und da hat sie sich eingenistet
unter den haaren der haut
schieferplatten ineinandergekrallt
flechten die häuser sich
zur stadt
taucht sie in den farn
und nicht wieder auf
er: wo fangen wir an?
Nehebkau steht, als ein Fixstern, auf der Mitte der Bühne.
sie: mit dem monolog.
er: mit dem monolog. gut.
Nehebkau spricht: ruhig, deutlich und langsam. er bewegt sich hierbei nicht,
er hat keine mimik und keine gestik.
flüsternd treibt die schaar, das passieren, das passieren.
es ergibt sich, valdes schreibt auf einen zettel, schon tot schreibt er noch
auf einen erdachten zettel eine anzüglichkeit und faltet sie
wird daraufhin durchgereicht, zur schönen, schlanken
wie er sagt und man erinnert sich ihrer
ihrer unruhigen hände, ihre shiva hände, ständig am nesteln
der ruhigen augen, die viel zu alt, in die ferne der gezeiten stieren
um sie herum dieser maelstrom aus körper, so unruhig! fanden alle
der ihre augen betont, ein großer, flackernder lidschatten aus fleisch
man erinnert sich ihrer und weiß wen er meint
sie kichert beim lesen
soviel dazu.
ich nenne seinen namen, valdes.
ich nenne sein gesicht, zwei brauen, zwei augen, eines ein wenig offener als das andere. einen mund, eine hälfte etwas tiefer als die andere. eine nase,
die noch an zwei brüche erinnert, einer mit sechszehn, der nächste mit neunundzwanzig. 1982, im jahr des hundes geboren, 2006, im jahr des hundes verendet.
es treten auf:
Lisa, Florence, die Witwe Tanaka mit Tochter, Valdes
Nehebkau dreht den kopf zu ihnen, da sie die bühne betreten, er verfolgt sie mit seinem blick.
sie ziehen vor ihm daher und bleiben stehen, da sie die sicht auf ihn vollständig verdecken.
Nehebkau spricht weiter.
die welt der götter ist in drei teile zerbrochen
und wurde die farbe, der weg und die zeit.
seitdem passieren die menschen vor mir
und seitdem gibt es den tod.
vor mir passieren sie und hinter mir werden sie eins.
sie: Florence! wenn sie den zettel in der rechten halten beim auftritt, können die zuschauer ihn nicht sehen. könnten sie ihn in zukunft in der linken halten?
florence: sicherlich.
Florence nimmt den zettel in die linke hand.
florence: jetzt die unterhaltung mit valdes, ja?
sie: ja, die unterhaltung mit valdes. nicht lapidar werden, kein chit-chat, bleib in der rolle
Florence dreht den Kopf zu Valdes und lächelt.
Florence spricht.
das kam von ihnen, nicht?
Valdes setzt an zu antworten, sie lässt ihn aber nicht zu wort kommen.
sehr freundlich von ihnen, wirklich, danke sehr, vielen dank
aber nun wissen sie, es ist rührend, wirklich rührend, höchst rührend das alles
und doch, sie sollten wissen, falls sie nicht unterrichtet sind meine ich, sie sollten bescheid wissen, noch ein schritt und
dann, wie soll ich sagen, wie soll ich das ausdrücken, warten sie, mhm, ja dann, also dann wars das, nicht?
hier endet die reise, thank you for traveling, bitte aussteigen, auf nimmernimmer, verstehen sie?
Valdes nickt.
sie: also, valdes, fühlen sie sich in ihre rolle ein, wer sind sie? wo kommen sie her? wie sind sie aufgewachsen? warum schreiben sie den zettel?
valdes: nun, ich bin valdes, ich komme aus portugal, ich bin in ärmlichen verhältnissen aufgewachsen, aber auf bildung legte man wert.. ich habe mich nach oben gearbeitet, den zettel schrieb ich, um der frau zu imponieren.
sie: ja sicher, imponieren. aber warum jetzt? wenn sie nicken, wie nicken sie? ich meine, da muss doch was da sein?
valdes: amüsement vielleicht?
sie: ja! gut! amüsement! lächeln sie verhalten, sein sie amüsiert! also nochmal.
dann, also dann wars das, nicht?
hier endet die reise, thank you for traveling, bitte aussteigen, auf
nimmernimmer, verstehen sie?
Valdes nickt, sichtlich amüsiert.
