8 Stunden undsoweiter

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razorback
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8 Stunden undsoweiter

Beitragvon razorback » 18.01.2004, 12:18

Hallo und guten Morgen!

Liebe Gemeinde:

Hier noch einmal der Text von gestern Abend (kleinervogel steht hinter mir und guckt mir über die Schulter, das verwirrt, entschuldigt also die Tippfehler). Für alle die dabei waren: Das ist Eure Cance, noch einmal auf Nebensächlichkeiten wie Aufbau etc einzugehen, ausserdem könnt Ihr Euer Urteil noch präzisieren (zum Beispiel: "Ist nicht mein Genre, aber dazu noch besonders scheusslich", oder so... ;-) ).

Für alle, die nicht dabei waren: Einfach eine neue Kurzgeschichte, macht was draus.

Zusätzlich möchte ich ein kleines PREISAUSSCHREIBEN veranstalten: Alle Nachnamen in diesem Text, mit Ausnahme von "McBain" und "Freeman" sind original oder mit ganz leichter Abweichung (Veränderung der Schreibweise, Übersetzung etc.) aus Konsolenspielen entnommen. Wer mir zu jedem Namen das richtige Spiel nennen kann, gewinnt eine "Boozehounds"-CD oder, wenn er oder sie die schon hat, ein Überraschungsbuch MEINER Wahl. Antworten bitte an meine Mailadresse (im Profil). Mitglieder der Familie Razorback oder Gestalten mit bruderähnlichem Status sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Wer den ohnehin ausgeschlossenen Rechtsweg beschreiten will, handelt sich einen Haufen fiesen Ärger ein. Bei mehreren richtigen Antworten entscheidet das Los. Also - here we go:


8 Stunden, 11 Minuten, 42 Sekunden

Ich war so entsetzt, entsetzt und empört, daß ich wortwörtlich sprachlos war. Ich knallte das Dossier auf Rotfelds Schreibtisch und starrte ihn an. Er erwiderte meinen Blick eine ganze Weile, dann lächelte er halb, sah auf die Kladde und zupfte ein we-nig an den herausstehenden Blättern herum.
„Papier. Ist Ihnen das schonmal aufgefallen, Tyler? Wir sind so weit weg von... von allem, dass wir wieder Papier benutzen.“
„Was?“ Ich war nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.
„Papier...“ Er lächelte wieder, während er an einem anderen Blatt zupfte. Dann schüttelte er leicht den Kopf und sah mich wieder an.
„Was haben Sie für ein Problem, Tyler?“
„Das... Verzeihung, Sir, aber das kann nur ein Witz sein.“
„Was kann nur ein Witz sein?“
Mühsam, während ich mich fragte, ob er mich wirklich nicht verstand, senkte ich meinen Finger ruhig auf das Dossier, so ruhig, wie ich eben konnte.
„Das. Sir.“
„Oh ja...“ Er lächelte immer noch dieses abwesende Lächeln. „Seltsam, das ganze, nicht wahr?“
„Seltsam? Das ist reiner Wahnsinn. Sie schreiben mir alles vor, alles. Ich... ich kann überhaupt nichts tun. Und diese Vorschriften sind der reine Irrsinn.“
„Ich dachte, Sie sind gewohnt, Befehle zu empfangen.“
„Befehle ja. Aber nicht... so etwas. Auf wessen Mist ist das gewachsen?“
„Es kommt von oben, Tyler.“
„Von... oben?“
„Ja.“
Ich wartete einen Moment, aber er war offensichtlich nicht gewillt, konkreter zu wer-den. Ich sah meine Felle schwimmen. Mir war klar, daß er keine Änderung an dem Plan erlauben würde. Erlauben durfte, ich will fair bleiben. Dennoch machte ich einen weiteren verzweifelten Versuch. Ich zog das größte Stück Papier, einen Plan der Fe-stung, aus der Kladde und breitete ihn aus. Er war so groß, daß er über den Schreib-tisch des Direktors hinausragte.
„Sehen Sie, Sir. Hier in diesen Trakt kommt dieser Freeman, sehe ich das richtig?“
Er schaute kaum auf den Plan. „Ja.“
„Gut. Oder nicht gut, egal, aber damit kann ich noch leben. Aber dann das – alle an-deren Gefangenen in den Westblock?“
„Ja.“
„Das ist Irrsinn. Auf dem Westblock oben ist der Heliport. Wenn wirklich jemand kommt, um Freeman rauszuholen....“
„Wir sind sicher, daß jemand kommen wird.“
„Ja, aber dann ist das doch absoluter Wahnsinn. Es gibt keinen besseren Platz, um eine Flucht zu starten, als den Westblock. Sie müssen einfach nur die Treppe hoch laufen, und sind draußen.“
Er lächelte wieder. „Sie vergessen etwas Wichtiges, Tyler.“
„Was?“
„Wir erwarten, daß jemand kommt, um Freeman zu befreien. Nicht die anderen.“
„Sir. Wenn jemand Freeman befreien will, wird er mit ziemlicher Sicherheit eine Fluchtroute zum Heliport wählen. Und wenn jemand über den Heliport fliehen will, braucht er nur die anderen Gefangenen – die sinnigerweise im Westflügel unterge-bracht sind – zu befreien, und er hat mit einem Mal 43 Mann Verstärkung, davon mindestens 30 ehemalige Söldner. Wenn wir sie dagegen in die Keller...“
„Tut mir leid, Tyler.“
„Aber warum?“
„Befehl von oben.“
Es war sinnlos, ich wußte es, aber ich konnte nicht aufhören.
„Dann lassen sie mich wenigstens etwas an diesen völlig hirnrissigen Verteidigungs-ringen ändern. Zuerst die Milizmänner. Dann die normale Besatzung, dann die Ro-boter, dann die Cyborgs und zuletzt meine Leute und ich. Das ist...“
„Tyler...“
„Bitte Sir, sehen Sie das denn nicht? Wir helfen jedem, der hier eindringen will. Wir lassen ihn lernen. Wir selektieren zu seinen Gunsten. Die Stärksten kommen durch und gewinnen ein Maximum an Kenntnissen bei geringstmöglichem Schaden. Wenn ich dagegen direkt da draußen bin. Mit meiner Truppe. Dann...“
„Tyler, es ist unmöglich.“
„Dann lassen Sie mich zumindest ein paar der Roboter draußen stationieren. Die können hier drinnen doch gar nicht ihr ganzes Potential entfalten. Und die Scanner...
„Tyler...“
„Sir, ich habe es berechnet, ein halbes Dutzend mal. Es gibt in jedem Gang minde-stens einen toten Winkel. Dabei wäre es ganz einfach...“
„Oberst Mc Bain! Sie werden die Verteidigung dieser Anlage gemäß den Ihnen vor-liegenden Plänen organisieren. Dann werden Sie morgen Mittag den Gefangenen Oberon Freeman empfangen, ihn in die für ihn vorgesehene Zelle bringen, und ihn mit Ihren Leuten bewachen. Exakt so, wie es der Plan vorsieht. Ist das klar, Oberst?“
„Ja, Sir. Ich bitte um Entschuldigung.“
Ich faltete den Plan zusammen, stopfte ihn in die Kladde, nahm das verdammte Ding und ging hinaus.

Es schneite. Wie immer. Hier schneite es immer und ich fragte mich stets, wie es kam, dass wir nicht einfach alle im Schnee begraben wurden, ich, der Direktor, die Gefangenen, das ganze beschissene Gefängnis, der ganze verdammte Planet. Aber irgendwie schien die Schneedecke nie wirklich zu wachsen. Spuren wurden mit der Zeit verdeckt und verweht, aber die Felsspitzen standen immer unbedeckt und schwarz in den gleichförmig grauen Himmel. Und niemals hatte ich gesehen, daß einer der Milizionäre das Tor freigeschaufelt hätte. Oder die Wege im Vorhof. Immer fiel der Schnee, aber es war, als verschwände er einfach im Nichts, wenn er den Bo-den berührte und eins mit der weißen Decke wurde.
Andererseits – war das mein Problem? Ich war Soldat, kein Metereologe. Mein Pro-blem schwebte zwar auch gerade aus dem nebligen Dunkel des Himmels, aber es war nicht weiß und still. Es war häßlich, grau-gelb und laut. Der Transporter, der Freeman brachte.
Ich hatte nicht vor, an der nun folgenden kleinen Szene aktiv Teil zu nehmen. Free-man sollte zumindest im Unklaren darüber bleiben, wie wichtig man ihn hier nahm. Ich überließ die Formalitäten, das Gerede, die Belehrungen und Vergatterungen Burton, stand etwas abseits und sah mir das ganze an. Dabei achtete ich sorgfältig darauf, dass aus der Art, wie ich dastand und mir alles ansah, klar wurde, wer hier wirklich das Sagen hatte. Spielchen, sicher. Aber die gehören dazu, bei so etwas.
Burton brachte Freeman zu dem kleinen Gleiter und schubste ihn hinein. Drinnen saßen schon zwei von meinen Leuten. Ich schwang mich im letzten Moment mit rein, dann schloß sich die Ladeklappe zischend. Der Gleiter setzte sich in Bewegung, ge-folgt vom Rest meiner Truppe, flankiert von zwei gewaltigen Kampfrobotern. Das hatten sie mir seltsamerweise erlaubt. Was hätte ich darum gegeben, zumindest die-se beiden draußen im Schnee Patrouille laufen zu lassen. Aber ich hatte eben ande-re Befehle. Von oben.

Freeman schwieg, während wir zum Gefängnis glitten. Ich hatte aufgegeben zu fra-gen, warum sie ihn nicht einfach zum Heliport gebracht hatten. Ich sah mir meinen Gast an. Er sah ziemlich jung aus, für einen so brillanten Wissenschaftler und ge-fährlichen Aufrührer, aber das mochte nichts heißen. Schon zu der Zeit, als ich noch in der Zivilisation gelebt hatte, waren die Möglichkeiten der Lebensverlängerung und Jugenderhaltung erstaunlich gewesen. Seither war eine Ewigkeit vergangen, ich wußte nicht zu sagen, wie viele Standardjahre. Das auffälligste an seinem jungen Gesicht waren die sehr großen, sehr dunklen Augen. Das schwarze Haar fiel ihm wirr ins Gesicht und ich konnte nicht sagen, ob das an der langen Reise oder an irgend-einer Mode lag. Seine Haut war olivfarben und makellos, die Kälte draußen, gegen die wir uns mit Masken schützten, schien ihm nichts ausgemacht zu haben. Er war schmal, aber er wirkte nicht geschwächt, wie so viele andere, die ich hier hatte an-kommen sehen.
„Hör zu, Mann. Hier kommt keiner raus.“
Freeman drehte sein Gesicht langsam in die Richtung des Mannes, der ihn ange-sprochen hatte. Es war Burton gewesen. Auch ich sah meinen Leutnant an. Was ging hier vor?
„Du wirst hier für immer versauern, ist Dir das klar? Wir bewachen Dich. Der Bionic-Squad.“
„Ihr könnt die Freiheit nicht einsperren,“ sagte Freeman mit seltsam heller Stimme.
Dieser pathetische Blödsinn paßte schön zu Burtons martialischem Blödsinn, aber damit hatte sich die Konversation auch erschöpft. Den Rest des Weges legten wir wieder schweigend zurück. Nachdem wir das Tor passiert hatten, nahmen die Mili-zionäre Freeman in Empfang. Ich wandte mich im Vorbeigehen an Burton.
„Leutnant.“
„Sir?“
„Melden Sie sich in zehn Minuten in meinem Büro.“
„Ja Sir.“

Ich saß in meinem Büro und starrte aus dem Fenster. Schnee, Schnee, Schnee und immerwährende Dämmerung. Was für ein jämmerlicher, kalter Scheißplanet. Ich wußte nicht, wie lange ich von zu Hause fort war, ich wußte nicht einmal, wie lange ich schon hier war. Der Schnee erstickte die Zeit, die Dämmerung tötete sie, es war alles ein endlos dahinschleichendes, ewiges Nichts, ein einziger, endloser, monoto-ner Moment. Die Bilder auf meinem Schreibtisch, meine Frau, meine Eltern, die Di-plome und Auszeichnungen an der Wand, sie waren nichts mehr als Dekoration, Fassade, damit der Raum bewohnt aussah. Ich war in die Mitte des Nichts geraten, einen Ort, der keine Verbindung zu Raum und Zeit mehr hatte. Abgesehen von Oberon Freeman, der von außen gekommen war. Es klopfte an der Tür. Ich nickte. Burton hatte das offenbar durch die Milchglasscheibe erkannt, denn er betrat das Büro.
„Sir, ich melde mich wie...“
„Machen Sie die Tür zu, Leutnant.“
„Ja, Sir.“
Ich kam hinter meinem Schreibtisch hervor und baute mich vor ihm auf. Burton war massig und überragte mich um Haupteslänge, aber er entsprach nicht dem Klischee des Muskelmannes. Er war ruhig und besonnen, klug und vorsichtig. Hatte ich zu-mindest bis eben gedacht.
„Was war das für ein Auftritt, eben im Gleiter, Larry?“
Sein riesiger Adamsapfel hüpfte.
„Ich weiß es nicht, Sir.“
„Wie bitte?“
„Ich weiß es nicht. Es... äh... es überkam mich einfach, es...“ Er wurde tatsächlich rot. „Ich verstehe es selbst nicht, Sir.“
„Hier kommt keiner raus?“
„Sir...“
„Du wirst hier für immer versauern?“
„Es... ich...“
„Und was, beim Teufel, ist ein Bionic-Squad?“
„Nun, Sir, wir sind doch...“
„Ja?“
„...verändert, und...“
„...deshalb geben Sie uns einen neuen, dämlichen Namen?“
„Sir, ich kann es mir auch nicht erklären.“
„Wie soll ich das verstehen, Larry?“
„Ich verstehe es selbst nicht, Sir.“
„Kommt es öfter vor, in letzter Zeit, dass Sie etwas... überkommt?“
„Nein, Sir.“
Ich musterte ihn eine Weile, offenbar war ihm sein Auftritt selbst mehr als peinlich. Bionic-Squad. Schließlich winkte ich ihn hinaus.
„Ich betrachte die Sache als erledigt, Leutnant. Ich erwarte, daß sowas nicht wieder vorkommt. Gehen Sie auf Ihren Posten.“
„Ja Sir. Danke Sir.“
Er ging. Ich fühlte mich unendlich müde.

Sie kamen drei Tage später. Drei Gleiter, von denen zwei schon beim Anflug abge-schossen wurden. Ich sah mir die Aufzeichnung die der Satellit gemacht hatte in Rotfelds Operationsraum an. Ich konnte es nicht glauben.
„Sie haben uns einen Haufen Dilettanten geschickt, Sir?“
„Meinen Sie?“
„Nun ja...“
„Sehen Sie weiter.“
Der graue Schemen, der den Gleiter darstellte, setzte auf. Die Bildschirmansicht wechselte von einer dreidimensionalen Aufsicht im Winkeln in die zweidimensionale Vogelperspektive – der Satellit zeigte uns ein stilisiertes Bild. Aus dem Umriss des Gleiters quollen acht rote Punkte. Der erste verschwand sofort, die anderen näherten sich den Vorposten der Milizionäre. Wieder verschwanden zwei. Minen. Dann ein weiterer – die Selbstschussanlage.
Es war in wenigen Minuten vorüber. Keiner der Acht war auch nur in Schussweite des ersten Vorpostens gekommen. Ich begriff es nicht. Rotfeld sah mich von der Seite an.
„Und?“
„Was soll das, Sir? War das eine Übung?“
„Nein. Ist ihnen nichts aufgefallen?“
„Der erste war ziemlich schnell weg. Herzinfarkt?“
„Nein.“
Mir ging dieses Rätselspiel auf die Nerven. Ich beschloss, zu schweigen. Wie er-wartet hielt Rotfeld das nicht lange aus.
„Was sagt Ihnen der Name „Shadowsuit“, Oberst?“
„Nichts.“
„Das wundert mich nicht. Es ist eine völlig neue Entwicklung. Ein Kampfanzug der, wenn er aktiv ist, seinen Träger unsichtbar macht. Für jeden Sensor. Egal ob biolo-gisch, elektronisch, oder... bionisch.“
„Schön. Und Nummer Eins steckt in diesem Ding?“
„Es sieht so aus. Es gibt ihn eigentlich noch nicht, er war noch in der Testphase.“
„War?“
„Er wurde gestohlen.“
Ich seufzte. Warum nur hatte ich das Gefühl, das alles schon tausendmal erlebt und gehört zu haben? Ich war müde.
„Gestohlen?“
„Ja, leider. Aber immerhin, einen Vorteil haben wir.“
„Ja?“
„Er war noch in der Testphase, wie gesagt. Er verbraucht sehr viel Energie. Unser Freund wird ihn bald wieder aufladen müssen.“
„Aufladen. Womit?“
„Standardakkus. Er läuft mit Standardakkus.“
War das nicht klar gewesen? Ich nickte nur.
„Haben Sie ein Problem, Oberst?“
„Ich? Oh, nein, gar nicht. Ich dachte gerade, wie schön das zu dem Befehl von vor-letzter Woche passt.“
„Zu welchem Befehl?“
Ich schaffte es, mich zu beherrschen und rechnete mir das hoch an. „Zu dem Befehl, Sir, überall in der Festung kleine Depots mit Munition, Passwaycards und/oder Stan-dardakkus anzulegen. Für den Fall, für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass unse-re Einheiten bei der Verteidigung der Festung isoliert würden.“
„Oh, der Befehl.“
„Ja, Sir.“
„Tut mir leid, Oberst. Kam von ganz oben.“
Ich schwieg. Er auch. Aber nur kurz.
„Nun, McBain, worin sehen Sie die beste Chance für unsere Verteidigung?“
„Darin, dass er wirklich einen Herzinfarkt hatte.“ Ich verliess den Raum, damit ich keinen Schreikrampf bekam.

