Moment kurzer Erkenntnis

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
Sprachfabrik
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Moment kurzer Erkenntnis

Beitragvon Sprachfabrik » 26.11.2011, 14:14

Ich arme Seele.
Dahinschwebend in einer Welt
unreiner Euphorie.
Unreine Euphorie als Maske
zum Schutze eigenen Versagens.


Einfach gehalten, schwer umrandet.
Und noch weitaus schwerer zu erschüttern.
Hält sich so
der Optimismus der Schwachen?
Wenn ja, dann schätze sie glücklich.
Die Armen, die so glücklich sind.


Doch ich arme Seele,
lernte nie die Maske zu tragen.


Und so verende ich,
tief in mich blickend,
an meinem eigenen Versagen.






Ich hoffe es gefällt euch!

Mfg

Sprachfabrik

Kastell
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Re: Moment kurzer Erkenntnis

Beitragvon Kastell » 26.11.2011, 23:47

Na,

nur so auf der Inhaltsebene: Auch das Tragen einer Maske unreiner Euphorie ist eine Leistung. Und was hat das mit Glück zu tun? Höchstens, dass es die Tragenden davon abhält, sich als arm zu definieren.

für ein Gedicht ist mir das Ganze zu durchsichtig :-))

kastell
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Sprachfabrik
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Re: Moment kurzer Erkenntnis

Beitragvon Sprachfabrik » 27.11.2011, 03:04

Leider hast du die Bedeutung der "unreinen Euphorie", und den essentiellen Kernpunkt meiner Intention ebenfalls, etwas missverstanden.

Es hat weitaus mehr Tiefgang, als du vermutest. Die unreine Euphorie stellt im Grunde die egozentrische sowie habgierige Lebenseinstellung vieler Menschen dar, welche trotz einer auf ihr soziales Umfeld schädigende Wirkung noch aufrichtig mit einem Lächeln im Gesicht durch die Welt stolzieren. (Deswegen:" Unreine Euphorie zum Schutze eigenen versagens" )
Der darauffolgende Teil (Schwer umrandet....) zielt darauf hin, dass sich genau solche Verhaltensmuster und Einstellungen in gewissen Kreisen tief mannefistiert haben, von denjenigen selbst aber anerkennend verkörpert werden und leider dann das Individuum nicht selten sogar weiter kommt im Leben.
Sprich mangelnde soziale Kompetenz und Empathie wird daraufhin sogar noch vom Leben belohnt, was einen guten Antrieb zum Aufrechterhalten des Verhaltens darstellt. --> (Hält sich so der Optimismus der Schwachen?..)(...die so glücklich sind) Menschen, welche sich mit mit solch einem Lebensstil bedenkenlos vereinbaren können, schätze ich glücklich ( ..dann schätze sie glücklich..). Glücklich aber eher im Sinne, dass ihnen dank ihrer habgierig/egozentrisch/egoistisch ausgerichteten sozialen Kompetenz die Verletzbarkeit erspart, welche aber in gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen immer vorhanden ist und sich auf Werte wie z.B. Respekt bezieht.
(Die Armen, die so glücklich sind) ist aus der Sicht des "Erzählers" gehalten und drückt seine Einschätzung und Wertung über solches Verhalten aus. Arm, weil sie Opfer solcher Verhaltensstörungen werden und demnach wichtige menschliche Werte sich erst gar nicht entfalten können.
Aber trotzdem glücklich sind, weil diese Diskrepanz kaum Auswirkungen auf ihr Leben hat, wenn nicht sogar es ihnen leichter gemacht wird. Es wird ja nur an sich gedacht und so handelt man auch nur zugunsten von einem selbst.

Doch dieser weiträumige Egoismus traf noch NIE meinen Sinn (...lernte nie die Maske zu tragen..). Andere Menschen, wenn nicht sogar Freunde oder Verwandte, zu schädigen, nur um an etwas zu kommen, was man gerade in diesem Moment, rein aus dem Affekt heraus, unbedingt haben möchte, konnte ich noch nie ruhigen Gewissens nachvollziehen. Schon allein die Vorstellung hat psychische Inkongruenzen zur Folge, sodass eine Lebenseinstellung solcher Art zwischen mir und meiner Psyche nicht vereinbar wäre. Genau diese Erkenntnis muss ich, mich zutiefst traurig stimmend, feststellen und leider auch erkennen, dass eine dauerhafte Enttäuschtheit gegenüber unserer Gesellschaft mich mit der Zeit seelisch, als auch psychisch zerfrisst. (..und so verende ich,..tief in mich blickend,...an meinem eigenen Versagen..)

