht gibt es aber Hirnströme, die heute noch nicht messbar sind" oder ähnlich empfunden. Eher als metaphysischen Gedanken - vielleicht lebt etwas in einem Menschen, dass mit technischen oder Verstandesmitteln nicht zu erfassen ist. Man kann da anderer Meinung sein, sicher. Aber einen Text als absurd zu bezeichnen, nur weil er eine solche Möglichkeit aufzeigt, finde ich ziemlich hart.
Es gibt ja im Moment viele Diskussionen der Art "Wann beginnt und endet Leben". Die Position "mit Beginn und Ende der messbaren Gehirtätigkeit" ist darin ein Standpunkt - ein vergleichsweise radikaler.
Deinen übrigen Kritikpunkten würde ich mich dagegen anschliessen.
Ich finde den Text etwas absurd. Die Vorstellung, dass ein Mensch, der, wie du ihn hier offensichtlich darstellst, gehirntot ist, noch seine Umgebung wahrnimmt, noch deutlich Stimmen hören und unterscheiden kann, noch der Sprache fähig ist und Selbstgespräche führt und darüber hinaus über ein völlig intaktes Ich-Bewusstsein verfügt, ist reichlich naiv und weit hergeholt. Um das zu leisten, wäre dieses Gehirn noch ziemlich gesund und rege, was sich auch mit einem einfachen EEG ohne weiteres nachweisen ließe.
Ja, stimmt, gelb, das ist wirklich absurd. Ebenso diese Geschichte, vielleicht erinnerst Du Dich, wo sich dieser Typ in einen Käfer verwandelt. Ein so grosser Käfer - das geht doch gar nicht. Da würde die Tracheenatmung gar nicht funktionieren, und alleine das Gewicht des Chitins...
Um Missverständnissen vorzubeugen - ich möchte Crashed selbstverständlich nicht mit Kafka gleichsetzen. Der spielte in einer völlig anderen Liga. Soll keine Beleidigung sein, Crashed, falls es Dich tröstet: Ich spiele auch nicht in Kafkas Liga, sie würden mich nicht einmal in sein Stadion lassen...
Aber ich habe Crasheds Geschichte eigentlich nie als naturwissenschaftliche Warnung der Marke "vielleicht gibt es aber Hirnströme, die heute noch nicht messbar sind" oder ähnlich empfunden. Eher als metaphysischen Gedanken - vielleicht lebt etwas in einem Menschen, dass mit technischen oder Verstandesmitteln nicht zu erfassen ist. Man kann da anderer Meinung sein, sicher. Aber einen Text als absurd zu bezeichnen, nur weil er eine solche Möglichkeit aufzeigt, finde ich ziemlich hart.
Es gibt ja im Moment viele Diskussionen der Art "Wann beginnt und endet Leben". Die Position "mit Beginn und Ende der messbaren Gehirtätigkeit" ist darin ein Standpunkt - ein vergleichsweise radikaler.
Deinen übrigen Kritikpunkten würde ich mich dagegen anschliessen.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Stimmen
Ich habe "Stimmen" nun überarbeitet, aber so wirklich glücklich bin ich damit nicht. Ich finde der Ausbau des zweiten Teils nimmt die Überraschung des Schlusses weg. Ob ich den letzen Absatz, in dem die Tochter ihre Mutter erkennt, lasse, weiß ich noch nicht. Darüber hatte ich mir von Beginn an schon Gedanken gemacht, bin aber immer noch zu keinem Ergebnis gekommen. Was meint ihr?
Ich fühle mich ob eurer Kritik nicht beleidigt oder angegriffen, keine Sorge.
Das mit dem Kafka Vergleich habe ich schon richtig verstanden, und wenn ich ehrlich bin, ich würde auch gar nicht gerne mit ihm verglichen werden, da Kafka mich nicht anspricht. Aber das ist ja Geschmacksache
Allerdings muss ich zu gelbsucht sagen, dass es wirklich nicht in meiner Absicht lag, ein wissenschaftlich korrektes und logisches Werk zu schaffen. Ich studiere Psychologie und bin der Meinung, dass sich Leben nicht wirklich messen läßt.
Woher will man wissen, was mit der Seele des Menschen ist, nachdem er gestorben ist? Mit gestorben meine ich jetzt, dass keine körperlichen Funktionen mehr messbar sind.
Mir ging es bei meiner Geschichte um den Konflikt, wann lebt man, was bedeutet leben, wie fühlt man leben? Wer kann sagen, diese Person lebt nicht mehr, weil sie was weiß ich wie lange im Koma liegt?
Woher weiß ich WIRKLICH, was in Menschen vor sich geht, wenn sie im Koma liegen?
