trennung

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
shuya
Prometheus
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trennung

Beitragvon shuya » 16.02.2012, 13:53

im fernsehen
der touchdown des rugbyspielers
über den rubikon und keiner klatscht
und keiner sieht hin
brennt fleisch in der pfanne, spritzt öl
und ein klumpen eis in den messingrohren
stockt, umspühlt, blockt, während fünf bar
weiter anrennen

lider räumen den moment
er rollt als träne
mein gesicht entlang
quillt das feine porengitter
auf in den raum
die verlängerte geste
dein lächeln auf der uhr, ein spitzes
zehn vor zwei
und der überbordende lichtblock
lädt den staub
zum tanz

wie lange die momente gehen
und wann sie inne halten
im stockenden atem, in der geöffneten hand
die kondensberge über den kriegsschiffen
die diskrepanz zwischen windstärke und koordinate
wir drücken uns staunend an die fensterscheiben
der babeltürme, zwischen den blumenkästen
und zerbrochenen sätzen
ein stück ewigkeit

wird die schwerkraft unerbittlich
punktiert hektarweise tonnenkraft
auf unsre haut, gewicht und zentrifuge, die erde
und ein verschlucktes husten in den vorderen rängen
hitlers abgerissener kopf, sein stumpf der fäden zieht
und nach der dürreperiode die mauer
wächst nach

wenn du mich verlässt
dann an einem anderen tag
nicht da, wo es sich häuft
und die konzentration erschüttert
acht stunden tagwerk die sinne dämpft
dann tu es, wo es nicht zwischen den elektronen
ausdünnt durch den offenen moment
nur wie ein kurzes flackern
ich will vorher die luft anhalten
den staub und die aussicht dahinter
meine worte zurecht legen, wie sich das kondenswasser sammelt
zur wasserwaage und einem tropfen, einem weiteren tropfen
auf dem stein über der fußbodenheizung.

Perry
Melpomene
Beiträge: 711
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Re: trennung

Beitragvon Perry » 23.02.2012, 14:58

Hallo Shuya,
nach einer Trennung verlieren viele Dinge wie z.B. der Superbowl an Bedeutung oder manche Ereignisse in der Geschichte erscheinen in einem anderen Licht.
Mir gefallen deine Alltagssituationsbilder gut, auch wenn ich an Details wie:

"ein klumpen eis in den messingrohren
stockt" _-> welche Messingrohre sind da wohl gemeint?

"in der geöffneten hand
die kondensberge über den kriegsschiffen"
-> an sich ein schönes Bild, nur finde ich keine Beziehung zum Thema oder sollte Trennung mit Krieg assoziieren?

"wird die schwerkraft unerbittlich
punktiert hektarweise tonnenkraft"
-> hektarweise ist ein Flächenmaß, das mir nicht zur Tonnenkraft zu passen scheint.

Am besten finde ich die letzte Strophe, weil sie -bis vielleicht auf den abgerissenen Hitlerkopf etc.- gut die Angst vor der Trennung transportiert.

LG
Perry

Edekire
Pegasos
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Re: trennung

Beitragvon Edekire » 05.03.2012, 23:07

lieber shuya,

schöner text.
im einzelnen:

kohlt fleisch in der pfanne, spritzt öl


ich stolpere immer über das kohlt. ich hab sogar ne ganze weile gebraucht bis ichs überhaupt kapiert hab und hab immer gedacht das die verwerblichung von gemüse irgendwie komisch ist, bis ich dann kapiert hab das du verkohlt meinst. was ich aber immer noch komisch finde, unpassend hm lapidar und vll. besser brennt an? auch wenn es etwas holpert

und ein klumpen eis in den messingrohren
stockt, umspühlt, blockt, während fünf bar
weiter anrennen


gefällt mir gut gleichzeitig bild, beklemmung, druck, kälte und beschreibung. einzig die reihung stockt, umspült, blockt ...
es ist ja der eisklumpen, der stock und blockt, aber er wird umspült. er umspült nicht. ich weiß es könnnte auch ein adverb sein (falls ich mich da noch richtig erinnere) aber so eingeklamert...

lider räumen den moment
er rollt als träne
mein gesicht entlang
quillt das feine porengitter
auf in den raum
die verlängerte geste
dein lächeln auf der uhr, ein spitzes
zehn vor drei
und der überbordende lichtblock
lädt den staub
zum tanz


find ich sehr schön,aber müste es nicht zehn vor zwei heißen?

wie lange die momente gehen
und wann sie inne halten
im stockenden atem, in der geöffneten hand

schön
die kondensberge über den kriegsschiffen
die diskrepanz zwischen windstärke und koordinate

hier verlässt es mich vorübergehend. kondensberg hm. kondenswasser an der fensterscheiben? aber ich kann mir keinen wasserberg oder tropfenberg vorstellen. (komisch, jetzt wollte ichs grad posten und in dem augenblick entfaltete sich doch ein bild in mir von berghaft gemusterten scheiben hm)
hier drängen sich auch so seltsam sperrige wörter. koordinate als der ort und geschwindigkeit im missverhälnis
ich versteh das als dichte vorbeiziehende eindrücke, vll bilder film fenster und irgendwie hat es auch was als würde der text selber verwirrt aus der bahn trudeln und irgendewie funktioniert das auch gut wie die geschwindigkeit anzieht um dann im letzten absatz wieder ruhiger zu werden, aber trotzdem frage ich mich ein wenig (teilweise) ob das präzise genug ist.

