wie ein abend aussehen könnte ohne nacht zu sein

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
hginsomnia
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wie ein abend aussehen könnte ohne nacht zu sein

Beitragvon hginsomnia » 29.06.2011, 10:44

das ist vielleicht
noch nichts die schauspieler

die ihre silbernen haare verstecken
die farbe die in tönen dem sophisten flötet

bloß celan zitieren
am besten etwas verkaufen

und dafür celan zitieren
der ist vielleicht tot aber das ist doch

was und dann die gegengeraden
die sind schon meistens nur da

weil niemand ihr fan sein will
außer diese eine frau

die einen schal trägt
und der man es nicht ansieht



ich sage ihr dass ich nicht ans verschwinden glaube
aber sie ist nicht da sie hat sich verschluckt

ein wasser kaufen kommt nicht zurück
ich kaufe es dir margarete das ist doch

schon mal ein anfang und ohne ende
gibt es rum der was auffängt

wie sophistische hände wenn
sie gestalten könnten

wär dein haar meine zier
pflanze margarete

pflanze sulamith
den schauspielern

entgegen ihre blauen
augen ins unausstechbare

Perry
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Re: wie ein abend aussehen könnte ohne nacht zu sein

Beitragvon Perry » 29.06.2011, 15:48

Hallo hginsomnia,
wohl eher "wie ein gedicht aussehen könnte ohne ..."
Entschuldige, aber mir sind das einfach zu viele Bilder ohne (für mich) erkennbaren Zusammenhang.
Zwar habe ich nichts gegen fragmentarische bzw. zufällig wirkende Texte, aber hier wirkt die Abfolge doch ziemlich willkürlich: Schauspieler, Sophisten, Celan, Gegengerade, Frau, Margarete, Sulamith. Dass Celan bzw. seine Todesfuge mehrmals auftaucht (Celan, Celan, Margarete, Sulamith), ist mir zudem ein wenig zuviel.
Damit ich nicht nur kritisiere, den Zeilenumbruch zier/pflanze finde ich durchaus gelungen. ;-)
Aber vielleicht kannst du mir das Ganze ja etwas näher bringen, bzw. mir auf die Sprünge helfen. :-D
LG
Perry

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Re: wie ein abend aussehen könnte ohne nacht zu sein

Beitragvon riemsche » 29.06.2011, 23:31

das ist vielleicht
noch nichts ...

find ich gut, weils noch was werden kann :-) obs die stückel_leerzeilenschaltung in häufung bringt ... ich weiß nicht so recht. und celan tönt mir trotz aller bemühungen _auch wenn ich damit fans der 5buchstaben auf die zehen steige_ bei fremdanwendern immer noch wie´n flüssigreiniger.
lGr

hginsomnia
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Re: wie ein abend aussehen könnte ohne nacht zu sein

Beitragvon hginsomnia » 30.06.2011, 16:50

Hallo zusammen,

nun, wir kommen bei derartigen Kommentaren wohl nicht in einen Austausch, weil ich gerade nicht in der Lage, nicht fähig bin, zu verstehen, warum dieser Text als willkürlich geschrieben angesehen wird. Das soll kein Vorwurf an euch sein (,zumindest nicht an dich, Perry), nur muss ich dem erstmal nachspüren, weil ich gerade bei diesem Text sehr viele Wörter mit Bedacht gewählt habe (es finden sich ja noch viel mehr als die eindeutigen Verweise auf die Todesfuge).

In einem teile ich eure Bedenken aber schonmal:
Es ist immer problematisch, Gedanken aus einem populären Meisterwerk der Dichtung zu entlehnen, weil man immer in Verdacht gerät, einzig darüber den eigenen Text pushen zu wollen.
Ich hoffe, ich habe mit der reflektierten Herangehensweise (Verweis auf die Sophistik und die Rolle des Verkäufers), sowie den Variationen mich dieses Verdachts jedenfalls ein wenig entzogen.

Deinem Vorschlag, Perry, dir auf die Sprünge zu helfen, versuche ich mal mit einigen Fragen zu begegnen, weil ich dir nicht meine Intention erklären will, um dann zu sagen, du seist selber schuld, wenn du die nicht erkannt hättest.

1. die gegengerade: kennt man ja sprachlich vom fußball. ich habe hier deshalb etwas aus diesem semantischen feld benutzt (fan und schal). der fanschal signalisiert ja eine zugehörigkeit zu einer bestimmten gruppe, eine gewisse haltung vielleicht. die frage ist, was gegengerade (außer im fußball) noch bedeuten kann und wie sich das und die damit verbundene anhängerschaft der frau metaphorisch übertragen ließe.

