Flasche

In diesem Forum kann sich jeder mit seinem Text der Kritik des Publikums stellen. Selbstverständlich auf eigene Gefahr ...
Fitnat
Prometheus
Beiträge: 358
Registriert: 25.02.2004, 17:06

Flasche

Beitragvon Fitnat » 18.08.2004, 16:11

Hallo Liebe Freunde,

Bitte um Überarbeitung :-& danach wie gesprochen poste ich sie mal in JL Forum ;-)


Flasche

Ich bin in einer tiefer Flasche drinnen.
Während ich tastend einer Ausgang suche, fühle ich das ich um meiner eigenen Achse drehe.
Draußen ist unscharf und Surreal. Als ob ich von einer Lupe durchschauen würde.
Von dem Seitenwende versuche ich klebend mich hoch zu ziehen... vergebens...

Es ist nicht das erstes mal das ich hin falle. Jedes mal vertieft sich der Flaschenboden noch weiter unten. Jedes mal ist sie noch dunkler.

Draußen mischt sich die Künstliche Farben ineinander. Erste mal denke ich aufzugeben.
Ich entschließe mich von der Stelle die ich umgefallen bin mich wieder aufzurichten.
Ich Atme nicht einmal. In der Flasche richt unerträglichenweiße nach mir.

Sitzend beginne ich außerhalb der Flasche zu betrachten. Als ob ich eine Theaterbühne aus der Kulisse betrachten würde.
Die Darsteller spielen ihre Rollen.
Manche spielen ihr eigenes Leben, manche das leben von einer anderen. Einige wiederum tun so als ob sie meine Rolle spielen versuchen würden, aber es gelingt ihnen nicht.

Ich will schreien, „das war meine Rolle!“ In Echo kehrt meine Stimme zu mir zurück.
Ich klammere mich hinter der Bühne an der Bühnenvorhang. Meine Vorstellungskraft bringt mich nicht all zu viel weiter.
Ich versuche so auszusehen und so zu tun, als ob ich meine auftritt warten würde. Ich bete den Herrn das meine Schminke sich nicht verwischt... Er hört mich nicht...
Meine Tränen färben meine Gesicht ab. Meine Wimpern, meine Augen, meine Nase, meine Lippen gleiten durchs mein Gesicht als Brei herunter.

Eine Stimme fragt mich, „sind sie noch nicht dran?“ „Gleich, gleich ist es so weit“ , will ich antworten, mit panische suche nach meiner Lippen in dem Breimatsch.

Ein dünner Lichtstrahl fließt in Flasche hinein, als ob irgend wo die Sonne aufgehen würde.
Jemand nahm die Flasche in der Hand und schüttelt sie heftig hin und her. Nach einiger Zeit stellt sie die Flasche neben den anderen Flaschen hin.

„Mein größter Wunsch war immer eine Taucher zu werden“ , sagt einer stimme aus einer der anderen Flaschen. „Deswegen bin auch hier, aber das Meer ist mittlerweile sehr weit zurück geblieben.“
Von draußen drängt Lärm hinein. Menschen verursachen Lärm während sie ihre Leben, leben.
Ihre Krach kommt sehr unerträglich.

In der Flasche herrscht ein dumpfes stille
Ich frage den Taucher, ob er jemals versucht hatte. „Klar habe ich“ antwortete er, „aber sieh doch meine Flasche hat keinen Boden mehr, ich fürchte mich sehr noch tiefer zu fallen.“

Plötzlich grölt von außen ein krachende lärm. Es war eine Flasche die zerbrach.
Aus der Scherben schreit einer heraus. Ich versuche hin zu schauen, aber ich sehe nichts.
Zwischen ineinander verwischten Farben grinst der rot krachend hervor. Was für eine rot! Gleicht das rot die Sonne, die sich während untergehen eintaucht.

„Meine Flasche, meine Flasche! Sie ist gebrochen!!!“ Schreit eine stimme. „Ich bin Frei, nun Frei!“ Der Taucher zuckt und versteckt sich in einer tiefer Ecke seiner Flasche.
„Ich hoffe meine Flasche ist stabil“, sagt er ängstigt ohne geringste Kenntnis von der Bunten Fische.

Plötzlich klopft einer mit der Faust gegen meine Flaschenwände. Es war der Freiheit der seiner Gesicht auf meinem Flasche hin klebte. Die Dimension der Freiheit, der durch die Lupe hineintritt sieht ungeheuerlich grotesk aus. Ich wand meine Blicke zurück, damit ich seiner Augen mit geplatztem Adern nicht sehe. Ich sage ihn, „bettle, wo anders, hier gibt’s nichts zu holen.“
Der Tür öffnet sich. Der Freiheit wird unter einer Springerstiefel zerquetscht.
„Sei Gott mit Dir du Wildes Tier.“

Meine Herzschläge, schlagen außer Takt wie einer Kapelle der sein Rittmuss noch nicht im griff hat. Während sie ihr -Offiziell Bürger Parade- hin marschiert...

Ich sehe mir die Öffnung der Flasche genauer an. Eigentlich, mit bisschen mühe könne ich es schaffen...
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"

F.A. "Tanz des Todes"

[) i r k
O livro Admin
Beiträge: 2920
Registriert: 19.01.2002, 21:41
Wohnort: Düsseldorf

Re: Flasche

Beitragvon [) i r k » 18.08.2004, 17:37

Hallo Fitnat,

ich habe mich mal an einer Überarbeitung versucht ... an einigen wenigen Stellen bin ich über die Rechtschreibkorrektur noch etwas hinaus gegangen und haben den Text auch stilistisch etwas verändert. Das lässt sich leider nicht immer so eindeutig voneinander trennen, z.B. bei der Überschrift würde ich den Artikel vorsetzen, das klingt noch etwas besser, finde ich.

