in den zangen

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
hginsomnia
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in den zangen

Beitragvon hginsomnia » 08.03.2011, 13:53

in den zangen warfen wir unsere laute
wie gläser gegen zeichenberge die im hintersten eck
verschimmelten alkoholiker bestellten sich
und tranken uns aus mit ihren nasen
roch ich die nährböden verfaulter
versprechen

eilig aus augäpfeln entnommen
wie nach vorne gebeugte sekunden
zerteiltest du pragmatische gesten
und maltest dir aus wie glas klingt

wie ein gespräch an einem wandteppich
der keine fragen hatte

unsere einsamkeit ist ein nächtlicher gefährte der schleicht
auf dem boden der tatsachen
schlafen wir ein

shuya
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Re: in den zangen

Beitragvon shuya » 08.03.2011, 15:51

mh,
die letzten 3 zeilen gefallen mir gut.

problematisch am gesamtding finde ich, dass zu vieles für sich steht.
ich kenne das problem persönlich ganz gut (gelöst für mich, mit nummerierung einzelnder strophen, aber da gibts viele möglichkeiten)
nämlich, dass man oft viele ideen mit einander zu verknüpfen sucht
weil sie im endeffekt alle die selbe idee zugrunde haben, daher nicht augenscheinlich
aber durchaus miteinander verbunden sind.
trotzdem wirkt es dann oft bemüht, wenn man sie übereinander schichtet (lesrichtung ist ein arschloch).

ich könnte mir an der stelle eher ein triptychon vorstellen
á la


1. Faltschacht (in der Bar)

in den zangen warfen wir unsere laute
wie gläser gegen zeichenberge
die im hintersten eck
verschimmelten alkoholiker bestellten sich
ein gewissen
knarrzte laut, bei jeder bewegung
der nährboden fauler versprechen

2. Steinbruch (in der Metaphysik)

eilig aus augäpfeln entnommen
wie nach vorne gebeugte sekunden
zerteiltest du pragmatische gesten
archiviert und mit zetteln versehen
gereizte nervenstränge
malten dir aus
was nach glas klingt

3. Erz (in den Zangen)

wie ein gespräch an einen wandteppich
gelehnt
der keine fragen hatte
choreographien vergessener lesart
in bildern zerbröckelnder götter

unsere einsamkeit ist ein nächtlicher gefährte, der schleicht
auf dem boden der tatsachen
schlafen wir ein

hginsomnia
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Re: in den zangen

Beitragvon hginsomnia » 08.03.2011, 23:13

hallo shuya,

danke für deine erhellenden vorschläge.

die überlegung, das ganze etwas mehr zu strukturieren, übernehme ich direkt mal.

ich brauche allerdings das lyr. ich, scheint mir, im ersten abschnitt (also benannt), wegen der struktur wir - ich - du - wir (ich überlege noch etwas)

shuya hat geschrieben:ein gewissen


die benennung mag mir noch nicht so gefallen, aber vielleicht löse ich da zu wenig auf.

shuya hat geschrieben:archiviert und mit zetteln versehen


shuya hat geschrieben:choreographien vergessener lesart
in bildern zerbröckelnder götter


auch hier habe ich (vielleicht auch nur 'noch') probleme mit dem tonfall.

zunächst erstmal (nur als zwischenschritt):

1. in den zangen

warfen wir unsere laute
wie gläser gegen zeichenberge, die im hintersten eck
verschimmelten
alkoholiker tranken uns mit ihren nasen
roch ich den nährboden fauler versprechen

2. eilig aus augäpfeln entnommen

wie nach vorne gebeugte sekunden
zerteiltest du pragmatische gesten
mit gereizten nervensträngen, die malten
dir aus
was nach glas klingt

3. wie ein gespräch vor einem wandteppich
der keine fragen hatte

unsere einsamkeit ist ein nächtlicher gefährte, der schleicht
auf dem boden der tatsachen
schlafen wir ein



ich denke noch weiter drüber nach und editiere dann erst später oben

danke soweit

lg
hginsomnia

Perry
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Re: in den zangen

Beitragvon Perry » 09.03.2011, 14:17

Hallo hginsomnia,

ich gehe mal auf deine "Zwischenschrittfassung" ein, weil sie zwar noch immer surrealist geprägt, aber zumindest für mich schon etwas folgerichtiger ist.
Hier meine Verständnisfragen, die natürlich wegen der Irrealität relativ sind.

Von welchen Zangen ist hier die Rede, vielleicht solche, mit denen man Eiswürfel in Gläser wirft, was aber bei der "verschimmelten" Alkoholikerszenerie wohl eher nicht gemeint ist.

Am besten gefällt mir das Bild "eilig aus augäpfeln entnommen", weil es die Vergänglichkeit des Sehens/Seins originell einfängt.

Etwas überraschend schwenkt der Blick am Schluss von den skurrilen Bildern der ersten beiden Strophen in eine "normale" Sicht der Vereinsamung.

Soweit meine Sicht auf deinen Text, der für mich ein LW im Würgegriff der Einsamkeit beschreibt.