shuya
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Re: Moment kurzer Erkenntnis

Beitragvon shuya » 27.11.2011, 07:19

mh..
auch auf die gefahr hin ziemlich hart zu klingen:
"ich arme socke. ich bin so reflektiert, guck mal, du bist so unreflektiert aber happyhappyhappy, ich arme socke. ich bin so reflektiert, ich pack das alles nicht."

warum mich sowas weder erschüttert, noch sonderlich bewegt
ist diese seltsame stigmatisierung, die ich so oft zu lesen kriege.

der autor ist das ultimum reflektierter und reflektierender intelligenz,
der als betrachter aus der vogelperspektive
auf die kleinen leute schaut und in seinen texten urteil spricht
aber damit der autor als solch "toller hecht" nicht enttarnt werden darf und weil die meisten "künstler" eh glauben, kunst entstehe nur aus den ausdünstungen, die entstehen so der künstler sich nur lang genug in der brühe des eigenen leidigen daseins kocht..
muss er natürlich auch einbezogen werden
immer als die arme sau, die so darunter leidet die welt so zu sehen wie sie ist
und weil man doch auch so allein ist damit,
während die anderen feiern gehn
muss man doch heroinspritzend, heulend, in der ecke liegen
und jammern.

- SO! sorry. ich bin normalerweise nicht so unfreundlich mit den Texten meiner werten Kollegen, aber manchmal muss auch Tacheles geredet werden, bevor man nach Verbesserungen sucht.
Also: in meinen Augen sind diese Texte gehörig überholt. Seit Jahrhunderten tauchen sie immer wieder auf und seit Jahrhunderten will sie keiner lesen,
wieso? Weil das Zeug keinem hilft und keinen Berührt. Ich will damit nicht sagen: du bist ein schlechter Autor oder Schreiberling, sondern nur: komm schnell davon weg.
Natürlich muss Lyrik nicht immer Sommer, Sonne, Eierkuchen sein - wenn du das Gefühl hast, du hast da ein wichtiges, ernstes und manchmal auch trauriges Thema angepackt

.. stimmt!

das hast du auch.
Zwischen Hoffnung und Verdrängung, liegt ein schmaler Grad
Eine Rolle in der Gesellschaft einzunehmen und diese zwischen sich und das Außen zu schieben
kann essentiell sein
aber wer den Blick dafür verliert, dass es eine Rolle ist, die man zur besseren Kommunikation, Sozialisation und auch zum Schutz installiert hat
wird glauben die Rolle die man spielt, sei man selbst
und verliert den Blick für den essenziellen Mensch, der man nun mal selbst ist
(und da wachen Begierden, Wünsche und Ängste auf, die nicht die eigenen Sinn und da beginnt man zu kaufen und zu kaufen und zu reden und zu reden, was man nicht kaufen braucht und eigentlich nicht sagen würde)

..aber!

du sprichst davon, dass die anderen sich alle in eine Euphorie werfen (die Euphorie, die ihrer Rolle entspringt: sei es mit Deutschlandflagge, feiernd auf der Straße zur WM, oder die Euphorie übers neuste Handy, das sie alle kaufen müssen, die Party auf der alle sein müssen. Euphorie die nicht IST sondern MUSS)..
und nur du kannst nicht.
Aber feierst dich selbst und dein brutales Leid (weil du ja nicht selig sein kannst, in dieser 'Falschheit') so ab,
dass ich nicht anders kann als zu sagen:

..YO!

das stimmt doch aber gar nicht!
Du ziehst dir doch selbst eine Maske auf, eignest dir selbst im Text eine Rolle an, nämlich eben jene Rolle des klassischen leidenden jungen Kunstschaffenden (WER auch immer das sein soll, dieser Typ, aber der ist überall. Ich studier Kunst, ich kenn das :D).
Und in diese Rolle mitinbegriffen ist der vermeintliche Vogelblick auf die kleine arme Welt,
ist der pseudo-reflektierte Charakter, der ständig fatalistische und undifferenzierte Sprüche kloppen muss.

