„Friedensmission“
„Verteidigung am Hindukusch“
„kriegsähnliche Zustände“
„umgangssprachlich Krieg“
Hurra, wir nähern uns der Realität.
Sprachregelungen
Re: Sprachregelungen
Hallo P.
Ich meine, das ist eine gute, eine sehr gute Ausgangsidee für ein Gedicht/einen Text. Aber so, wie es jetzt ist, empfinde ich es als etwas zu wenig. Da fehlt noch etwas... ein Stückchen mehr Eigenleistung, die über diese - doch sehr allgemeine - Beobachtung hinausgeht.
Außerdem solltest du die letzte Zeile überdenken, da sie m.E. sehr zynisch herüberkommt. Immerhin ist es ein ernstes Thema und erst kürzlich sind in diesem Krieg drei deutsche Soldaten umgekommen. Es ist gut, da die Realität anzuerkennen. Aber dennoch sollte man die richtigen Worte finden für den Tod von Menschen. Umgangssprachlich mag das jubilierende "Hurra" in Ordnung gehen - aber von einem Dichter erwarte ich mehr.
MfG,
[) i r k
Ich meine, das ist eine gute, eine sehr gute Ausgangsidee für ein Gedicht/einen Text. Aber so, wie es jetzt ist, empfinde ich es als etwas zu wenig. Da fehlt noch etwas... ein Stückchen mehr Eigenleistung, die über diese - doch sehr allgemeine - Beobachtung hinausgeht.
Außerdem solltest du die letzte Zeile überdenken, da sie m.E. sehr zynisch herüberkommt. Immerhin ist es ein ernstes Thema und erst kürzlich sind in diesem Krieg drei deutsche Soldaten umgekommen. Es ist gut, da die Realität anzuerkennen. Aber dennoch sollte man die richtigen Worte finden für den Tod von Menschen. Umgangssprachlich mag das jubilierende "Hurra" in Ordnung gehen - aber von einem Dichter erwarte ich mehr.
MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Sprachregelungen
Lieber Dirk,
Hier möchte ich es einmal ganz mit Fernand Desnoyers halten: "„Seien wir echt, auch wenn wir hässlich sind.“ Er hatte 1855 den Bruch des Realismus mit „den heiligen Hainen, der Schlacht der Zimbern, dem Pandämonium der griechischen Tempel, den Leiern, den jüdischen Harfen, den Alhambren, den tuberkulösen Eichen, den Sonetten und Oden, den Dolchen und den Waldnymphen im Mondenschein“ begrüßt.
Entsprechend scheint mir ganz puristisch bei diesem Gegenstand der "Sprachregelungen" das jeweilige (immerhin zum Teil durch die Verkürzung leicht verfremdete) Original am aussagekräftigsten zu sein.
Was die Zynik angeht, so halte ich es für möglich, dass (an)erkannt wird, dass sie sich ganz und gar nicht gegen die Soldaten wendet, sondern gegen die Politiker, die in ihren Sprachregelungen ihre wirklichen Absichten verschleiern und uns in einen Krieg geführt haben, der sich inzwischen auch nicht mehr andeutungsweise als humanitäre Aktion verkaufen lassen kann.
Freundliche Grüße
Poeta
Hier möchte ich es einmal ganz mit Fernand Desnoyers halten: "„Seien wir echt, auch wenn wir hässlich sind.“ Er hatte 1855 den Bruch des Realismus mit „den heiligen Hainen, der Schlacht der Zimbern, dem Pandämonium der griechischen Tempel, den Leiern, den jüdischen Harfen, den Alhambren, den tuberkulösen Eichen, den Sonetten und Oden, den Dolchen und den Waldnymphen im Mondenschein“ begrüßt.
Entsprechend scheint mir ganz puristisch bei diesem Gegenstand der "Sprachregelungen" das jeweilige (immerhin zum Teil durch die Verkürzung leicht verfremdete) Original am aussagekräftigsten zu sein.
Was die Zynik angeht, so halte ich es für möglich, dass (an)erkannt wird, dass sie sich ganz und gar nicht gegen die Soldaten wendet, sondern gegen die Politiker, die in ihren Sprachregelungen ihre wirklichen Absichten verschleiern und uns in einen Krieg geführt haben, der sich inzwischen auch nicht mehr andeutungsweise als humanitäre Aktion verkaufen lassen kann.
Freundliche Grüße
Poeta
Re: Sprachregelungen
Poeta hat geschrieben:Hurra, wir nähern uns der Realität.
schön, dass mir das endlich wieder mal wer auf die knappe schriftlich gibt
unvorbereiteteRiemsche
den titel würd ich noch zerkauen und weiter spucken (:->))
Re: Sprachregelungen
Hallo Poeta,
ich verstehe nicht, was dein Gedicht mit Realismus zu tun hat? Wenn du hier das Stichwort "Realismus" in die Runde wirfst, denke ich zuerst an bestimmte Autoren: Fontane, Tolstoi, Dostojewski, Dickens, Zola. Dann schaue ich mir dein Gedicht an und suche nach einem Zusammenhang. Da steht das Wort "Realität". Gut, und weiter? Du drehst die Leier, die mich täglich aus Radio und Zeitung beschallt. Du drechselst mir vier rhetorische Späne von genau den tuberkulösen Eichen, die du kritisiert... und dann behauptest du eine Realität, echt und hässlich. Aber dabei bleibt es: Du behauptest sie. Aber die politischen Waldnymphen, abgepaust und schal, dominieren dein Gedicht. Das meinte ich damit: Ich vermisse hier etwas mehr Eigenleistung und ich fürchte das Schlagwort "Realismus" und die nachgesetzten Erklärungen ersetzen diese nicht.
Doch ich frage mich: Wie sieht denn die Wirklichkeit in Afghanistan aus, jenseits von Rhetorik, politischer Konvention und den Wortwolken der Berichterstattung? Hier bietet mir dein Gedicht keine Antworten. Dem Politiksprech einen Populismus entgegenzusetzen, wie er von der Links-Partei teilweise bedient wird, oder die Häme des Besserwissers - Hand auf's Herz - ist das wirklich besser?
Zugegeben. Soweit habe ich deine gute Absicht in dem Gedicht ja auch erkannt und deine Absicht ehrt dich. Dennoch habe ich, als dein Leser, diese Empfindung gehabt. Ganz subjektiv, deswegen schrieb ich ja auch: m.E. = meines Erachtens. Ich wollte damit gar nicht deine gute Absicht in Abrede stellen... sondern dir eher zeigen, was bei mir ankommt. Mir ist schon klar, gegen wen sich dein Gedicht in erster Linie richtet. Aber du übersiehst, dass meine Lesart auch möglich ist.
Davon abgesehen: Ist diese Zynik gegenüber der Politik nicht auch überdenkenswert? Wem nützt sie? Dem Politiker? Dem Wähler? Dem Soldaten? Dem Hinterbliebenen? Dem Dichter für ein bisschen Beifall? Wenn man die Sprechakte anderer kritisiert, sollte man den eigenen nicht aus den Augen verlieren ("Wer anderen eine Grube gräbt...").
MfG,
[) i r k
ich verstehe nicht, was dein Gedicht mit Realismus zu tun hat? Wenn du hier das Stichwort "Realismus" in die Runde wirfst, denke ich zuerst an bestimmte Autoren: Fontane, Tolstoi, Dostojewski, Dickens, Zola. Dann schaue ich mir dein Gedicht an und suche nach einem Zusammenhang. Da steht das Wort "Realität". Gut, und weiter? Du drehst die Leier, die mich täglich aus Radio und Zeitung beschallt. Du drechselst mir vier rhetorische Späne von genau den tuberkulösen Eichen, die du kritisiert... und dann behauptest du eine Realität, echt und hässlich. Aber dabei bleibt es: Du behauptest sie. Aber die politischen Waldnymphen, abgepaust und schal, dominieren dein Gedicht. Das meinte ich damit: Ich vermisse hier etwas mehr Eigenleistung und ich fürchte das Schlagwort "Realismus" und die nachgesetzten Erklärungen ersetzen diese nicht.
Doch ich frage mich: Wie sieht denn die Wirklichkeit in Afghanistan aus, jenseits von Rhetorik, politischer Konvention und den Wortwolken der Berichterstattung? Hier bietet mir dein Gedicht keine Antworten. Dem Politiksprech einen Populismus entgegenzusetzen, wie er von der Links-Partei teilweise bedient wird, oder die Häme des Besserwissers - Hand auf's Herz - ist das wirklich besser?
Was die Zynik angeht, so halte ich es für möglich, dass (an)erkannt wird, dass sie sich ganz und gar nicht gegen die Soldaten wendet, sondern gegen die Politiker, die in ihren Sprachregelungen ihre wirklichen Absichten verschleiern und uns in einen Krieg geführt haben
Zugegeben. Soweit habe ich deine gute Absicht in dem Gedicht ja auch erkannt und deine Absicht ehrt dich. Dennoch habe ich, als dein Leser, diese Empfindung gehabt. Ganz subjektiv, deswegen schrieb ich ja auch: m.E. = meines Erachtens. Ich wollte damit gar nicht deine gute Absicht in Abrede stellen... sondern dir eher zeigen, was bei mir ankommt. Mir ist schon klar, gegen wen sich dein Gedicht in erster Linie richtet. Aber du übersiehst, dass meine Lesart auch möglich ist.
Davon abgesehen: Ist diese Zynik gegenüber der Politik nicht auch überdenkenswert? Wem nützt sie? Dem Politiker? Dem Wähler? Dem Soldaten? Dem Hinterbliebenen? Dem Dichter für ein bisschen Beifall? Wenn man die Sprechakte anderer kritisiert, sollte man den eigenen nicht aus den Augen verlieren ("Wer anderen eine Grube gräbt...").
MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Sprachregelungen
Noch ein Nachtrag zu:
Zwar ein anderer Kriegsschauplatz, aber als ich das gestern las, kam mir der bittere Ton der Zynik doch sehr... ähnlich (?) vor:
"Hübsch, gut geschossen."
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 27,00.html
Es ist eine merkwürdige Koninzidenz. Wie schon gesagt: Anderer Ort, andere Soldaten, anderer Kontext. Aber vielleicht dennoch eine Erklärung für meine Empfindlichkeit diesbezüglich.
Was die Zynik angeht, so halte ich es für möglich, dass (an)erkannt wird, dass sie sich ganz und gar nicht gegen die Soldaten wendet...
Zwar ein anderer Kriegsschauplatz, aber als ich das gestern las, kam mir der bittere Ton der Zynik doch sehr... ähnlich (?) vor:
"Hübsch, gut geschossen."
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 27,00.html
Es ist eine merkwürdige Koninzidenz. Wie schon gesagt: Anderer Ort, andere Soldaten, anderer Kontext. Aber vielleicht dennoch eine Erklärung für meine Empfindlichkeit diesbezüglich.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Sprachregelungen
Lass mich die Leier noch ein wenig weiter drehen, lieber Dirk: Deine Einlassungen erinnern mich nun wiederum an Charles Gleyre, der eine Aktstudie von Claude Monet einmal auf die folgende Weise kommentierte : „Nicht schlecht, gar nicht schlecht diese Sache da, aber sie ist dem Modell zu ähnlich. Sie haben einen gedrungenen Mann vor sich und malen ihn gedrungen; seine Füße sind riesengroß, Sie geben sie ebenso groß wieder. Hässlich ist das alles. Denken Sie daran, junger Mann, wenn man einen Körper zeichnet, muss man sich immer der Antike erinnern. Die Natur ist zum Studieren sehr gut, junger Freund, aber sonst ist sie nicht interessant. Der Stil, sehen Sie, ist alles!“
Aber wer den Linken in dieser Sache Populismus vorwirft und das möglicherweise, weil die Regierenden im Gegensatz zu ihnen meinen, es sei verantwortungsvoll sich gegen das Volk zu stellen, sollte nicht über Besserwisserei reden.
Mit immer noch freundlichen Grüßen
Poeta
Aber wer den Linken in dieser Sache Populismus vorwirft und das möglicherweise, weil die Regierenden im Gegensatz zu ihnen meinen, es sei verantwortungsvoll sich gegen das Volk zu stellen, sollte nicht über Besserwisserei reden.
Mit immer noch freundlichen Grüßen
Poeta
Re: Sprachregelungen
@Riemsche:
Den Titel zu zerkauen, das möchte ich der/dem LeserIn überlassen.
