nacht

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
Edekire
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nacht

Beitragvon Edekire » 08.11.2011, 00:07

nachts

schlich in dein haus
vermied die
knarrenden dielen
quietschenden türen

dann nahm ich
die ausgetrunkenen flaschen
steckte kerzen hinein
die flammen loderten
auf



version 1

ich schlich in dein haus
des nachts
ich stieg über knarrende dielen
vermied die quietschenden türen
dann nahm ich
die ausgetrunkenen flaschen
steckte kerzen hinein
deren flammen loderten
bis unters dach

riemsche
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Re: nacht

Beitragvon riemsche » 08.11.2011, 22:05

burning down the house. jetzt noch stop making sense von den sprechköpfen und nicht weils dann weniger wird, aber .... deine wahl. mein verflixter spieltrieb (:->))
Edekire hat geschrieben:ich schlich in dein haus
des nachts
(ich stieg über) MIED knarrende dielen
(vermied die) quietschende(n) türen
dann nahm ich
die ausgetrunkenen flaschen
steckte kerzen hinein
(deren) flammen loderten
bis unters dach


lGr

Edekire
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Re: nacht

Beitragvon Edekire » 08.11.2011, 23:59

kann mich mit den verkürzungen durchaus anfreunden

nur auf das deren besteh ich und ich würds so machen:


ich schlich in dein haus
des nachts
mied die knarrende dielen
quietschenden türen
dann nahm ich
die ausgetrunkenen flaschen
steckte kerzen hinein
deren flammen loderten
bis unters dach

Näherungsweise
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Re: nacht

Beitragvon Näherungsweise » 09.11.2011, 01:14

Mhh, die erste Version gefällt mir doch einen Zacken besser.

deren flammen loderten
bis unters dach


Ich mag den Schluss, die Wendung, die Doppeldeutigkeit.

Aber ist es für die Pointe des Gedichtes stimmig, sie in einem Nebensatz unterzubringen? Wäre ein neuer Satzanfang wegen der "dramaturgischen Pause" nicht besser?

die flammen loderten
bis unters dach


Alternativ auch:
"und flammen..."
"und die flammen"

Bin mir nicht sicher, war nur so ein Gedanke!

Ich finde es auch ganz interessant, was passiert, wenn man alle Artikel weglässt... abgesehen von dem einen am Schluss:

ich schlich in dein haus
nachts
stieg über knarrende dielen
mied quietschende türen
dann nahm ich
ausgetrunkene flaschen
steckte kerzen hinein
die flammen loderten
bis unters dach


Gruß und so,
n.w.
Besuch mich mal... in meinem kleinen Blog-Haus

Edekire
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Re: nacht

Beitragvon Edekire » 11.11.2011, 23:48

hm irgendwie war es mir wichtig die flammen eindeutig an die kerzen zu binden. ich geb zu deren ist etwas sperrig und eigentlich geht es auch ohne. das es ein nebensatz ist gefällt mir eigentlich ganz gut, das hat sowas nebensächliches normales an sich

ich glaub die version ohne artikel gefällt mir nicht (oder ich muss mich erst dran gewöhnen) die artikel betonen in meiner vorstellung die bekanntheit der umgebung.


hmmm vll muss ich mich auch wirklich erst gewöhnen und weniger ist mehr,...

danke fürs lesen

edekire

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Re: nacht

Beitragvon hginsomnia » 12.11.2011, 03:45

hallo edekire

mich nimmt der text nicht so ganz ein, aber ich kann auch nicht genau bestimmen, warum dem so ist.

deswegen nehme ich mich mal etwas zurück und gehe auf folgendes ein:

Edekire hat geschrieben:die artikel betonen in meiner vorstellung die bekanntheit der umgebung.


m.e. ein enorm wichtiger satz, der auch mal verdeutlicht, warum artikel in lyrischen texten nicht beliebig gestrichen werden können (und diese tendenz sehe ich teilweise schon). ich würde das vielleicht sogar noch etwas stärker herausarbeiten.

ich lasse dir mal einen schnell gestrickten gedankengang da:

ich schlich in dein haus
des nachts
ich vermied die knarrenden dielen
und die quietschenden türen
dann steckte ich die kerzen
in die ausgetrunkenen flaschen
und flammen loderten
bis unter das dach


finde näherungsweises idee zur pointe gut und würde jene nur des klanges wegen über eine konjunktion verbinden

dann habe ich noch etwas zusammengeschrieben und die artikel als solche der bekanntheit ausgewiesen

nur so als ansatz

lg
hginsomnia

Perry
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Re: nacht

Beitragvon Perry » 16.11.2011, 01:31

Hallo Edekire,
nachts in ihr Haus zu schleichen, um bei Kerzenschein etwas Verlorenem etc. nachzuhängen hat eine gewisse tragische Melancholie, aber auch etwas latent Bedrohliches. Mit beidem kann ich als "Normalbürger" nicht viel anfangen, außer dass es mich auf Effekt geschrieben anmutet, da hilft auch das "flammende" Ende nicht viel. ;-)
LG
Perry

shuya
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Re: nacht

Beitragvon shuya » 16.11.2011, 15:12

perry spricht da was ganz spannendes an.
aber ich kann mir nicht helfen: ich sehe ein potentiel brennendes haus
einen fragwürdigen unfall, der nur ein halber ist,
ein hund mit kleidungsfetzen zwischen den zähnen,
und einem brandfleck auf der seite

vielleicht ist das ende mehr ein anfang
und der anfang käme ohne das ende besser aus.
ein betreten von "deinem" haus, ohne ausgang, ohne sinn dahinter
ein reiner impuls, der aber nicht einmal als solcher ausformuliert bleibt.
wir müssen mutig sein, liebe edekire, um noch neues zu schaffen :)

Edekire
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Re: nacht

Beitragvon Edekire » 17.11.2011, 00:45

@hginsomnia

mich nimmt der text nicht so ganz ein, aber ich kann auch nicht genau bestimmen, warum dem so ist.

zu pathetisch ? würde mich nämlich ziemlich interessiren ob er das ist...

die frage der pointe finde ich auch wichtig und die konjunktion ist da sehr wesentlich...(ich beantworte das gerade rückwärts und hab shuya und perry schon geantwortet, und jetzt bin ich selber verwirrt, weil das an dich eigentlich zuerst kommt)
das deren bindet die flammen eindeutig an die kerzen so bleiben sie irgendwie kerzenflammen in der version:

in die ausgetrunkenen flaschen
und flammen loderten
bis unter das dach

brennt es eindeutig. das wolt ich eigentlich nicht

eber es freut mich das du mir in meinem arteschutz der artikel zustimmst

:-)





@perry

Mit beidem kann ich als "Normalbürger" nicht viel anfangen, außer dass es mich auf Effekt geschrieben anmutet, da hilft auch das "flammende" Ende nicht viel

Hm also ich muss jetzt ehrlich einräumen das ich alle meine einbrecherischen tätigkeitkeiten ungefähr seit meinem neunten lebensjahr eingestellt habe. und ich hab nie ersthaft was abgebrannt. so wörtlich war das nicht gemeint. als der text in meinem kopf erschien hab ich ne ganze weile gezögert es aufzuschreiben, weil ich mich gefragt hab ob das nicht zu pathetisch oder zu....naja, vielleicht ist effektheischend oder vll plakativ ist...mich stört die formulierungen "auf effekt geschrieben" zwar, aber ich glaube was du meinst hab ich mich auch gefragt.

in der hinsicht werde ich den text vielleicht etwas schmälern


@shuya

hm du verwirrst mich ein bisschen muss ich gestehen... ich weiß immer nicht ob das jetzt auf den text inhaltlich oder textgeografisch ist...

perry spricht da was ganz spannendes an.