Zum Thema "Augenzeugen - Berichten" kann ich nur sagen, dass ich da persönlich vorsichtig wäre. Was für eine Person stimmt, kann bei jemand anderem ganz anders sein. Außerdem, woher weiß ich, dass mir jemand nicht nur das erzählt, von dem er denkt, das Andere das so hören wollen?
Wie auch immer, hier nun die etwas anderen
Stimmen
Um mich herum ist alles dunkel. Ich liege. Weich. Wo? Ich weiß es nicht. Zuerst ist alles still. Dann höre ich ein leises Rauschen, es kommt immer näher, bis aus dem Rauschen schließlich Stimmen werden.
Ich weiß jetzt zwar, dass das Rauschen in Wirklichkeit Stimmen sind, was diese Stimmen jedoch sagen, verstehe ich nicht.
Zusammenhangsloses Zeug.
Jetzt zieht es auch noch! Woher? Ein Luftzug? Wo bin ich nur?
Ich werde müde, vielleicht sollte ich mich einfach noch ein wenig ausruhen. Langsam drifte ich weg. Nichts. Gar nichts.
Als ich wieder wach werde, stelle ich fest, dass ich mich wieder einmal an keinen Traum erinnern kann. Das geht scheinbar schon ewig so. Warum? Ich konnte mich doch auch früher fast immer an meine Träume erinnern.
Doch jetzt? Träume ich etwa nicht mehr? Aber nein, das geht nicht, oder? Schließlich wird man dann doch irgendwann verrückt. Und ich bin nicht verrückt.
Da sind sie wieder. Die Stimmen. Warum nur verstehe ich sie nicht? Ich versuche angestrengter zuzuhören. Irgendwie kommen mir die Stimmer schon bekannt vor.
Und warum, verdammt noch einmal, ist hier alles so dunkel? Wo bin ich? Was ist das Letzte, an das ich mich erinnern kann? Stimmen. Ja, und dann wurde ich müde und bin eingeschlafen. Davor? Ich weiß es nicht. Alles scheint so verschwommen.
Moment. Was war das? Das war doch mein Name, oder? Warum sagen die Stimmen meinen Namen? Bin ich etwa doch verrückt? Nein. Ich habe es doch ganz deutlich gehört: .......
Da. Eben schon wieder. Wer ist das? Woher kennt mich diese Person und wo ist sie? Wieso kann ich sie nicht sehen?
Halt. Was war das? Wärme. Eine Berührung? Von wem? Warum? Ist mir so etwas vorher schon einmal aufgefallen? Ich weiß es einfach nicht! Mir kommt es so vor, als hätte ich sehr lange geschlafen, ohne zu träumen natürlich. Und obwohl ich lange geschlafen habe, bin ich fast immer müde und muss deshalb immer wieder schlafen. Kann das Leben nur aus Schlaf bestehen? Vielleicht ist ja Alles nur ein Traum? Aber, kann man so lange träumen? Mit kommt es fast schon wie eine Ewigkeit vor.
Die Stimmen nennen mich wieder beim Namen, greifen nochmals nach mir. Wer ist das und wieso kann ich die Person nicht sehen?
Meine Augen sind offen, aber ich sehe einfach nichts!
Oh, mein Gott, ich bin doch nicht etwa blind, oder? Nein. Warum sollte ich auf einmal blind sein?
Tief durchatmen. Konzentriere dich. Die Stimmen werden leiser. Nein, bitte nicht, geht nicht weg! Ich will hier nicht alleine im Dunkeln liegen!
Weg sind sie. Verdammt. Und nun? Schlafen? Ja. Schlafen.
Diesmal haben mich die Stimmen geweckt. Wie lange ich wohl geschlafen habe? Natürlich ist es immer noch dunkel und an einen Traum kann ich mich nach wie vor nicht erinnern.
Die Stimmen nennen mich wieder beim Namen. Also wirklich! Jetzt reiß dich zusammen und versuche zu verstehen, wer da mit dir spricht!
Ich verstehe es einfach nicht. Wo bin ich und warum hilft mir niemand?
„Frau M.? Könnten Sie bitte mit in mein Arbeitszimmer kommen?“
Sie springt auf. „Warum, gibt es etwas Neues? Ich lasse ..... doch nur so ungern allein. Könnten wir das nicht auch hier besprechen?“
„Mir wäre es lieber, Sie würden mitkommen“
Zögern. „Also gut.“
Sie folgt ihm. Hoffnung. Mit der Gewissheit verbunden doch wieder enttäuscht zu werden. Wie schon so oft davor.
Sie setzten sich. Schauen einander an. Er sucht nach Worten. Oder kommt es ihr nur so vor?
„Ich möchte ehrlich zu ihnen sein, Frau M., seit dem Unfall von ..... sind nun schon über fünf Monate vergangen und seit diesem Tag ist es zu keiner Verbesserung gekommen. Es sieht auch nicht danach aus, als würde sich an ..... Zustand etwas ändern.
