Den ganzen Tag über hatte ich schon eine gewisse Unruhe gespürt, die ich mir nicht erklären konnte.
Es fing damit an, daß mein achtjähriger Sohn Jakob, seine brandneuen Fußballschuhe auf den Tisch stellte. Ich fegte sie mit einer schnellen Geste auf den Boden und schrie ihm entgegen:
"Schuhe auf dem Tisch bringen Ärger!"
Als wir zum Fußballplatz gingen, lief uns eine schwarze Katze über den Weg. Schwarz, ich sah nur noch schwarz.
Seit gestern fütterte Jakob einen jungen Raben mit Rosinen auf dem Balkon. Jakob nannte ihn Rabi. Der kleine Kerl war ganz zutraulich und setzte sich sogar auf Jakobs Schulter.
Das Training begann. Ich setzte mich mit einem Weißweinschorle auf die Terasse und schaute zu. Am Himmel waren Gewitterwolken.
Das Training mußte ungefähr eine halbe Stunde im Gang sein, als plötzlich der kleine Rabe im Sturzflug über den Fußballplatz fegte. Er mußte uns gefolgt sein. Aber woher wußte er wohl, daß wir hier waren? Jakob rannte aus seinem Tor und versuchte seinen Rabi zu fangen. Der Rabe setzte sich tatsächlich auf die Stange hinter dem Tor. Jakob bot seinen Arm an. Der Rabe hopste auf seine Schulter. Amüsiert schaute ich zu. Das konnte doch nicht wahr sein! Da hatte doch tatsächlich mein Söhnchen einen Raben zahm gemacht und hatte keinerlei Angst. Innerlich platzte ich vor Stolz auf meinen Sohn.
Der Rabe störte nun das Training erheblich. Die anderen Kinder ängstigten sich vor dem kleinen Kerl, der immer wieder seine Sturzflüge machte. Der Trainer sagte:
"So geht es nicht weiter. Wir hören für heute auf."
In weiter Ferne hörte man ein Donnern
Als die Kinder in der Umkleidekabine waren, setzte Rabi seine Sturzflüge auf der Terrasse fort. Aus der Dachrinne pickte er sich eine alte Zigarette. Wie der Spatz von Ulm flog er in die Bäume.
Das Donnern kam näher.
Jakob kam frisch geduscht mit naßen Haaren aus der Umkleide. Er suchte Rabi. Der Vogel mußte ihn schon von weitem gesehen haben und hopste auf die Leitung, an der die Glühbirnen aufgehängt waren. Jakob hob seinen Finger und Rabi pickte mit seinem Schnabel. Jakob sagte laut und bestimmt:
"Aber Rabi, du wirst mich doch wohl nicht picken wollen?"
Der Vogel krächzte als Antwort.
Am Himmel jetzt Blitze. Es begann zu regnen.
Jakob bot seinen Arm an und Rabi hüpfte auf seine rechte Schulter. Jakob wandte seinen Kopf zu dem Raben, aber da passierte das Unerklärliche.
Rabi hackte mit seinem Schnabel in Jakobs rechtes Auge.