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Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
riemsche
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___ Znüni ___

Beitragvon riemsche » 27.07.2011, 21:00

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dem Zentrum meiner sommerfrischen Stadt
fehlt´s an Bemalung Pep Mut Unterlicht
Bewohner Sucher tragen bunte Kappen
sonst seh ich es vom ersten Stock aus nicht
immer mehr Träger keiner Kopfbedeckung
sammeln sich langsam bilden einen Kreis
ich giesse Kaffee nach mach mir Gedanken
woher sie stammen als mich hintergründig leis
ein Summen fesselt bis sich Stimmen finden
ich schau mich um und seh entrückt Gesichter
versteh kein Wort das Lied ist mir vertraut
solche Momente braucht ein Heimatdichter

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Re: ..... Znüni .....

Beitragvon hginsomnia » 27.07.2011, 21:43

ich schlage 'heimatdichter' als unwort des jahres vor.

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Re: ..... Znüni .....

Beitragvon riemsche » 27.07.2011, 22:21

nun und ich fänd´s schwer an der zeit, den biederen flohmarktstaub aus 13buchstaben zu blasen und das zusammengesetzte adhoc jedem anzudichten, der lebhaft von daheim erzählt.
mich würde allerdings schon schwer interessieren, was dich an dem wort so un dünkt (:->)) abergläubisch?

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Re: ..... Znüni .....

Beitragvon hginsomnia » 28.07.2011, 04:27

du hast das mit dem staub schon ganz gut getroffen und meine abneigung gegen dieses wort hat auch nichts konkret mit deinem text zu tun, sondern vielmehr mit der tradition, in der es verwendet wird und die eben dieses wort zu einem unwort macht, weil sich dagegen, selbst in neuer verwendung m.e. nicht anschreiben lässt

zunächst deutet es eine exklusivität an, die ich nicht teilen möchte oder anders gesagt:

wer ist heimatdichter?
wer nicht?

mir ist die geistige heimat jedenfalls lieber und die sollte dem dichter, also dem wirklichen m.e. auch immer lieber sein als eine anbiederung, die vielen, wenn auch nicht allen texten, die sich unter dem oberbegriff heimatdichtung zusammenfassen lassen wollen, eigen ist, texten also, welche nun mit einfachen griffen den leser abholen, ohne dieses abholen aber aus originär im text entstehenden gefühlen schöpfen zu müssen, sondern solche sind, die es eben über jene anbiederung an ein wie auch immer geartetes heimatgefühl durch meist symbolistische rhetorik (mundart, geographische zeichnung et cetera) einfach geschenkt bekommen und das schamlos ausnutzen.

den verweis auf den aberglauben verstehe ich in diesem zusammhang nicht oder war es wieder so ein riemsche-gag (ABERglauben)!

Perry
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Re: ..... Znüni .....

Beitragvon Perry » 28.07.2011, 18:00

Hallo Zusammen,
ich bin anscheinend so was wie ein "Heimatdichter", nicht umsonst hat mich der Kulturredakteur vom Straubinger Tagblatt in einem Interview "Labertalpoet" genannt. ;-)
Natürlich gehört der Begriff entstaubt, denn die Heimat, die diesem Genre anhängt, hat sich längst geändert, ist moderner geworden. Also lamentiere ich nicht, sondern schreibe dagegen an. So heißt z. B. der Gedichtband über meine Kindheits- und Jugenderinnerungen "Süße Heimstatt Niederbayern" in Anlehnung an "Sweet Home Alabama." :-D

Nun aber schnell zu riemsches sommerlichen Blick auf die Straßen und Plätze seiner Stadt.

Mir fällt dazu spontan eine Liedzeile (aus genug ist nie genug) von Konstantin Wecker ein, die ungefähr so geht:

"Ich sitz regungslos am Fenster,
ein paar Marktfraun fangen sich ein Lächeln ein.
Irgendwo da draußen pulst es,
und ich hab es satt, ein Abziehbild zu sein.
Nichts wie runter auf die Straße,
und dann renn ich jungen Hunden hinterher.
An den Häusern klebt der Sommer,
und die U-Bahnschächte atmen schwer."

Bei dir sind es Passanten mit oder ohne Kopfbedeckung und ein Summen, welches mir allerdings verschlossen bleibt.
LG
Perry

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Re: ..... Znüni .....