Wie wir schon besprochen haben, ..... hatte sich nie bezüglich ihren Wünschen bei einer derartigen Situation geäußert, schriftlich ist auch nichts festgehalten worden. Somit liegt die Entscheidung, wie wir weiterhin vorgehen sollen, bei ihnen. Ich weiß, einer derartige Entscheidung ist nicht einfach und wir haben auch schon oft alle möglichen Situationen durchgesprochen; mittlerweile sind wir jedoch an einem Punkt angelangt, an dem es immer deutlicher wird, dass ..... nicht wieder das Bewusstsein erlangen wird.“
Stille. Keiner kann dem Anderen wirklich in die Augen sehen. Sie blickt auf den Boden. Die ganzen Monate über hatte sie versucht, diese Möglichkeit so weit wie möglich von sich fernzuhalten. Sie wollte nie darüber nachdenken. Über genau diesen Moment. Sie soll entscheiden. Sie muss entscheiden, was besser ist. Soll ihre Tochter wie bisher „weiterleben“ oder ist es besser dem Ganzen ein Ende zu setzten? Dem Leben ihrer Tochter ein Ende zu setzten. Wie sich das anhört? Sie muss fast lachen. Aber so etwas muss man doch versuchen einigermaßen objektiv anzugehen, oder? Sie muss doch berücksichtigen, was für ihre Tochter am Besten ist und sie nicht nur am Leben lassen, weil ihre Mutter sie nicht verlieren will, oder? Ist das egoistisch? Das eigene Kind nicht verlieren zu wollen? Wohl kaum. Aber ist es nicht doch egoistisch, wenn man dafür, dass man sein Kind nicht verliert, dessen Leid in Kauf nimmt? Woher weiß man, ob ein Mensch der im Koma liegt leidet?
Was würde .... wollen? Doch bestimmt kein Leben an Geräten, Überleben ist nicht gleich Leben, oder?
Vielleicht ist es wirklich besser loszulassen. Wenn es wirklich keine Hoffnung mehr gibt.
„Sie haben vermutlich recht.“ Stille. „Stellen Sie die Geräte ab.“
Meine Mutter!? Wieso habe ich das nicht gleich bemerkt? Natürlich. Sie ist bei mir.
Nein, bitte nicht. Die Stimmen werden schon wieder leiser.
Mama, wo gehst du hin?
bin wirklich gespannt auf euren neuen Verriss
Ich fühle mich ob eurer Kritik nicht beleidigt oder angegriffen, keine Sorge.
Das mit dem Kafka Vergleich habe ich schon richtig verstanden, und wenn ich ehrlich bin, ich würde auch gar nicht gerne mit ihm verglichen werden, da Kafka mich nicht anspricht. Aber das ist ja Geschmacksache
Allerdings muss ich zu gelbsucht sagen, dass es wirklich nicht in meiner Absicht lag, ein wissenschaftlich korrektes und logisches Werk zu schaffen. Ich studiere Psychologie und bin der Meinung, dass sich Leben nicht wirklich messen läßt.
Woher will man wissen, was mit der Seele des Menschen ist, nachdem er gestorben ist? Mit gestorben meine ich jetzt, dass keine körperlichen Funktionen mehr messbar sind.
Mir ging es bei meiner Geschichte um den Konflikt, wann lebt man, was bedeutet leben, wie fühlt man leben? Wer kann sagen, diese Person lebt nicht mehr, weil sie was weiß ich wie lange im Koma liegt?
Woher weiß ich WIRKLICH, was in Menschen vor sich geht, wenn sie im Koma liegen?
Zum Thema "Augenzeugen - Berichten" kann ich nur sagen, dass ich da persönlich vorsichtig wäre. Was für eine Person stimmt, kann bei jemand anderem ganz anders sein. Außerdem, woher weiß ich, dass mir jemand nicht nur das erzählt, von dem er denkt, das Andere das so hören wollen?
Wie auch immer, hier nun die etwas anderen
Stimmen
Um mich herum ist alles dunkel. Ich liege. Weich. Wo? Ich weiß es nicht. Zuerst ist alles still. Dann höre ich ein leises Rauschen, es kommt immer näher, bis aus dem Rauschen schließlich Stimmen werden.
Ich weiß jetzt zwar, dass das Rauschen in Wirklichkeit Stimmen sind, was diese Stimmen jedoch sagen, verstehe ich nicht.
Zusammenhangsloses Zeug.
Jetzt zieht es auch noch! Woher? Ein Luftzug? Wo bin ich nur?
Ich werde müde, vielleicht sollte ich mich einfach noch ein wenig ausruhen. Langsam drifte ich weg. Nichts. Gar nichts.
Als ich wieder wach werde, stelle ich fest, dass ich mich wieder einmal an keinen Traum erinnern kann. Das geht scheinbar schon ewig so. Warum? Ich konnte mich doch auch früher fast immer an meine Träume erinnern.