Bevor du es im JL postest, warte aber noch, bis Razor oder jemand anderes noch einmal drübergeschaut hat.

MfG,
[) i r k



Die Flasche

Ich bin eingeschlossen in einer tiefen Flasche.
Während ich tastend nach einem Ausgang suche, merke ich, wie ich mich um meine eigene Achse drehe.
Draußen ist alles unscharf und surreal. Als würde ich durch eine Lupe schauen.
An den Seitenwänden klebend, versuche ich mich hochzuziehen... vergebens...

Es ist nicht das erstes Mal, dass ich hinfalle. Jedes mal vertieft sich der Flaschenboden noch weiter. Jedes mal ist sie noch dunkler.

Draußen mischen sich künstliche Farben ineinander. Zum ersten Mal denke ich daran, aufzugeben.
Ich entschließe mich, an der Stelle, wo ich umgefallen bin, mich wieder aufzurichten.
Ich atme nicht einmal. In der Flasche riecht es unerträglicher Weise nach mir.

Sitzend beginne ich, die Welt außerhalb der Flasche zu betrachten. Als ob ich eine Theaterbühne von der Kulisse aus betrachten würde.
Die Darsteller spielen ihre Rollen.
Manche spielen ihr eigenes Leben, manche das Leben von einem anderen. Einige wiederum tun so, als versuchten sie, meine Rolle zu spielen. Aber es gelingt ihnen nicht.

Ich will schreien: „Das ist meine Rolle!“ Als Echo kehrt meine Stimme zu mir zurück.
Ich klammere mich hinter der Bühne an den Bühnenvorhang. Meine Vorstellungskraft bringt mich nicht allzu weit.
Ich versuche so auszusehen und so zu tun, als ob ich auf meinen Auftritt warten würde. Ich bete zum Herrn, dass meine Schminke nicht verwischt... Er hört mich nicht...
Meine Tränen färben mein Gesicht ab. Meine Wimpern, meine Augen, meine Nase, meine Lippen gleiten an meinem Gesicht als Brei herunter.

Eine Stimme fragt mich: „Sind sie noch nicht dran?“ „Gleich, gleich ist es so weit!“, will ich antworten, und suche panisch nach meinen Lippen in dem Breimatsch.

Ein dünner Lichtstrahl fließt in die Flasche hinein, als ob irgendwo die Sonne aufgehen würde.
Jemand nimmt die Flasche in die Hand und schüttelt sie heftig hin und her. Nach einiger Zeit stellt er sie hin - neben die anderen Flaschen.

„Mein größter Wunsch war es immer, ein Taucher zu werden“ , sagt eine Stimme aus einer der anderen Flaschen. „Deswegen bin auch hier, aber das Meer ist mittlerweile sehr weit zurückgeblieben.“
Von draußen drängt Lärm hinein. Menschen verursachen Lärm, während sie ihre Leben leben.
Ihr Krach ist unerträglich.

In den Flaschen herrscht eine dumpfe Stille.
Ich frage den Taucher, ob er es jemals versucht hat. „Klar habe ich“, antwortet er, „aber sieh doch - meine Flasche hat keinen Boden mehr, ich fürchte mich sehr, noch tiefer zu fallen.“

Plötzlich brandet außen gegen das Glas ein krachender Lärm. Es war eine Flasche, die zerbrach.
Aus den Scherben schreit einer heraus. Ich versuche hinzuschauen, aber ich sehe nichts.
Zwischen ineinander verwischten Farben grinst es rot hervor. Und was für ein Rot! Gleich dem Rot, in das die Sonne eintaucht, wenn sie untergeht.

„Meine Flasche, meine Flasche! Sie ist gebrochen!!!“, schreit eine Stimme. „Ich bin frei, frei!“ Der Taucher zuckt und versteckt sich in einer tiefen Ecke seiner Flasche.
„Ich hoffe, meine Flasche ist stabil“, sagt er ängstlich. Er weiß nichts von den bunten Fischen.

Plötzlich klopft jemand mit der Faust gegen meine Flaschenwände. Es ist die Freiheit, deren Gesicht an meiner Flasche klebt. Die Dimensionen der Freiheit sehen ungeheuer grotesk aus. Ich wende meinen Blick ab, damit ich ihre Augen mit den geplatzten Adern nicht ertragen muss. Ich sage zu ihr: „Bettle woanders, hier gibt es nichts zu holen.“
Die Tür öffnet sich. Die Freiheit wird unter einem Springerstiefel zerquetscht.
„Sei Gott mit Dir, du wildes Tier.“

Mein Herzschlag ist aus dem Takt wie eine Kapelle, die den Rhythmus noch nicht im Griff hat. Während die Offizielle Bürger Parade schon losmarschiert...

Ich sehe mir die Öffnung der Flasche genauer an. Eigentlich - mit ein bisschen Mühe - könnte ich es schaffen...
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

Flocke
Kalliope
Beiträge: 970
Registriert: 12.12.2003, 16:53

Re: Flasche

Beitragvon Flocke » 18.08.2004, 23:04

Fitnat, es ist und bleibt ein genialer Text... Und Dirk hat sich der Überarbeitung ja schon angenommen. :-D

Daher nur kurz meine Lieblingsstellen/-bilder:

Meine Tränen färben mein Gesicht ab. Meine Wimpern, meine Augen, meine Nase, meine Lippen gleiten an meinem Gesicht als Brei herunter. <...>„Gleich, gleich ist es so weit!“, will ich antworten, und suche panisch nach meinen Lippen in dem Breimatsch.

„Mein größter Wunsch war es immer, ein Taucher zu werden“ , sagt eine Stimme aus einer der anderen Flaschen. „Deswegen bin auch hier, aber das Meer ist mittlerweile sehr weit zurückgeblieben.“
Von draußen drängt Lärm hinein. Menschen verursachen Lärm, während sie ihre Leben leben. Ihr Krach ist unerträglich.