Beitragvon riemsche » 30.07.2011, 08:52

@ hginsomia
dagegen anschreiben? das klappt doch nie. schreiben. das isses. fühl ich mich doch _besonders, wenns an die basis geht_ manchmal auf die so sonderbare und eigenartige verwurzelt - als wär ich längst einer. beli meinte nach der letzten zeile ziemlich irritiert "Du? ein heimatdichter? also ich hätte dich jetzt nie ....." tja. noch weiß es außer mir keiner bzw wills keiner wissen. was mich eigentlich nicht stört. ganz im gegenteil (:->))
peter rosegger war so ziemlich das einzige vorbild, das man einem obersteirerbua mitte der 60er grundschulmäßig vor die nase hielt. bin ja selbst mit allen facetten bäuerlichen landlebens in unmittelbarer nachbarschaft aufgewachsen. und dennoch war mir das schon damals ein oldie und so gar nicht mein ding. mit dem ihm zu lebzeiten gängig angehängten unwort naturdichter hatte auch peter zu kämpfen. seine weihnachtsgeschichte war mit passender musik einmal im jahr ein nettes hörerlebnis. den gottsucher las ich erst viel später. was meine überhebliche meinung zu seiner person und dem wort heimatdichter im allgemeinen im wesentlichen änderte.
@perry
und dann gibts jene, die zu eigener wortung gut in die tasten hauen können, passende akkorde auf der klampfe kennen und sich die schublade liedermacher teilen. und darunter welche, denen heimischer gersten+traubensaft an stimulanz nicht langt. die wegen all der umtriebe und nebenverdienstmöglichkeiten zu designerkacke greifen, um noch die rechten worte dafür zu finden, was in ihrer unmittelbaren umgebung an scheinbar nicht banal alltäglichem abgeht. oh ich mag den konstantin und seine krausen texte immer noch. weckerleuchten, im namen des wahnsinns live83 und sein doppel-LP-liederbuch möcht ich nicht missen. und dennoch - schnee von gestern :-)
mit dem summen meine ich die feinabstimmung, suche nach dem gemeinsamen grundton. von ziemlich schräger auffassung von a und c zu choralem wohlklang.

lGr

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Re: ..... Znüni .....

Beitragvon hginsomnia » 17.08.2011, 03:12

ich greife es nochmal auf :-)

riemsche hat geschrieben:dagegen anschreiben? das klappt doch nie


eben das sagte ich ja.

riemsche hat geschrieben:schreiben. das isses.


das sagt halt mal gar nichts aus.

riemsche hat geschrieben:was meine überhebliche meinung zu seiner person und dem wort heimatdichter im allgemeinen im wesentlichen änderte


wichtig für mich ist nicht, ob es einen autor gibt, der mit diesem schlimmen wort belegt ist und dem dieses wort nicht entspricht, sondern, wie gesagt, welche texte im gros sich unter der kategorie heimatdichtung versammeln. ein autor verändert eben das wort nicht oder genauer: die kategorie, die durch dieses wort bestimmt ist. er bleibt dann eben eine ausnahme und, wenn er gut ist, eine perle unter einem schundhaufen.

nebenbei: das mit dem aberglauben habe ich immer noch nicht gerafft.

Perry hat geschrieben:ich bin anscheinend so was wie ein "Heimatdichter", nicht umsonst hat mich der Kulturredakteur vom Straubinger Tagblatt in einem Interview "Labertalpoet" genannt.


das Gros deiner hier eingestellten texte lässt sich nicht mit 'Heimatdichtung' bezeichnen, ja, selbst texte wie 'aus meiner niederbayerischen seele' deuten eigentlich nur im titel die heimatverbundenheit an. ansonsten behandeln sie recht universelle themen, lassen sich gelegentlich mit 'naturdichtung' umschreiben, vielfach aber auch nicht.

offensichtlich meinte der 'kulturredakteur' das sogar ernst, oder? was für eine vorlage für eine satire. ;-)

Perry hat geschrieben:Natürlich gehört der Begriff entstaubt, denn die Heimat, die diesem Genre anhängt, hat sich längst geändert, ist moderner geworden. Also lamentiere ich nicht, sondern schreibe dagegen an


es mag sein, dass sich die heimat geändert hat, nicht aber das genre, sprich: alles, was an schund nicht in die liebesecke passt, passt in die heimatecke (mal polemisch grob vereinfacht). dagegen anschreiben bringt eben nichts, weil das gar nicht geht, also eigenhändig eine kategorie anders zu definieren. die texte müssen halt einfach nur erkennen lassen, dass sie von einem heimatverbundenen, aber eben keinem heimatdichter geschrieben wurden.

im übrigen: ein noch schlimmeres wort als heimatdicher ist, auch wenn es ähnliches bezeichnet, 'regionaldichter'.

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Re: ..... Znüni .....

Beitragvon riemsche » 17.08.2011, 21:08

hginsomnia hat geschrieben:.

riemsche hat geschrieben:schreiben. das isses.



das sagt halt mal gar nichts aus.


:-) sagt mit dem aus ganz hinten .... ist mir möglicherweise abiz was anderes.

hginsomnia hat geschrieben:nebenbei: das mit dem aberglauben habe ich immer noch nicht gerafft.


abergläubisch bot sich nur geringfügig wegen der 13buchstaben für heimatdichter an. hat mit aberglauben auf die geläufige aber nix am hut. siehste. wärs mit unterstricherl nach dem aber, wärs nie so spannend (:->))

lGr


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