Selbstverständlich hatte er keinen Herzinfarkt gehabt. Er passierte die Milizionäre unbehelligt. Zweimal fasste der Satellit ihn kurz auf, offenbar schaltete er seine Tar-nung ab, um die Akkus zu schonen. Aber die Amateure, die ich draußen hatte, waren nicht in der Lage, schnell genug zu reagieren. Hätte ich auch nur einen der Kampfro-boter einsetzen dürfen... was soll’s. Er kam ins Gebäude, und dort konnte der Satellit ihn nicht mehr orten. Die Sensoren erfassten ihn hin und wieder, aber er war gut. Er entwischte ihnen schnell und nutzte geschickt die toten Winkel aus, die ich nicht hatte beseitigen dürfen. Ich saß in meinem Büro, das Kommgerät in meinem Kopf aufgeschaltet, gab meine Befehle, aber er war mir immer einen oder zwei Schritte voraus. Ich konnte seinen Weg zunächst nur verfolgen, indem ich die unidentifizier-ten Passwaynutzungen verfolgte. Er hatte offensichtlich eines unserer Depots gefun-den.

Ja, er war gut, ein erstklassiger Profi offenbar. Er passierte die reguläre Besatzung fast unbemerkt, allerdings tötete er drei der Männer unterwegs. Die armen Kerle hatten nie eine Chance, den ersten erledigte er mit einem Schuss aus weiter Distanz. die anderen beiden mit einer Gasgranate. Die stammte aus einem unserer Depots. Es war zum Heulen.
Allerdings schien er so etwas wie ein Gewissen zu haben – was mich wunderte, es passte nicht zu der Profi-These. Aber während von den Wachmännern nur die um-gebracht hatte, an denen er sonst nie und nimmer vorbei gekommen wäre, kannte er bei den Robotern kein Pardon. Eine Spur von zerfetztem Stahl und sauteurer Elek-tronik pflasterte seinen Weg, er wollte offenbar ganz auf Nummer sicher gehen. Ei-nen Robot nach dem anderen verwandelte er in Schrott. Immerhin konnte ich so sei-nen Weg recht gut verfolgen und vorhersehen, und ich schickte ihm mein bestes Stück in den Weg – einen Killemall Mercyless 88a. Das Ding schob sich ihm in den Weg, gerade als seinem Anzug die Energie ausging. Vermutlich begriff er nie, was ihn erwischte.

... kannte er bei den Robotern kein Pardon. Eine Spur von zerfetztem Stahl und sauteurer Elektronik pflasterte seinen Weg, er wollte offenbar ganz auf Nummer si-cher gehen. Einen Robot nach dem anderen verwandelte er in Schrott. Immerhin konnte ich so seinen Weg recht gut verfolgen und vorhersehen, und ich schickte ihm mein bestes Stück in den Weg – einen Killemall Mercyless 88a. Die Sensoren er-fassten ihn kurz, als er den Akku wechselte, dann war er wieder verschwunden. Dennoch machte der Killemall seine Sache gut. Der Robot berechnete den Weg sei-nes Feindes aus den Angriffsmustern und schickte im richtigen Moment einen EMP Impuls und legte so die Tarnung lahm. Der Rest war kurz, gemein und unappetitlich.

... erfassten ihn kurz, als er den Akku wechselte, dann war er wieder verschwunden. Dennoch machte der Killemall seine Sache unter den gegeben Bedingungen nicht schlecht. Der Robot berechnete den Weg seines Feindes aus den Angriffsmustern und schickte hin und EMP Impulse los, um die Tarnung lahm zu legen. Unser Ein-dringling hatte aber offenbar irgendeine Konterwaffe – die EMPs verpufften wir-kungslos. Es dauerte vier Minuten, dann erwischte eine von diesen kleinen, gemei-nen Mehrfachhohlladungen meinen schönen, teuren Robot, und die sich öffnende Tür war vorerst das Letzte, was ich von meinem Gegner sah.

Dann hätten wir ihn fast erwischt. Ich hatte hilflos beobachtet, wie er einen Cyborg nach dem anderen ausschaltete und schon fast aufgegeben, als ihm der Saft aus-ging. Plötzlich war er da, von zwei Sensoren gleichzeitig erfasst, bei dem Versuch, in dem Gängegewirr vor dem Gefangenentrakt einen Weg zu finden. Er irrte wie kopflos herum, wandte sich hierhin und dorthin und leuchtete auf meinen Monitoren wie ein ganzes Feuerwerk. Er hatte mir nur noch drei Cyborgs gelassen, aber das waren drei der allerneuesten Prototypen: Tyrant RE 4000. Und die ließ ich jetzt auf ihn los.

Habe ich erwähnt, dass er gut war? Der erste Tyrant kam gar nicht an ihn heran, er hatte sich mit einer Annäherungsmine geschützt. Den zweiten erledigte er aus einem Luftschacht heraus, in den er sich verkrochen hatte. Sein Meisterstück aber lieferte er bei dem Dritten ab. Er sprengte ihm mit einer genau gezielten Minigranate den Oberkörper weg, näherte sich dann seelenruhig dem zuckenden Rest, öffnete die Klappe in der Fußsohle, nahm den Akku heraus – und verschwand. Kurz darauf pas-sierte er die letzte Tür vor dem Gefangenentrakt.

Ich wußte nun, mit wem ich es zu tun hatte, die Sensoren hatten ihn identifizieren können. Sein Name war Chris Mason. Ex-Polizist, Ex-Geheimagent, Ex-Söldner, Ex-Alles. Irgendwann hatte er die Seite gewechselt und arbeitete nun für den Wider-stand. Für Freemans Leute.