Probiern wir das mal:
"Ihr Streben nach Geld, die Lippen an den Zitzen des Mammon,
ist nur ein Hilfeschrei in die Vergangenheit. Sie suchen ihre Mütter, blind und taub, schreien und kriechen sie,
die Banker. Ich sehe sie, vom Hochhausdach aus, auf dem Asphalt kriechen - gekleidet in Uniforme Hüllen, die sie Menschen nennen.
Sie kommen immer näher, als ich springe - und sie laufen einfach weiter, als sei nichts, als sei da nichts gewesen
als ich da liege und verblute."

blablabla. ich sterbe und die anderen sind so mit ihrem geld beschäftigt, dass mir keiner hilft.
und ausserdem haben alle komplexe und ich durchschaue die auch bei allen, weil ich alle kenne, weil alle gleich sind

..vor den richtenden Augen des Autors!

verstehst du?

Dein Thema ist nicht verkehrt, es ist nicht das falsche Thema für die Literatur
es ist nicht das Thema das Jahrhunderte lang also von der großen Leserschaft abgelehnt wurde
es ist keine große Verschwörung gegen "jene die Wahrheit sprechen"

sondern der Ansatz, mein Freund.
"Pain of Salvation" haben das selbe Thema in einem Song übrigens auch behandelt.
Spannend insofern, weil der Songwriter Daniel Gildenlöw ungefähr von deinem Standpunkt aus anfängt,
er versucht das Schauspiel der erzwungenen Euphorie aufzudecken
weil sein Gefühl ihm sagt, dass daran etwas nicht stimmt.
Aber als "Unterzugehen, zu leiden oder zu sterben"
und statt "die anderen zu bemitleiden oder zu beneiden"
befreit er sich von dem Habitus
und geht auf die wirkende Struktur selbst ein.. und löst sie auf.
Auch ein bisschen viel Pathos, aber ist Musik, da geht das klar:
http://www.youtube.com/watch?v=LSrGoMKdkrE
'Only the tame birds have a longing. The wild ones fly.'

So once again
Another New Year's Eve will ease our pain
Faith for the few
And rites that will make us so brave
So new
We laugh and we cheer for a Happy New Year
Happy?

Candles burn down
And in the darkness future comes around
We smile - all aware
But never speaking of the masks we wear
Blind!

Turning mirrors upside down
Won't make dust fall off the ground
Hiding wounds won't ease the pain
Sleep won't make you whole again

Change the inside!
...drink the rain...

Dressing our words
Seeing the dirt and flaws inside us hurts
One final glass
A sour taste from our promises
I bid farewell and crawl out of my shell

I'm awake!
I see the mistakes I make
Hiding wounds won't ease the pain
Sleep won't make you whole again
Change the inside...

Today I found a seed of sorrow
The harvest leaves a soil of shame
Now I undress and face tomorrow
And brave I walk to meet the blame

I'll search my home outside these borders
I'll run to meet up with the past
A Resolution for the New Life
This time I know it's gonna last

And I will...
Change the inside
Drink the rain
Open my wounds to heal the pain

Learn the work of The Machine...


damit schließe ich
und hoffe ich konnte dir, abseits meines Angriffs, auch ein wenig weiterhelfen
und begrifflich machen warum deine Herangehensweise für mich ein Problem darstellt
und was du ggf dagegen machen kannst.

Sprachfabrik
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Re: Moment kurzer Erkenntnis

Beitragvon Sprachfabrik » 27.11.2011, 08:12

Erst mal nochmal den Edit von mir von vorhin, weil er doch etwas länger ausgefallen ist, vielleicht übersehen wurde, aber vielleicht ja auch doch ein bisschen helfen kann ^^;)

"Re: Moment kurzer Erkenntnis

Beitragvon Sprachfabrik » 27.11.2011, 02:04
Leider hast du die Bedeutung der "unreinen Euphorie", und den essentiellen Kernpunkt meiner Intention ebenfalls, etwas missverstanden. (@ Kastell)