Doch jetzt? Träume ich etwa nicht mehr? Aber nein, das geht nicht, oder? Schließlich wird man dann doch irgendwann verrückt. Und ich bin nicht verrückt.
Da sind sie wieder. Die Stimmen. Warum nur verstehe ich sie nicht? Ich versuche angestrengter zuzuhören. Irgendwie kommen mir die Stimmer schon bekannt vor.
Und warum, verdammt noch einmal, ist hier alles so dunkel? Wo bin ich? Was ist das Letzte, an das ich mich erinnern kann? Stimmen. Ja, und dann wurde ich müde und bin eingeschlafen. Davor? Ich weiß es nicht. Alles scheint so verschwommen.
Moment. Was war das? Das war doch mein Name, oder? Warum sagen die Stimmen meinen Namen? Bin ich etwa doch verrückt? Nein. Ich habe es doch ganz deutlich gehört: .......
Da. Eben schon wieder. Wer ist das? Woher kennt mich diese Person und wo ist sie? Wieso kann ich sie nicht sehen?
Halt. Was war das? Wärme. Eine Berührung? Von wem? Warum? Ist mir so etwas vorher schon einmal aufgefallen? Ich weiß es einfach nicht! Mir kommt es so vor, als hätte ich sehr lange geschlafen, ohne zu träumen natürlich. Und obwohl ich lange geschlafen habe, bin ich fast immer müde und muss deshalb immer wieder schlafen. Kann das Leben nur aus Schlaf bestehen? Vielleicht ist ja Alles nur ein Traum? Aber, kann man so lange träumen? Mit kommt es fast schon wie eine Ewigkeit vor.
Die Stimmen nennen mich wieder beim Namen, greifen nochmals nach mir. Wer ist das und wieso kann ich die Person nicht sehen?
Meine Augen sind offen, aber ich sehe einfach nichts!
Oh, mein Gott, ich bin doch nicht etwa blind, oder? Nein. Warum sollte ich auf einmal blind sein?
Tief durchatmen. Konzentriere dich. Die Stimmen werden leiser. Nein, bitte nicht, geht nicht weg! Ich will hier nicht alleine im Dunkeln liegen!
Weg sind sie. Verdammt. Und nun? Schlafen? Ja. Schlafen.
Diesmal haben mich die Stimmen geweckt. Wie lange ich wohl geschlafen habe? Natürlich ist es immer noch dunkel und an einen Traum kann ich mich nach wie vor nicht erinnern.
Die Stimmen nennen mich wieder beim Namen. Also wirklich! Jetzt reiß dich zusammen und versuche zu verstehen, wer da mit dir spricht!
Ich verstehe es einfach nicht. Wo bin ich und warum hilft mir niemand?
„Frau M.? Könnten Sie bitte mit in mein Arbeitszimmer kommen?“
Sie springt auf. „Warum, gibt es etwas Neues? Ich lasse ..... doch nur so ungern allein. Könnten wir das nicht auch hier besprechen?“
„Mir wäre es lieber, Sie würden mitkommen“
Zögern. „Also gut.“
Sie folgt ihm. Hoffnung. Mit der Gewissheit verbunden doch wieder enttäuscht zu werden. Wie schon so oft davor.
Sie setzten sich. Schauen einander an. Er sucht nach Worten. Oder kommt es ihr nur so vor?
„Ich möchte ehrlich zu ihnen sein, Frau M., seit dem Unfall von ..... sind nun schon über fünf Monate vergangen und seit diesem Tag ist es zu keiner Verbesserung gekommen. Es sieht auch nicht danach aus, als würde sich an ..... Zustand etwas ändern.
Wie wir schon besprochen haben, ..... hatte sich nie bezüglich ihren Wünschen bei einer derartigen Situation geäußert, schriftlich ist auch nichts festgehalten worden. Somit liegt die Entscheidung, wie wir weiterhin vorgehen sollen, bei ihnen. Ich weiß, einer derartige Entscheidung ist nicht einfach und wir haben auch schon oft alle möglichen Situationen durchgesprochen; mittlerweile sind wir jedoch an einem Punkt angelangt, an dem es immer deutlicher wird, dass ..... nicht wieder das Bewusstsein erlangen wird.“
Stille. Keiner kann dem Anderen wirklich in die Augen sehen. Sie blickt auf den Boden. Die ganzen Monate über hatte sie versucht, diese Möglichkeit so weit wie möglich von sich fernzuhalten. Sie wollte nie darüber nachdenken. Über genau diesen Moment. Sie soll entscheiden. Sie muss entscheiden, was besser ist. Soll ihre Tochter wie bisher „weiterleben“ oder ist es besser dem Ganzen ein Ende zu setzten? Dem Leben ihrer Tochter ein Ende zu setzten. Wie sich das anhört? Sie muss fast lachen. Aber so etwas muss man doch versuchen einigermaßen objektiv anzugehen, oder? Sie muss doch berücksichtigen, was für ihre Tochter am Besten ist und sie nicht nur am Leben lassen, weil ihre Mutter sie nicht verlieren will, oder? Ist das egoistisch? Das eigene Kind nicht verlieren zu wollen? Wohl kaum. Aber ist es nicht doch egoistisch, wenn man dafür, dass man sein Kind nicht verliert, dessen Leid in Kauf nimmt? Woher weiß man, ob ein Mensch der im Koma liegt leidet?
