kaskade des nachts

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
hginsomnia
Klio
Beiträge: 590
Registriert: 03.09.2009, 05:04

kaskade des nachts

Beitragvon hginsomnia » 21.10.2011, 15:26

kaskade des nachts eine tot
geschlagene katze ein stolperer
eine angst in den schanieren die
die zigarette bewegten auch
in den zügen danach im vorhof
der toiletten ein gestank der
kaufhausreste nackt ausgesetzt
wie babys & gebrochen

in unsere nasen wir beschämten
die kullernden münzen mit
unseren scheinen & die rollenden
augen & gestreckten hände

wir beschämten eine bestenfalls
als schwaches licht ausgegangene
silhouette des blutes bloß
mit unseren lächeln

komm' lass uns nicht in gierige
löcher fallen in die schläge
der schmetterlinge des todes

bedeutsam unsere buckel
an der peripherie der leiden
ausrichten & sonst

einfach nicht mehr da sein

Näherungsweise
Thaleia
Beiträge: 616
Registriert: 13.11.2006, 21:23
Wohnort: Golzheim

Re: kaskade des nachts

Beitragvon Näherungsweise » 21.10.2011, 19:38

Ach, wie schön das ist.

Ach, wie gut, dass es Gedichte wie dieses hier gibt!

Ach, danke, du schlafloser Kaskadendichter.

:-)
Besuch mich mal... in meinem kleinen Blog-Haus

hginsomnia
Klio
Beiträge: 590
Registriert: 03.09.2009, 05:04

Re: kaskade des nachts

Beitragvon hginsomnia » 24.10.2011, 19:44

ach so,

ähm, danke :-)

Perry
Melpomene
Beiträge: 711
Registriert: 26.02.2009, 21:48

Re: kaskade des nachts

Beitragvon Perry » 01.11.2011, 22:46

Hallo hginsomnia,

"kaskade des nachts"

da ich nicht davon ausgehe, dass du hier grammatikalisch gestrauchelt bist ;-) , frage ich mich, was hier "des nachts" kaskadiert wird.
Nach dem ersten Lesen tippe ich auf all das Greuliche der Nacht, wie

"-eine totgeschlagene katze,
-nackt ausgesetzte babys und
-silhouette des blutes."

Als Leser frage ich mich, was der Autor mit dieser Horroraufzählung erreichen will.
Da er ein wir/uns verwendet will er vermutlich allen klarmachen, dass sich nächtliches Verbrechen nicht lohnt.

"komm' lass uns nicht in gierige
löcher fallen ..."

Ob dergestaltete Appelle etwas bewirken, auch wenn sie mit so dramatisierten Bildern unterlegt werden, bleibt zu bezweifeln, weil das Böse nunmal selten auf das Gute hört. ;-)

Ich habe mich trotzdem gern mit deinen Wortbildern auseinandergesetzt und wenn es nur wegen der Erkenntnis war, dass ich es lieber weniger "blutig" mag.

LG
Perry

hginsomnia
Klio
Beiträge: 590
Registriert: 03.09.2009, 05:04

Re: kaskade des nachts

Beitragvon hginsomnia » 02.11.2011, 00:37

der appell, sich von verbrechen fernzuhalten, ja, selbst die ausschließliche wahrnehmung der geschilderten eindrücke hinsichtlich ihrer ursächlichkeit, war nicht meine intention, aber das bleibt deiner interpretation natürlich unbenommen.

lg
hginsomnia

riemsche
Apollon
Beiträge: 5004
Registriert: 02.11.2006, 21:38
Wohnort: Österreichs milder Westen

Re: kaskade des nachts

Beitragvon riemsche » 02.11.2011, 21:40

hab da ein bild von schlecht beleuchteten bahnhof_untergeschossen mit einkaufschliessfächern automaten öffentlichen wc-anlagen. mit abiz bowie so wie bahnhofzoo. die kaskaden denk ich mir als leuchtreklame. vielleicht regnet´s .... orte wo zig aufm schlauch stehen, wenn ein paar eine/n kurz und klein hauen. gegen ende hin denk ich mir _das dumpfe gefühl, mich in der location zu irren, klammere ich mal aus_ beim lesen das eine mal dies und dann wieder das. was mich nicht sperrt. im gegenteil. du baust ja schöne bilderrahmen :-) zum text an sich noch ein paar grübler:

was sind kaufhausreste? bzw war dir bei diesem wort wichtig, dass es auch eine ruine beschreiben könnte?
das /in/ anfangs der zweiten passage. ich würds weglassen und das /wir/ gleich dazu. dass ich da den falschen riecher hab .. gut möglich.
gestreckte hände ist ja auch ein recken nach oben ... hmm was oder wen fordernd oder nicht .... ausgestreckte hände?
eine /als/ schwaches licht ausgegangene .... ist mir in sachen entstehung licht wird schatten nicht verständlich. sonst /vom/ schwachen licht oder isses wer, der aus dem gedimmten gegenlicht kommt?
in folge das /bloß/ ... wenn du nackt meinst ok .. isses aber ein nur, dann wär vielleicht /einzig/ vom klang geeignet?
das stricherl nach dem komm find ich übertrieben :-D
die schläge. ist der artikel metrisch von belang? hat jetzt aber nichts mit verdichtung zu tun. mir leser nimmt das /die/ zu radeputz die flügel weg. was andererseits zum dunklen schlusspart passt. ich frag einfach mal ..

lGriemsche

hginsomnia
Klio
Beiträge: 590
Registriert: 03.09.2009, 05:04

Re: kaskade des nachts

Beitragvon hginsomnia » 09.11.2011, 02:39

danke für deine beschäftigung, riemsche

zu deinen anmerkungen:

riemsche hat geschrieben:was sind kaufhausreste? bzw war dir bei diesem wort wichtig, dass es auch eine ruine beschreiben könnte?


mir wäre warenreste oder einfach abfall in diesem zusammenhang tatsächlich zu wenig, also ja und noch eine dritte bedeutung war mir wichtig

riemsche hat geschrieben:das /in/ anfangs der zweiten passage. ich würds weglassen und das /wir/ gleich dazu. dass ich da den falschen riecher hab .. gut möglich.


kann ich nichts zu sagen. ich verstehe überhaupt nicht, warum du das streichen würdest. dann gehen doch die ganzen syntaktischen bezüge flöten.

riemsche hat geschrieben:gestreckte hände ist ja auch ein recken nach oben ... hmm was oder wen fordernd oder nicht .... ausgestreckte hände?


auch hier wollte ich unbedingt mehrere deutungen haben, tatsächlich beides, was du nennst, also das ausstrecken und das flehen / beten mit nach oben gerichteten händen und zusätzlich noch eine dritte bedeutung

riemsche hat geschrieben:eine /als/ schwaches licht ausgegangene .... ist mir in sachen entstehung licht wird schatten nicht verständlich. sonst /vom/ schwachen licht oder isses wer, der aus dem gedimmten gegenlicht kommt?


kann ich leider auch wieder nichts zu sagen, weil ich dein problem damit nicht verstehe. ich finde das recht eindeutig, so, wie ich es geschrieben haben.

riemsche hat geschrieben:in folge das /bloß/ ... wenn du nackt meinst ok .. isses aber ein nur, dann wär vielleicht /einzig/ vom klang geeignet?


da ist es doch gerade die alliteration, die den klang erzeugt und sich auch auf die erste zeile bezieht (beschweren - bestenfalls / blutes - bloß ; finde ich jetzt sehr einklangbildend). zur bedeutung: wieder war mir eine öffnung wichtig, also bloß als nackt und / oder einzig möglich zu machen.

riemsche hat geschrieben:das stricherl nach dem komm find ich übertrieben


das nennt man elision und ist jetzt nichts besonderes, daher m.e. auch nicht übertrieben

riemsche hat geschrieben:die schläge. ist der artikel metrisch von belang?


ein wenig zumindest, weil ich den jambischen taktstock benutzte, um die härte der schläge rhythmisch zu artikulieren / die schläge / der schmetterlinge / des todes /

lg
hginsomnia


Zurück zu „Gedichte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Baidu [Spider] und 7 Gäste