entwöhnen

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
hginsomnia
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entwöhnen

Beitragvon hginsomnia » 07.12.2011, 04:41

ein passepartout für einen satz wie diesen
die erdbeermünderreste gib mir totem tier der nacht
die rosen stehlen sich von deinen wiesen
in meinen kopf der legt sie einzeln gänzlich mit bedacht
auf balken nur die mündigkeiten stützen
vielleicht noch gegenwelten zum so stark verdornten land
glaub nicht dass aushilfsblumen da was nützen
ist es doch kein verstand der ging und sich nie wiederfand

Fragga
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Re: entwöhnen

Beitragvon Fragga » 07.12.2011, 14:15

hginsomnia hat geschrieben:die erdbeermünderreste gib mir totem tier der nacht

??? Verstehe ich nicht, sorry. :-&

Näherungsweise
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Re: entwöhnen

Beitragvon Näherungsweise » 07.12.2011, 18:27

@fragga,
Fragga hat geschrieben:
hginsomnia hat geschrieben:die erdbeermünderreste gib mir totem tier der nacht

??? Verstehe ich nicht, sorry.


ich übersetze mal:

"Gib mir, dem toten Tier der Nacht, die Reste von Erdbeermündern."

eigentlich gar nicht so schwer mit ein paar kommas. ;-)

Edit: Aber man kann es natürlich auch noch anders lesen, da die Zeile durchaus mehrdeutig ist, so in Richtung: "Hallo du, Totem-Tier der Nacht, gib mir: die Erdbeermünderreste."

@hginsomnia
riecht nach herbst. interessant finde ich, dass es trotz der reime sehr lose und offen auf mich wirkt. auch trotz der gedankenschwere, die hier beschrieben wird: collage-artig.

gruß,
nw.
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Re: entwöhnen

Beitragvon riemsche » 07.12.2011, 20:42

keine ahnung, warum ich zum wiederholten male /die/ nacht lese, obwohl /der/ nacht dort steht. seltsamer satz. wunderlicher satz. dann stell ich mir den bildausschnitt vor, den du vor augen hattest und stolpere über mündigkeiten. hmmmm ... welche offenen enden meinst du? im übergang der vorletzten in die letzte zeile denk ich mir /es ist/ umgekehrt in stellung. bei erdbeermünder klingelts bei mir altfranz_kinskisch. näherungsweise nennts collage_artig. ich lass das artig weg :-) typisch Du. und nicht nur auf den herbst umzulegen. so feinstimmungen _mit blumen nach saison_ gibts immer wieder. schön, dass du eine auf deine weise beschreibst.
lGr

Näherungsweise
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Re: entwöhnen

Beitragvon Näherungsweise » 07.12.2011, 21:20

riemsche hat geschrieben:bei erdbeermünder klingelts bei mir altfranz_kinskisch.

richtig, der villon, jetzt klingelt's bei mir auch. oder besser gesagt: es kinskigt. :-D

auf balken nur die mündigkeiten stützen

da lese ich übrigens gern "müdigkeiten" hinein.
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Edekire
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Re: entwöhnen

Beitragvon Edekire » 08.12.2011, 00:41

ich hab gleich an das zech gedicht gedacht... ich mags nämlich irgendwie bis auf den blöden weibleibstabreim... wenns nicht grad kinski liest... obwohls dann lustig ist aber irgendwie hm bedrohlich naja.
und der satz mit den erdbeermundrest hat klanglich auch was davon...die graue welt birgt (?) keine freude mehr, ich gab den schönsten sommer her und dir hats auch kein glück gebracht hast nur den roten mund noch aufgespahrt für mich so tief im haar verwahrt...oder so ähnlich
aber ich wollte ja was zu deinem gedicht sagen
ich hab im übrigen erst beim weiten oder dritten mal lesen gemerkt das es sich überhaupt reimt und da habe ichs eher.... gesehen als gespürt, komsich oder? vll ist es das was nw mit lose und offen meint
ich versteh das gedicht als ende einer leidenschaft oder liebe die, irgendwie enttäuscht und zurückgeworfen in die realittät, die errinnerung eingerahmt und einsortiert...etwas desillusioniert
aber...
kann man etwas auf einen balken hängen? ich mein man kann etwas auf einen bügel hängen aber auf einen balken (zumindest bei einen bild und daran denke ich bei passpartou) stelle ich mir schwierig vor....

grüße
edekire

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Re: entwöhnen

Beitragvon hginsomnia » 01.01.2012, 22:31

hi,

ich war einige zeit abwesend und danke euch deshalb etwas spät für eure beschäftigung mit dem text

die bezüge habt ihr ja schon selbst rausgelesen, wobei kinski vor meiner zeit war und dadurch mir seine rede auch nicht so nah ist.