Es freut mich, sollte ich zu mehr Klarheit beigetragen haben.
Freundliche Grüße
Poeta
Den Titel zu zerkauen, das möchte ich der/dem LeserIn überlassen.
Es freut mich, sollte ich zu mehr Klarheit beigetragen haben.
Freundliche Grüße
Poeta
-
hginsomnia
- Klio
- Beiträge: 590
- Registriert: 03.09.2009, 05:04
Re: Sprachregelungen
Hallo zusammen,
zunächst möchte ich an dieser Stelle gerne einwerfen, dass ich den Begriff 'Besserwisserei' auch für deplatziert halte, da er ja bedeutete, das Volk (wer immer das auch ist - ich erinnere mich da gerne an Monty Python: "Sprecht mir nach: Ich bin ein Individuum!" - Die Masse: "Ich bin ein Individuum!" - Einer: "Ich nicht!") wisse es nicht besser, was wohl angesichts der konstanten Ablehnung des Militäreinsatzes durch die Mehrheit der Bevölkerung verworfen werden kann.
Auch ob man den Linken nun Populismus vorwerfen will oder nicht, halte ich für unerheblich, wobei ich mich dann allerdings auch frage, was eigentlich so schlimm an diesem Vorwurf sein soll.
Ich kann [) i r k s Empfindlichkeit gegenüber der letzten Zeile nicht teilen, jedoch nachvollziehen. Nach rein emotiven Gesichtspunkten würde ich der Aussage zwar folgen, jedoch auch das ausgerufene 'Hurra' deplatziert finden.
Das alles aber nur am Rande.
Vielmehr beschäftigt mich hier, welche Verwendung der Begriff 'Realismus' findet. Wie [) i r k bereits zurecht anmerkte, hat der Begriff eine literaturwissenschaftliche Vorprägung, welche sich hier im Text nicht wiederfindet. Dieser Text hat meiner Meinung nach mit literarischem Realismus nichts, aber absolut gar nichts zu tun. Ich stimme also [) i r k hier zu.
Nun bedienst du, Poeta, dich großer Ahnen, ohne allerdings den Bezug zum von dir vorgestellten Text überzeugend herstellen zu können. Ich verwende hier einmal dein eingeführtes Beispiel des Claude Monet, den du, was ich nicht sonderlich geschickt finde, aber egal, sprachlich parallel zu dir stellst:
Das Problem mit dieser Gleichstellung entwickelt sich bereits im Ansatz. Den Mensch realistisch zeichnen, wie es der frühe Monet tut, und nicht klassisch, kann man natürlich als Beispiel verwenden. Allerdings, und da hakt es, trifft selbstverständlich auch Monet eine künstlerische Auswahl, indem er seinen Akt in einer gewissen Pose mit gewisser Gestik, häufig mit gewisser Mimik zeichnet. Nachwievor ist das natürlich, da gebe ich dir Recht, realistisches Zeichnen, allerdings ist jeglicher Realismus in der Kunst ebenfalls Bedingungen unterworfen. Die Bewertungen des Objektes, und hiermit komme ich zu deinem Text, sind in der künstlerischen Auseinandersetzung zu sehen (wesentlich genauer kann ich hier nicht werden, weil ich den Vergleich ohnehin als schief empfinde).
Dein Text, Poeta, ist montierte Wiedergabe, die mit einer Bewertung kollidiert. Das war's dann aber auch!
Ich habe als Leser absolut nichts dagegen, dass du die Sprachregeln der Politik aufgreifst und auch so stehen lässt. Mich stört die Bewertung, die, da sie, wie ich eingangs erwähnte, ja eine Bekanntheit ist, ohnehin außerhalb eines neuen Inputs liegt (jedenfalls für die Mehrheit der Leserschaft, wie ich annehme).
Interessant fände ich hier eine Kollision von Sprachregeln und den, hmm, na gut, ich sag' mal 'Realexistenzen' der Berichterstattung, also den Komplementen zu diesen Regeln, die ihrerseits auch, dafür plädierte ich hier, Teil einer Montage (aus Zeitungsberichten et cetera) sein sollten.
Erst dann ließe sich hier mehr finden.
So muss ich wieder [) i r k zustimmen:
Da fehlt mir ebenfalls die Eigenleistung.
lg
hginsomnia
zunächst möchte ich an dieser Stelle gerne einwerfen, dass ich den Begriff 'Besserwisserei' auch für deplatziert halte, da er ja bedeutete, das Volk (wer immer das auch ist - ich erinnere mich da gerne an Monty Python: "Sprecht mir nach: Ich bin ein Individuum!" - Die Masse: "Ich bin ein Individuum!" - Einer: "Ich nicht!") wisse es nicht besser, was wohl angesichts der konstanten Ablehnung des Militäreinsatzes durch die Mehrheit der Bevölkerung verworfen werden kann.
Auch ob man den Linken nun Populismus vorwerfen will oder nicht, halte ich für unerheblich, wobei ich mich dann allerdings auch frage, was eigentlich so schlimm an diesem Vorwurf sein soll.
Ich kann [) i r k s Empfindlichkeit gegenüber der letzten Zeile nicht teilen, jedoch nachvollziehen. Nach rein emotiven Gesichtspunkten würde ich der Aussage zwar folgen, jedoch auch das ausgerufene 'Hurra' deplatziert finden.
Das alles aber nur am Rande.
Vielmehr beschäftigt mich hier, welche Verwendung der Begriff 'Realismus' findet. Wie [) i r k bereits zurecht anmerkte, hat der Begriff eine literaturwissenschaftliche Vorprägung, welche sich hier im Text nicht wiederfindet. Dieser Text hat meiner Meinung nach mit literarischem Realismus nichts, aber absolut gar nichts zu tun. Ich stimme also [) i r k hier zu.
Nun bedienst du, Poeta, dich großer Ahnen, ohne allerdings den Bezug zum von dir vorgestellten Text überzeugend herstellen zu können. Ich verwende hier einmal dein eingeführtes Beispiel des Claude Monet, den du, was ich nicht sonderlich geschickt finde, aber egal, sprachlich parallel zu dir stellst:
Das Problem mit dieser Gleichstellung entwickelt sich bereits im Ansatz. Den Mensch realistisch zeichnen, wie es der frühe Monet tut, und nicht klassisch, kann man natürlich als Beispiel verwenden. Allerdings, und da hakt es, trifft selbstverständlich auch Monet eine künstlerische Auswahl, indem er seinen Akt in einer gewissen Pose mit gewisser Gestik, häufig mit gewisser Mimik zeichnet. Nachwievor ist das natürlich, da gebe ich dir Recht, realistisches Zeichnen, allerdings ist jeglicher Realismus in der Kunst ebenfalls Bedingungen unterworfen. Die Bewertungen des Objektes, und hiermit komme ich zu deinem Text, sind in der künstlerischen Auseinandersetzung zu sehen (wesentlich genauer kann ich hier nicht werden, weil ich den Vergleich ohnehin als schief empfinde).
Dein Text, Poeta, ist montierte Wiedergabe, die mit einer Bewertung kollidiert. Das war's dann aber auch!
Ich habe als Leser absolut nichts dagegen, dass du die Sprachregeln der Politik aufgreifst und auch so stehen lässt. Mich stört die Bewertung, die, da sie, wie ich eingangs erwähnte, ja eine Bekanntheit ist, ohnehin außerhalb eines neuen Inputs liegt (jedenfalls für die Mehrheit der Leserschaft, wie ich annehme).
Interessant fände ich hier eine Kollision von Sprachregeln und den, hmm, na gut, ich sag' mal 'Realexistenzen' der Berichterstattung, also den Komplementen zu diesen Regeln, die ihrerseits auch, dafür plädierte ich hier, Teil einer Montage (aus Zeitungsberichten et cetera) sein sollten.
Erst dann ließe sich hier mehr finden.
So muss ich wieder [) i r k zustimmen:
Da fehlt mir ebenfalls die Eigenleistung.
lg
hginsomnia
Re: Sprachregelungen
Sehr geehrte hginsomnia,
Ich bedanke mich für den Vermittlungsversuch, wie ich Deinen Beitrag bewerte. Wenn es wirklich nur darum geht, ob mehr erwartet werden könnte bei dem Thema meines Textes, dann fällt es mir tatsächlich leichter, darüber zu reden, als wenn ich davon ausgehen muss, dass eigentlich eher die Aussage kritisiert werden soll als der Stil.
Allerdings kann ich Euch auch da nicht folgen. Was heißt denn: "Montage"? Doch nicht einfach eine beliebige Aneinanderreihung von Fragmenten, sondern eine in künsterlischer Absicht so und nicht anders erfolgte Zusammenfügung von so und nicht anders komprimierter Friedensspeech der Bellizisten und ihrem Lavieren gegenüber Angriffen (und ich glaube schon, dass ein von mir so genannter Bellizist sich mit dem benützten Ismus nicht identifizieren möchte, so wie ich mit dem Populismus nicht in einen Topf geworfen werden will - es kommt aber darauf an, ob man den Ismus zur puren Verleumdung oder als ehrlich gemeinte Kritik verwendet) . Damit ist m.E. auch schon ein Input verbunden, in diesem Falle durch das Darstellen der zeitlichen Abfolge wetterwendischer Anpassung der Sprache an die jeweilige Kritik am Krieg die Hilfe zur Erkenntnis, dass die bellizistische Behauptung (oder auch nur Verranntheit) mit einem militärischen Einsatz ein humanitäres Anliegen am besten (oder überhaupt nur) erreichen zu können ad absurdum geführt wird. Und das Hurra entspricht dann dem Jubel über die Entlarvung der Bellizisten.
Mit freundlichen Grüßen
Poeta
Ich bedanke mich für den Vermittlungsversuch, wie ich Deinen Beitrag bewerte. Wenn es wirklich nur darum geht, ob mehr erwartet werden könnte bei dem Thema meines Textes, dann fällt es mir tatsächlich leichter, darüber zu reden, als wenn ich davon ausgehen muss, dass eigentlich eher die Aussage kritisiert werden soll als der Stil.
Allerdings kann ich Euch auch da nicht folgen. Was heißt denn: "Montage"? Doch nicht einfach eine beliebige Aneinanderreihung von Fragmenten, sondern eine in künsterlischer Absicht so und nicht anders erfolgte Zusammenfügung von so und nicht anders komprimierter Friedensspeech der Bellizisten und ihrem Lavieren gegenüber Angriffen (und ich glaube schon, dass ein von mir so genannter Bellizist sich mit dem benützten Ismus nicht identifizieren möchte, so wie ich mit dem Populismus nicht in einen Topf geworfen werden will - es kommt aber darauf an, ob man den Ismus zur puren Verleumdung oder als ehrlich gemeinte Kritik verwendet) . Damit ist m.E. auch schon ein Input verbunden, in diesem Falle durch das Darstellen der zeitlichen Abfolge wetterwendischer Anpassung der Sprache an die jeweilige Kritik am Krieg die Hilfe zur Erkenntnis, dass die bellizistische Behauptung (oder auch nur Verranntheit) mit einem militärischen Einsatz ein humanitäres Anliegen am besten (oder überhaupt nur) erreichen zu können ad absurdum geführt wird. Und das Hurra entspricht dann dem Jubel über die Entlarvung der Bellizisten.
Mit freundlichen Grüßen
Poeta
-
hginsomnia
- Klio
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- Registriert: 03.09.2009, 05:04
Re: Sprachregelungen
Hallo Poeta,
auch hierzu eine kurze Replik:
Stimmt, aber:
Es ist nicht die künstlerische Absicht, die ich in Abrede stelle, wohl aber die Durchführung, denn die hier komprimiert dargestellten Sprachregelungen orientieren sich ohne Kontext, wie es [) i r k schon anders formulierte, am ohnehin Bekannten, am Populären, scheinen also als Blaupause durch. Ihnen fehlt die tragende Säule schriftstellerischer Eigenständigkeit.
Darüber hinaus ist der bewertende Ausgangssatz nicht mehr Teil der Montage, sondern einfach nur angefügt, also hier gleichsam arbiträr (vgl. z.B. ähnliche Sätze: "Jetzt haben sie's begriffen." "Der Krieg ist nicht theoretisch." "Die Wahrheit kommt ans Licht." u.s.w.)
Ist bei mir so nicht angekommen, sollte aber ebenfalls Teil der Montage sein.
Bei Angriff "Friedensmission".
Der Zahnbefund: "Verteidigung am Hindukusch".
126 Menschen - "kriegsähnliche Zustände".
Bei einem Angriff 126,
der Zahnbefund dient der Identifikation:
"umgangssrpachlich Krieg".
Was tun bei Prothesen?
na ja, ähm, oder soetwas halt
lg
hginsomnia
auch hierzu eine kurze Replik:
Poeta hat geschrieben:Was heißt denn: "Montage"? Doch nicht einfach eine beliebige Aneinanderreihung von Fragmenten
Stimmt, aber:
Poeta hat geschrieben:sondern eine in künsterlischer Absicht so und nicht anders erfolgte Zusammenfügung von so und nicht anders komprimierter Friedensspeech der Bellizisten und ihrem Lavieren gegenüber Angriffen
Es ist nicht die künstlerische Absicht, die ich in Abrede stelle, wohl aber die Durchführung, denn die hier komprimiert dargestellten Sprachregelungen orientieren sich ohne Kontext, wie es [) i r k schon anders formulierte, am ohnehin Bekannten, am Populären, scheinen also als Blaupause durch. Ihnen fehlt die tragende Säule schriftstellerischer Eigenständigkeit.
Darüber hinaus ist der bewertende Ausgangssatz nicht mehr Teil der Montage, sondern einfach nur angefügt, also hier gleichsam arbiträr (vgl. z.B. ähnliche Sätze: "Jetzt haben sie's begriffen." "Der Krieg ist nicht theoretisch." "Die Wahrheit kommt ans Licht." u.s.w.)
Poeta hat geschrieben:Und das Hurra entspricht dann dem Jubel über die Entlarvung der Bellizisten.
Ist bei mir so nicht angekommen, sollte aber ebenfalls Teil der Montage sein.
Bei Angriff "Friedensmission".
Der Zahnbefund: "Verteidigung am Hindukusch".
126 Menschen - "kriegsähnliche Zustände".
Bei einem Angriff 126,
der Zahnbefund dient der Identifikation:
"umgangssrpachlich Krieg".
Was tun bei Prothesen?
na ja, ähm, oder soetwas halt
lg
hginsomnia
Re: Sprachregelungen
Eben: Na ja.
-
hginsomnia
- Klio
- Beiträge: 590
- Registriert: 03.09.2009, 05:04
Re: Sprachregelungen
Ha,
Soll das wirklich alles sein?
Meinen Versuch, das habe ich ja deutlich gemacht, halte ich auch für alles andere als geglückt. Es hätte mich auch gewundert, fiele mir in so kurzer Zeit etwas wirklich Griffiges ein.
Immerhin ist die Bewertung eingebettet. Damit ist mein Versuch deutlich näher an einer Montage als deiner.
Na ja, ich hab's versucht und dabei belasse ich es dann auch
lg
hginsomnia
Soll das wirklich alles sein?
Meinen Versuch, das habe ich ja deutlich gemacht, halte ich auch für alles andere als geglückt. Es hätte mich auch gewundert, fiele mir in so kurzer Zeit etwas wirklich Griffiges ein.
Immerhin ist die Bewertung eingebettet. Damit ist mein Versuch deutlich näher an einer Montage als deiner.
Na ja, ich hab's versucht und dabei belasse ich es dann auch
lg
hginsomnia
Re: Sprachregelungen
Ich habe nichts wirklich erbauliches mehr hinzuzufügen... nur kurz:
Erstaunlich, was man alles aus einer Frage (!) herauslesen kann. Zur Richtigstellung:
Ich werfe der Links-Partei keinen Populismus vor.
Ich werfe ihn dir vor.
Aber wer den Linken in dieser Sache Populismus vorwirft und das möglicherweise, weil die Regierenden im Gegensatz zu ihnen meinen, es sei verantwortungsvoll sich gegen das Volk zu stellen, sollte nicht über Besserwisserei reden.
Erstaunlich, was man alles aus einer Frage (!) herauslesen kann. Zur Richtigstellung:
Ich werfe der Links-Partei keinen Populismus vor.
Ich werfe ihn dir vor.

"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Sprachregelungen
Ich werfe der Links-Partei keinen Populismus vor.
Ich werfe ihn dir vor.
Da bin ich aber erleichtert. Das ist schon weniger schlimm.
Wer ist online?
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