Abendgruß
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...

razorback
Phantasos
Beiträge: 1983
Registriert: 10.09.2002, 20:36
Wohnort: Leverkusen
Kontaktdaten:

Re: Flasche

Beitragvon razorback » 19.08.2004, 00:14

Hallo Fitnat!

Hier meine Bearbeitung des Textes. Ich hatte ja schon auf dem Campingplatz gesagt, dass ich es für eine besondere Stärke Deines Textes halte, dass Deutsch nicht Deine Muttersprache ist. Dadurch ergeben sich Wortschöpfungen und Konstruktionen, die für das deutschgeübte Ohr zwar ungewohnt, aber dennoch nicht zwangsläufig falsch sind. In den meisten Fällen sind diese Neuschöpfungen - wie ich finde - ausgesprochen bereichernd. Ich bin also sehr behutsam an Deinen Text herangegangen und habe in Zweifelsfällen eher zu Gunsten des Originals, als für ein "glattes" Deutsch entschieden. Bei einem zumindest lyrikähnlichen, allegorischen Text halte ich das für legitim. An die Destina werde ich mit einem etwas anderen Ansatz gehen ;-)


Flasche

Ich bin in einer tiefer Flasche, drinnen (1).
Während ich tastend einen Ausgang suche, fühle ich, dass ich um meine eigene Achse drehe.
„Draußen“ ist unscharf und surreal. Als ob ich durch eine Lupe schauen würde.
An den Seitenwänden klebend, versuche ich, mich hoch zu ziehen... vergebens...

Es ist nicht das erstes Mal, dass ich hinfalle. Jedes Mal vertieft sich der Flaschenboden noch weiter, unten. Jedes Mal ist es noch dunkler.

Draußen mischen sich die künstliche Farben ineinander. Ersteinmal denke ich daran, aufzugeben. (2)
Ich entschließe mich, mich an der Stelle, an der ich umgefallen bin, wieder aufzurichten.
Ich atme nicht einmal. In der Flasche riecht es auf unerträgliche Weise nach mir.

Sitzend beginne ich, das Außerhalb der Flasche zu betrachten. Als ob ich eine Theaterbühne aus der Kulisse betrachten würde.
Die Darsteller spielen ihre Rollen.
Manche spielen ihr eigenes Leben, manche das Leben von einem Anderen. Einige wiederum tun so, als ob sie meine Rolle zu spielen versuchten, aber es gelingt ihnen nicht.

Ich will schreien: „Das war meine Rolle!“ Im Echo kehrt meine Stimme zu mir zurück.
Ich klammere mich hinter der Bühne an den Bühnenvorhang. Meine Vorstellungskraft bringt mich nicht allzuviel weiter.
Ich versuche, so auszusehen und so zu tun, als ob ich meinen Auftritt erwarten würde. Ich bete zum Herrn, dass meine Schminke nicht verwischt... Er hört mich nicht...
Meine Tränen färben meine Gesicht ab. (3) Meine Wimpern, meine Augen, meine Nase, meine Lippen gleiten durch mein Gesicht, als Brei herunter.

Eine Stimme fragt mich: „Sind sie noch nicht dran?“ „Gleich, gleich ist es so weit“, will ich antworten, suche panisch nach meinen Lippen, in dem Breimatsch.

Ein dünner Lichtstrahl fließt in Flasche hinein. Als ob irgendwo die Sonne aufgehen würde.
Jemand nimmt die Flasche in die Hand und schüttelt sie heftig hin und her. Nach einiger Zeit stellt sie (4) die Flasche neben die anderen Flaschen hin.

„Mein größter Wunsch war immer, ein Taucher zu werden“ , sagt eine Stimme aus einer der anderen Flaschen. „Deswegen bin auch hier, aber das Meer ist mittlerweile sehr weit zurück geblieben.“
Von draußen drängt Lärm hinein. Menschen verursachen Lärm, während sie ihre Leben leben.
Ihr Krach kommt (5) sehr unerträglich.

In der Flasche herrscht eine dumpfe Stille
Ich frage den Taucher, ob er es jemals versucht hat. „Klar, habe ich,“ antwortete er, „aber sieh doch, meine Flasche hat keinen Boden mehr, ich fürchte mich sehr, noch tiefer zu fallen.“

Plötzlich gellt (6) von Außen ein krachender Lärm. Es war eine Flasche, die zerbrach.
Aus den Scherben schreit einer heraus. Ich versuche, hin zu schauen, aber ich sehe nichts.
Zwischen ineinander verwischten Farben grinst Rot krachend hervor. Was für eine Rot! Gleich dem Rot der Sonne, die untergehend eintaucht.

„Meine Flasche, meine Flasche! Sie ist gebrochen (7)!!!“ schreit eine Stimme. „Ich bin frei, nun frei!“ Der Taucher zuckt und versteckt sich in einer tiefen Ecke seiner Flasche.
„Ich hoffe meine Flasche ist stabil“, sagt er ängstlich, ohne geringste Kenntnis von den bunten Fischen.

Plötzlich klopft einer mit der Faust gegen meine Flaschenwände. Es ist die Freiheit, die ihr Gesicht auf meine Flasche hin klebte. Die Dimension der Freiheit, die durch die Lupe eintritt, sieht ungeheuerlich grotesk aus. Ich wende meine Blicke, damit ich ihre Augen mit den geplatzten Adern nicht sehe. Ich sage ihr: „Bettle, wo anders, hier gibt’s nichts zu holen.“
Der Tür öffnet sich. Die Freiheit wird unter einem Springerstiefel zerquetscht.
„Sei Gott mit dir, du Wildes Tier.“

Meine Herzschläge schlagen außer Takt, wie eine Kapelle, die ihren Rhythmus noch nicht im Griff hat, während sie zur offiziellen Bürgerparade marschiert... (8)

Ich sehe mir die Öffnung der Flasche genauer an. Eigentlich, mit ein bißchen Mühe, könnte ich es schaffen...