Es hat weitaus mehr Tiefgang, als du vermutest. Die unreine Euphorie stellt im Grunde die egozentrische sowie habgierige Lebenseinstellung vieler Menschen dar, welche trotz einer auf ihr soziales Umfeld schädigenden Wirkung noch aufrichtig mit einem Lächeln im Gesicht durch die Welt stolzieren. (Deswegen:" Unreine Euphorie zum Schutze eigenen versagens" )
Der darauffolgende Teil (Schwer umrandet....) zielt darauf hin, dass sich genau solche Verhaltensmuster und Einstellungen in gewissen Kreisen tief mannefistiert haben, von denjenigen selbst aber anerkennend verkörpert werden und leider dann das Individuum nicht selten sogar weiter kommt im Leben.
Sprich mangelnde soziale Kompetenz und Empathie wird daraufhin sogar noch vom Leben belohnt, was einen guten Antrieb zum Aufrechterhalten des Verhaltens darstellt. --> (Hält sich so der Optimismus der Schwachen?..)(...die so glücklich sind) Menschen, welche sich mit mit solch einem Lebensstil bedenkenlos vereinbaren können, schätze ich glücklich ( ..dann schätze sie glücklich..). Glücklich aber eher im Sinne, dass ihnen dank ihrer habgierig/egozentrisch/egoistisch ausgerichteten sozialen Kompetenz die Verletzbarkeit erspart bleibt, welche aber in gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen immer vorhanden ist und sich auf Werte wie z.B. Respekt bezieht.
(Die Armen, die so glücklich sind) ist aus der Sicht des "Erzählers" gehalten und drückt seine Einschätzung und Wertung über solches Verhalten aus. Arm, weil sie Opfer solcher Verhaltensstörungen werden und demnach wichtige menschliche Werte sich erst gar nicht entfalten können.
Aber trotzdem glücklich sind, weil diese Diskrepanz kaum Auswirkungen auf ihr Leben hat, wenn nicht sogar es ihnen leichter gemacht wird. Es wird ja nur an sich gedacht und so handelt man auch nur zugunsten von einem selbst.

Doch dieser weiträumige Egoismus traf noch NIE meinen Sinn (...lernte nie die Maske zu tragen..). Andere Menschen, wenn nicht sogar Freunde oder Verwandte, zu schädigen, nur um an etwas zu kommen, was man gerade in diesem Moment, rein aus dem Affekt heraus, unbedingt haben möchte, konnte ich noch nie ruhigen Gewissens nachvollziehen. Schon allein die Vorstellung hat psychische Inkongruenzen zur Folge, sodass eine Lebenseinstellung solcher Art zwischen mir und meiner Psyche nicht vereinbar wäre. Genau diese Erkenntnis muss ich, mich zutiefst traurig stimmend, feststellen und leider auch erkennen, dass eine dauerhafte Enttäuschtheit gegenüber unserer Gesellschaft mich mit der Zeit seelisch, als auch psychisch zerfrisst. (..und so verende ich,..tief in mich blickend,...an meinem eigenen Versagen..)"

Danke für deine Kritik! Sie ist wirklich sehr aufschlussreich, konstruktiv und wegen der Härte brauchst du keine Angst haben. Ich versuche es schon so realistisch wie möglich zu sehen und Kritik ist nun mal auch ein Bestandteil davon.
Muss aber auch ehrlich sagen, dass dies mein allererstes Gedicht, welches ich in meinem Leben geschrieben hatte, ist und im Grunde aus einem erfolglosen Versuch einzuschlafen, entstanden ist. Erst danach konnte ich wieder ruhige schlafen ^^

Das ist auch das einzige Gedicht von mir, welches in diese leicht barocksche Richtung fällt und auc eine ähnliche Konnotation aufweist.

Außerdem, habt erbarmen mit mir, ich bin doch erst anfang 20 :D


Edit:
@shuya: Ja, dieser Autor-Topdog Stellung wollte ich mich im Grunde gar nicht groß annähern, da ich es, so blöd es auch klingt, eher mit einem psychologisch-didaktischem Hintergedanken verbunden, aufs Blatt Papier versuchte zu bringen. Irgendwie Schade, dass es nun blöderweise doch anders ankommt.

Edit2:
@shuya: Die unreine Euphorie kam wohl irgendwie auch falsch an. Sie verkörpert hier die Akzeptanz eines Selbst, dessen Umgangsformen anderen Mitmenschen gegenüber alles andere als "gleichberechtigt" und "respektvoll" ist

shuya
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Re: Moment kurzer Erkenntnis

Beitragvon shuya » 27.11.2011, 11:40

Moinsens!

Erstmal: total schön, dass du die Kritik so gut angenommen hast - ich habe mir selber sehr oft (und zu recht) solche Kritiken geben müssen und habe oft deutlich pampiger drauf reagiert, als du jetzt eben :) daher, ich zücke meinen Hut (ich hab wirklich einen, so ein schickes Mischlingsteil aus den 50igern, vom Frankfurter Bahnhofsviertel. Arg zerbeult das Teil, aber hey, Hüte zücken ist einfach ne Geste, die nicht aus der Mode kommt.).