Jetzt war es soweit. Ich rief Burton, der kurz darauf in meinem Büro stand.
„Sir?“
„Haben Sie die ganze Sache verfolgt?“
„Sicher, Sir.“
„Er wird zu Freeman gehen. Wir teilen die Gruppe. Sie nehmen Plissken, Croft und Yagu und fangen ihn vor der Zelle ab. Wenn das schief geht, warte ich mit Whesker, Valentine und Denton vor dem Westblock. Da muss er durch.“
„Sir – darf ich einen Vorschlag machen?“
„Bitte.“
„Lassen Sie mich mit Whesker und Denton vor den Westblock, teilen Sie Valentine den Zellen zu. Yagu kann dort das Kommando übernehmen. Sie, Sir, erwarten Mason beim Heliport – wenn alle Stricke reißen.“
Ich überlegte kurz.
„Gut.“

Das war vor etwa einer Stunde. Ich stehe in einem kleinen Verschlag oberhalb des Landedecks, von hier aus habe ich einen guten Blick auf den ganzen Heliport. Hier oben ist es schön ruhig, nur der Sturm, der ewige Sturm rüttelt an den Wänden mei-nes Verschlages. Es kann jetzt nicht mehr lange dauern.

Meine Leute sind alle tot. Unter mir tobt das Chaos. Die Mobile Infanterie ist gelandet und liefert sich in der Festung eine Schlacht mit den Häftlingen, die Mason befreit hat. Die Soldaten werden gewinnen, aber das ist egal, bis dahin sind Denton und Oberon Freeman längst über alle Berge. Wenn ich sie nicht aufhalte.
Der Fluchtheli ist eben gelandet, es ist eine Transport-Kampf-Einheit. Das bedeutet, ich kann ihn nicht zerstören, er würde sich verteidigen und mich schneller erledigen als ich ihn, mit den spärlichen Mitteln, die ich hier habe.
Unten öffnet sich eine Tür. Ich schiebe mich langsam aus der Tür, hebe das Gewehr und blicke durch die Zieloptik. Freeman zuerst. Sollte es so einfach sein?

McBain legt an und schießt. Freeman ist sofort tot.

Unten öffnet sich eine Tür. Ich schiebe mich langsam aus der Tür, hebe das Gewehr und blicke durch die Zieloptik. Freeman zuerst. Sollte es so einfach sein?
Selbstverständlich nicht. Denton scheint zu ahnen, was auf ihn zu kommt, vielleicht hat er mich auch gesehen. Er stößt Freeman zur Seite, mein Schuss geht ins Leere. Er hebt seine Waffe, schießt, verfehlt mich. Ich reagiere zu schnell für ihn. Ich sprin-ge hinunter auf das Landedeck -–so ein bionischer Körper kann sehr praktisch sein. Er versucht mich zu erwischen, aber ich bin zu schnell für ihn. Als seine Munition aufgebraucht ist, habe ich leichtes Spiel. Er zieht sein Messer – es ist das letzte, das er tut.

Nachdem Denton tot ist, sucht McBain Freeman nur kurz. Er findet ihn und bringt ihn zurück in die Festung, wo die Mobile Infanterie gerade die letzten Häftlinge zusam-mentreibt.

Unten öffnet sich eine Tür. Ich schiebe mich langsam aus der Tür, hebe das Gewehr und blicke durch die Zieloptik. Freeman zuerst. Sollte es so einfach sein?
Selbstverständlich nicht. Denton scheint zu ahnen, was auf ihn zu kommt, vielleicht hat er mich auch gesehen. Er stößt Freeman zur Seite – und ist verschwunden. Mein Schuss geht ins Leere. Ich brauche einen Moment um zu begreifen, was passiert ist. Mason, der seinen letzten Akku während des Kampfes mit Leutnant Burton aufge-braucht hatte, hat das letzte Depot gefunden, direkt unter dem Heliport. Ich weiss, dass ich jetzt chancenlos bin. Vielleicht, wenn ich...

Mc Bain wird getroffen, direkt in die Brust. Der Treffer wirft ihn gegen eine Wand, an der er herunterrutscht wie einer seiner zerstörten Roboter. Wie im Traum sieht er den Heli mit Denton und Freeman abheben, dann plötzlich Worte am Himmel, die den ganzen Horizont füllen, Buchstaben ziehen vorüber, so schnell, dass sein schwin-dender Geist sie nicht erfassen kann. Dann stehen die Buchstaben still. Die Welt verschwindet Und das letzte, Oberst Tyler McBain sieht, bevor er stirbt, ist eine Schrift vor schwarzem Nichts:



FREE MAN 2 – THE BIONIC SQUAD

Final Score: B++
Enemies killed: 32
Items found: 51
Saves: 3

Total Time: 8 hours, 11 minutes, 42 seconds

Save data?
Yes
No
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razorback
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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon razorback » 18.01.2004, 17:55

Ohhhh - grosser Fehler. :-o Aber der macht das Preisauschreiben spannender. Einer der Nachnamen (na, ich will mal nicht so sein - es ist der Nachname "Plissken") stammt nicht aus einem Spiel, sondern einem Film. Hier ist der Film zu finden!

Ach ja - und einen ZUSÄTZLICHEN SONDERPREIS bekommt der oder diejenige, der oder die mir sagt, welche Art von Verwechslung mich dazu gebracht hat, den falschen Namen einzusetzen, mit welchem Spiel diese Verwechslung zu tun hat und welchen Namen ich wirklich hätte einsetzen müssen. ;-)
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Auf Eulen Schwingen
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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon Auf Eulen Schwingen » 18.01.2004, 19:39

Hm, hab mich bisher nur zu Carpenters "Klapperschlange" durchgerungen.
aes
(auf!eulen schwingen)

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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon gelbsucht » 18.01.2004, 21:50

Hm, war nie so ein Konsolenspieler und bin auch kein RTL-2-Action-Film-Fan, weswegen deine Story ein bisschen an mir vorbeilief. Bin eher der PC-Strategie-Zocker, wo auch schon mal ein paar Stunden drauf gehen können (oder Tage). Ähm, aber Croft, da klingelt selbst bei mir was! Ist das nicht diese hochbusige und viel Schenkel zeigende Devotemännerphantasie aus Tomb Raider: Lara C.?