(1) „In einer Flasche drinnen“ ist eigentlich nicht so gut, dennoch habe ich mich entschieden, das „drinnen“ drinnen zu lassen ;-) und es einfach durch die Kommasetzung zu betonen, da der Unterschied zwischen „drinnen“ und „draußen“ hier so wichtig ist.

(2) Im Original steht: „Erste mal denke ich aufzugeben“. Mir ist nicht klar, ob Du „Zum ersten Mal“ oder „ersteinmal“ (=zunächst) meinst.

(3) „Meine Tränen färben meine Gesicht ab.“ Okay – hier hast Du mich erwischt. Ich weiß nicht, ob es diese Bedeutung von ab-färben (Farbe abwaschen) im Deutschen gibt. Wenn nicht, ist es eine geniale Wortspielerei, die Du keinesfalls ändern solltest.

(4) Soll es so sein, dass „jemand“ eine „sie“ ist? Ansonsten wäre „er“ besser, da „jemand“ maskulin ist, sofern man das Geschlecht der Person nicht kennt.

(5) Wieder so ein Fall. Eigentlich wäre ein „ist“ anstelle des „kommt“ korrektes Deutsch, die mehrfache Bedeutung von kommt (kommt heran, kommt mir vor, bekommt mir etc.) macht diesen „Fehler“ aber zu einer Bereicherung. Ich würde es so lassen.

(6) Ich bin nicht sicher, ob Du „grölen“ (das tun zum Beispiel lautstarke Betrunkene), „grollen“ (ein fernes Gewitter, ein tiefer, rollender Ton), oder „gellen“ (sehr lauter, heller Ton) meinst.

(7) Alternativ: „zerbrochen“

(8) Hier ist mir nicht genau klar, was Du im Original meinst, mein Vorschlag ist eine Interpretation.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You

Fitnat
Prometheus
Beiträge: 358
Registriert: 25.02.2004, 17:06

Re: Flasche

Beitragvon Fitnat » 19.08.2004, 18:04

Danke, danke sehr, :thanx: ich habe mich echt sehr gefreut das euch dieses text gut gefallen hat.

Ich nehme jetzt die überarbeitung von Razor und Dirk susammen :-) und schreibe den Text erneut. Erstmal die von Razorback:


Flasche

Ich bin in einer tiefer Flasche, drinnen (1). Gut erklärt danke!

Während ich tastend einen Ausgang suche, fühle ich, dass ich um meine eigene Achse drehe.
„Draußen“ ist unscharf und surreal. Als ob ich durch eine Lupe schauen würde.
An den Seitenwänden klebend, versuche ich, mich hoch zu ziehen... vergebens...

Es ist nicht das erstes Mal, dass ich hinfalle. Jedes Mal vertieft sich der Flaschenboden noch weiter, unten. Jedes Mal ist es noch dunkler.

Draußen mischen sich die künstliche Farben ineinander. Ersteinmal denke ich daran, aufzugeben. (2) gemeint ist Zum Ersten Mal, Allererstesmal.
Ich entschließe mich, mich an der Stelle, an der ich umgefallen bin, wieder aufzurichten.
Ich atme nicht einmal. In der Flasche riecht es auf unerträgliche Weise nach mir.

Sitzend beginne ich, das Außerhalb der Flasche zu betrachten. Als ob ich eine Theaterbühne aus der Kulisse betrachten würde.
Die Darsteller spielen ihre Rollen.
Manche spielen ihr eigenes Leben, manche das Leben von einem Anderen. Einige wiederum tun so, als ob sie meine Rolle zu spielen versuchten, aber es gelingt ihnen nicht.

Ich will schreien: „Das war meine Rolle!“ Im Echo kehrt meine Stimme zu mir zurück.
Ich klammere mich hinter der Bühne an den Bühnenvorhang. Meine Vorstellungskraft bringt mich nicht allzuviel weiter.
Ich versuche, so auszusehen und so zu tun, als ob ich meinen Auftritt erwarten würde. Ich bete zum Herrn, dass meine Schminke nicht verwischt... Er hört mich nicht...
Meine Tränen färben meine Gesicht ab. (3) weiss ich auch nicht wie das bei deutsch ist. Ok. ich ändere es nicht J Meine Wimpern, meine Augen, meine Nase, meine Lippen gleiten durch mein Gesicht, als Brei herunter.

Eine Stimme fragt mich: „Sind sie noch nicht dran?“ „Gleich, gleich ist es so weit“, will ich antworten, suche panisch nach meinen Lippen, in dem Breimatsch.

Ein dünner Lichtstrahl fließt in Flasche hinein. Als ob irgendwo die Sonne aufgehen würde.
Jemand nimmt die Flasche in die Hand und schüttelt sie heftig hin und her. Nach einiger Zeit stellt sie (4) ja, ich meinte natürlich er die Flasche neben die anderen Flaschen hin.

„Mein größter Wunsch war immer, ein Taucher zu werden“ , sagt eine Stimme aus einer der anderen Flaschen. „Deswegen bin auch hier, aber das Meer ist mittlerweile sehr weit zurück geblieben.“
Von draußen drängt Lärm hinein. Menschen verursachen Lärm, während sie ihre Leben leben.
Ihr Krach kommt (5) kommt sehr unerträglich vor- ist das besser? sehr unerträglich.