.. okay, die Euphorie und die Art Mensch, die du angesprochen hast
kam wirklich ein bisschen falsch an, aber vielleicht gibt uns das einen Hinweis auf mögliche Konkretisierungen, die dem Text fehlen.
Entgegen der Meinung, dass jedes Gedicht sich ohne Erläuterungen selbst erklären soll, finde ich nicht zwingend, dass das gegeben sein muss
allerdings:
bei undeutlichem Ausdruck, also, wenn nur sehr wenige Hinweise gegeben sind auf die eigene Intention im Text
muss man genau das im Hinterkopf haben und damit spielen
(so ziemlich jeder Text von mir versucht das zum Beispiel, Gefühle und Assoziationen im Betrachter zu wecken, ohne ihn über die meinen wirklich aufzuklären..)
- man muss fairerweise dazu sagen: das ist einer der brutalsten Balanceakte in beinahe jeder Kunstform (und nur in der modernen Malerei hat man ihn bisher Vollkommen akzeptiert & erwartet das förmlich) und klappt vielleicht in 10% aller Fälle so wirklich (wie ich immer wieder zu spüren bekomme :D)

Wenn man also das Spiel von Betrachter und Text sucht.. also die "Erklärung" vollkommen aus der Hand gibt,
dann gibt man auch den Text und das bisschen Narration aus der Hand, das man beim Schreiben hat..

will man das eigentlich nicht, dann muss m.E. ganz klar konkretisiert werden.
Wie ich ja oben angesprochen habe - und wie du in deiner Erklärung auch bestätigt hast - ist das von dir angeschnittene Thema wichtig und richtig gewählt
um darüber zu schreiben - es gibt eine Menge dazu zu sagen und
vieles davon kann auch nicht oft genug gesagt werden.
Das Problem vor dem wir stehen: die Differenz zu dem was du in deinem Text schreibst und was in deiner Erklärung steht
ist zu groß - und die Blickrichtung aus der du schreibst, forciert förmlich einen Tunnelblick
(den Kastell und ich ja auch direkt eingenommen haben beim lesen.
Wir haben sofort gemeint den Text zu verstehen
und haben ihn damit ad acta gelegt)

Wenn Inhalt und Form keine Kongruenz eingehen // ein Prozess dessen ideelle Form Symbiose genannt werden könnte (gelingt auch den besten Autoren m.E. nur selten)
muss man eben nochmal an den Text ran
das Gesetz gilt für uns alle - und jeder von uns arbeitet mehr oder minder danach (Perry & ich sind hier im Forum z.B. 2 Pappenheimer die zu der 'minder' Kategorie gehören.. wir sind bockige Schreiber die nur ungern nochmal an einen Text gehen [schrei, wenn du dich zu unrecht dazugezählt fühlst Perry :D])
Und auch wenn ich eigentlich nicht so drauf abfahre Texte von anderen groß umzustellen oder neu zu dichten
will ich es in dem Fall mal versuchen
und schauen ob ich ein wenig weiter komme mit der Gestaltung von Worten, Basis deiner Erklärung vom Inhalt..


Nehmen wir das Leid weg - denn das hast du in einem Moment geschrieben als du gelitten hast und du hast es geschrieben um dein Leid zu mindern, wir sind jetzt aus dem Moment raus an dem du nicht schlafen kannst und können daher darauf verzichten.

in ihre Gesichter
ist ein Lächeln eingelassen
mit Fugen um den Mund

Sie sprechen nicht darüber
und mancher weiß auch nicht darum
ihre Gesichter sind nicht echt
und hinter ihnen, hinter ihnen

da sind wir
und in der Schwebe
ganz leicht und ohne Schutz
ein jeder Windstoß macht uns Zittern
da sind wir
und wir sind Laub

Sie sprechen nicht darüber
und mancher weiß auch nicht darum
sie sind zu schnell und zu bestimmt
denn hinter ihnen, hinter ihnen

tobt ein Sturm
der reißt und reibt
an unsrer Haut
der Wunden schlägt die bleiben,
da sind sie selbst schon fort.



nur mal meine Sicht auf die Story
vielleicht hilft das ja (:

riemsche
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Re: Moment kurzer Erkenntnis

Beitragvon riemsche » 27.11.2011, 23:04

ich bleib schlussendlich wieder am anfang kleben. weil mE da dEr knackpunkt ist, der mich leser das, was an jammertal folgt, ungläubig und widerwillig zur kenntnis nehmen lässt. denn alles was jetzt noch kommt, sollte ja nach möglichkeit ohne mitleid auf kommando dem standhalten, was vornweg anklingt. ein paar gedanken dazu ...