Was würde .... wollen? Doch bestimmt kein Leben an Geräten, Überleben ist nicht gleich Leben, oder?
Vielleicht ist es wirklich besser loszulassen. Wenn es wirklich keine Hoffnung mehr gibt.
„Sie haben vermutlich recht.“ Stille. „Stellen Sie die Geräte ab.“
Meine Mutter!? Wieso habe ich das nicht gleich bemerkt? Natürlich. Sie ist bei mir.
Nein, bitte nicht. Die Stimmen werden schon wieder leiser.
Mama, wo gehst du hin?
bin wirklich gespannt auf euren neuen Verriss
Re: Stimmen
Diese Version ist entschieden besser, deshalb wird der Verriss (Dein Wort!
) jetzt dataillierter
:
Du hast den Tastsinn wieder aufgenommen und gehst weiter unten dann auch auf Berührungen etc. ein. Es wird Dich nicht wundern, dass ich das gut finde
. Dennoch - und ich lasse mich da gerne von jemandem korrigieren, der mehr Ahnung hat als ich: Meines Wissens müsste sie zumindest an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen sein. Denn keine Gehirtätigkeit bei funktionierender Atmung und Herztätigkeit, das geht, soviel ich weiss, nicht. Wieso also spürt sie diese Maschine nicht, und die Sonden, die ihre Körperfunktionen überwachen?
Wirklichkeit? In ihrer Lage müsste sie sich eigentlich ein völlig neues Konzept der Wirklichkeit entwerfen, oder zumindest grosse Zweifel haben, was wirklich ist und was nicht (an anderer Stelle lässt Du sie ja - wie ich finde sehr folgerichtig - Zweifeln, ob sie träumt oder nicht).
Wieso hält sie die Tatsache, dass sie ihren Nemen hört, für ein Anzeichen von Wahnsinn?
Mir gefällt ausserdem nicht, dass Du den Namen Deiner Heldin durchgängig durch eine Leerstelle ersetzt, ich würde - wenn's denn sein muss - ein Initial vorziehen, aber das ist wirklich reine Geschmackssache
Interessant (und ein wenig fragwürdig) ist, dass sie das nicht funktionieren ihrer Sinne (hört schlecht, sieht nichts, schmeckt und riecht offenbar auch nichts) nicht in einen Zusammenhang bringt, sondern sich über jeden Ausfall separat wundert.
Wenn das nicht nur symbolische Rede ist (und Du gibst keinen Hinweis darauf) sprengt diese Stelle die Geschichte. Denn wenn sie wirklich plötzlich tief durchatmete, während Ihre Mutter und der Arzt noch im Raum sind - dann würde die Geschichte garantiert ein anderes Ende nehmen. Wenn sie aber tief durchatmen will und feststellt, dass es nicht geht - dann sollte sie doch in eine neue, andere Richtung denken (die Frage "Bin ich tot?" läge nahe).
Der ganze Dialog Arzt/Mutter ist viel, viel besser, passender, logischer, lebensnaher, glaubwürdiger. Aber ich vermute, auch hier wird Dich meine Meinung nicht wundern
. Einzig diese Stelle:
sollte meines Erachtens etwas kürzer sein. Sie sollte keinesfalls ganz gestrichen werden, aber es sind, wenn man sich überlegt, wie oft sie darüber nachgedacht haben wird (ob sie wollte oder nicht) ein paar Wiederholungen und Schleifen zuviel. Ausserdem stimmt die Zeitenfolge nicht ("Sie hatte nie darüber nachdenken wollen...").
Der letzte Satz dieses Gesprächs wirkt mir ausserdem immer noch zu harsch, aber es mag sein, dass das auch wieder nur Geschmacksache ist. Andere mögen das anders empfinden.
Zu Deiner Frage: Jetzt (!) finde ich es gut, dass sie ihre Mutter erkennt, durch die sorgfältigere Entwicklung wirkt der Schluss nun viel besser und viel weniger theatralisch.
Eine grosse Frage ist mir geblieben: Wieso stellt sich Deine Heldin nur Fragen? Warum entwickelt sie nicht für sich eine Lösung? Meiner Erfahrung nach funktioniert menschliches Denken so - im selben Moment, in dem eine Frage auftaucht, werden schon die ersten Antwortmöglichkeiten geprüft. Deine Heldin aber reisst mögliche Antworten (Traum, Wahnsinn) zwar an, verfolgt sie aber nicht weiter, findet für sich nicht einmal den Ansatz einer Antwort. Dabei hat sie - wenn sie nicht gerade schläft - doch Zeit genug. Und da der Verstand ihr einziges noch funktionierendes Werkzeug ist - wieso benutzt sie ihn nicht? Sicher, sie hat Angst - aber gerade dann sucht man doch nach einem Ausweg.
So, jetzt habe ich endlos lang genölt, dabei gefällt mir diese Version, wie gesagt, viel besser. Aber wenn es weniger globale Kritik gibt, kann ich mich eben mehr auf die Einzelheiten stürzen :-p .
Die Geschichte ist, durch die längere Ausarbeitung und die Pause, die das Gespräch Mutter/Arzt darstellt, viel weniger pathetisch. Die Pointe (denn eine Pointe bleibt es) ist zwar nun nicht mehr so ein Hammer und bereitet sich vor, dafür ist die Geschichte aber nun auch noch berührender, weil lebensechter. Sie wirkt nun weniger wie die Ausarbeitung eines Gedankenspiels, als wie eine echte Geschichte. Die beiden grossen Qualitäten, die sie von Anfang an hatte - originelle Umsetzung der Idee und Mut zum inneren Monolog - hat sie selbstverständlich immer noch.
Einen schönen Abend
Razorback
P.S.
Ach ja:
Tut er nicht? Na, mich spricht er zwar an, aber auf Vergleiche bin ich auch nicht scharf. Die verliere ich immer so kläglich...
Um mich herum ist alles dunkel. Ich liege. Weich. Wo? Ich weiß es nicht. Zuerst ist alles still. Dann höre ich ein leises Rauschen, es kommt immer näher, bis aus dem Rauschen schließlich Stimmen werden.
Du hast den Tastsinn wieder aufgenommen und gehst weiter unten dann auch auf Berührungen etc. ein. Es wird Dich nicht wundern, dass ich das gut finde
Ich weiß jetzt zwar, dass das Rauschen in Wirklichkeit Stimmen sind, was diese Stimmen jedoch sagen, verstehe ich nicht.
Wirklichkeit? In ihrer Lage müsste sie sich eigentlich ein völlig neues Konzept der Wirklichkeit entwerfen, oder zumindest grosse Zweifel haben, was wirklich ist und was nicht (an anderer Stelle lässt Du sie ja - wie ich finde sehr folgerichtig - Zweifeln, ob sie träumt oder nicht).
Moment. Was war das? Das war doch mein Name, oder? Warum sagen die Stimmen meinen Namen? Bin ich etwa doch verrückt? Nein. Ich habe es doch ganz deutlich gehört: .......
Wieso hält sie die Tatsache, dass sie ihren Nemen hört, für ein Anzeichen von Wahnsinn?
Mir gefällt ausserdem nicht, dass Du den Namen Deiner Heldin durchgängig durch eine Leerstelle ersetzt, ich würde - wenn's denn sein muss - ein Initial vorziehen, aber das ist wirklich reine Geschmackssache
Oh, mein Gott, ich bin doch nicht etwa blind, oder? Nein. Warum sollte ich auf einmal blind sein?
Interessant (und ein wenig fragwürdig) ist, dass sie das nicht funktionieren ihrer Sinne (hört schlecht, sieht nichts, schmeckt und riecht offenbar auch nichts) nicht in einen Zusammenhang bringt, sondern sich über jeden Ausfall separat wundert.
Tief durchatmen.
Wenn das nicht nur symbolische Rede ist (und Du gibst keinen Hinweis darauf) sprengt diese Stelle die Geschichte. Denn wenn sie wirklich plötzlich tief durchatmete, während Ihre Mutter und der Arzt noch im Raum sind - dann würde die Geschichte garantiert ein anderes Ende nehmen. Wenn sie aber tief durchatmen will und feststellt, dass es nicht geht - dann sollte sie doch in eine neue, andere Richtung denken (die Frage "Bin ich tot?" läge nahe).