In der Flasche herrscht eine dumpfe Stille
Ich frage den Taucher, ob er es jemals versucht hat. „Klar, habe ich,“ antwortete er, „aber sieh doch, meine Flasche hat keinen Boden mehr, ich fürchte mich sehr, noch tiefer zu fallen.“

Plötzlich gellt (6) wie eine Flasche beim zerbrechen einen gereusch von, keine ahnung gellt ist gut denke ich sich gibt von Außen ein krachender Lärm. Es war eine Flasche, die zerbrach.
Aus den Scherben schreit einer heraus. Ich versuche, hin zu schauen, aber ich sehe nichts.
Zwischen ineinander verwischten Farben grinst Rot krachend hervor. Was für eine Rot! Gleich dem Rot der Sonne, die untergehend eintaucht.

„Meine Flasche, meine Flasche! Sie ist gebrochen!!!“ (7) „zerbrochen“ ist richtig gewesen, wiso fellt mir so etwas nicht von alleine ein L schreit eine Stimme. „Ich bin frei, nun frei!“ Der Taucher zuckt und versteckt sich in einer tiefen Ecke seiner Flasche.
„Ich hoffe meine Flasche ist stabil“, sagt er ängstlich, ohne geringste Kenntnis von den bunten Fischen.

Plötzlich klopft einer mit der Faust gegen meine Flaschenwände. Es ist die Freiheit, die ihr Gesicht auf meine Flasche hin klebte. Die Dimension der Freiheit, die durch die Lupe eintritt, sieht ungeheuerlich grotesk aus. Ich wende meine Blicke, damit ich ihre Augen mit den geplatzten Adern nicht sehe. Ich sage ihr: „Bettle, wo anders, hier gibt’s nichts zu holen.“
Der Tür öffnet sich. Die Freiheit wird unter einem Springerstiefel zerquetscht.
„Sei Gott mit dir, du Wildes Tier.“


Meine Herzschläge schlagen außer Takt, wie eine Kapelle, die ihren Rhythmus noch nicht im Griff hat, während sie zur offiziellen Bürgerparade marschiert... (8) während sie -also die Herzschläge versteht sich- den offiziellen Parade für Bürger vor sich hinmarschieren. Da war gemeint, ohne selbst zu wollen etwas tun, nur weil es so üblich ist. Vielleicht irritiert dich das Wort Bürger ich habe dieses Wort ausgesucht weil die bedeutung für Bürger ist in der Türkei wie eine Schaf ist alles tut was man sagt. Ohne eigene wille
Ich sehe mir die Öffnung der Flasche genauer an. Eigentlich, mit ein bißchen Mühe, könnte ich es schaffen...

Jetzt beide verbesserungsvorschläge zusammen J so schaut das fertige Text dann auch aus.

Die Flasche

Ich bin in einer tiefer Flasche, drinnen.
Während ich tastend nach einem Ausgang suche, merke ich, dass ich um meine eigene Achse drehe.

Draußen ist alles unscharf und surreal. Als ob ich durch eine Lupe schauen würde. An den Seitenwänden klebend, versuche ich mich hochzuziehen... vergebens...

Es ist nicht das erstes Mal, dass ich hinfalle. Jedes mal vertieft sich der Flaschenboden noch weiter. Jedes mal ist sie noch dunkler.

Draußen mischen sich künstliche Farben ineinander. Zum ersten Mal denke ich daran, aufzugeben.
Ich entschließe mich, an der Stelle, wo ich umgefallen bin, mich wieder aufzurichten.
Ich atme nicht einmal. In der Flasche riecht es unerträglicher Weise nach mir.

Sitzend beginne ich, das Außerhalb der Flasche zu betrachten. Als ob ich eine Theaterbühne von der Kulisse aus betrachten würde.
Die Darsteller spielen ihre Rollen.
Manche spielen ihr eigenes Leben, manche das Leben von einem anderen. Einige wiederum tun so, als versuchten sie, meine Rolle zu spielen. Aber es gelingt ihnen nicht.

Ich will schreien: „Das ist meine Rolle!“ Im Echo kehrt meine Stimme zu mir zurück.
Ich klammere mich hinter der Bühne an den Bühnenvorhang. Meine Vorstellungskraft bringt mich nicht allzu weit.
Ich versuche so auszusehen und so zu tun, als ob ich auf meinen Auftritt warten würde. Ich bete zum Herrn, dass meine Schminke nicht verwischt... Er hört mich nicht...
Meine Tränen färben mein Gesicht ab. Meine Wimpern, meine Augen, meine Nase, meine Lippen gleiten an meinem Gesicht als Brei herunter.

Eine Stimme fragt mich: „Sind sie noch nicht dran?“ „Gleich, gleich ist es so weit!“, will ich antworten, und suche panisch nach meinen Lippen in dem Breimatsch.

Ein dünner Lichtstrahl fließt in die Flasche hinein, als ob irgendwo die Sonne aufgehen würde.
Jemand nimmt die Flasche in die Hand und schüttelt sie heftig hin und her. Nach einiger Zeit stellt er sie hin - neben die anderen Flaschen.

„Mein größter Wunsch war es immer, ein Taucher zu werden“ , sagt eine Stimme aus einer der anderen Flaschen. „Deswegen bin auch hier, aber das Meer ist mittlerweile sehr weit zurückgeblieben.“
Von draußen drängt Lärm hinein. Menschen verursachen Lärm, während sie ihre Leben leben.

Ihr Krach kommt unerträglich vor. Ist das ok. so?

In den Flaschen herrscht eine dumpfe Stille.
Ich frage den Taucher, ob er es jemals versucht hat. „Klar habe ich“, antwortet er, „aber sieh doch - meine Flasche hat keinen Boden mehr, ich fürchte mich sehr, noch tiefer zu fallen.“

Plötzlich brandet außen gegen das Glas ein krachender Lärm. Es war eine Flasche, die zerbrach.
Aus den Scherben schreit einer heraus. Ich versuche hinzuschauen, aber ich sehe nichts.
Zwischen ineinander verwischten Farben grinst es rot hervor. Was für eine Rot! Gleich dem Rot der Sonne, die untergehend eintaucht.