Also die Story ist (aus meiner Sicht) vor allem etwas langatmig. Mir fehlt die richtige Spannung. Was ich ziemlich cool finde, ist vor allem das Ende und die Wiederholungen. Allerdings bin ich noch nicht hinter den Sinn der Wiederholungen gestiegen. Ist das ein gebranntes Game und die CD hüpft, oder wie? Oder sind das Brüche im Raum-Zeit-Gefüge? Action-Déjà-vus? Oder, ach jetzt weiß ich's! Lass mich raten, das ist der Punkt, an dem man abspeichert und neu anfängt, wenn man frühzeitig "game over" geht?
Es schneite. Wie immer. Hier schneite es immer und ich fragte mich stets, wie es kam, dass wir nicht einfach alle im Schnee begraben wurden, ich, der Direktor, die Gefangenen, das ganze beschissene Gefängnis, der ganze verdammte Planet. Aber irgendwie schien die Schneedecke nie wirklich zu wachsen. Spuren wurden mit der Zeit verdeckt und verweht, aber die Felsspitzen standen immer unbedeckt und schwarz in den gleichförmig grauen Himmel. Und niemals hatte ich gesehen, daß einer der Milizionäre das Tor freigeschaufelt hätte. Oder die Wege im Vorhof. Immer fiel der Schnee, aber es war, als verschwände er einfach im Nichts, wenn er den Boden berührte und eins mit der weißen Decke wurde.

Die Unlogik der programmierten Wirklichkeit. Gut beobachtet! So eine Stelle zeigt, dass dein Text durchaus nicht nur oberflächlicher Action ist, sondern auch Verarsche. Find ich gut. Muss den Text noch einmal etwas gründlicher lesen, war dann gestern abend wohl doch nicht mehr in der Lage, mich richtig darauf zu konzentrieren und bin's jetzt wohl auch noch nicht.

;-) gelb :-)
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)

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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon gelbsucht » 18.01.2004, 23:44

Anscheinend ist mir langweilig ... :-D Aber so ein Buch Razorback's Wahl ist natürlich auch ein enomer Anreiz.

Rotfeld = Redfield = Resident Evil
Tyler = Silent Hill, Endgame, X-Men 2, Fight Club ???
Burton = Resident Evil
Plissken = John Carpenters Snake Plissken
Croft = Tomb Raider
Yagu = Outcast oder Double Dragon III oder Final Fantasy oder Samurais Destiny oder Iron Soldier 3 ???
Whesker = Wesker = Resident Evil
Valentine = Resident Evil
Denton = Deus Ex
Mason = Silent Hill

Wie nah bin ich dran?

Aber Tyler und Yagu (Jagu) sind Allerweltsnamen, da bräuchte man eben noch einen Tipp!?

;-) gelb :-)
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)

razorback
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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon razorback » 19.01.2004, 12:57

gelb...
Das ist ein Preisausschreiben...
Mit Verlosung bei mehreren richtigen Antworten...
Du erhöhst Deine Chancen nicht, wenn Du die Antworten veröffentlichst...

Ich meine, mir ist's ja egal, ich vergebe einen Preis, mehr nicht (doch, evtl. noch die Sonderpreise) :-D :-p :-D

Tyler ist ein Vorname, muss also nicht erraten werden. Vermutlich habe ich ihn wirklich, eher unbewusst, aus Fight Club genommen, ich hatte den Film gerade wieder gesehen, kurz bevor ich die Geschichte schrieb.

Kleinervogel sagte, ich solle einen Einsendeschluss für die Antworten angeben... hm... sagen wir: 29.02.

Bin eher der PC-Strategie-Zocker, wo auch schon mal ein paar Stunden drauf gehen können (oder Tage).


Interessant - ich auch. Aber eben nur auf dem Computer, an der Konsole bin ich bekennender Actionadventurefreak. Wobei - seit ich Kinder habe, kann ich so Dinge wie Resident Evil oder Silent Hill schlecht nachmittags spielen, da geht die Konsolenzeit zwangsläufig stark zurück. Dagegen - so ein Sonntag am Computer, mit "Hearts of Iron", das ist immer noch drin.

Allerdings bin ich noch nicht hinter den Sinn der Wiederholungen gestiegen. Ist das ein gebranntes Game und die CD hüpft, oder wie? Oder sind das Brüche im Raum-Zeit-Gefüge? Action-Déjà-vus? Oder, ach jetzt weiß ich's! Lass mich raten, das ist der Punkt, an dem man abspeichert und neu anfängt, wenn man frühzeitig "game over" geht?


Du bist ziemlich nah dran. Mein LI ist nicht die Figur, die der Spieler steuert, er ist der sogenannte "Endgegner". Der Spieler scheitert mehrmals während des Spiels - wie also erlebt das eine Figur, die nur im Spiel, ohne Verbindung zur Aussenwelt (die die gesteuerte Spielerfigur ja hat) existiert? Es kann eigentlich nur ein völliger Bruch in der subjektiven Realität sein.

So eine Stelle zeigt, dass dein Text durchaus nicht nur oberflächlicher Action ist, sondern auch Verarsche.


Aber Hallo! :-))
Ich stelle an ein Konsolenspiel ähnliche Anforderungen wie an phantastische Literatur. Selbstverständlich mit Abstrichen, ich sehe ein, dass wenn Logik und Spielspass kollidieren, bei einem Spiel der Spielspass wichtiger ist. Trotzdem ärgern mich manchmal Kleinigkleiten - vor allem, wenn sie unnötig sind. Sowohl die Autoren von "Silent Hill" als auch die von "Resident Evil" haben sich zum Beispiel stets bemüht, eine logische Erklärung dafür zu finden, dass überall Waffen und andere nützliche Dinge herumliegen, oder diese Dinge an logischen Orten versteckt (Waffen in Polizeistationen, Medikamente in Sanitätsräumen etc.). Wenn die das können sehe ich nicht ein, das andere Spiele für sowas gar keine oder fadenscheinige Erklärungen liefern. In dem (fiktiven) Spiel, dass ich hier schildere, ist es offenbar anders. Die Spieleautoren haben sich nicht viel Mühe gegeben und alles damit begründet, dass die Besatzung der Festung unsinnige Befehle "von oben" bekommt. Ebenso das Wetter. Die Wetter und Horizontprobleme wurden etwa im ersten "Silent Hill" Spiel legendär logisch und stimmungsvoll durch immerwährenden Nebel gelöst. Aber es gibt eben auch andere Spiele - da fällt immer Schnee oder Regen, aber nichts wird zugedeckt oder nass.