Florence spricht weiter.
ja gut, aaalso, jetzt haben sie mich aber aus dem konzept gebracht
ich meine, guter mann, also ihre absichten, charmant, charmant
aber ich bereite mich hier aufs sterben vor, also nein, ich bereite mich hier aufs verschwinden vor. verstehen sie? ich meine, da fängt man doch keine romanze an, sozusagen, das ist ja dramatisch! da löst man sich vom leben, da hängt man im wartesaal, pudert sich das näschen noch ein letztes mal, alles los lassen, alles los lassen, sagt man sich und macht das auch noch
um am ende, ganz zum schluss, noch eine bekanntschaft zu schließen?
sich nochmal ans leben zu hängen, zwei minuten vor finish?
sie: ich glaube den letzten nebensatz streichen wir, die zwei minuten meine ich. können sie das nochmal ohne wiederholen?
ganz zum schluß noch eine bekanntschaft zu schließen?
sich nochmal ans leben zu hängen?
sie: ja das ist besser, viel besser. florence, valdes, vermerken sie sich das auch in ihrem textbuch. valdes, ich würde ihren monolog jetzt gerne vorziehen,
die szene mit florence ist mir noch zu instabil, da würde ich gerne noch mal ans textbuch und ein paar änderungen vor der nächsten probe vornehmen.
also überspringen wir das und gehen direkt in den monolog, ja?
also, florence, sie können dann schon gehen.
florence: wissen sie ob die bar gegenüber schon auf hat?
witwe tanaka: nein, erst ab 18 uhr.
florence: mhh, nagut, danke dir. naja, machts gut!
Florence ab.
sie: formation habt ihr im kopf für den monolog?
Witwe Tanaka und ihre Tochter gehen weiter nach links, Nehebkau in die hintere rechte Ecke, Valdes tritt vor.
sie: herr ansari, können sie den spot auf Tanakas richten?
ja, so ist gut. und dann die drei fluter, die von vorne bis hinten in der bühnenmitte. ja, da wo valdes steht. ich will so eine art lichtflur von vorne bis hinten. und der eiserne vorhang muss noch auf, können wir den hochziehen? ich brauche mehr tiefe für das stück.
ansari: das dauert aber n weilchen.
sie: kein problem, dann warten wir.
10 Minuten verstreichen. Tanakas Tochter setzt sich in der Zwischenzeit, Nehebkau und Valdes sprechen über einen Film im Kino, den sie zusammen gesehen haben. Tanaka wartet ruhig.
sie: okay, auf position bitte. valdes, monolog.
Valdes spricht.
die gestaute hitze zwischen den wänden der mietswohnung.
eine frau und ich, ein kater in der hinteren ecke des zimmers,
fünf pflanzen, jeweils ein porcellanteller als untersetzer.
ich erinnere den ventilator, sein geräusch, den staub im lichtblock
zwischen den halb zugezogenen vorhängen
und da hat sie sich eingenistet
unter den haaren der haut
eine idee oder ahnung.
Valdes dreht sich um und läuft bis zur hälfte des bühnenteils hinter dem eisernen vorhang, er steht fast im dunkeln.
Warten auf Godot, erster Teil
Re: Warten auf Godot, erster Teil
ich verstehe wahrscheinlich nur einen bruchteil von dem, was mir das in allen einzelheiten nicht?sagen will. aber es zeigt wirkung, zieht mich in die stimmung einer generalprobe. reicht das? ja doch. vorerst schon. ich hab das stück warten auf godot anfang der 80er zuerst im warteraum einer zahnarztpraxis und später im foyer des kornmarkttheaters gesehen. kein abo_publikum. viele nurneugierige. das mir persönlich bekannte amateurensemble war zu der zeit blutjung, studierte in mehrheit filmemacher, agierte überraschend unübertrieben provokativ und hatte einen charismatischen pantomimen dabei, der während der vielen pausen das wortlos interpretierte, was vorher und nachher zwischen zeilen stehen mag. auch so hab ich nicht alles begriffen, mir einiges an fehlendem background in der nachbesprechnung angeeignet. es mir gemerkt. und wieder vergessen. vieles an deiner szenerie erinnert mich in eigentümlicher weise wieder daran. tut irgendwie gut. und wegen dem remember irgendwie weh.