2. zu den schauspieler gibt es z.b. zu fragen: wer spielt bei celan und vor allem womit? wer spielt uns hier also was vor? was könnte es bedeuten, wenn hier die schauspieler ausgerechnet silberne haare haben (und nicht goldene), die sie verstecken?

3. zur frau, die zur margarete wird: wie könnte man das auftauchen des namens in verbindung mit der frau verstehen? wieso wählt das lyrische ich scheinbar spontan diese anrede?

4. noch ein beispiel zur sprache:

hginsomnia hat geschrieben:und dafür celan zitieren
der ist vielleicht tot aber das ist doch

was und dann die gegengeraden
die sind schon meistens nur da


hginsomnia hat geschrieben:ein wasser kaufen kommt nicht zurück
ich kaufe es dir margarete das ist doch

schon mal ein anfang und ohne ende
gibt es rum der was auffängt


wie ist hier das 'was' eingearbeitet? was könnte 'was' ( ;-) ) bedeuten?

5. der text ist ja sichtbar geteilt in 2x7 strophen. welche unterschiede gibt es zwischen den beiden teilstücken und wie könnte man das zusammenfassen?


Vielleicht kommen wir mit dieser Fragestellung etwas weiter, wenn du versuchst, diese Fragen für dich zu beantworten und daraus eine weitere Sichtweise zu gewinnen.
Ich für meinen Teil werde mich bemühen, deine Sichtweise nachzuvollziehen und schauen, welche Anknüpfungspunkte ich finde.

Allerdings befürchte ich, dass sich hier wieder niemand ernsthaft kritisch auseinandersetzen will, aber vielleicht überrascht ihr mich ja :-) .

lg
hginsomnia

Perry
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Re: wie ein abend aussehen könnte ohne nacht zu sein

Beitragvon Perry » 01.07.2011, 17:46

Hallo hginsomnia,
na dann will mich mal mit den "Fragen" auseinandersetzen:

"1. die gegengerade: kennt man ja sprachlich vom fußball. ich habe hier deshalb etwas aus diesem semantischen feld benutzt (fan und schal). der fanschal signalisiert ja eine zugehörigkeit zu einer bestimmten gruppe, eine gewisse haltung vielleicht. die frage ist, was gegengerade (außer im fußball) noch bedeuten kann und wie sich das und die damit verbundene anhängerschaft der frau metaphorisch übertragen ließe."

Ich kenne die Gegengerade von Leichtathletikstadien, die bei "Läufen" eine Rolle spielt. Daraus einen lyrisch bedeutungsvollen Aspekt abzuleiten halte ich für zu weit hergeholt.

"2. zu den schauspieler gibt es z.b. zu fragen: wer spielt bei celan und vor allem womit? wer spielt uns hier also was vor? was könnte es bedeuten, wenn hier die schauspieler ausgerechnet silberne haare haben (und nicht goldene), die sie verstecken?"

In Celans Todesfuge stehen die Frauennamen Margarete und Sulamith für die Völkergruppen Arisch bzw. Jüdisch. Schauspieler mit silbernem bzw. goldenem Haar sagen mir ohne entsprechenden Kontext wenig.

"3. zur frau, die zur margarete wird: wie könnte man das auftauchen des namens in verbindung mit der frau verstehen? wieso wählt das lyrische ich scheinbar spontan diese anrede?"

Das weiß wohl nur das LI.

"4. noch ein beispiel zur sprache:

hginsomnia hat geschrieben:
und dafür celan zitieren
der ist vielleicht tot aber das ist doch

was und dann die gegengeraden
die sind schon meistens nur da

hginsomnia hat geschrieben:
ein wasser kaufen kommt nicht zurück
ich kaufe es dir margarete das ist doch

schon mal ein anfang und ohne ende
gibt es rum der was auffängt

wie ist hier das 'was' eingearbeitet? was könnte 'was' ( ) bedeuten?"

"was" ist für mich hier die Kurzform von "etwas" und kann alles oder nichts bedeuten. Auch hier ist ein möglicher Bezug viel zu weit hergeholt, um wirken zu können.

5. der text ist ja sichtbar geteilt in 2x7 strophen. welche unterschiede gibt es zwischen den beiden teilstücken und wie könnte man das zusammenfassen?

Solche formale Rätselspiele sind was für "Formatiker" und nichts für freie Schreiber wie mich. ;-)

Du siehst, die Fragen bringen mich nicht weiter, meine Antworten dich vermutlich auch nicht.

LG
Perry

hginsomnia
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Re: wie ein abend aussehen könnte ohne nacht zu sein

Beitragvon hginsomnia » 01.07.2011, 21:21

Perry hat geschrieben:Du siehst, die Fragen bringen mich nicht weiter, meine Antworten dich vermutlich auch nicht.


so sieht's aus 8-)


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