Die Zeit Die Reise
Heut nach gebor`n
Bursche aus altem Haus
Hüpft durchs Korn
Er zieht hinaus!
Ich zog aus; den Fackelsaturn über mir,
Samt so dunkel, Abendstern in weiter Hand.
Mich lockt der Auerhahn oder sonst ein Tier,
hinaus aus unserem so sandigen Land.
An spitzen Kanten vorbei im großen Tal,
um alsbald mein Gewicht hinaufzutragen;
durch Goldpfützen tief unter Bäumen, fast kahl,
die Nachtscheibe steht still in diesen Tagen.
Der Hausvater ist in die Luft gegangen,
hinter mir gingen recht schnell die Lichte an,
Suchende haben sich selbst nur eingefangen.
Ich höre schwaches Rufen, dann und wann.
Jene Veilchenkastanien duften schwach,
aus alter Senke ihre Fahnen hinauf.
Ich hielt oft die Zeit an unter ihrem Dach,
zählte Korken und Gedanken nur zu Hauf.
Auf halbem Berge steht ganz versunken
ein Lotterweib mit Axt plus Scheit auf Scheit,
ich hab mit ihr den Korn geteilt – getrunken,
sie sing laut an, ein Lied zum Abschied – sie schreit:
Ach mein Junge im Schnee
Ich füll dir dein Bündel, komm her
Doch nun geh zu – geh
Hast es nicht schwer
Ach mein Junge unter der Sonne
Nimm Brot und Käse noch
Und Wein sei dir süße Wonne
Nun! Verschwinde, verschwinde doch
Ich ecke kurz an schmalen Graten entlang,
schlage Knie mir und Bogen auf am Stein,
ein steter Zapfenwind schlägt mich bis ich schwank,
und Geröll stürzt viel gegen mein zweites Bein.
Frostbrüder schütten vielen Schnee weiß hinab,
mich fröstelt, die Schwefelhölzer gehen aus,
nicht weit liegen dort zehn Bergsteiger im Grab,
haben es nicht wärmer und aus Stein ein Haus.
Ich mache Ferien, ein paar Sekunden,
pflücke süße Quitten mir vom Gipfelbaum,
schneide vom Käse mehrfach dreizehn Runden,
und kann im Norden weit mein Ziel beschaun.
Auf der anderen Seite ein kleiner Sprung,
den Berg hinab und übers Meer geklettert,
die Küste rauf, in die Kornkammer mit Schwung,
in der Luft haben Gänse jetzt gewettert;
- aus dem FF:
Da läuft der neue Bauer
Drei Schafe und ein Hund
Wald, Weizen, Schauer
Auf braunem Ackergrund
Da läuft der junge Bauer
Schaut ihn an, schaut!
Kälte, Schnee, Schauer
Wie er schon ergraut!
copyright (c) C. Schwarz
Die Zeit Die Reise
Re: Die Zeit Die Reise
Surja, weißt du, was ich mir von dir mal wünschen würde: dass du mal das Sujet deiner Gedichte wechseln würdest - nicht aufgeben, sondern nur mal zwischendrin und abwechslungshalber. In deinen Gedichten altertümelt es häufiger mal (alte antike Vasen, Spelunken, die ans 17. Jahrhundert erinnern etc.), und auch die Tendenz zum altmodischen Sprachgebrauch, die ich mitunter sehr an deinen Gedichten schätze (ich erinnere mich sehr gern an diesen barocken Sound: izt und seyn
- das mag ich sehr). Aber durchbrich das trotzdem mal. Die Story mit der U-Bahn (oder war's ne S-Bahn?), ging schon in die Richtung, versuch mal was, dass etwas näher an unserem Leben dran ist - und an deinem!!! Etwas moderneres?! Ich hab nichts gegen den Retro-Sound, gegen die historische Kulisse, im Gegenteil, aber du hast dich da doch schon etwas dran abgearbeitet, dass ein deutlicher Bruch dir (und uns als Leser) mal gut tun würde.
Dies ist ein Wunsch, eine Bitte.
Davon abgesehen gefällt mir dieses Gedicht. Vor allem der Wechsel zwischen den Strophenformen - das Lied im Lied. Erinnert mich an deine "Kaschemme", die mir aber noch einen Tick besser gefallen hat, weil sie von der Stimmung noch was dichter und authentischer beschrieben war.
LG,
[) i r k
Dies ist ein Wunsch, eine Bitte.
Davon abgesehen gefällt mir dieses Gedicht. Vor allem der Wechsel zwischen den Strophenformen - das Lied im Lied. Erinnert mich an deine "Kaschemme", die mir aber noch einen Tick besser gefallen hat, weil sie von der Stimmung noch was dichter und authentischer beschrieben war.
LG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
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Surjaninov
- Klio
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- Registriert: 20.12.2003, 21:06
Re: Die Zeit Die Reise
Wo / Wann leben wir eigentlich?
Wenn`s Gedicht vor 100 Jahren so durchgekommen wäre, wäre ich froh.
Aber gut, du hast natürlich Recht, meine Themen, häufig ist das der Fall hätten vor hundert Jahren auch Themen sein können. Oder gar noch früher. Da "altertümelt" es in der Sprache schonmal. Obwohl ich dieses Wort nicht mag, weil es so sehr negativ klingt.
Tradition wäre ein anderes Wort.
Habe aber letzte Nacht einige Dings geschrieben die krass anders sind. Ob es uns gut tut??? Das steht auf einem anderen Blatt!
Auch bei dem Vergleich mit der Kaschemme muss ich dir rechtgeben. Sie ist ein Stück weit spontaner und technisch noch unvollkommener als dieses Gedicht. Das ist jedoch in dem Kaschemme-Fall besser für die Stimmung.
thanks
lg
Surja
Wenn`s Gedicht vor 100 Jahren so durchgekommen wäre, wäre ich froh.
Aber gut, du hast natürlich Recht, meine Themen, häufig ist das der Fall hätten vor hundert Jahren auch Themen sein können. Oder gar noch früher. Da "altertümelt" es in der Sprache schonmal. Obwohl ich dieses Wort nicht mag, weil es so sehr negativ klingt.
Tradition wäre ein anderes Wort.
Habe aber letzte Nacht einige Dings geschrieben die krass anders sind. Ob es uns gut tut??? Das steht auf einem anderen Blatt!
Auch bei dem Vergleich mit der Kaschemme muss ich dir rechtgeben. Sie ist ein Stück weit spontaner und technisch noch unvollkommener als dieses Gedicht. Das ist jedoch in dem Kaschemme-Fall besser für die Stimmung.
thanks
lg
Surja
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