Die Fotos werden online zur Verfügung stehen
...aber ohne Namen, nur mit Nummern. Und charis, AES und die anderen lieben daheimgebliebenen dürfen dann Tipps abgeben, wer wer ist... nursonvorschlag.
Aber, bevor die jetzt den falschen Eindruck vom Abend bekommen, werde ich sagen, wie es wirklich war:
O livro- die nackte Wahrheit Bestseller
Es herrschte Krisenstimmung in der Zentrale der „Ligamitglieder zur Erhaltung des Guten Anstands“. Schließlich, nach langen Verhandlungen, Debatten und vier Mahlzeiten, war man noch immer zu keinem Ergebnis gekommen.
Die Vorsitzende, Fräulein Ottilie Dotter, ihres Zeichens Herausgeberin der Zeitschrift „Mein Gartenzwerg und Ich“ räusperte sich laut, um diejenigen Ligamitglieder, die auf ihren Unterlagen in sanften Schlummer gefallen waren, möglichst taktvoll aufzuwecken:
„Meine Herren, ich denke, in einem Punkt sind wir uns einig: Verwahrloste, Jugendliche, die sich ihren Erziehungsberechtigten widersetzen und damit auch noch durchkommen- wenn wir so etwas nicht mit gegebener Strenge bekämpfen, wird das ein unübersehbares Zeichen sein.“
Der Schatzmeister, der sich seit einem Anfall von Lokalpatriotismus nur noch „Hintertupfingern“ nannte, nickte bedächtig: „Soweit ich unterrichten bin, laufen sie sogar bewaffnet herum!“ Er wirkte erschüttert.
Fräulein Dotter die Lippen zusammen und gab ein kleines Geräusch von sich, mit dem sie gleichzeitig die Feigheit des Schatzmeister tadelte und ihm Recht gab.
„Dazu kommt, dass Sie nicht in die Kirche gehen wie fromme Christenmenschen, stattdessen frönen sie sich okkulten Ritualen!“ Sie schaffte es, das Wort okkult so auszusprechen, als hätte es acht Silben.
Der Pressesprecher Kränklich, ein Beamter, der in seiner Freizeit mit Vorliebe Countrylieder trällerte, und zwar nur noch im Besitz von insgesamt sieben Haaren war, die aber mit hingebungsvoller Liebe pflegte, schaltete sich ein: „Wer weiß, ob das nicht Satanisten sind! Bei dem Umgang, den sie pflegen! Vom Hörensagen her, heißt das…“
Mr. Tonic, aus Amerika ausgewandert und Polizist, der sich im Moment wegen einer Arachnophobie in psychatrischer Behandlung befand, fasste schließlich zusammen: „Well, es scheint klar. Harry Potter ist eine Gefahr für die Moral unserer Gesellschaft! Die Frage der Fragen ist: Was tun wir dagegen?“
„Wir könnten eine Tombola veranstalten. Wenn ich die Damen vom Häkelkränzchen…“
begann Fräulein Ottilie.
M. Wildschwein, mit zwölf das jüngste Mitglied der Liga, der Enkel des Fräuleins, schaltete sich hier zum ersten Mal ein: „Und was tust du dann mit dem Geld? Die gesamte Auflage aufkaufen? Einen gedungenen Mörder auf die Autorin ansetzen? Einen Politiker bestechen, damit das Buch weltweit verboten wird? Das scheint mir ein bisschen… unrealistisch“
„Ach ja?“, keifte die Tante: „Was schlägst du stattdessen vor, du grünschnäbeliger… äh… Grünschnabel? Du kannst kaum einen Regenschirm hochheben und schon meinst du, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben!“
Verschiedene Vorschläge kamen aus den Reihen der Mitglieder.
„Wie wäre es mit einer Märchenlesung?“, erkundigte sich eine Stimme aus der Menge, die nicht genauer lokalisiert werden konnte „Mit Geschichten mit Moral und Anstand wird man doch dem schändlichen Einfluss dieses… wasweisich… entgegenwirken können?“
„Wir könnten Kakao ausschenken! Kakao hat noch nie jemandem geschadet und wenn sie alle Kakao trinken, denken sie sicher gar nicht mehr daran, so verwerfliche Literatur zu lesen.“
„Und was, wenn ich meinem Kanarienvogel beibringe, „Nursongefühl, Nursongefühl“ zu sagen? Das macht sicher auch Eindruck und lenkt ab. Er ist ja ein so süßer kleiner Piepmatz! Das wird den Kindern gefallen!“
Fräulein Gelb breitete die Arme in einer umfassenden Geste aus: „Feuer muss man mit Feuer bekämpfen!“
In den Augen von Herren Kränklich leuchtete etwas auf: „Das ist gut! Von meinem Großvater hab ich noch irgendwo Daumenschrauben im Keller und so teuer kann so ein Scheiterhaufen…“
Der kleine Wildschwein seufzte demonstrativ: „Das war eine Metapher. Ich denke… was, wenn ein Buch erscheinen würde… das Harry Potter ablöst? So schwer kann das doch nicht sein, so etwas zu schreiben, denke ich… immerhin kann die Autorin ja nicht einmal Deutsch! Was meinst du, Oma?“
Fräulein Ottilie klatschte in die Hände: „Aber ja! Dann kann man das spicken mit erbaulichen Schriften, Bibelzitaten und moralischen Merksätzen! Wie schön!“
Hintertupfinder räusperte sich vernehmlich: „Aber, wer von uns soll das dann schreiben? Kann irgendjemand von uns schreiben? Ich habe das einmal probiert, vor ein paar Jahren. Das waren so viele Worte! Nach einer halben Stunde musste ich aufhören, weil meine Nerven nicht mehr mitgespielt haben.“
„Und…“, begann Kränklich vorsichtig „Sollten wir dafür nicht vielleicht wissen, worum es in Harry Potter geht? Damit wir nicht aus versehen das falsche Schreiben?“
„Guter Ansatz“, Fräulein Dotter nickte: „Also, meine Herrschaften, Freiwillige vor. Erklärt sich jemand bereit, das Buch zu lesen?“
Der Rest war Schweigen. Man hat uns eines Seniorenwohnheimes verwiesen und Manchester hat gegen Liverpool gewonnen, auch wenn wir nicht absolut sicher sind, in welcher Sportart überhaupt.
Grüße, Silentium-die-bestätigt-dass-alles-gelogen-war-bis-auf-den-letzen-Satz-der-Geschichte.
P.S. Entschuldigt, bin heute schrecklich überdreht. Da werd ich dann immer albern...
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon