ein abenteuerroman

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
Hilbi
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ein abenteuerroman

Beitragvon Hilbi » 13.10.2003, 22:53

ein abenteuerroman


elke will eine hose kaufen
oder vielleicht doch eher
eine mütze
sie ging in ein hosenundmützengeschäft
es gibt nicht wenige davon
nur bäckereien gibt es noch mehr
sie guckte sich ein paar hosen an
eine gefiel ihr
ein verkäufer fragt sie
ob ihr die hose gefällt
und was sie heute abend vorhabe
das schien so seltsam dass es schon wieder normal war
sie sagt
dass ihr die hose gut gefalle
aber dass sie heute abend sicher nichts vorhabe
dann kommen sie doch mit mir in den steiss
beim steiss gibt es den besten sturz
solch einen sturz haben sie sicher noch nie gegessen
wo soll denn der sein der steiss
ich hole sie ab
quatsch sie wissen ja gar nicht wo ich wohne und
ich sage es ihnen auch nicht
ich wohne nämlich in so einer gegend wissen sie
da fliegen selbst die tauben gerne hin
dann kommen sie doch zu mir
ich wohne in der ritterbacherfeinkleeallee
oh da wohne ich auch
feines gerede
dann ging sie
später zieht sie die hose an
geht in die küche und guckt was es im kühlschrank gibt
nichts
also gehe ich eben zum steiss
und sie fragt sich wo der wohl ist der steiss
und sie ruft irgendjemanden an
und fragt wo der steiss ist
und was für ein zufall
sie hat den verkäufer dran
kommen sie doch zu mir
sagt er und seine stimme schien ein bisschen zu weinen
nicht mal ranzige butter habe ich mehr
ich pass kein bisschen auf
am besten ich bringe die hose zum pfänder und kauf mir ne wurst dafür und sie geht zum
pfänder der drei häuser weiter wohnt
auf einem bänkchen liegt ein schild
elke will wissen was auf dem schild steht
elke geh doch zum verkäufer geh doch mit ihm zum steiss der sturz wird dir sicher schmecken
es gibt ihn ganz frisch und wenn du willst sogar mit backpflaumen
elke ging weiter
sie klingelt beim pfänder aber
der ist in dortmund dort ist der pfänderkongress
sagt die nachbarin
elke bedankt sich und bittet die nachbarin sie nach dortmund zu fahren
die nachbarin aber sagt
nein
ich habe leider keine zeit
warum gehen sie denn nicht
mit dem verkäufer zum steiss
dort geht es immer lustig zu
und der sturz schmeckt wirklich optimal
elke dreht sich rum und geht nach draussen
der nächste pfänder wohnt am rande der stadt
ein weiter weg ist das
sie geht ein paar schritte und schon steht sie an einer bushaltestelle
der bus kommt
elke steigt ein
sie setzt sich auf die letzte bank
mach vier stationen steigt sie aus
der mond bleibt stumm
ein paar nachtwächter spielen wach
und sie ging zum haus des pfänders
der macht auf
tag
sagt der
was wollen sie
ich möchte meine hose geben
sie möchten ihre hose geben
aber junge frau
sie können doch nicht nackt
durch die strassen unserer durstigen stadt laufen
gehen sie zum steiss
ich gebe ihnen etwas geld
hier haben sie
und nun wünsche ich ihnen
viel spass und ich werde
mich hinlegen und davon träumen
dass eine schöne frau bei mir klopft und mir etwas von ihrer hose erzählt
sie setzt sich auf den bordstein und sucht etwas
eine idee
oder ein verlangen
einen traum den man wieder vergessen konnte
schon wird es nacht
und elke macht sich auf den weg nach hause
licht strömt in die stadt
plötzlich sieht sie ein schild
ZUM STEISS
sie geht ihm nach
und sie findet den steiss ganz leicht
der verkäufer sitzt da und
schaut in die luft
plötzlich sieht er sie
sie sind gekommen
ich warte noch nicht lange
sie sehen gut aus
aber das wissen sie ja bereits
wollen sie sich nicht setzen
ja klar will ich mich setzen
sagt sie
und setzt sich
ich wusste dass sie
noch kommen
sagt er
ich bin nichts für dich
sagt sie
ich bin viel zu unruhig
mein leben ist ganz anders
als deines
ich bin auch nicht schön
ich bin nur da
ich bin nicht die
die du siehst
ich bin ganz woanders
magst du salzstangen
ich mag sie nur wenn ich durstig bin
aber ich bin nicht gerne durstig
ich weiß dass du etwas erwartest
erwarte lieber nichts
ich komme nicht mit zu dir
ich nehm dich auch nicht in meine wohnung
ich würde nicht einmal einen lottoschein mit dir ausfüllen
du darfst mich nicht mögen
denn ich kann dich nicht leiden
jeder in der stadt sagt dass
wir füreinander bestimmt sind
ich mag es nicht wenn man so
über uns spricht
niemand soll sich um uns gedanken machen
berühre meine finger kurz
wie fühlt sich das an
nicht lächeln
spinnst du?
jetzt zu lächeln
und wenn uns jemand gesehen hat
ich gehe nicht mit dir ins bett
ich gehe mit niemanden mehr ins bett
ich gehe auch mit mir nicht ins bett
ich habe kein bett
hast du angst ich könnte gehen
was denkst du über mich?
nein sag es nicht
ich will es mir denken
du denkst
warum ist sie so eitel
schönheit ist doch nichts anderes als eine decke die
man einfach verlieren kann
aber du denkst das nicht
ich weiß nicht was du denkst
ich weiß ja noch nicht einmal was ich denke
es gibt mich gar nicht
ich bestehe nur aus worten
es ist leider wahr
alle pfänder sind weg
außer einer und der
träumt von mir
zu ihm werde ich jetzt gehen
sie stand auf und ging
sie steht vor des pfänders haus
klopft
er macht auf
ich möchte bei dir bleiben
das geht nicht
sagt er
aber ich komme zu dir
geh jetzt nach hause
und leg dich ins bett
ich hab kein bett
sagt sie
da lachte er und gab ihr seins
sie schleppt das bett nicht weit
denn es war schwer
da trifft sie den verkäufer
der hilft ihr bis zu ihrem wohnhaus
den rest schaffe ich alleine
sagt sie und zieht das bett nach oben
öffnet ihre wohnung und
zieht das bett in ihr zimmer
dann löscht sie das licht
und legt sich hinein
der verkäufer steht neben ihr
hab dir was vom steiss mitgebracht
ein sturz
probier doch mal
und elke probiert
und sie springt auf
lass uns doch zum steiss gehen
und sie gehen zum steiss
und bestellen den sturz
du bist nett weißt du das
sagt sie
er freut sich
erzähl doch etwas von dir
fordert sie ihn auf
ich bin in der stadt geboren
schon als ich vier war
wollte ich verkäufer werden
und als ich vierzehn war machte ich eine lehre
so kam ich in diesen hosenladen
wir verkaufen keine einzige hose
du hast sie ja auch nicht gekauft
ich habe sie dir geschenkt
du gefällst mir
ich möchte gerne mit dir zusammensein
wir könnten es doch versuchen
und elke nickt und sagt
du hast recht
wir können es mal versuchen
und dann geht sie wieder
und er sieht ihr nach
sie geht zum pfänder ihn zu holen
aber der pfänder war nicht mehr da
traurig geht sie wieder nach hause

*
hinter den richtlinien
den wirklich glaubhaften händen die sich abwenden
die nichts wissen von einem
auch nichts von einem wissen wollen
die glauben das leben wäre woanders
hinter den rändern
bei den schwierigen hütten
die einzustürzen drohen
wie eine sonne von der man doch auch nicht
behaupten kann sie werfe nur licht auf die welt
die alten regengüsse schon lange vertrocknet
und elke sitzt irgendwo hinter den leeren plätzen
ihre augen sehen kein bißchen verloren aus
sie möchte jetzt gerne irgendwo sein
dort wo man die reste begräbt und wirklich daran glaubt
dass es schief gehen wird
alles das
auch das was nicht wiederkommt
dass man nicht in gläser stecken kann
und dann wacht sie auf und sie weiß nicht
ob sie eine mütze oder eine hose kaufen will
und sie geht erstmal los
geht in so ein fachgeschäft
früher gab es dort mal fische zu kaufen
und sie schaute ihnen gerne beim erwachen zu
wie grosse spuren die man nicht hinterlassen darf
so kam ihr das aufwachen der fische vor
die wussten nicht dass man sie essen konnte
die waren sicher das alles gut ausgehen würde
nun aber war sie in dem laden
und es roch nach hosen und nach mützen
und elke wusste genau dass sie eine mütze kaufen würde
und ein verkäufer kam und fragte sie
was sie möchte
ob sie vielleicht mit ihm essen ginge
zum steiss
dort sitze er jeden abend und warte auf die gunst
und auf den sturz
auf die gunst warte er immer umsonst
aber der sturz sei wirklich gut
er habe selten so einen guten sturz gegessen
und die gunst habe er vielleicht jetzt
denn vielleicht sagt sie ihm das ja und
das wäre immerhin ein ereignis über dass man später vielleicht lächeln könnte
elke fand eine mütze
diese mütze will ich sagte sie
aber dann fiel ihr das magenknurren ein und das geld das erst wieder am ersten kommen würde
und dass sie vielleicht tatsächlich zum steiss gehen sollte
aber sie wusste nicht wo der war
und sie fragte ihn wo der steiss wäre und er sagte
ich kann sie doch abholen
und sie sagte dass könne er nicht weil er gar nicht wisse wo sie wohne
und sie würde es ihm bestimmt nicht sagen und er sagte sie könnte
doch zu mir ich wohne hinter der streifenstrasse das blaue haus und elke
lachte und sagte und ich wohne hinter der streifenstrasse in dem grünen haus
und beide häuser vermischten sich
(grün und blau was wird das
wer verrät es mir)
er wurde eine spur zu hell
sie suchten ihren mund nach spuren ab
sie ging
später saß sie in ihrer küche
es war nichts mehr im kühlschrank
nicht einmal ranzige butter
vielleicht sollte sie wirklich zum steiss
aber sie wusste doch gar nicht wo der war
sie nahm das telefon und wählte irgendeine nummer
wie lustig
er war dran der verkäufer
er erkundigte sich nach der mütze
er fand es lustig sich nach der mütze zu erkundigen
sie wusste nicht ob das lustig war
er fragte ob er sie abholen solle
nein sagte sie
er solle ihr sagen wo der steiss sei
sie dachte
ich gehe sicher nicht zum steiss
ich geh zum pfänder und verkaufe die mütze
und für das geld kaufe ich mir eine wurst
drei strassen weiter war ein pfänder
elke machte sich auf den weg
aber der pfänder war nicht da
das war gemein
seine nachbarin sagte er sei in dortmund auf einen pfänderkongress
elke stellte sich eine anzahl von pfändern vor die sich lustige geschichten erzählten
elke schaute die nachbarin an
sie fahren nicht zufällig nach dortmund?
doch ich fahre da hin aber ich fahre mit timo der ein echter bursche ist
er ißt sogar trockenes obst und kennt ein lied dass ich auch kenne
alles gelogen dachte elke
alles das war gelogen nur das mit dem pfänderkongress
das glaubte sie aber sonst
immer lügen die leute und nur deshalb weil sie nicht
sagen können
: komm bleib hier
ich bin so einsam
verschwenden wir ein paar stunden an die wir uns
später nicht mal mehr im betrunkenen zustand erinnern
werden
elke stand wieder auf der strasse
es gab noch einen pfänder
aber wo wohnte der
sie wollte in der nähe von bushaltestellen sein
in der nähe von bushaltestellen wusste man immer
wo es lang ging
und so stand sie in der nähe von bushaltestellen und sie fragte sich
warum die hier alle gesichter machen als würden sie den pfänder gar nicht kennen
aber einer saß da und schaute sich eine packung schlaftabletten an
er schien sehr müde zu sein
seine aufgeweckten augen rebellierten gegen den rest
sie fragte: gibt es hier noch einen pfänder
und der mann mit den schlaftabletten nickte
: ich gehe mit dir zu ihm
und sie ging quer durch die stadt
: du erinnerst mich an eine frau
ich traf sie im juli
sie trug einen koffer
sie hatte es eilig
ich sah sie danach nicht mehr
ab und an denke ich an sie
zum beispiel jetzt
magst du solche geschichten
ich habe eine menge davon
elke schwieg
sie hatte keine lust etwas zu sagen
sie hatte gar nicht zugehört
endlich kamen sie an das haus des pfänders
sie klopften
der pfänder öffnete:
was wollt ihr
: eine mütze habe ich gucken sie mal
sie sah ihn ganz hungrig an
: mützen brauche ich nur wenn ich schlafe gib sie mir mal zur probe
hier hast du einen zehner
mach dir einen schönen tag

das war seltsam weil sie die ganze zeit das gefühl hatte nicht der pfänder habe mit ihr gesprochen sondern der typ mit den schlaftablettenaugen
: sie können mir das leben retten
sagt der junge mann
: schlafen sie mit mir
sie schaute in irgendeine richtung
irgendwo dort wo der mond in die flüsse blickt
und sich fallen lassen möchte
sie ging ohne dass der junge mann es bemerkte
alles vertrocknete in dieser nacht in dieser hellen nacht
aus zugzwang werden die menschen durstig
die langen linien von strassen in die man fällt weil das stürzen auf beton wenigstens weh tut
elke ging weiter
sie wusste nicht wohin sie gehen sollte
plötzlich sah sie ein schild und auf dem schild stand <zum steiss>
und schon ging sie dort hin
und sah schon von weitem den verkäufer der hosen und mützen und sie fragte sich ob er sehr traurig war weil sie nicht kam
während er sie ansah wie ein gekommen
und fast wäre er lustig geworden aber dann dachte
er an ihren hunger
bestellen sie den sturz
er ist heute besonders gelungen
elke aber wollte davon nichts wissen
: erzählen sie mir wie sie aufgewachsen sind
bat sie
: ich bin in einem obdachlosenheim aufgewachsen
mein vater arbeitete bei der bank aber dann ging
irgend etwas schief
meine mutter starb sehr früh
mein vater fing das trinken an
anfangs war das lustig weil er mir immer
fussballfotos mitbrachte aber dann
er zahlte keine miete mehr und irgendwann
standen wir auf der strasse
es war irgendwie kribblig nicht zu wissen wohin man soll
wie aufmüpfig einem solche geschichten vorkommen
als habe jemand ein wort gesagt und jemand anderen
sei diesem wort zufällig begegnet
aber nun will er nicht mehr darüber reden
er fragte sie nach ihrer mütze und sie sagte ihrer mütze ginge es gut aber sie müsse jetzt gehen
denn sie sei in den pfänder verliebt und das wolle sie ihm jetzt sagen
und sie stand auf und ging zum pfänder
der mond hing in einer falle aber kam sehr leicht wieder aus dieser raus viel zu leicht um ihn wirklich zu bedauern
sie stand vor dem haus des pfänders der öffnete die türe
was willst du fragen werden gestellt
ich möchte deine frau sein
sagte elke
und der pfänder tanzte wie ein aufgußbeutelchen um sie herum
dabei hat man doch noch nie ein aufgußbeutelchen tanzen gesehen
der pfänder rief
komm rein frau solange habe ich auf dich gewartet
wie lange starrte ich in die luft und sah nur das schweigen der trennscheiben
setz dich auf den höchsten stuhl denn du bist jetzt meine frau
ich sitze hier neben dir
siehst du jenen der da winkt
das bin ich
die luft war fallend
hinter den spuren mancher fälscher machen sich sanfte sätze breit
schalen von wurstscheiben landeten auf den tisch
elke nahm sich das kleinste stück und teilte es in zwei hälften
das eine ist für dich
flüstert sie
die luft war fallend
tiere hatten heute ausgang
aber in einer stunde mussten sie wieder im zoo sein
und wie so laufen und sich unterhielten
fiel keinem von ihnen auf
dass sie sich nur über den zoo unterhielten
der pfänder schaute elke jetzt ernsthaft an
erwarte bitte nichts von mir
ich bin in manchen dingen sehr befangen
ich mag es zum beispiel nicht wenn man in meiner gegenwart über sex redet
elke redete sich ein sie habe ihre mütze verraten
plötzlich wurde ihr klar sie konnte nicht gehen
sie musste erst ihre mütze retten
schon blickte sie sich um ob sie irgendwo steckte
dann aber blickte sie ihn sanft an
du brauchst keine angst haben
sagte sie
ich mag das auch nicht
viel lieber betrachte ich den mond nur schade dass man den mond nicht so oft betrachten darf weil man sich sonst zu sehr an ihn gewöhnt und vielleicht gehe ich deshalb weil ich nicht will dass du dich an mich gewöhnst
ich möchte aber dass du zu mir kommst heute nacht
bring bitte noch etwas von der wurst mit wir wollen sie in meinen kühlschrank legen damit der nicht so einsam ist
die luft draussen war flattern
aber das stimmte nicht
die luft war nur in diesem gedicht flatternd
elke ging
er öffnete die türe und sprach
ich zieh mich nur geschwind um und komme dann zu dir
sagst du mir so ungefähr wo du wohnst
wie leidenschaftlich das alles war
flausen durch die haare
rotes
gelbes
grünes licht
sie ging kleinlaut durch die strassen
sie empfand eine menge
doch sie wusste nicht
was
die augen suchen kein luftschlösser
sie brauchen nicht einmal den schlaf um sich mit träumen zuzudecken
ganz wachsam ist das lied das kleine das in die ohren fällt als würde es nichts mit absicht tun
elke ist zuhause
sie sitzt auf einen stuhl
irgendwie kommt es ihr vor
als hätte sie all das noch nicht einmal geträumt
Wenn der Himmel so blau ist, warum wird es dann finster?

gelbsucht
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Re: ein abenteuerroman

Beitragvon gelbsucht » 22.10.2003, 00:34

Hallo Meister Hilbi,

leider muss ich gestehen, dass mir deine längeren Texte, z.B. "Die Kaffeetrinkerin" oder auch der hier, eher nicht so gefallen. Die Dichte der Bilder und das Unorthodoxe der Metaphern und Vergleiche ist über diese Länge doch etwas ermüdend und anstrengend. Außerdem kann ich bei dieser Geschichte nicht nachvollziehen, warum du sie quasi zweimal erzählst? Die Handlung der beiden Teile verläuft ja einigermaßen parallel, obwohl es im Detail auch zahlreiche Variationen gibt (z.B. einmal kauft Elke eine Hose, später eine Mütze). Aber was soll das?

Die Grundidee, dass sie immer wieder versucht, ihrem "Schicksal" zu entkommen und ihr Leben selbst zu bestimmen, während sie alle Wege zum Verkäufer und in den "Steiss" führen, die Idee, sich einer "Vorherbestimmung" zu erwehren, in dem sie in die Arme eines Mannes flüchtet, den sie wahrscheinlich gar nicht liebt, diese Grundidee, finde ich interessant. Die Frage ist: geht das auch kürzer?
ich wohne in der ritterbacherfeinkleeallee

Lustiger Straßenname.
dann kommen sie doch mit mir in den steiss
beim steiss gibt es den besten sturz

Steiß und Sturz!? Das klingt nach: Auf etwas reinfallen und sich dabei übel wehtun. Gibt es wirklich ein Gericht in Hessen, das "Sturz" heißt?
oh da wohne ich auch
feines gerede
dann ging sie

Das Gesprächsende ist aber doof. Seltsamer Szenenübergang!
sie klingelt beim pfänder aber
der ist in dortmund dort ist der pfänderkongress

Gut!
magst du salzstangen
ich mag sie nur wenn ich durstig bin

:-))
ein sturz
probier doch mal
und elke probiert
und sie springt auf
lass uns doch zum steiss gehen
und sie gehen zum steiss
und bestellen den sturz
du bist nett weißt du das
sagt sie

Was hat der Verkäufer denn da unter diesen Sturz gemischt? Ecstasy?
hinter den richtlinien
den wirklich glaubhaften händen die sich abwenden
die nichts wissen von einem
auch nichts von einem wissen wollen
die glauben das leben wäre woanders
hinter den rändern
bei den schwierigen hütten
die einzustürzen drohen
wie eine sonne von der man doch auch nicht
behaupten kann sie werfe nur licht auf die welt
die alten regengüsse schon lange vertrocknet
und elke sitzt irgendwo hinter den leeren plätzen

Ein ziemlich vertrackter, schwer zugänglicher Absatz ...
(grün und blau was wird das
wer verrät es mir)

Blaugrüne oder Grünblaue Farbtöne? Nimm doch lieber Blau und Gelb, das ergibt Grün. Oder Rot und Blau, das ergibt Violett. Oder Gelb und Rot, das ergibt Orange. Das sind die Mischungen der drei Grundfarben. Die Mischung von Blau (Grundfarbe) und Gründ (Sekundärfarbe) ist da schon etwas komplexer. Die Bezeichnung der Farbtöne, die dabei entstehen können, vielfältig und namentlich weniger eingängig.
immer lügen die leute und nur deshalb weil sie nicht
sagen können
: komm bleib hier
ich bin so einsam
verschwenden wir ein paar stunden

Eine meiner Lieblingsstellen im Gedicht!
in der nähe von bushaltestellen wusste man immer
wo es lang ging
und so stand sie in der nähe von bushaltestellen und sie fragte sich
warum die hier alle gesichter machen als würden sie den pfänder gar nicht kennen
aber einer saß da und schaute sich eine packung schlaftabletten an
er schien sehr müde zu sein

Auch sehr gut!!!
: sie können mir das leben retten
sagt der junge mann
: schlafen sie mit mir
sie schaute in irgendeine richtung
irgendwo dort wo der mond in die flüsse blickt
und sich fallen lassen möchte

Was ist das denn für eine Masche? Aber wirklich interessant: es gibt ja wirklich Menschen, die Selbstmordversuche unternehmen, um die Aufmerksamkeit und Zuwendung ihrer Umgebung zu gewinnen.
und der pfänder tanzte wie ein aufgußbeutelchen um sie herum
dabei hat man doch noch nie ein aufgußbeutelchen tanzen gesehen

:-))
die luft war fallend
hinter den spuren mancher fälscher machen sich sanfte sätze breit

???
tiere hatten heute ausgang
aber in einer stunde mussten sie wieder im zoo sein
und wie so laufen und sich unterhielten
fiel keinem von ihnen auf
dass sie sich nur über den zoo unterhielten

Wie passt diese Stelle in die Szene und zum Rest des Gedichtes?
ich bin in manchen dingen sehr unbefangen
ich mag es zum beispiel nicht wenn man in meiner gegenwart über sex redet

Ja, aber warum ist er dann UNbefangen?
bring bitte noch etwas von der wurst mit wir wollen sie in meinen kühlschrank legen damit der nicht so einsam ist

:-))
sie ging kleinlaut durch die strassen
sie empfand eine menge
doch sie wusste nicht
was

Schöne Stelle am Ende des Gedichtes.

FAZIT: Ein Text mit vielen einzelnen Glanzlichtern, aber insgesamt etwas zu lang und zusammenhangslos - zumindest für meinen Geschmack.

;-) gelb :-)
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)

Hilbi
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Re: ein abenteuerroman

Beitragvon Hilbi » 23.10.2003, 01:30

Verflixt und zugenäht, es geht sogar noch länger....guck ma auf meinem forum unter

http://www.foren-platz.de/cgi-bin/foren/F_2591/cutecast.pl?forum=2&thread=343
Wenn der Himmel so blau ist, warum wird es dann finster?

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Re: ein abenteuerroman

Beitragvon Spiderman » 27.10.2003, 13:58

Hallo Hilbi,

für das Schreiben dieses Gedichtes hast Du Dir ein Fleißkärtchen verdient. Und ich habe mir jetzt fürs Lesen dieses Gedichtes ein Fleißkärtchen verdient.

Ich gebe gelbsucht im Wesentlichen recht. Spätestens ab dem zweiten Teil ist das Lesen ermüdend und man kriegt nicht mehr alles so mit. Im Prinzip ging's mir dann wie Elke, die sich irgendwie irgendwo verlor, sich an anderer Stelle wiederfand, etwas entdeckte, um es aufs Neue herzugeben. Das Gedicht enthält einige hilbi-typische unverwechselbare Stellen. "schönheit ist nichts anderes als eine Decke, die man verlieren kann" ist so ein Beispiel. Auch an der Zoo-Sequenz hab ich mich gefreut. Liegt aber auch daran, dass ich ein Faible für Zoos habe.

Spidey
Die nette Lyrik-Spinne von nebenan!

Hilbi
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Re: ein abenteuerroman

Beitragvon Hilbi » 23.10.2004, 19:54

:-)
Wenn der Himmel so blau ist, warum wird es dann finster?


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