an kleinigkeiten kann man soWill noch feilen - zB. bei der stelle mit dem textbuch ... vermerken sie (sich) das in IHREM .... florence hat in ihrer hektischen tonart mE abiz was vom ollen karl lagerfeld. allerdings in superzeitlupe
lGriemsche
an kleinigkeiten kann man soWill noch feilen - zB. bei der stelle mit dem textbuch ... vermerken sie (sich) das in IHREM .... florence hat in ihrer hektischen tonart mE abiz was vom ollen karl lagerfeld. allerdings in superzeitlupe
lGriemsche
Re: Warten auf Godot, erster Teil
becket hat ja mit seinem godot ein stück theater geschaffen, dass sich in keiner form rechtfertigt: es ist sinnlos, es führt zu nichts, man kann es frei auslegen, verformen und interpretieren, ohne dass das stück hierbei auch nur ein bisschen an bedeutung gewinnen würde.
diese stärke des freien theaters, das sich nur selbst inszeniert, finde ich hoch spannend.
die aufführung mit dem pantomimen hätte ich gerne gesehen (:
ich hoffe ich finde die kreativität das stück bis zu ende zu führen,
ich habe mich noch nie an ein theaterstück gewagt
und will es hier mal versuchen, auch um mich an die disziplin des dramas, das keines ist
mal heranzuwagen.
wie schön zu hören, dass es bei dir schon eindrücke und erinnerungen weckt.
dann will ich doch mal versuchen ob ich hier weiterkomme.
(deine änderung habe ich schon angewandt, gerne mehr!)
diese stärke des freien theaters, das sich nur selbst inszeniert, finde ich hoch spannend.
die aufführung mit dem pantomimen hätte ich gerne gesehen (:
ich hoffe ich finde die kreativität das stück bis zu ende zu führen,
ich habe mich noch nie an ein theaterstück gewagt
und will es hier mal versuchen, auch um mich an die disziplin des dramas, das keines ist
mal heranzuwagen.
wie schön zu hören, dass es bei dir schon eindrücke und erinnerungen weckt.
dann will ich doch mal versuchen ob ich hier weiterkomme.
(deine änderung habe ich schon angewandt, gerne mehr!)
Re: Warten auf Godot, erster Teil
shuya hat geschrieben:der ruhigen augen, die viel zu alt, in die ferne der gezeiten stieren
du beziehst das ja auf /man erinnert sich .../ würde dann vielleicht
ruhige augen, die viel ....
nicht den tick klarer einen weiterhin beschreibenden charakter vermitteln?
/ferne der gezeiten/ ist mE abiz altbacken. lässt sich der erweiterte horizont für geistreisende auf deine art treffend anders beschreiben?
ich geh das langsam an. dann hast du mehr zeit, um mit der kreativität verstecken zu spielen und ich fühl mich nicht so lektormäßig (:->))
ich möcht mich ja _soweit irgend geht_ am theater orientieren. disziplinieren, wie du so schön sagst. wort für wort wichtig, weil man´s hören kann.
bleib _mit allen kunstpausen_ dran!
Re: Warten auf Godot, erster Teil
haste recht, ist noch zu sperrig und verschwurbelt..
mh..
der ruhigen augen, die viel zu alt, in die ferne der gezeiten stieren
ferner ihrer ruhigen augen, die, viel zu alt schon, in die ferne blicken
wäre das besser, was meinste?
mh..
der ruhigen augen, die viel zu alt, in die ferne der gezeiten stieren
ferner ihrer ruhigen augen, die, viel zu alt schon, in die ferne blicken
wäre das besser, was meinste?
Re: Warten auf Godot, erster Teil
shuya hat geschrieben:wie er sagt und man erinnert sich ihrer
ihrer unruhigen hände, ihre shiva hände, ständig am nesteln
der ruhigen augen, die viel zu alt, in die ferne der gezeiten stieren
inklusive deinem vorschlag:
wie er sagt und man erinnert sich ihrer
ihrer unruhigen hände, ihre shiva hände, ständig am nesteln
ferner ihrer ruhigen augen, die, viel zu alt schon, in die ferne blicken
zeile 3 wirkt und klingt mir im beistrichSteno zU verschachtelt.
ihrem weitblick in viel zu alten, ruhigen augen ...... ???