meinst du damit die pathosoderzuholzhammerhaftfrage? da bin ich nämlich dran interessiert

wir müssen mutig sein, liebe edekire, um noch neues zu schaffen


wie meinst du das denn? das soll jetzt nicht zickig klingen ich hab nicht die geringste ahnung. bezieht sich das auf den text, auf das leben, das schreiben :-&
*ernsthaft verwirrt*


meinst du mit dem anfang/ ende der text würde sich ohne pointe wohler fühlen würde? ich hab mich das nämlich gefragt eine pointe ist was komisches sie erzeugt ein gefühl der konstruiertheit ich dachte eigentlich ist ne pointe was für nen witz.


schöne grüße an euch alle drei

edekire

shuya
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Re: nacht

Beitragvon shuya » 17.11.2011, 08:44

meinst du mit dem anfang/ ende der text würde sich ohne pointe wohler fühlen würde? ich hab mich das nämlich gefragt eine pointe ist was komisches sie erzeugt ein gefühl der konstruiertheit ich dachte eigentlich ist ne pointe was für nen witz.


genau das habe ich gemeint.
im klassischen bild eines gedichts, gibt es einen fluchtpunkt
die einzelnen sätze münden in einen und je weiter das gedicht führt, desto mehr werden die sätze zu eben jenem schlußsatz
der das gedicht rechtfertigt
und der durch das gedicht gerechtfertigt wird.

fehlt der - und dafür braucht es mut, wir fühlen, dass etwas inkomplett ist, so ganz ohne schluß - fängt es an spannend zu werden.
die flucht verschwindet, jeder satz muss für sich selber stehen und kann die anderen nur noch lose tragen.
das erfordert mehr kunstfertigkeit
aber bringt m.E. den leser oft weiter.

der schluß selbst wiederum, liest sich eher als ein anfang.
kerzen die bis unter die decke flammen
wachs, petroleum, holz, was knarrt knackt wenn es brennt, usw.


edit:
gutes extrembeispiel für diese "lose dichtung ohne pointe oder sinnsatz" sind heikus.
ein heiku unterliegt so strengen regeln in der form, dass der inhalt oft viel freier gestaltet wird
und jedes wort für sich isoliert genauso beeindruckend (oder oft auch: langweilig) wie jeder satz oder die sätze zusammen genommen wirkt.

Eisige Flocken
halten als Schneedecke warm,
schützen die Flora.

Spiegelndes Wasser.
Der Wind macht unser Gesicht
darin zur Fratze.

usw.
da muss sparsam und sinnvoll gesetzt werden,
es gibt keine lückenfüller, dafür hat man zu wenige silben zu verschenken.

man kann sich an der präzision bedienen ohne sich an die regeln halten zu müssen, das wäre vielleicht was für dich :)

riemsche
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Re: nacht

Beitragvon riemsche » 19.11.2011, 21:17

ja lass das /deren/ vor den flammen. hab die möglichkeit, auf die Näherungsweise glücklicherweise explizit aufmerksam macht, es personen anzudichten, übersehen. und weil Shuya die pointe angerissen hat. isses nicht schlicht und einfach immer eine, wenns punktgenau trifft? wobei die wortung rundum entscheidet, obs ein ha oder haha ist. egal wo im text? denn kommt sie ´gen ende, wirds allzugern der erhobene zeigefinger. so nach dem motto: na war das jetzt auf den punkt gebracht nicht strange wichtig witzig aussagekräftig oder was auch immer? der fluchtpunkt _wenns denn einer sein soll_ steht für mich hier am anfang, im titel. nacht :-)

Edekire
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Re: nacht

Beitragvon Edekire » 21.11.2011, 23:38

hab mal oben ne zweite version hinzugefügt

zum thema pointe
isses nicht schlicht und einfach immer eine, wenns punktgenau trifft?

naja vielleicht schon aber meistens nimmt man das dann nicht so überdeutlich wahr oder? ich denke das ist vielleicht ein bisschen das problem' : überdeutlich... hab versucht das etwas zurückzudrängen mal sehen

@ shuya

hab auch schon haikus gemacht, ist nur schon ne weile her...

baum: eisglockenspiel
rüttelt der bissige wind
klimpernde töne


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