„Meine Flasche, meine Flasche! Sie ist gebrochen!!!“, schreit eine Stimme. „Ich bin frei, frei!“ Der Taucher zuckt und versteckt sich in einer tiefen Ecke seiner Flasche.
„Ich hoffe meine Flasche ist stabil“, sagt er ängstlich, ohne geringste Kenntnis von den bunten Fischen.

Plötzlich klopft jemand mit der Faust gegen meine Flaschenwände. Es ist die Freiheit, deren Gesicht an meiner Flasche klebt. Die Dimension der Freiheit, die durch die Lupe eintritt, sieht ungeheuerlich grotesk aus. Ich wende meinen Blick ab, damit ich ihre Augen mit den geplatzten Adern nicht ertragen muss. Ich sage zu ihr: „Bettle woanders, hier gibt es nichts zu holen.“
Die Tür öffnet sich. Die Freiheit wird unter einem Springerstiefel zerquetscht.

„Sei Gott mit Dir, du wildes Tier.“

Mein Herzschlag ist aus dem Takt wie eine Kapelle, die den Rhythmus noch nicht im Griff hat. Während die Offizielle Bürger Parade schon losmarschiert... keine ahnung wie ich es in dem obengenannte sinn verändern könnte L

Ich sehe mir die Öffnung der Flasche genauer an. Eigentlich - mit ein bisschen Mühe - könnte ich es schaffen...


Ich habe Euch Lieb :kiss:


Fitnat
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"

F.A. "Tanz des Todes"

Silentium
Mnemosyne
Beiträge: 2771
Registriert: 24.05.2003, 17:50

Re: Flasche

Beitragvon Silentium » 23.08.2004, 02:31

*laut schrei* :
KÖNNTE BITTE JETZT JEMAND MÜLL POSTEN?

Jetzt arbeite ich mich durch eure Texte und jeden muss ich loben und werd dabei schon so schrecklich unglaubwürdig. Jetzt muss ich dann mal was verreissen, fürcht ich. :-E


Fitnat: nachdem du den Text vorgelesen hast, bin ich erstmal mindestens zehn Sekunden sprachlos dagesessen. Das ist für mich eine lange, lange Zeit. Ich war mir nicht sicher, ob es ein Gedicht oder ein Prosatext war. Und nach jedem Abschnitt dachte ich mir: So, dass ist die Pointe, besser kann sie doch gar nicht aufhören. Und dann war der nächste Absatz noch besser. Kriminell gut ist dass! Stell dir hier, weil mir nix gscheites einfällt, die summe aller lobreden vor, die man auf einen hochgenialen text halten könnte und betrachte sie als gehalten.

Das grad ich Rechtschreibmäßig was sag, ist ja eigentlich eine Anmaßung, aber heißt's net

Ich bin in einer tiefen Flasche, drinnen.

Aber eigentlich ist's zu spät für Rechtschreibsuche, drum lass ich's. :-D


Lieblingsstelle:
„Sei Gott mit Dir, du wildes Tier.“
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon

Fitnat
Prometheus
Beiträge: 358
Registriert: 25.02.2004, 17:06

Re: Flasche

Beitragvon Fitnat » 30.08.2004, 20:41

hier die letzte verbesserung. kann ich es jetzt so lassen, oder gibt da irgendwo einen fehler? vielleicht sende ich es ja irgendwo in weiten onlinewelt ;-) wollt ihr doch nicht noch einmal eine auge werfen.




Die Flasche

Ich bin in einer tiefen Flasche, drinnen.
Während ich tastend nach einem Ausgang suche, merke ich, dass ich um meine eigene Achse drehe.

Draußen ist alles unscharf und surreal. Als ob ich durch eine Lupe schauen würde. An den Seitenwänden klebend, versuche ich mich hochzuziehen... vergebens...

Es ist nicht das erstes Mal, dass ich hinfalle. Jedes mal vertieft sich der Flaschenboden noch weiter. Jedes mal ist sie noch dunkler.

Draußen mischen sich künstliche Farben ineinander. Zum ersten Mal denke ich daran, aufzugeben.
Ich entschließe mich, an der Stelle, wo ich umgefallen bin, mich wieder aufzurichten.
Ich atme nicht einmal. In der Flasche riecht es unerträglicher Weise nach mir.

Sitzend beginne ich, das Außerhalb der Flasche zu betrachten. Als ob ich eine Theaterbühne von der Kulisse aus betrachten würde.
Die Darsteller spielen ihre Rollen.
Manche spielen ihr eigenes Leben, manche das Leben von einem anderen. Einige wiederum tun so, als versuchten sie, meine Rolle zu spielen. Aber es gelingt ihnen nicht.

Ich will schreien: „Das ist meine Rolle!“ Im Echo kehrt meine Stimme zu mir zurück.
Ich klammere mich hinter der Bühne an den Bühnenvorhang. Meine Vorstellungskraft bringt mich nicht allzu weit.
Ich versuche so auszusehen und so zu tun, als ob ich auf meinen Auftritt warten würde. Ich bete zum Herrn, dass meine Schminke nicht verwischt... Er hört mich nicht...
Meine Tränen färben mein Gesicht ab. Meine Wimpern, meine Augen, meine Nase, meine Lippen gleiten an meinem Gesicht als Brei herunter.

Eine Stimme fragt mich: „Sind sie noch nicht dran?“ „Gleich, gleich ist es so weit!“, will ich antworten, und suche panisch nach meinen Lippen in dem Breimatsch.