Der ganze Dialog Arzt/Mutter ist viel, viel besser, passender, logischer, lebensnaher, glaubwürdiger. Aber ich vermute, auch hier wird Dich meine Meinung nicht wundern
Die ganzen Monate über hatte sie versucht, diese Möglichkeit so weit wie möglich von sich fernzuhalten. Sie wollte nie darüber nachdenken. Über genau diesen Moment. Sie soll entscheiden. Sie muss entscheiden, was besser ist. Soll ihre Tochter wie bisher „weiterleben“ oder ist es besser dem Ganzen ein Ende zu setzten? Dem Leben ihrer Tochter ein Ende zu setzten. Wie sich das anhört? Sie muss fast lachen. Aber so etwas muss man doch versuchen einigermaßen objektiv anzugehen, oder? Sie muss doch berücksichtigen, was für ihre Tochter am Besten ist und sie nicht nur am Leben lassen, weil ihre Mutter sie nicht verlieren will, oder? Ist das egoistisch? Das eigene Kind nicht verlieren zu wollen? Wohl kaum. Aber ist es nicht doch egoistisch, wenn man dafür, dass man sein Kind nicht verliert, dessen Leid in Kauf nimmt? Woher weiß man, ob ein Mensch der im Koma liegt leidet?
sollte meines Erachtens etwas kürzer sein. Sie sollte keinesfalls ganz gestrichen werden, aber es sind, wenn man sich überlegt, wie oft sie darüber nachgedacht haben wird (ob sie wollte oder nicht) ein paar Wiederholungen und Schleifen zuviel. Ausserdem stimmt die Zeitenfolge nicht ("Sie hatte nie darüber nachdenken wollen...").
Der letzte Satz dieses Gesprächs wirkt mir ausserdem immer noch zu harsch, aber es mag sein, dass das auch wieder nur Geschmacksache ist. Andere mögen das anders empfinden.
Zu Deiner Frage: Jetzt (!) finde ich es gut, dass sie ihre Mutter erkennt, durch die sorgfältigere Entwicklung wirkt der Schluss nun viel besser und viel weniger theatralisch.
Eine grosse Frage ist mir geblieben: Wieso stellt sich Deine Heldin nur Fragen? Warum entwickelt sie nicht für sich eine Lösung? Meiner Erfahrung nach funktioniert menschliches Denken so - im selben Moment, in dem eine Frage auftaucht, werden schon die ersten Antwortmöglichkeiten geprüft. Deine Heldin aber reisst mögliche Antworten (Traum, Wahnsinn) zwar an, verfolgt sie aber nicht weiter, findet für sich nicht einmal den Ansatz einer Antwort. Dabei hat sie - wenn sie nicht gerade schläft - doch Zeit genug. Und da der Verstand ihr einziges noch funktionierendes Werkzeug ist - wieso benutzt sie ihn nicht? Sicher, sie hat Angst - aber gerade dann sucht man doch nach einem Ausweg.
So, jetzt habe ich endlos lang genölt, dabei gefällt mir diese Version, wie gesagt, viel besser. Aber wenn es weniger globale Kritik gibt, kann ich mich eben mehr auf die Einzelheiten stürzen :-p .
Die Geschichte ist, durch die längere Ausarbeitung und die Pause, die das Gespräch Mutter/Arzt darstellt, viel weniger pathetisch. Die Pointe (denn eine Pointe bleibt es) ist zwar nun nicht mehr so ein Hammer und bereitet sich vor, dafür ist die Geschichte aber nun auch noch berührender, weil lebensechter. Sie wirkt nun weniger wie die Ausarbeitung eines Gedankenspiels, als wie eine echte Geschichte. Die beiden grossen Qualitäten, die sie von Anfang an hatte - originelle Umsetzung der Idee und Mut zum inneren Monolog - hat sie selbstverständlich immer noch.
Einen schönen Abend
Razorback
P.S.
Ach ja:
Das mit dem Kafka Vergleich habe ich schon richtig verstanden, und wenn ich ehrlich bin, ich würde auch gar nicht gerne mit ihm verglichen werden, da Kafka mich nicht anspricht.
Tut er nicht? Na, mich spricht er zwar an, aber auf Vergleiche bin ich auch nicht scharf. Die verliere ich immer so kläglich...
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Stimmen
Hallo,
Ich weiß, dass du recht hast und ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt das irgendwie einzubringen, ich wusste aber in dem Moment, als ich mit dem schreiben anfing, nicht wie ich das umsetzten soll.
Aber ich werde noch darüber nachdenken.
wegen dem "tief durchatmen"...
...hast du völlig recht. das ist mir gar nicht aufgefallen. Danke!
Mein erster Gedanke für den Namen meiner Heldin war Anna, doch da dies mein zweiter Vorname ist, war ich da etwas zögerlich. Aber auf einen anderen Namen bin ich bisher noch nicht gekommen. Letztendlich soll sie aber schon einen Namen bekommen.
Stimmt, diesen Gedanken könnte man in ihrem Monolog wirklich noch ausweiten.
In Bezug auf die Gedanken der Mutter:
...hast du leider schon wieder recht
Ich werde das umändern. Vor allem die Schleifen ausmerzen, so etwas ist echt lästig. schleifen, meine ich jetzt B-)
Ich muss ganz ehrlich sagen, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Die Frage ist auf jeden Fall berechtigt und wenn ich Zeit habe, überarbeite ich morgen "Stimmen" nochmals, wenn nicht im Laufe der Woche.
