werter h.eiter,
nein, die dohle (kafka) ist heute nacht nicht erschienen.
ich möchte noch etwas anmerken: ich schrieb, dass ich in einem forum wie diesem ein gedicht, das offensichtlich eingestellt wurde, um kritik zu erhalten & um vom autor daraufhin eventuell verbessert/verändert zu werden, durchaus auch über den puren text hinaus bewerten kann - also auch nach den "intentionen" des autors, sofern dieser selbige preisgibt. ebenso interessiert mich, wie lange er an dem text arbeitete: ich nütze dann für meine kritik alle informationen, die ich erhalte. es geht hier um ein werk, das sich noch im progress befindet, zudem findet die arbeit am text "im augenblick" statt, die intentionen können noch nicht verfälscht werden durch die verstreichende zeit.
was werke der weltliteratur anbelangt ... würde heute bspw. kundera über die entstehung vom "scherz" schreiben, dann hätte ich meine vorbehalte gegen seine aussagen: er sieht nicht mehr die intentionen von damals, sondern seine vorstellungen der intentionen, die er damals gehabt zu haben glaubt. einfacher fände ich aufzeichnungen, die zeitgleich zur niederschrift entstanden sind. (hier betritt man ein gebiet, das dem der "geschichtswissenschaft" sehr verwandt ist ...)
denn die zeitgeschichtlichen bemerkungen eines autors zu seinem text sind weniger gefiltert und auch verfälscht durch das, was später kam ... wenn ich nun aber den alten kundera über die intentionen des jungen kunderas reflektieren höre, dann habe ich gleich mehrfache reflexionsleistungen zu erbringen:
a.) ich sollte das werk kennen, über welches er reflektiert.
b.) ich sollte seine biografie kennen, um beurteilen zu können, ob seine reflexion verfälscht wurde oder nicht.
c.) ich sollte auch wissen, ob er heute überhaupt noch klar denken kann ...

... und es gäbe gewiss noch einige weitere ds, es, fs ... ja ich könnte in alle ewigkeit neue informationen zu dem thema sammeln, und jedes puzzlestück hätte durchaus bedeutung.
mehr wissen = mehr wissen, stimmt diese rechnung?
worauf ich hinauswill: wenn ich anfange, die intentionen zu erforschen, springe ich in eine metareflexion hinein. und ich kann in immer noch verstiegenere metareflexionen hineinspringen, was womöglich ein "mehr an wissen" erzeugt. wird aber dadurch nicht das werk immer kleiner? erdrückt in solch einem fall nicht dieser biografie-reflexions-aspekt das eigentliche werk?
ich polemisiere mal: shakespeare hatte vielleicht darmstörungen, weshalb er schlecht schlief und verrückt träumte - haben also darmstörungen sein werk erst in dieser form ermöglicht ...? <- auch das gehört zu dem "mehr an wissen".
wohl halte ich es hier (ausnahmsweise) biblisch: an seinen werken sollte der autor gemessen werden (und nicht an seiner verdauung).
was dann sogar heißen darf: wenn ich einen autor lese, der heute genauso dichtet wie shakespeare, dann ist das kein plagiat, sondern ein werk, sofern der dichter nicht behauptet, das werk sei von shakespeare. der herr kujau war ein recht guter maler - nur war er so dumm, die werke nicht als die eigenen auszugeben; bzw. sich bei seinem betrug erwischen zu lassen ...