Re: Warten auf Godot, erster Teil
riemsche hat geschrieben:ferner ihrer ruhigen augen, die, viel zu alt schon, in die ferne blicken
zeile 3 wirkt und klingt mir im beistrichSteno zU verschachtelt.
ihrem weitblick in viel zu alten, ruhigen augen ...... ???
ferner ihrer ruhigen augen, in die ferne blickend
mh.. vielleicht einfach gekürzt?
bisschen simpler, kann man sich trotzdem was drunter vorstellen
Re: Warten auf Godot, erster Teil
shuya hat geschrieben:ferner ihrer ruhigen augen, in die ferne blickend
ferner mit bezug auf erinnerungen also vergangenheit. in die ferne blickend entweder blick auf das heute oder noch weiter. schöne zeitansage (:->))
sodala. weiter im text.
shuya hat geschrieben:flackernder lidschatten aus fleisch
schatten flackern. lider flattern. vielleicht ein mischwort kreieren? /aus fleisch/ ist zu allem anderen davor plötzlich ein vager unförmiger blutiger brocken. das /aus/ wegverdichten? denn hört man das wort fleich allein, kanns noch viel mehr als dieses sein. aber vielleicht hast du noch einen hinweis, der mir da im bild entgangen ist.
Re: Warten auf Godot, erster Teil
wenn sich überhaupt jemals ein Theaterstück rechtfertigt dann ist es Warten auf Godot, ich weiß nicht woher wo das Stück sinnlos ist, das Stück beschreibt nichts anderes als das Leben, von Zweien, die so ziemlich am Rande stehen.
Gerade so stellen wie "Das Beinhaus" oder andere Stellen, gehören zu den lyrischsten und poetischsten was es überhaupt gibt.
Wo also ist das Stück sinnlos? Becketts sämtliche Theaterstücke und auch seine Prosa und auch seine Romane sind nicht sinnlos, sie sehen nur anders, sie sehen in die Welt von Menschen die am Rand stehen.
Du hast das Stück einfach nicht verstanden, sonst würdest Du solch einen Satz wie "sinnlos" niemals schreiben.
Gerade so stellen wie "Das Beinhaus" oder andere Stellen, gehören zu den lyrischsten und poetischsten was es überhaupt gibt.
Wo also ist das Stück sinnlos? Becketts sämtliche Theaterstücke und auch seine Prosa und auch seine Romane sind nicht sinnlos, sie sehen nur anders, sie sehen in die Welt von Menschen die am Rand stehen.
Du hast das Stück einfach nicht verstanden, sonst würdest Du solch einen Satz wie "sinnlos" niemals schreiben.
Re: Warten auf Godot, erster Teil
shuya hat geschrieben:ich nenne sein gesicht, zwei brauen, zwei augen, eines ein wenig offener als das andere. einen mund, eine hälfte etwas tiefer als die andere. eine nase,
die noch an zwei brüche erinnert, einer mit sechszehn, der nächste mit neunundzwanzig. 1982, im jahr des hundes geboren, 2006, im jahr des hundes verendet.
bin noch dran (:->)) schreib einfach alles was mir zu einem part einfällt. wenn das für dich so ok geht.
/ich nenne sein gesicht/ funktioniert nicht. hier ist mE einmal /ich nenne/ zuviel. abseits beliebter stilmittel /sein gesicht/ sollte reichen. und was zu zukuck ist /ein wenig offener/? sagt mir nichts. eines offener als das andere würde offen lassen, wie wer eine nuance interpretiert. auch für die bruchrechnende nase gäbs in sachen erinnerungen möglichkeiten, die dem riechkolben selber diese fähigkeit absprechen. zB
eine nase, brüche später, zwei erinnerungen, einmal sechszehn, einmal neunundzwanzig.
/verendet/ klingt irgendwie halbherzig. wie nicht so schlimm und ziemlich heftig. irgendwas zwischen verreckt und verschieden. bestimmte absicht?
Re: Warten auf Godot, erster Teil
tschuldigung. hab überklickt, dass da noch sturznest am ende vor mir am posten war. ging das gerade noch mal chronologisch durch. hab doch mit der beschreibung meiner ersten berührung mit godot live im doppelpack steigerungsfähige begeisterung zum ausdruck gebracht. hab in folge shuyas haltung dazu gelesen. war/bin auch anderer meinung. aber das tut hier nichts zur sache. entscheidend für mich war, was neues in angriff zu nehmen. das hat sie. und was steht dann zur diskussion? möglicherweise wäre das thema ?sinnlos? ohne die stichfrage von ganz alleine chefsache geworden. umdenken, sich das stück nochmal anschauen nicht ausgeschlossen. oder ist das zU positiv gedacht? glaub ich nicht und hey_ wir sind hier im oLivro. das tut gut. keine kannibalen, kein zeitdruck. peace. riemsche
Re: Warten auf Godot, erster Teil
Sturznest hat geschrieben:wenn sich überhaupt jemals ein Theaterstück rechtfertigt dann ist es Warten auf Godot, ich weiß nicht woher wo das Stück sinnlos ist, das Stück beschreibt nichts anderes als das Leben, von Zweien, die so ziemlich am Rande stehen.