Ein Forum über Computer- oder Konsolenspiele wäre mal interessant, aber nicht hier, glaube ich. Soviel Spass das Zocken macht, und auch wenn gute Spiele durchaus eine Kunstform sein können - irgendwie ist das doch was anderes... ;-)
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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon Spiderman » 20.01.2004, 15:17

Okay razorman,

eigentlich wollte ich gestern schon was zu dem Text schreiben. Allerdings hatte ich da noch zu tun: musste den georgischen Präsidentenpalast infiltrieren, den Auslöseknopf einer bereits nach Amerika gebrachten schmutzigen Atombombe sicherstellen und den ehemaligen georgischen Präsidenten töten!

Vom Grundkonzept, den vielen kleinen Ideen und der sprachlichen Gestaltung her finde ich den Text ziemlich gut. Dass ich mit dem Text was anfangen kann, liegt sicherlich auch daran, dass ich selber gerne an der Konsole Action-Adventures durchzocke. Allerdings finde ich Deinen Text auch ziemlich schwierig und sperrig. Beim Zuhören und Selberlesen hatte ich große Probleme, gut mitzukommen und zu registrieren, über was die da eigentlich reden, um was es da geht. Vieles macht natürlich erst mit der Auflösung Sinn. Allerdings leidet unter den vielen Fragezeichen beim Lesen der Spannungsbogen. Vielleicht läßt sich der Text vereinfachen?

Gruß

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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon razorback » 20.01.2004, 15:36

Hmmm...

Deine Kritik entspricht vermutlich dem, was gelb mit "langatmig" meinte. Ich werde mal sehen, was sich machen lässt. Habt Ihr Vorschläge, wo ich mich kürzer fassen könnte oder sollte?
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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon Susanne » 21.01.2004, 21:42

Hi,

also ein wenig langatmig finde ich Deinen Text mitunter auch. Der viele Schnee, Schnee, Schnee, erinnert mich irgendwie an meine derzeitige Situation in Bayern. :-D Er kotzt mich auch langsam an...

Aber ernsthaft:
Der Schluss Deines Textes ist einfach super klasse. Beim Lesen gab es so diverse Fragezeichen. Z.B. Warum muss keiner jemals Schnee schaufeln, wenn es doch ununterbrochen schneit? Für mich war der Schluss wirklich das Kriterium, dass den Text für mich zum Positiven hin rumgerissen hat.

Deine Dialoge gefallen mir auch sehr gut. Da werde ich mir etwas von abgucken, wenn ich darf.

Kürzer fassen könntest Du Dich ganz sicher:

Nach meiner Meinung, und nur, weil Du konkret danach gefragt hast, streiche ich mal nach Herzenslust in Deinem Text rum. ;-)

Wahrscheinlich hast Du mit den Absatzwiederholungen einen ganz bestimmten Zweck verfolgt: Dennoch ist es genau das, was den Text für mich zum Teil langatmig macht.

Ich würde folgendes kürzer formulieren, bzw weglassen:

"Ich sah meine Felle schwimmen. Mir war klar, daß er keine Änderung an dem Plan erlauben würde. Erlauben durfte, ich will fair bleiben. Dennoch machte ich einen weiteren verzweifelten Versuch. Ich zog das größte Stück Papier, einen Plan der Fe-stung, aus der Kladde und breitete ihn aus. Er war so groß, daß er über den Schreib-tisch des Direktors hinausragte."

"Oder die Wege im Vorhof. Immer fiel der Schnee, aber es war, als verschwände er einfach im Nichts, wenn er den Bo-den berührte und eins mit der weißen Decke wurde.
Andererseits – war das mein Problem? Ich war Soldat, kein Metereologe."

"Was für ein jämmerlicher, kalter Scheißplanet. Ich wußte nicht, wie lange ich von zu Hause fort war, ich wußte nicht einmal, wie lange ich schon hier war. Der Schnee erstickte die Zeit, die Dämmerung tötete sie, es war alles ein endlos dahinschleichendes, ewiges Nichts, ein einziger, endloser, monoto-ner Moment. Die Bilder auf meinem Schreibtisch, meine Frau, meine Eltern, die Di-plome und Auszeichnungen an der Wand, sie waren nichts mehr als Dekoration, Fassade, damit der Raum bewohnt aussah. Ich war in die Mitte des Nichts geraten, einen Ort, der keine Verbindung zu Raum und Zeit mehr hatte. Abgesehen von Oberon Freeman, der von außen gekommen war. Es klopfte an der Tür. Ich nickte. Burton hatte das offenbar durch die Milchglasscheibe erkannt, denn er betrat das Büro. "

"... kannte er bei den Robotern kein Pardon. Eine Spur von zerfetztem Stahl und sauteurer Elektronik pflasterte seinen Weg, er wollte offenbar ganz auf Nummer si-cher gehen. Einen Robot nach dem anderen verwandelte er in Schrott. Immerhin konnte ich so seinen Weg recht gut verfolgen und vorhersehen, und ich schickte ihm mein bestes Stück in den Weg – einen Killemall Mercyless 88a."

Wieso das zweimal????? Und auch den Absatz danach? Braucht es das wirklich?

"Unten öffnet sich eine Tür. Ich schiebe mich langsam aus der Tür, hebe das Gewehr und blicke durch die Zieloptik. Freeman zuerst. Sollte es so einfach sein?
Selbstverständlich nicht. Denton scheint zu ahnen, was auf ihn zu kommt, vielleicht hat er mich auch gesehen. Er stößt Freeman zur Seite – und ist verschwunden. Mein Schuss geht ins Leere. Ich brauche einen Moment um zu begreifen, was passiert ist. Mason, der seinen letzten Akku während des Kampfes mit Leutnant Burton aufge-braucht hatte, hat das letzte Depot gefunden, direkt unter dem Heliport. Ich weiss, dass ich jetzt chancenlos bin. Vielleicht, wenn ich..."