Ich arme Seele.
Dahinschwebend ......
da beisst sich schon was. arme seelen schmoren, sind zu wasweißichwelchem unglück verdammt. flügeln sogesehen in bodennähe rum, wenn sie denn überhaupt zum abheben kommen. da kommt ein /dahinschwebend/ wie die faust aufs aug. zu highfly, zu tirili, zu luftikus, was
.... in einer Welt
unreiner Euphorie.
Unreine Euphorie als Maske
zum Schutze eigenen Versagens.
spielen soll. nun... die welt könnte auch die szene sein. du schreibst ja wörtlich keinen planeten vor. und spinne ich den faden weiter, könnte euphorie darin dann den beinamen unreine tragen, wenn körpereigene drogen wegen mangelerscheinungen _ambiente sound partner etc_ mit streik drohen und man ihnen mit bitteren pillen gegen die traurigkeit auf die sprünge hilft. aber selbst dann ist das comingOut in folge alles andere wie ein kostümfest oder maskenzug. tür und tor zu bis dahin verheimlichten profilneurosen und versteckt intimstem sperrangelweit offen. hobbyTiefenspychologen -den entscheidenden level nüchterner- scharren hinter solchen kanditaten schon in den startlöchern. und weil alle rundum in dem zustand aber sOwas von lieb sind, so gut wie keine schutzmechanismen. ich weiß mittlerweile, das sich das von dem grundlegend unterscheidet, was du eigentlich sagen wolltest. würde ein leser das ohne begleitenden kommentar auch nur annähernd in deinem sinne sehen? ich denke nein.

die problematik der herangehensweise an einen text (Shuya ist da ja bereits ausführlich ins detail gegangen) schlägt nmE mit wenigen ausnahmen bereits ganz am anfang durch. und ganz ehrlich - ich wollte beim lesen eigentlich schon nach der euphorie still und leise aussteigen. aber der vorab seitenblick auf eine doch recht gefasste haltung bezüglich direkter kritischer ansprache, die mich _was deinen stil anbelangt_ mehr beeindruckte als das werk selbst, hielt mich lange genug davon ab. bin ja gespannt, ob und was sich noch daraus entwickelt. willkommen (:->))
lGriemsche

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Re: Moment kurzer Erkenntnis

Beitragvon Sprachfabrik » 02.12.2011, 14:03

Ich will den Thread nun eigentlich gar nicht mehr groß hervorholen, nur noch abschließend was dazu sagen. Schreib leider so spät, da ich zurzeit an der Dolmetscherschule mit einigen Klausuren zu kämpfen habe und deswegen kaum Zeit finde ;)

Danke nochmal für die Kritik und die (für mich) erste Annäherung in Richtung einer richtigen Herangehensweise an einen lyrischen Text.
Als ich diesen hier verfasst habe, habe ich natürlich keinen einzigen Gedanken daran verschwendet irgendeiner bekannten Form gerecht zu werden. Doch für weitere folgende Texte werde ich mir diese Infos natürlich zu Herze legen. Ebenso danke hier an shuya für den Tip, beim Schreiben nie den Aspekt der wahrgenommenen Auffassung des Lesers zu vergessen, oder unzureichend mit ein zu beziehen.
Ich denke, hätte ich mir im Vorfeld mehr (oder überhaupt) Gedanken darüber gemacht, dann wären solche Probleme, wie zb dass meine Intention ziemlich falsch ankommt, grundlegends zu vermeiden gewesen.

Freut mich auch, dass ich euch zumindest mit meiner Stellungnahme ein bisschen überzeugen konnte :)

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Re: Moment kurzer Erkenntnis

Beitragvon Kastell » 05.12.2011, 00:01

bei der Erläuterung von sprachfabrik zu unreine euphorie dachte ich, instant verjüngt,: "Gut ,dass das mal jemand ausspricht" - obwohl ich mit "rein" und "unrein" hier ein weiters problem hätte. Auch sonst habt ihr wirklich so ziemlich alles zum thema gesagt, und damit auch, was mir zumindest didaktisches Schreiben so schwer überzeugend durchzuhalten macht.


die diskussion zu lesen und zu hören hat mir gut getan, meint egozentrisch spät am abend

kastell
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