Ein dünner Lichtstrahl fließt in die Flasche hinein, als ob irgendwo die Sonne aufgehen würde.
Jemand nimmt die Flasche in die Hand und schüttelt sie heftig hin und her. Nach einiger Zeit stellt er sie hin - neben die anderen Flaschen.

„Mein größter Wunsch war es immer, ein Taucher zu werden“ , sagt eine Stimme aus einer der anderen Flaschen. „Deswegen bin auch hier, aber das Meer ist mittlerweile sehr weit zurückgeblieben.“
Von draußen drängt Lärm hinein. Menschen verursachen Lärm, während sie ihre Leben leben.

Ihr Krach kommt unerträglich vor. Ist das ok. so?

In den Flaschen herrscht eine dumpfe Stille.
Ich frage den Taucher, ob er es jemals versucht hat. „Klar habe ich“, antwortet er, „aber sieh doch - meine Flasche hat keinen Boden mehr, ich fürchte mich sehr, noch tiefer zu fallen.“

Plötzlich brandet außen gegen das Glas ein krachender Lärm. Es war eine Flasche, die zerbrach.
Aus den Scherben schreit einer heraus. Ich versuche hinzuschauen, aber ich sehe nichts.
Zwischen ineinander verwischten Farben grinst es rot hervor. Was für eine Rot! Gleich dem Rot der Sonne, die untergehend eintaucht.

„Meine Flasche, meine Flasche! Sie ist gebrochen!!!“, schreit eine Stimme. „Ich bin frei, frei!“ Der Taucher zuckt und versteckt sich in einer tiefen Ecke seiner Flasche.
„Ich hoffe meine Flasche ist stabil“, sagt er ängstlich, ohne geringste Kenntnis von den bunten Fischen.

Plötzlich klopft jemand mit der Faust gegen meine Flaschenwände. Es ist die Freiheit, deren Gesicht an meiner Flasche klebt. Die Dimension der Freiheit, die durch die Lupe eintritt, sieht ungeheuerlich grotesk aus. Ich wende meinen Blick ab, damit ich ihre Augen mit den geplatzten Adern nicht ertragen muss. Ich sage zu ihr: „Bettle woanders, hier gibt es nichts zu holen.“
Die Tür öffnet sich. Die Freiheit wird unter einem Springerstiefel zerquetscht.

„Sei Gott mit Dir, du wildes Tier.“

Mein Herzschlag ist aus dem Takt wie eine Kapelle, die den Rhythmus noch nicht im Griff hat. Während die Offizielle Bürger Parade schon losmarschiert... keine ahnung wie ich es in dem obengenannte sinn verändern könnte L

Ich sehe mir die Öffnung der Flasche genauer an. Eigentlich - mit ein bisschen Mühe - könnte ich es schaffen...
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"

F.A. "Tanz des Todes"

Surjaninov
Klio
Beiträge: 542
Registriert: 20.12.2003, 21:06

Re: Flasche

Beitragvon Surjaninov » 30.08.2004, 20:53

Hallo Fitnat

Ein paar Dinge hab ich gefunden.


"Ich bin in einer tiefen Flasche, drinnen."

- Das "drinnen" kannst du weglassen. Ist überflüssig und liest sich nicht schön

"Ich entschließe mich, an der Stelle, wo ich umgefallen bin, mich wieder aufzurichten."

- Lieber : "Ich entschließe mich, an der Stelle, an der ich umgefallen bin, mich weider aufzurichten."

"Breimatsch."

- Doppelt gemoppelt. Brei und Matsch ist hier eh fast das selbe.

"Ihr Krach kommt unerträglich vor"

- "Ihr Krach kommt mir unerträglich vor"


Also bis auf diese Paar Sachen gefällt mir die Geschichte. Besonders in der ersten Hälfte ist sie richtig gut! Zum Ende ist sie, für meinen Geschmack, etwas schwächer.
Aber das fällt nicht sehr ins Gewicht.

Am Anfang nämlich wusste ich nicht ob es einfach nur auf einer Theaterbühne spielt. Oder nicht. Das ist klasse! :-)

lg
Surja

razorback
Phantasos
Beiträge: 1983
Registriert: 10.09.2002, 20:36
Wohnort: Leverkusen
Kontaktdaten:

Re: Flasche

Beitragvon razorback » 30.08.2004, 21:13

- Das "drinnen" kannst du weglassen. Ist überflüssig und liest sich nicht schön


:-E

Nein, das "drinnen" solltest Du - wie gesagt - unbedingt drin lassen. Es betont für mich den in diesem Text so wichtigen Unterschied zwischen drinnen und draußen. Einer dieser Punkte, von denen ich denke, dass sie einem deutschen Autor nicht eingefallen wären. Ebenso:

"Breimatsch."


Die Doppelung wirkt betonend und verstärkend. Ausserdem ist Brei nicht das selbe wie Matsch. Schonmal Matsch gegessen? ;-) Die Assoziation ist eine andere.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You

Surjaninov
Klio
Beiträge: 542
Registriert: 20.12.2003, 21:06

Re: Flasche

Beitragvon Surjaninov » 30.08.2004, 21:19

Ja, Brei und Matsch sind nicht gleich. Aber hier. Es geht ja um die Schminke. Und die kann man nicht essen. Also steht es für das Gleiche. Und dann ist es eine Doppelung. Und ein unschönes Wort. Es klingt, tut mir leid so kindisch.


"Ich bin in einer tiefen Flasche, drinnen."

- Also wenn das schon unbedingt sein muss. Ich weiß ja nicht... Dann würd ichs umstellen.: " Ich bin drinnen, in einer tiefen Flasche.
Aber das ganze ist auch wieder doppelt gemoppelt. Und äh drinnen, naja...