***

Am Rätsel kann ich leider nicht teilnehmen. Da habe ich überhaupt keine Ahnung von.
:-)

Cooler Text, Razor!
Gruss,
Susanne

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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon razorback » 21.01.2004, 21:54

Danke für die Kürzvorschläge. Ein paar davon finde ich sehr hilfreich. Allerdings:

Wieso das zweimal????? Und auch den Absatz danach? Braucht es das wirklich?


Ja klar braucht es das. Es macht eigentlich den Kern der Geschichte aus. McBain ist Charakter eines Konsolenspiels und die Frage ist eben - wie erlebt eine solcher Charakter die typische Situation, dass seine Realität sich wiederholt, weil der Spieler einen Teil des Spiels neu spielt (da seine Figur "gestorben" ist).

Nochmal danke! Dafür verzichte ich auf die Zitronen in kleinen Schweinen und gebe Dir den Schirm so zurück. :-D
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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon Susanne » 21.01.2004, 22:21

Das war mir schon klar. Das mit den Wiederholungen - (nicht mit dem Schirm.) :-D

Ich finde trotzdem, dass es nicht unbedingt sein muss, damit man die Geschichte versteht.

So!

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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon charis » 21.01.2004, 23:26

boah, razorback,jetzt hab ich mich echt bemüht, deine geschichte zu lesen, denn so oft gibts ja von dir nicht neue texte, aber es tut mir echt leid, ich kann dazu eigentlich überhaupt nichts sagen, ausser dass mich das thema sowas von null interessiert und dass ich noch nie im meinem leben ein konsolenspiel oder pc game dieser art gespielt hab.
ich weiß nicht, was ein bionic ist und auch die ganzen kampfdinger kann ich mir nicht vorstellen. (kenne nur diese lego-bionicles, und das auch nur weil mein sohn sich eins zu weihnachten wünschte,und ich habs eben gekauft, ohne zu wissen, was das eigentlich darstellen soll...)
die worte prallen quasi an mir ab.
der text wäre aber auch, wenn er nun damit nicht in zusammenhang stünde, für mich nicht sehr interessant, weil ich ihn nicht spannend gefunden habe, es passiert ja nichts, ausser dass sich irgendwelche mutierten figuren gegenseitig niederknallen. und vor allem die vielen verschiedenen namen haben mich irritiert, z.b. diese aufteilung wer mit wem wohin geht und dann doch anders, wozu denn das?

sorry, bin wohl auch nicht dein zielpublikum, wollte mich aber dennoch zu wort melden... :-|

charis

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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon razorback » 22.01.2004, 01:11

Hi Charis!

nee, so leicht lasse ich mich aus der Nummer nicht raus - charis ist nicht mein Zielpublikum, also was kümmert mich ihre Kritik. Immerhin konnten Dich weder die Geschichte, noch die darin vorkommenden Figuren fesseln. Das muss ich mir an die Kappe stecken.

Für Alle:

Also, mein Fazit aus den Kritiken:

Diese Geschichte ist noch nicht gut genug, sie muss überarbeitet werden. Dass sie es wert ist entnehme ich mal der Tatsache, dass sie Silentium am Samstag entfernt an Philip K. Dick erinnert hat. Wenn ich sowas mit einer offensichtlich unvollkommenen Geschichte schaffe - dann ist sie die Mühe wert.

Es ging mir beim Schreiben nicht in erster Linie um Konsolenspiele. Ich wollte mal ein wenig mit dem typisch dick'schen Thema "Meine Realität ist nicht das, was ich dafür halte" spielen. Das ist schon lange auch eines meiner zentralen Themen, hier aber ging es wirklich nur um ein Experiment. Ich habe eine Gegenwelt genommen, die ich recht gut kenne - eben die der Konsolenspiele - und versucht, dass Thema entsprechend umzusetzen. Offensichtlich ist mir das nur teilweise gelungen. Aber dafür sind Versuche und Experimente ja da - um zu lernen. Also entschuldigt Euch nicht dauernd, wenn Ihr mich kritisiert - ich kann damit leben. ;-)
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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon charis » 22.01.2004, 11:39

Also entschuldigt Euch nicht dauernd, wenn Ihr mich kritisiert - ich kann damit leben. ;-)


ok razorback, dann fällt mir doch glatt noch was ein, dass ich vergessen hatte:

das wort KLADDE!!!!! uaaahhhh!!! hört sich für mich nach entsetzlichem piefkinesisch an - verzeih den ausdruck - und ich habe keine ahnung, was das sein soll... sowas wie ein ordner? eine mappe? lade? kartoffelsack? :-D
ich meine, vielleicht irre ich mich ja und dieser ausdruck gehört zur hochdeutschen sprache. aber wenn nicht, dann hat er in einer story mit angloamerikanischen eigennamen nichts verloren.


yours

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Re: 8 Stunden undsoweiter

Beitragvon Flocke » 22.01.2004, 11:41

Hallo, razor.

Jetzt will ich auch mal meinen Senf dazugeben, auch wenn ich nicht so die Prosa-Kritikerin bin. :-&

Lese sehr gern SF und bekenne mich auch in Ansätzen zu Action-SF in Form von Snake Plissken, Running Man, X-Men, weniger zu Resident Evil etc. Mein Mann spielt so was häufig am PC und ich kann diesen Spielen eher wenig abgewinnen, wohl, weil mir allein vom längeren Zuschauen übel wird (muß wohl an den modernen 3D-Animationen liegen, wo mich die Perspektiven einfach verwirren...) :-|

Aber nichts desto trotz hat mir die Geschichte gefallen, habe eigentlich erst zum Schluß richtig realisiert, dass es ein Computerspiel sein soll. Also die Idee ist wirklich gut, mal was völlig anderes, eine Geschichte auf Basis eines Spiels zu machen. Meist kommen ja nur Comics oder dröge Action-Filme bei raus (mit Ausnahmen)
Auch mit den Brüchen zwischen drin und den verschiedenen Optionen, wie es dann weitergeht, kam ich gut zurecht.

In diesem Sinne grüßt
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...


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