wenn du mich verlässt
dann an einem anderen tag
nicht da, wo es sich häuft
und die konzentration erschüttert
acht stunden tagwerk die sinne dämpft
dann tu es, wo es nicht zwischen den elektronen
aus(ge)dünnt durch den offenen moment
nur wie ein kurzes flackern
ich will vorher die luft anhalten
den staub und die aussicht dahinter
meine worte zurecht legen, wie sich das kondenswasser sammelt
zur wasserwaage und einem tropfen, einem weiteren tropfen
auf dem stein über der fußbodenheizung.


das finde ich wieder sehr gut, so als würde sich der text am ende noch mal beklemmt zusammenziehen. nur das ge muss weg oder ein ist oder wird dazu glaub ich.

liebe grüße

edekire

shuya
Prometheus
Beiträge: 367
Registriert: 17.04.2010, 13:51

Re: trennung

Beitragvon shuya » 10.03.2012, 12:02

@Perry
"ein klumpen eis in den messingrohren
stockt" _-> welche Messingrohre sind da wohl gemeint?

Die der Heizung (:

"in der geöffneten hand
die kondensberge über den kriegsschiffen"
-> an sich ein schönes Bild, nur finde ich keine Beziehung zum Thema oder sollte Trennung mit Krieg assoziieren?

mh.. der fernseher läuft im hintergrund.. sollte ich das nochmal hervorheben?
ich hatte gehofft der rugbyspieler und die anspielung auf den rubikon verdeutlichen das ganze
von haus aus

"wird die schwerkraft unerbittlich
punktiert hektarweise tonnenkraft"
-> hektarweise ist ein Flächenmaß, das mir nicht zur Tonnenkraft zu passen scheint.

stimmt vielleicht, nicht so arg drüber nachgedacht..
brauche dann nur irgendeine änderung dafür..
punktiert druck auf haut

Am besten finde ich die letzte Strophe, weil sie -bis vielleicht auf den abgerissenen Hitlerkopf etc.- gut die Angst vor der Trennung transportiert.

Der abgerissene Hitlerkopf ist eine Ortsreferenz..
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,564044,00.html

ja aber vermutlich ist das was vor der letzten strophe kommt nur beiwerk

-------------------------------
@Edekire

ich stolpere immer über das kohlt. ich hab sogar ne ganze weile gebraucht bis ichs überhaupt kapiert hab und hab immer gedacht das die verwerblichung von gemüse irgendwie komisch ist, bis ich dann kapiert hab das du verkohlt meinst. was ich aber immer noch komisch finde, unpassend hm lapidar und vll. besser brennt an? auch wenn es etwas holpert

stimmt wohl.. werde es auf brennt ändern

gefällt mir gut gleichzeitig bild, beklemmung, druck, kälte und beschreibung. einzig die reihung stockt, umspült, blockt ...
es ist ja der eisklumpen, der stock und blockt, aber er wird umspült. er umspült nicht. ich weiß es könnnte auch ein adverb sein (falls ich mich da noch richtig erinnere) aber so eingeklamert...

Rohre werden durch Eis im Normalfall nicht sofort geblockt,
das Eis wächst während es durch die Rohre schießt, verkeilt sich irgendwo, der Druck steigt, das Wasser jedoch kommt noch herum, da es genug blockt und hält
wächst, sofern kein warmes Wasser und die Rohre kalt bleiben, aber das Wasser lang genug um zu wachsen und vollends das Rohr einzufrieren
das resultat sind fünf Bar Wasserdruck die dann gegen das vereiste Rohrstück anrennen

find ich sehr schön,aber müste es nicht zehn vor zwei heißen?

kommt drauf an ob nur ein Mundwinkel hochgezogen ist, aber vielleicht zu verkopft die drei zu nehmen, ändere ich auf zwei (:

wie lange die momente gehen
und wann sie inne halten
im stockenden atem, in der geöffneten hand


schön

die kondensberge über den kriegsschiffen
die diskrepanz zwischen windstärke und koordinate


hier verlässt es mich vorübergehend. kondensberg hm. kondenswasser an der fensterscheiben? aber ich kann mir keinen wasserberg oder tropfenberg vorstellen. (komisch, jetzt wollte ichs grad posten und in dem augenblick entfaltete sich doch ein bild in mir von berghaft gemusterten scheiben hm)


in der geöffneten Hand, die Kondensberge
über den Kriegsschiffen
könnte man auch so lesen.

Wenn eine Rakete abgeschossen wird, zieht sie insbesondere beim Abschuss eine riesige Kondenswolke hinter sich her, die kurz als "bergartiges/wolkenartiges Gebilde" über dem Schiff stehen bleibt. Es ist ein schönes und grausames Bild - die Zeit anzuhalten genau dort - und in der Hand und über den Schiffen stehen diese skulpturalen Erzeugnisse in der Luft

Es stellt sich mir nicht die Frage von Krieg, wenn ich das betrachte, es ist eine Skulptur und ich kann sie nicht anders, höchstens mit Referenzen belastet, sehen.

Das mit den Scheiben ist auch eine Idee, habe ich kürzlich eine Fotoserie zu gemacht.

das finde ich wieder sehr gut, so als würde sich der text am ende noch mal beklemmt zusammenziehen. nur das ge muss weg oder ein ist oder wird dazu glaub ich.


geht beides, aber ich probiere es mal ohne (:

danke euch beiden (mal wieder)!


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