Gerade so stellen wie "Das Beinhaus" oder andere Stellen, gehören zu den lyrischsten und poetischsten was es überhaupt gibt.
Wo also ist das Stück sinnlos? Becketts sämtliche Theaterstücke und auch seine Prosa und auch seine Romane sind nicht sinnlos, sie sehen nur anders, sie sehen in die Welt von Menschen die am Rand stehen.
Du hast das Stück einfach nicht verstanden, sonst würdest Du solch einen Satz wie "sinnlos" niemals schreiben.
Da hab ich dich aber am falschen Ende erwischt.
Aber: du hast recht, genau genommen ist sinnlos das falsche Wort.
Ich will das korrigieren:
natürlich ist das stück nicht ohne sinn.
das was ich - törichterweise - sinnlos nenne, ist eher im klassischen Sinne des Theaters zu sehen.
Ein sinnloses Stück wäre niemals so oft und intensiv Interpretiert, Gespielt, Aufgenommen, wieder Aufgenommen worden
und Becket hat einen wichtigen Umbruch zur richtigen Zeit gewagt.
Als das Stück Ur-Aufgeführt wurde, gab es einen Aufschrei - scharenweise verliessen die Leute das Theater
ob der "Sinnlosigkeit" des Stückes. Ich meine mich zu erinnern, dass es zumindest so bezeichnet wurde.
wenn ich: ziellos sagen würde, käme das vermutlich auch falsch an.
vielleicht kann ich es so ausdrücken: das stück schwebt am rand einer welt, es geht nicht vorwärts, aber auch nicht rückwärts
es passieren dinge, weil immer dinge passieren und es gibt einen sinn, weil die menschen sich immer einen sinn geben
sie warten auf godot
aber dieser sinn führt zu keiner auflösung, klaustrophobisch steht man da, während er sich wie eine schlinge um den hals zieht
wie er sich offensichtlich selbst entleert, von sich selbst, wie er bedeuntungslos und damit das bedeutungsvollste überhaupt wird:
eine art gott, wenn man es überspitzt formulieren will.
und es gibt keine erlösung, für die zuschauer,
die doch jeher teures geld bezahlt haben, teure zeit geopfert haben (ja so sahensehen sie es, die meisten theater-besucher)
um am ende erlöst zu werden - und dann kommt es nicht.
das stück war durchaus "sinnlos", zu seiner zeit, wenn ich das in anführungsstriche setzen darf.
entleert vom eigentlichen sinn des theaters in seiner gesellschaftlichen funktion.
alle warten, die zuschauer, die schauspieler, dieser kleine streifen welt aus rängen, bühne und bild
die kritiker schreiben erst nur schlechtes, später nur gutes,
godot ist die atombombe, der kalte krieg, gott, der sinn des lebens, godot ist ein witz, godot ist ein kunstgriff, godot ist wie sie ihn nunmal gerne hätten.
ja: und plötzlich macht es sinn (:
übrigens, um dich zu beruhigen: warten auf godot ist erstmal nur ein arbeitstitel. das ganze ist ja nicht wirklich ein theaterstück.
momentan steht der plan, später einen neuen namen zu finden, also im stück, text.. wieauchimmer. es geht mir mitnichten um einen abklatsch oder die allerneuste modernisierung von einem theaterstück an das sich die meisten profis, geschweige denn, dahergelaufene hobbyautoren á la: moi, nicht rantrauen.
für mich ist das eine willkommene abwechslung, die mich fordert und damit auch fördert, so sehe ich beinahe alles was ich tue.
wenig krösus, viel rumprobieren.
-------
schatten flackern. lider flattern. vielleicht ein mischwort kreieren? /aus fleisch/ ist zu allem anderen davor plötzlich ein vager unförmiger blutiger brocken. das /aus/ wegverdichten? denn hört man das wort fleich allein, kanns noch viel mehr als dieses sein. aber vielleicht hast du noch einen hinweis, der mir da im bild entgangen ist.
mh.. ich hab das im hinterkopf,
muss da aber noch mal ein weilchen loslassenlernen von der formulierung.
irgendwo zu drastisch und auch seltsam, vager unförmiger blutiger brocken, ja sowas in der art, nicht wahr?
das geht zu eindeutig in die richtung gore.