Auf jeden Fall vielen Dank für deine Anregungen.
crASHed
Ach ja, wegen Kafka, ich weiß nicht, ich finde ihn so....ach, er leidet immer so. Wobei "Der Prozeß" schon wahnsinn ist. Aber "Die Verwandlung" hat mich echt in den Wahnsinn getrieben. Ich konnte damit gar nichts anfangen. Vielleicht weil ich Ungeziefer hasse oder weil ich es bei einer mir verhassten, inkompotenten Deutschleherin lesen musste? Wer weiß das schon?
Kennst du "Der Alte Mann und Mr. Smith"?
Meines Wissens müsste sie zumindest an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen sein. Denn keine Gehirtätigkeit bei funktionierender Atmung und Herztätigkeit, das geht, soviel ich weiss, nicht. Wieso also spürt sie diese Maschine nicht, und die Sonden, die ihre Körperfunktionen überwachen?
Ich weiß, dass du recht hast und ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt das irgendwie einzubringen, ich wusste aber in dem Moment, als ich mit dem schreiben anfing, nicht wie ich das umsetzten soll.
Aber ich werde noch darüber nachdenken.
wegen dem "tief durchatmen"...
Wenn das nicht nur symbolische Rede ist (und Du gibst keinen Hinweis darauf) sprengt diese Stelle die Geschichte. Denn wenn sie wirklich plötzlich tief durchatmete, während Ihre Mutter und der Arzt noch im Raum sind - dann würde die Geschichte garantiert ein anderes Ende nehmen. Wenn sie aber tief durchatmen will und feststellt, dass es nicht geht - dann sollte sie doch in eine neue, andere Richtung denken (die Frage "Bin ich tot?" läge nahe).
...hast du völlig recht. das ist mir gar nicht aufgefallen. Danke!
Mir gefällt ausserdem nicht, dass Du den Namen Deiner Heldin durchgängig durch eine Leerstelle ersetzt, ich würde - wenn's denn sein muss - ein Initial vorziehen, aber das ist wirklich reine Geschmackssache
Mein erster Gedanke für den Namen meiner Heldin war Anna, doch da dies mein zweiter Vorname ist, war ich da etwas zögerlich. Aber auf einen anderen Namen bin ich bisher noch nicht gekommen. Letztendlich soll sie aber schon einen Namen bekommen.
Wirklichkeit? In ihrer Lage müsste sie sich eigentlich ein völlig neues Konzept der Wirklichkeit entwerfen,
Stimmt, diesen Gedanken könnte man in ihrem Monolog wirklich noch ausweiten.
In Bezug auf die Gedanken der Mutter:
sollte meines Erachtens etwas kürzer sein. Sie sollte keinesfalls ganz gestrichen werden, aber es sind, wenn man sich überlegt, wie oft sie darüber nachgedacht haben wird (ob sie wollte oder nicht) ein paar Wiederholungen und Schleifen zuviel. Ausserdem stimmt die Zeitenfolge nicht ("Sie hatte nie darüber nachdenken wollen...").
...hast du leider schon wieder recht
Ich werde das umändern. Vor allem die Schleifen ausmerzen, so etwas ist echt lästig. schleifen, meine ich jetzt B-)
Eine grosse Frage ist mir geblieben: Wieso stellt sich Deine Heldin nur Fragen? Warum entwickelt sie nicht für sich eine Lösung? Meiner Erfahrung nach funktioniert menschliches Denken so - im selben Moment, in dem eine Frage auftaucht, werden schon die ersten Antwortmöglichkeiten geprüft. Deine Heldin aber reisst mögliche Antworten (Traum, Wahnsinn) zwar an, verfolgt sie aber nicht weiter, findet für sich nicht einmal den Ansatz einer Antwort. Dabei hat sie - wenn sie nicht gerade schläft - doch Zeit genug. Und da der Verstand ihr einziges noch funktionierendes Werkzeug ist - wieso benutzt sie ihn nicht? Sicher, sie hat Angst - aber gerade dann sucht man doch nach einem Ausweg.
Ich muss ganz ehrlich sagen, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Die Frage ist auf jeden Fall berechtigt und wenn ich Zeit habe, überarbeite ich morgen "Stimmen" nochmals, wenn nicht im Laufe der Woche.
Auf jeden Fall vielen Dank für deine Anregungen.
crASHed
Ach ja, wegen Kafka, ich weiß nicht, ich finde ihn so....ach, er leidet immer so. Wobei "Der Prozeß" schon wahnsinn ist. Aber "Die Verwandlung" hat mich echt in den Wahnsinn getrieben. Ich konnte damit gar nichts anfangen. Vielleicht weil ich Ungeziefer hasse oder weil ich es bei einer mir verhassten, inkompotenten Deutschleherin lesen musste? Wer weiß das schon?
Kennst du "Der Alte Mann und Mr. Smith"?
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