@ riemsche

die letzte zeile stelle ich um. danke dir.
was die mündigkeiten betrifft. mir gefiel das spiel mit dem mund, und ich wollte den vorgang des sich unabhängig machens beschreiben, also ein lösen von der emotionalen abhängigkeit.

@ edekire

ich kenne den ausspruch 'auf einen balken hängen', aber der ist wohl falsch, nein, nicht wohl, sondern sicher. danke dir. ich ändere hängen in legen. im übrigen hast du da schon ziemlich genau das getroffen, was ich ausdrücken wollte.

@ alle

finde ich gut, dass die reime euch nicht penetrant vorkommen.

lg
hginsomnia

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Re: entwöhnen

Beitragvon fenestra » 06.01.2012, 22:27

Huhu,

bin ganz neu hier. Dieses Gedicht hat mich hergelockt, weil es mich einfach nicht losließ. Da schreibt einer, der was vom Schreiben versteht. Ein Jambus, der einen guten Rhythmus vorgibt, aber durch die unterschiedliche Anzahl der Hebungen von Zeile zu Zeile leiert der Text trotzdem nicht. Und dann erst der Inhalt: Wenn das lyr. Ich bei Nacht ein totes Tier ist - bei Tage ist es das bestimmt nicht. Aushilfsblumen, Erdbeermünderreste, verdorntes Land, das sind tolle Bilder, die allerhand Assoziationen wecken. Einzig das "länglich gänzlich" klingt in meinen Ohren etwas unbeholfen und die doppelte Verneinung in der letzten Zeile ist vielleicht ein bisschen zu verrätselt. Aber das tut dem Genuss des Gesamttextes keinen Abbruch.

Irgendwie kam mir etwas an dem Text bekannt vor. Und jetzt weiß ich auch was. Die erste Zeile nämlich, sie kommt auch in Jan Wagners herbstvillanelle vor:

http://lyrikline.org/index.php?id=162&L ... d5f752fb45

Viele Grüße
fenestra

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Re: entwöhnen

Beitragvon hginsomnia » 07.01.2012, 17:21

Hi,

danke und willkommen im Forum. :-)

Vielen Dank auch für den Link. Ich kenne den Lyriker Jan Wagner, aber mir war jene Zeile von ihm unbekannt. M.E. ist das immer etwas problematisch, jedoch manchmal unvermeidlich, dass sich Zeilen gleichen, wenn man nur genug schreibt. :-)
Schön aber, dass du mich darauf gestoßen hast. So bin ich um die Erfahrung eines Gedichtes reicher.

Zu meinem Gedicht:

Ich habe mich ja ziemlich diszipliniert. Dem Leiern des Textes habe ich mit dem kreuzweise alternierenden Versmaß vorgebeugt. Die beiden Versmaße sind also nach den Reimen ausgerichtet.
'länglich gänzlich' war in meiner Vorstellung ein Klangscharnier für den Einschub 'gänzlich mit bedacht'. Ich versuche, das aber nochmal mit fremden Ohren zu hören.
Die letzte Zeile werde ich wohl so stehen lassen.

Freut mich natürlich, dass dir mein Text gefallen hat.

LG
hginsomnia

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Re: entwöhnen

Beitragvon fenestra » 08.01.2012, 22:16

Hi, Mr. Insomnia,

klar wird es irgendwann Wiederholungen in der Sprache geben, wahrscheinlicher ist es m.E. doch, dass man eine Zeile irgendwo gehört hat und sich - oft unbewusst - daran erinnert. Ich hätte übrigens auch kein Problem damit, wenn jemand so eine Zeile als Inspiration aufgreift und zu etwas Neuem weiterentwickelt.

Ich hab mir dein "Klangscharnier" (interessanter Begriff!) nochmal angesehen und verstehe, was du meinst. Ich glaube, mich stört auch das Wort "länglich" selbst daran. Man legt Rosen doch nicht länglich ... höchstens längs, dann aber zu irgendwas oder man legt sie lang, was eine erotische Anspielung wäre. Vielleicht fällt dir ja noch eine andere Wendung ein. Aber ich will aber nicht beharren. Das Gedicht ist auch so schon gut.

lg
fenestra

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Re: entwöhnen

Beitragvon hginsomnia » 19.01.2012, 16:46

hi,

'tschuldige meine späte antwort:

ich stimme dir zu, was das 'länglich' betrifft, schaue mal, was ich daraus mache. übergangsweise befelfe ich mir mit einem 'einzeln'.

hab' dank

lg
hginsomnia


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