--
ferner mit bezug auf erinnerungen also vergangenheit. in die ferne blickend entweder blick auf das heute oder noch weiter. schöne zeitansage (:->))
die dopplung ist mir erst auf den zweiten blick aufgefallen,
seltsames/spannendes versehen.
ferner fern, ich bin weder überzeugt noch abgeneigt das so stehen zu lassen.
ich frag nochmal einen bekannten was er zu dem satz so sagt, vielleicht kommt dann ja der entscheidende input.
daaaangerflirt
--
bin noch dran (:->)) schreib einfach alles was mir zu einem part einfällt. wenn das für dich so ok geht.
/ich nenne sein gesicht/ funktioniert nicht. hier ist mE einmal /ich nenne/ zuviel. abseits beliebter stilmittel /sein gesicht/ sollte reichen. und was zu zukuck ist /ein wenig offener/? sagt mir nichts. eines offener als das andere würde offen lassen, wie wer eine nuance interpretiert. auch für die bruchrechnende nase gäbs in sachen erinnerungen möglichkeiten, die dem riechkolben selber diese fähigkeit absprechen. zB
mh.. habe den text mal schnell ins aufnahmegerät gesprochen und mir durchgehört
und die stelle saß ziemlich gut bzw. hat super funktioniert.
"ich nenne seinen namen"
"ich nenne sein gesicht",
du hast recht mit der erstmal unglücklichen doppelung beim lesen stimmt das absolut
aber ich habe das gefühl, dass diese monotone auflistung eben mit der wiederholung diesem wesen in seiner an- und zeitgleichen abwesenheit gut entspricht.
das selbe bei den brüchen, jeder satz ein klotz den man so hinstellt. abarbeitet. dann schicht.
vielleicht irre ich mich dabei aber auch oder habe zu klare vorstellungen von etwas/jemandem
die im text nicht nachvollziehbar sind.
ich leg die stelle mal auf eis und wir schauen bei späterer entwicklung vom charakter nochmal darüber, wenn das ein angebot ist?
wenn ich ihn so ausentwickeln kann, wie ich mir das wünsche, dann müsste er ja beim späteren verlauf funktionieren.
wenn nicht: dann gehe ich da auf jedenfall nochmal ran.
--
/verendet/ klingt irgendwie halbherzig. wie nicht so schlimm und ziemlich heftig. irgendwas zwischen verreckt und verschieden. bestimmte absicht?
ja zwischen verreckt und verschieden, das triffts punktgenau.
es ist schön, dass wir den punkt hier notiert haben.
der mann muss nämlich später noch verenden
oder verrecken, oder verscheiden (verscheiden, gibts das?)
bestimmte absicht nicht, aber unbestimmte:
verenden, das sagt man zu hunden.
man verendet, das klingt einsam, nicht richtig qualvoll, nicht mit einem wumms, das passiert irgendwie langsam
eine blume verendet, wenn man sie nicht gießt.
da ist ein prozess in dem wort, der es mir stark angetan hat.
dieser mann ist auf jedenfall nicht sofort gestorben, sein sterben war ein solcher prozess.
zumindest momentan, sollte sich das noch ändern
später, dann muss das wort hier auf jedenfall ausgetauscht werden.
großartig!
ich habe - noch nie - in meinem leben nicht - auch nur einen charakter erfunden
was für eine seltsame arbeitsweise: hinführen, herführen, nichts vergessen, den charakter begreifen und formulieren bevor er da ist, erinnern, aufmerken, fragen stellen.
wieder einmal herzlichen dank an dich riemsche.
Re: Warten auf Godot, erster Teil
shuya hat geschrieben:verenden, das sagt man zu hunden.
man verendet, das klingt einsam, nicht richtig qualvoll, nicht mit einem wumms, das passiert irgendwie langsam
eine blume verendet, wenn man sie nicht gießt.
da bin ich in sachen verallgemeinerung anderer auffassung. hunde blumen sind lebewesen. wie menschen sterben krepieren verrecken sie. verenden. ja das auch. aber das wort stützt sich nicht auf räudig mies und schmutzig. es verlangsamt. was du ja wolltest. und dem stück entspricht. auch dem charakter, wie ich hoffe.
shuya hat geschrieben:das selbe bei den brüchen, jeder satz ein klotz den man so hinstellt. abarbeitet. dann schicht.
ich hab mit klötzen kein problem. mir dünkt schlicht und einfach die formulierung nicht glücklich gewählt. hört sich nach rechnung an. ist aber keine. puzzeln? und _auch wenns in audio gut tönt_ nenn mir ein gesicht

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