---

Das ist hier wohl der Zankapfel...
:-D :-D

razorback
Phantasos
Beiträge: 1983
Registriert: 10.09.2002, 20:36
Wohnort: Leverkusen
Kontaktdaten:

Re: Flasche

Beitragvon razorback » 30.08.2004, 21:39

Okay, zanken wir: :-D

Ich habe in meiner Bearbeitung ein Komma gesetzt, um das "drinnen" zu betonen. Denkbar wäre auch ein Gedankenstrich.

Ich bin in einer tiefen Flasche (-) drinnen.

Ist etwas Anderes als

Ich bin in einer tiefen Flasche.

Und Brei und Matsch sind (für mich, klar) hier auch nicht das Selbe - auch wenn ich durchaus verstanden habe, dass es hier um einen Schminkebrei geht, der nicht essbar ist. Matsch hat - im Gegensatz zu Brei - eine Beibedeutung von "Schmutzig, eklig", das Wort "Breimatsch" drückt für mich eine Entwicklung aus. Ich traue Fitnat durchaus zu, dass sie Ihre Worte mit Bedacht wählt.

Kann allerdings sein, daß wir an den Text unterschiedlich herangehen: Für mich war das, vom ersten Hören an, ein surrealistischer, eventuell lyrischer Text. Jedenfalls keine übliche Prosa. Da waren wir uns aber, wenn ich mich recht erinnere, schon an dem Abend an dem Fitnat ihn vorgelesen hat uneins. Selbst wenn es also Dopplungen sein sollten (was ich ja bestreite ;-) ): In einem surrealistischen oder lyrischen Text ist die Dopplung ein Stilmittel, das, finde ich absolut berechtigt ist. Die Aussage "das ist eine Dopplung" ist da für mich zunächst nicht mal ein Argument gegen eine Textstelle. Mit Prosa ist das etwas anderes. Da KANN eine Dopplung auch gut sein, ist es aber meist nicht.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You

[) i r k
O livro Admin
Beiträge: 2920
Registriert: 19.01.2002, 21:41
Wohnort: Düsseldorf

Re: Flasche

Beitragvon [) i r k » 31.08.2004, 00:54

Oder einen Punkt:
Ich bin in einer Flasche. Drinnen.

Und Breimatsch ist ein geiles Wort - weder Brei, noch Matsch allein wären sprachlich so stark. Ich mag das Wort.

Und das, was du daran "kindisch" findest, Surja, ist genau das, was ich gerade so originell finde. Das ist genau Razors Argument: Ein Deutcher Muttersprachler würde sich nie so ausdrücken, würde auf sowas nie kommen (vielleicht mal abgesehen von Meister Hilbi ;-) ), und gerade das macht das Originelle von Fitnats Stil aus. Ich glaube, desto mehr man es stilistisch glättet, desto mehr verliert es von seinem ursprünglichen Charme.

Lass dich drauf ein Surja. ;-)

MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

Fitnat
Prometheus
Beiträge: 358
Registriert: 25.02.2004, 17:06

Re: Flasche

Beitragvon Fitnat » 31.08.2004, 08:58

das mit dem gedankenstrich ist gut den nähme ich ;-) dann wird das wort genau so wie ich es wollte. was ein strich ausmacht. danke razor.
erst habe ich gedacht dreifachen punkt zu sätzen
"Ich bin in einer tiefen Flasche... Drinnen... aber dieser betohnung hält den leser für begriffstützig nicht war. aber der strich oder nur einen punkt beide sehr gut.


breimatch: das ist surealistisch klar. sie sucht ja auch in dem breimatsch ihr lippen zum sprächen. sie ist eine gefangene in ihrem gedanken. fast hat sie ihr freiheitsdrang verlohren und findet in ihre gefangenschaft erfüllung.
die übergang dorthin beschreibt die geschichte. brei ist gut, matsch ist schlächt: beide zusammen ist gemischt. ihr gesicht war zu erst einen brei also eine gute, weil sie ja noch hoffnung hatte. dann als es sie verließ wurde es zu breimatsch. sie verlohr hier ihr gesicht, nicht nur ihr schminke, das heist sich selbst was sie sich bisher angeschminkt hatte. und dann als man ihr in die tatsachen ziehen will (die frage; wann sind sie dran?) sucht sie in dem gemischtes breimatsch ihr lippen, weil sie plötzlich wieder hoffnung bekommt. hoffnung zu sprächen!


"Ihr Krach kommt unerträglich vor"

- "Ihr Krach kommt mir unerträglich vor"


oder, "Ihr Krach kommt hier unerträglich an" wie ist das? :-|



das text habe ich von türkischen so übersätzt wie es als wörter zu übersätzen ist, aber ich habe viele fehler das ist mir klar. mansche ist vielleicht gewollt, wie drinnen aber erlich gesagt um wortspiele zu machen reicht wiederrum mein deustch nicht aus.

sehr schwer so was :-| auf jedenfall mit eure verbesserungsvorschläge bin ich überaus glücklich, die wortspiele ist verstanden und akzeptiert, die rechtschreibung dafür ist gemacht was will ich mehr :-)
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"

F.A. "Tanz des Todes"

Surjaninov
Klio
Beiträge: 542
Registriert: 20.12.2003, 21:06

Re: Flasche

Beitragvon Surjaninov » 31.08.2004, 19:58

"Ihr Krach kommt hier unerträglich an" wie ist das? :-|


Geht auf jeden Fall auch.

"Ihr Krach ist hier unerträglich" - würde auch gehen.

Musst mal gucken.

lg
Surja

Fitnat
Prometheus
Beiträge: 358
Registriert: 25.02.2004, 17:06

Re: Flasche

Beitragvon Fitnat » 12.01.2007, 11:22

Sorry!
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"

F.A. "Tanz des Todes"


Zurück zu „Texte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 6 Gäste