Anfangen ist wie Schlafengehen, wenn man mit noch offenen Augen, zu Tode müde, sich niederlegt und die Schäfchen über wüste Gedankenwiesen am Deich jagt, hinter dem die Nordsee ruht wie geschmolzenes Regenwetter. Und die Flut steigt, sie brandet an die Lider, gurgelt in den Ohren, spült erste Bilder an, die machen, was sie wollen. Fische sind die Träume, und glücklich bist du, wenn du einen fängst und braten kannst in deinem Tagebuch. Die Seesterne hingegen bleiben auf dem Grund, sie fängst du nie, sie haben bisher auch alles überlebt, auch die Dünnsäureeinleitungen jeder Psychotherapie: Anfangen ist wie Einschlafen und Ertrinken in Bildern.
Anfangen! Wie wäre es mit einem wahren Satz?
Ich finde schon, dass es mit einem wahren Satz anfangen sollte. Auch ein Schachspiel beginnt mit dem ersten wahren Zug. Wenn es noch nichts um den Bauern herum gibt, ist alles wahr. Schwarz-weiß kariertes Wahr, später schwarz-weiß kariertes Haar.
Aber das ist so kein Anfangen, weil es ein Vorher gibt. Es gibt nie ein Anfangen, es gibt immer ein Davor. Die Unmöglichkeit des Anfangens begründete jede Grammatik, verflucht sind wir dazu, etwas anderes denken und sagen zu können als das, was heute ist. Immer ist heute. Aber es bleibt nicht so. Anfangen ist Betrug am Heute. Deswegen besser kein Anfangen, und deswegen also doch: anfangen. Auf die Welt gezogen werden und schreien, hinausschreien. Säuglinge und schreiende Kinder haben recht. Deswegen können Erwachsene Kindergeschrei so schlecht ertragen. Schreien, um Himmels Willen, und bis die Lungen platzen. Sich zum Tode brüllen vor Schmerz und Willnicht!. Willwillwillnicht. Und ich will auch kein Muss lernen. Und je wieder ein Müssen wollen!
...
Anfangen
Re: Anfangen
*allenmutzusammenraffundkommentarabgeb*
Ich find's außerordentlich beeindruckend, solneman, besonders der erste Abschnitt hat's mir angetan, das sind sehr schöne Bilder und passen auch gut.
Mit dem zweiten und dritten Teil tu ich mich noch ein bißchen schwer, muß ich wohl noch etwas drüber nachdenken.
Aber mit:
hast du völlig recht. Sehe ich ganz genauso. Meine Freundin amüsiert sich schon immer köstlich, wenn ich ihren beiden schreienden Babies genau das erzähle, so nach dem Motto: schrei dein ganzes kleines großes Elend raus, es hat dich schließlich keiner gefragt, ob du überhaupt auf die Welt willst...
)
Ehrfürchtige Grüße
Flocke
Ich find's außerordentlich beeindruckend, solneman, besonders der erste Abschnitt hat's mir angetan, das sind sehr schöne Bilder und passen auch gut.
Mit dem zweiten und dritten Teil tu ich mich noch ein bißchen schwer, muß ich wohl noch etwas drüber nachdenken.
Aber mit:
Säuglinge und schreiende Kinder haben recht. Deswegen können Erwachsene Kindergeschrei so schlecht ertragen. Schreien, um Himmels Willen, und bis die Lungen platzen. Sich zum Tode brüllen vor Schmerz und Willnicht!. Willwillwillnicht.
hast du völlig recht. Sehe ich ganz genauso. Meine Freundin amüsiert sich schon immer köstlich, wenn ich ihren beiden schreienden Babies genau das erzähle, so nach dem Motto: schrei dein ganzes kleines großes Elend raus, es hat dich schließlich keiner gefragt, ob du überhaupt auf die Welt willst...
Ehrfürchtige Grüße
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...
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