LG
Perry

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Re: in den zangen

Beitragvon shuya » 10.03.2011, 08:50

Hey hg,
die "lückenfüller" die ich eingebaut habe, waren eher fixe ideen
ich würde d'accord gehen sie nicht beizubehalten

wollte nur etwas mehr machen als bloß nummern über strophen zu setzen, weil ein solcher eingriff auch das gefühl vom text sehr stark
beeinflusst. nimm die ruhig ohne großes nachdenken weg und füll eigens auf, das würde sicher besser passen.

riemsche
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Re: in den zangen

Beitragvon riemsche » 14.03.2011, 20:41

servus hginsomnia,
keine ahnung zum wieoftenMale ich das jetzt schon les (:->)) und in sachen intension und mögliche form wurde ja schon so manch interessantes auf die intensive abgeklopft. drum kurzversuch anfangs der ersten passage _die mir am meisten zusagt_ rhythmisch was auszuloten und abiz umzuleiten. vielleicht isses ja auch´n fizzelpuzzelteil zum jaSopasst Deinerseits :-)

in den zangen warfen wir laute
unsere wie gläser gegen zeichen
berge die im ..........

lGr

hginsomnia
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Re: in den zangen

Beitragvon hginsomnia » 25.03.2011, 04:05

Hallo zusammen,

@ shuya

danke, weiß ich zu schätzen, und ich kann auch aus diesen spontanbildungen etwas ablesen.

@ perry

danke fürs lesen und für deine einschätzung.

zur frage:

'in den zangen' sollte hier das pluralistisch verwendete passivum zur wendung 'in die zange nehmen' als dauerzustand kennzeichnen, also in die zangen genommen (dauerhaft), in jenen sich damit befinden.

Perry hat geschrieben:Etwas überraschend schwenkt der Blick am Schluss von den skurrilen Bildern der ersten beiden Strophen in eine "normale" Sicht der Vereinsamung.


es kann gut sein, dass da noch ein zwischenschritt fehlt. ich schaue noch mal.

@ riemsche

danke für deinen versuch.

'laute unsere' finde ich gut und lustig, und weil ich es lustig finde, vielleicht zu lustig, scheint mir das hier noch nicht so recht dem habitus des textes zu entsprechen, abgesehen davon, dass ich ja unsere laute sagen wollte ;-)

aber das klaue ich dir bestimmt noch

'zeichen / berge' - da wieder die frage: was gewinne ich, wenn ich das so schreibe? ich sehe hier den zugewinn nicht, da ich ja auch sonst keine morphologischen enjambements in diesem text verwende

also ich verwende die gerne mal, aber ich wüsste nicht, warum ich das ganz konkret an der stelle tun sollte und ich weiß auch nicht, warum du das gemacht hast, denn, denke ich mir die zeile weiter, steht da ja 'berge die im hintersten eck verschimmelten' (dabei haben mittlerweile die kommata strukturellen charakter gewonnen - im zwischenschritt).

du siehst, ich bin gerade ein wenig auf dem trip, dinge auch mal auf die metaebene zu schieben, wie du bei deinem 'trocken' leidvoll erfahren musstest ;-) . ich sehe halt da so ein stück weit deinen automatismus, bloß jedes zusammengesetzte kompositum auseinanderzureißen.

ich danke euch und bastel weiter, wenn ich dazu komme

lg
hginsomnia

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Re: in den zangen

Beitragvon Glaukos » 27.03.2011, 11:04

gutes gedicht!
erinnert mich irgendwie an meine eigenen ;-)
ich bin also kein guter kritiker ...
... insbesondere die sprünge über die zeilen hinweg finde ich spannend. weil an deinem poem kann ich mal lesen, wie das auf andere wirkt. sonst geht das ja erst nach ein paar jahren, wenn man das eigene gedicht völlig vergessen hat ;)

lg
tolya

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Re: in den zangen

Beitragvon hginsomnia » 28.03.2011, 19:02

Danke, Tolya :-)

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Re: in den zangen

Beitragvon riemsche » 29.03.2011, 21:21

hginsomnia hat geschrieben: 'laute unsere' finde ich gut und lustig, und weil ich es lustig finde, vielleicht zu lustig, scheint mir das hier noch nicht so recht dem habitus des textes zu entsprechen, abgesehen davon, dass ich ja unsere laute sagen wollte ;-)

aber das klaue ich dir bestimmt noch


ich habe die beiden worte aus gutem grund in verschiedene zeilen gesetzt. dass du das jetzt von vornherein im fluss zusammen liest, grenzt da so gesehen fast an absicht (:->)) und gerndoch. ja tu das!

hginsomnia hat geschrieben:'zeichen / berge' - da wieder die frage: was gewinne ich, wenn ich das so schreibe? ich sehe hier den zugewinn nicht, da ich ja auch sonst keine morphologischen enjambements in diesem text verwende


zeichen war mir ein so grosses bild für sich alleine, die berge wären dann ne ganze menge davon inklusive denen von anderen welchen. die gewinnfrage kann ich dir in dem zusammenhang nicht beantworten. leider (:->)) aber ich denk noch darüber nach.

liebe grüsse vom
riemsche

hginsomnia
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Re: in den zangen

Beitragvon hginsomnia » 02.04.2011, 13:31

Danke, riemsche

riemsche hat geschrieben:ich habe die beiden worte aus gutem grund in verschiedene zeilen gesetzt. dass du das jetzt von vornherein im fluss zusammen liest, grenzt da so gesehen fast an absicht


ja, das mag sein, also das mit der absicht, aber weil du ja meintest, du wolltest rhythmisch was rausholen, wäre mir ja nun gerade auch

laute, unsere wie gläser

'n ziemliches stoppschild gewesen

riemsche hat geschrieben:zeichen war mir ein so grosses bild für sich alleine, die berge wären dann ne ganze menge davon inklusive denen von anderen welchen


das mit den inklusive derer anderer war ja auch genauso gedacht, laute gegen zeichenberge,
also sich im gewirr der zeichen (hier als semiotisch verstandener begriff) akustisch gehör zu verschaffen, nicht notwendigerweise erfolgreich, daher die berge, zwischen denen je nach standort aus einem laut ein echo oder jener, der laut, verschluckt wird.

danke soweit

lg
hginsomnia


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