Mandelaugen unserer Mütter - Hommage II an Paul Celan

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Pentzw
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Mandelaugen unserer Mütter - Hommage II an Paul Celan

Beitragvon Pentzw » 12.12.2011, 22:50

Puppen, denen man die Arme aus-
reisst, grüne
Meeraugen auspult.

Mutter, Mutter, was
habe ich gemacht? Dabei bin ich nur ver-
führtes Opfer böser Buben.

Mutter, Mutter,
mandelbraune Augen unsere.
Meergrüne Augen wie die der Puppe
hätte ich mir mehr gewünscht
als unsere Mütteraugen.

Mutter, Mutter, es ist
das verworrene Schicksal, welches
uns befiehlt.

Setze die Glieder der Puppe wieder
zusammen: die Augen als
Arme, die Arme
als Augen.

*

Sitze nun im Abenddämmer,
gedenkend, dass meine, nicht
Deine Mutter ihre
lebendigen Rehaugen verliert, nicht
in Ausschwitz oder Treblinka, sondern
ganz natürlich sterbend.

Deswegen widme ich Dir dieses Poem,
der Du mich mit Deinen tröstest,
was ich Dir ganz unverschlüsselt
sagen möchte
und sage, sage...

Weiter sage ich Dir: ich liebe mehr
Deine gewichtigen Poems
als die noch deprimierenderen Nachrichten, die ich
abends lese, wenn der Tag ausklingt
in dumpfen Tönen, die
mich zu
ersticken drohen.

Warum ist in Deiner Poesie mehr
Hoffnung als
in der Berichterstattung von dieser Welt?

Edekire
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Re: Mandelaugen unserer Mütter - Hommage II an Paul Celan

Beitragvon Edekire » 13.12.2011, 21:04

hallo pentzw

ich muss gleich erstmal sagen das es lang her ist das ich was von celan gelesen habe aber was solls.
ich hab aber schon den eindruck das es, so rein sprachklangmäßig etwas davon hat.
ich find es aber vielfach etwas überdeutlich alles und manchmal auch etwas verquer...
mal im einzelnen:

Puppen, denen man die Arme aus-
reisst, grüne
Meeraugen auspult.

Mutter, Mutter, was
habe ich gemacht? Dabei bin ich nur ver-
führtes Opfer böser Buben.

die erste strophe gefällt mir eigentlich ganz gut :-) die zweite hingegen überhaupt nicht. "böse buben" finde ich irgendwie etwas albern. und das ist so sehr vereinfacht und holzhammerhaft und fragwürdig als aussage...diese "kindliche" handlung des puppeschändens. also entweder ist das die kindliche sicht, dann sollte aber auch die sprache kindlich sein . ich weiß auch ich warum der zweilenumbruch nach dem ver ist ,das kommt mir etwas willkürlich vor. ich glaub das die irgendwie inhaltelich wichtig ist, aber so funktioniert sie (für mich) nicht

die dritte strophe finde ich verdient verdichtung

Mutter, Mutter,
mandelbraune Augen unsere.
Meergrüne Augen (wie die der Puppe) das hast du ein paar zeilen vorher eingeführt ich glaub da kann man sich da noch dran erinnern
hätte ich mir (mehr) gewünscht (das mehr empfinde ich in der dopplung mit meer als etwas dummen witz und ziemlich überflüssig)
als unsere Mütteraugen.
(warum die mehrzahl? und wer ist unsere? ich dachte erst da Li und die mutter ah ok vll. das Li und Celan...)
Mutter, Mutter, es ist
das verworrene Schicksal, welches
uns befiehlt.



die vierte strophe finde ich wieder gar nicht gut, finde ich viel zu allgemein und auch ganz schön pathtisch. schicksal ist sowieso so ein erklärungbedürftiges leeres riesenwort....

die fünfte finde ich aber wieder gut. würde nur das die in der dritten zeile weglassen und ich frag mich: sind augen glieder? eher nicht oder? warum nicht einfach setze die puppe zusammen

Setze die Glieder der Puppe wieder
zusammen: die Augen als
Arme, die Arme
als Augen.


die nächste strophe finde ich inhaltelich als gedankenkreuzungspunkt schön.
Sitze nun im Abenddämmer,
gedenkend, dass meine, (nicht
Deine) Mutter ihre (ich glaub das nicht deine ist schlicht überflüssig der bezug ist auch so klar)
lebendigen Rehaugen verliert, nicht
in Ausschwitz, sondern (ich finde auch das nicht in ausschwitz nicht notwenig. das ist so ein bisschen der holzhammer, versuchs doch mal ohne oder mit einer dezenteren lösung)
ganz natürlich sterbend.

Deswegen widme ich Dir dieses Poem,
der Du mich mit Deinen tröstest,
was ich Dir ganz unverschlüsselt
sagen möchte
(und sage, sage...)

die strophe finde ich im ganzen etwas ähm sperrig. ganz besonders die erste zweile. warum nicht ich widme dir dies ?
poem kommt mir irgendwie einfach gestelzt vor.

Weiter sage ich Dir: ich liebe mehr
Deine gewichtigen Poems (hm nochmal poem in so kurzem abstand?)
als die noch deprimierenderen Nachrichten, die ich (ich würde auf die steigerung verzichten)
abends lese, wenn der Tag ausklingt
in dumpfen Tönen, die
mich zu
ersticken drohen.
(was hälst du von "betäuben"? ich find erstickende töne etwas schief. betäubend hätte eine komponente von taub das würde zu ausklingen und dumpfen tönen schon passen)

Warum ist in Deiner Poesie mehr (was hälst du von finde ich statt ist... würde den subjektiven eindruck betonen.
Hoffnung als
in der Berichterstattung von dieser Welt?


im ganzen ist mir der letzte teil einfach irgendwie zu deutlich. das liest sich einfach so ein bisschen so als wäre dir die metaphern ausgegangen. ist das absicht? ich glaub meistens ist es besser sachen nicht einfach zu sagen, dann brauch man kein gedicht (das betrifft hier nur und auch nur teilweise die letzten drei strophen)
ich finde auch nur in der ersten stophe von zweiten teil eine wirklich anbindung an den ersten.

ich hoffe du findest das jetzt nicht vernichtend was ich geschrieben hab das sollte es nicht sein. ich denke es hat durchaus potential ich glaub aber du solltest deinen lesern etwas mehr zutrauen und ich glaub auch, das ist jetzt ne etwas halbwissende unterstellung, das hat celan auch getan


schöne grüße

edekire


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